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Der 1. Brief des Johannes: Einführung und alle 5 Kapitel

Der 1. Johannesbrief hat 5 Kapitel und wird traditionell dem Evangelisten Johannes zugeschrieben. Er entstand wahrscheinlich gegen Ende des 1. Jahrhunderts, spätestens um 110, und warnt vor einer Gruppe, die sich von der Gemeinde getrennt hatte. Bekannt ist er für die Sätze "Gott ist Licht" und "Gott ist Liebe".

Eine kleine Öllampe aus Ton leuchtet in der Dämmerung auf einer dunklen Fensterbank aus Stein und erhellt einen dämmrigen Raum
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Der 1. Johannesbrief hat weder Absender noch Empfänger noch Gruß. Er beginnt mit einem Satz über das, was der Schreiber gehört und gesehen hat: "Das da von Anfang war, das wir gehört haben, das wir gesehen haben mit unsern Augen" (1,1) [3]. Danach kreist er um wenige Themen: Licht und Finsternis, Sünde, die Liebe untereinander und die Frage, wer Jesus ist. Aus diesem Brief stammt der Satz "Gott ist Liebe" (4,8). Er warnt auch vor den "Widerchristen", wie Luther das griechische Wort für Antichrist übersetzt [1, 3]. Die fünf Kapitel stehen hier in der Lutherbibel von 1912, jedes auf einer eigenen Seite.

Wer den Brief geschrieben hat

Der Brief nennt keinen Verfasser. Die Überlieferung schreibt ihn dem Evangelisten Johannes zu, der ihn im hohen Alter in Ephesus geschrieben haben soll [1, 2]. Die Sprache und die Bilder, besonders das Bild vom Licht, erinnern an das Johannesevangelium. Wikipedia hält es für möglich, dass dahinter eine johanneische Schule steht und Brief und Evangelium von verschiedenen Verfassern stammen [1]. Als Beispiel nennt Wikipedia, dass der Brief Gott mit dem Licht gleichsetzt (1,5), während das Evangelium Christus das Licht nennt (Johannes 8,12) [1].

Nach der englischen Wikipedia nehmen die meisten Forscher heute an, dass die drei Johannesbriefe vom selben Verfasser stammen. Ob er auch das Evangelium schrieb, ist nicht geklärt. Die meisten kritischen Forscher kommen zu dem Schluss, dass keine dieser Schriften vom Apostel Johannes selbst stammt [2].

Wann und wo er entstand

Wikipedia datiert den Brief gegen Ende des 1. Jahrhunderts, spätestens bis zum Jahr 110 [1]. Die englische Wikipedia nennt die Jahre 95 bis 110 und Ephesus als wahrscheinlichen Ort [2]. Die Stadt kommt auch in der Apostelgeschichte und in den Paulusbriefen vor, etwa im 1. Brief an die Korinther (1. Korinther 16,8) [3].

Eine breite antike Marmorstraße mit hohen Säulen und verfallenen Fassaden im weichen Morgenlicht, leer und still
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Warum der Brief geschrieben wurde

Der Anlass steht im zweiten Kapitel. Eine Gruppe hat die Gemeinde verlassen: "Sie sind von uns ausgegangen, aber sie waren nicht von uns" (2,19) [3]. Der Schreiber nennt sie Widerchristen und sieht darin ein Zeichen: "Kinder, es ist die letzte Stunde!" (2,18). Was sie lehrten, deutet er an: "Wer ist ein Lügner, wenn nicht, der da leugnet, daß Jesus der Christus sei?" (2,22) [3]. Wikipedia nennt den Brief deshalb einen Mahnbrief gegen eine Lehre, die die Gottheit des Sohnes leugnete. Vielleicht waren die Gegner Anhänger des Kerinth, typische Lehren des Kerinth fehlen aber im Brief [1].

Ein Sonnenstrahl fällt durch ein schmales Fenster in einen dunklen Gewölberaum aus Stein, Staub glitzert im Licht
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In Kapitel 4 gibt der Brief ein Merkmal an, an dem man den Geist Gottes erkennen soll: "ein jeglicher Geist, der da bekennt, daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist von Gott" (4,2) [3]. Die englische Wikipedia sieht darin eine Abgrenzung vom Doketismus, also der Lehre, Christus habe nur scheinbar einen menschlichen Körper gehabt [2]. Nach dem New Jerome Biblical Commentary, den sie zitiert, ging es um eine Spaltung innerhalb der johanneischen Gemeinde selbst [2].

Aufbau des Briefes

Ernest DeWitt Burton beschrieb den Gedankengang als Kreisbewegung, bei der dieselben Gedanken wiederkehren und langsam weitergeführt werden. Viele Sätze stehen ohne verbindende Wörter nebeneinander [2]. Die folgende Tabelle ordnet die Kapitel deshalb nach ihren Hauptthemen [3]:

KapitelHauptthemenBekannte Stellen
1Das Wort des Lebens, Gott ist Licht, Sünde bekennen1,1; 1,5; 1,8 bis 9
2Gebote halten, die Welt nicht lieben, die Widerchristen2,15 bis 17; 2,18 bis 22
3Kinder Gottes, Liebe zum Bruder3,1; 3,15 bis 18
4Die Geister prüfen, Gott ist Liebe4,1 bis 3; 4,8; 4,16; 4,18 bis 19
5Glaube, die drei Zeugen, Sünde zum Tode5,4; 5,7 bis 8; 5,16 bis 17

Inhalt im Überblick

Licht und Sünde (Kapitel 1 bis 2)

Die erste Botschaft lautet, "daß Gott Licht ist und in ihm ist keine Finsternis" (1,5) [3]. Wer behauptet, mit Gott Gemeinschaft zu haben, aber "in der Finsternis" lebt, lügt (1,6). Gleich danach warnt der Brief vor der Annahme, ohne Sünde zu sein: "So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns" (1,8). Wer seine Sünden bekennt, dem vergibt Gott (1,9) [1, 3]. Kapitel 2 redet die Leser als "Meine Kindlein" an (2,1), ermahnt sie, Gottes Gebote zu halten, und warnt vor der Liebe zur Welt: "Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist" (2,15) [3].

