Das Alte TestamentRatgeber
Das Buch Esther: Einführung und alle 10 Kapitel
Das Buch Esther hat 10 Kapitel und erzählt, wie die jüdische Königin Esther und ihr Vormund Mardochai am persischen Hof den Plan des Ministers Haman vereiteln, alle Juden im Reich zu töten. An die Rettung erinnert das Purimfest. Das Buch nennt Gott an keiner Stelle.

Ein persischer König, eine Königin, die ihre Herkunft verschweigt, und ein Minister, der per Los den Tag bestimmt, an dem ein ganzes Volk sterben soll: Das Buch Esther liest sich wie eine Hofgeschichte mit überraschenden Wendungen. Es hat 10 Kapitel und spielt in der Residenzstadt Susa, die Luther "Schloß Susan" nennt [3]. Am Ende steht die Einsetzung des Purimfests, das Juden bis heute feiern [4]. Den Bibeltext findest du hier in der Lutherbibel von 1912, deren Wortlaut gemeinfrei ist [3]. Jedes Kapitel hat eine eigene Seite, die Übersicht steht am Ende dieser Einführung.
Worum es im Buch Esther geht
Das Buch erzählt vom Leben der Juden in der Diaspora des Perserreichs. Der Hofbeamte Mardochai und die Königin Esther verhindern, dass der mächtigste Minister des Königs, Haman, alle Juden im Reich umbringen lässt [1]. Die Handlung kommt ohne Wunder aus. Sie lebt von Zufällen und Machtspielen bei Hofe, und am Ende kehrt sich alles um: Haman stirbt an dem Galgen, den er für Mardochai bauen ließ, und Mardochai bekommt Hamans Amt [1, 3].
Die Personen
Im Mittelpunkt stehen vier Figuren [1]. Dazu kommt die erste Königin Vasthi, deren Absetzung die Geschichte in Gang bringt.

| Person | Rolle im Buch |
|---|---|
| Ahasveros | König der Perser und Meder, herrscht über 127 Länder "von Indien bis an Mohrenland" (1,1) |
| Vasthi | erste Königin, verweigert sich dem König und verliert ihre Würde (Kapitel 1) |
| Esther | hebräisch Hadassa, Waise, wächst bei ihrem Vetter Mardochai auf und wird Königin (2,7 und 2,17) |
| Mardochai | Jude aus dem Stamm Benjamin, sitzt "im Tor des Königs" und deckt einen Anschlag auf den König auf (2,5 und 2,21 bis 23) |
| Haman | "der Agagiter", vom König über alle Fürsten gesetzt, Gegenspieler Mardochais (3,1) |
Der Name Ahasveros gilt als hebräische Wiedergabe des persischen Königsnamens Xerxes. Xerxes I. regierte von 486 bis 465 vor Christus [1, 2].
Aufbau des Buches
Die Handlung lässt sich in drei Teile gliedern: eine Einleitung, die eigentliche Verwicklung und einen Schluss über das