Kinder Gottes (Kapitel 3)

Kapitel 3 beginnt mit dem Ausruf "Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt, daß wir Gottes Kinder sollen heißen!" (3,1) [3]. Dann stellt es zwei Gruppen gegenüber: "Daran wird's offenbar, welche die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels sind" (3,10). Wikipedia beschreibt dieses Weltbild als zwiegespalten [1]. Das Merkmal ist die Liebe zum Bruder. Der Brief verschärft das bis zu dem Satz "Wer seinen Bruder haßt, der ist ein Totschläger" (3,15) und fordert Liebe in der Tat: "Meine Kindlein, laßt uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit" (3,18) [3].

Gott ist Liebe (Kapitel 4)

Kapitel 4 beginnt mit der Mahnung "prüfet die Geister, ob sie von Gott sind" (4,1). Dann folgt der bekannteste Abschnitt des Briefes. Zweimal steht hier der Satz über Gott und die Liebe, bei Luther 1912 in zwei Fassungen: "Wer nicht liebhat, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe" (4,8) und "Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm" (4,16) [1, 3]. Weiter heißt es: "Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die völlige Liebe treibt die Furcht aus" (4,18) und "Lasset uns ihn lieben; denn er hat uns zuerst geliebt" (4,19) [3]. Wer behauptet, Gott zu lieben, und seinen Bruder hasst, ist nach 4,20 ein Lügner.

Glaube und Zeugnis (Kapitel 5)

Kapitel 5 verbindet Liebe und Glauben: "unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat" (5,4) [3]. Es spricht von drei Zeugen für Jesus Christus, der "mit Wasser und Blut" gekommen ist (5,6 bis 8). Am Ende unterscheidet der Brief zwischen Sünden, für die man beten soll, und einer "Sünde zum Tode" (5,16), ohne zu sagen, was damit gemeint ist. Der letzte Satz lautet: "Kindlein, hütet euch vor den Abgöttern! Amen." (5,21) [3].

Das Comma Johanneum: 5,7 bis 8

An den Versen 5,7 bis 8 hängt eine lange Textgeschichte. In manchen Bibelausgaben steht dort ein Zusatz über drei Zeugen im Himmel, den Vater, das Wort und den Heiligen Geist. Dieser Zusatz heißt Comma Johanneum. Nach Wikipedia vermuten viele Ausleger, dass er ein dogmatisch begründeter Zusatz ist, der die Dreieinigkeit deutlicher machen sollte [1]. Die englische Wikipedia beschreibt ihn als Randbemerkung, die zuerst in lateinischen Übersetzungen auftauchte und im Mittelalter in den Text geriet. Die frühesten griechischen Handschriften mit dem Zusatz stammen erst aus dem 14. oder 15. Jahrhundert [1, 2, 4].

Eine Schreibfeder und ein Tintenfass neben einer gerollten Pergamentrolle auf einem alten Schreibpult am Fenster
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Erasmus von Rotterdam ließ den Zusatz in den ersten beiden Ausgaben seines griechischen Neuen Testaments weg und nahm ihn 1522 auf. Über seine Ausgabe kam er in spätere Bibeln wie die englische King-James-Bibel von 1611 [2, 4]. Luther hat ihn nicht in seine Übersetzung aufgenommen [4]. Heutige wissenschaftliche Textausgaben wie der Nestle-Aland enthalten ihn nicht [1].

Die Lutherbibel von 1912 auf dieser Website hat den Zusatz ebenfalls nicht. Ihre Verseinteilung ist dadurch eine andere als in Ausgaben mit dem Comma: Vers 7 nennt bereits die drei irdischen Zeugen, "Denn drei sind, die da zeugen: der Geist und das Wasser und das Blut" (5,7), und Vers 8 besteht nur aus den Worten "und die drei sind beisammen" (5,8) [3]. Wer eine andere Übersetzung zum Vergleich nimmt, findet dieselben Worte deshalb manchmal unter einer anderen Versnummer. Wie man Bibelstellen eindeutig angibt, erklärt die Seite Bibelstellen richtig angeben.

Die Kapitel im Überblick

Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "daß" und "haßt". Der Brief hat fünf Kapitel mit zusammen 105 Versen. Zum Einstieg eignet sich Kapitel 4. Das Wort "Widerchrist" kommt in der Lutherbibel von 1912 nur in den Johannesbriefen vor, dreimal in diesem Brief (2,18; 2,22; 4,3) und einmal im 2. Brief des Johannes (Vers 7) [3]. Auch der 3. Brief des Johannes gehört zu dieser Gruppe. Was die Bibel sonst über die Liebe zum Nächsten sagt, steht auf der Seite Nächstenliebe und das höchste Gebot. Wie das Christentum sich in den ersten Jahrhunderten ausbreitete, beschreibt geschichte.domain-root.de unter Die Ausbreitung des Christentums.

Alle Kapitel: 1. Johannes

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  1. 1. Johannesbrief. Wikipedia. Stand 31.10.2024. abgerufen am 29.10.2026
  2. First Epistle of John. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Johannine Comma. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.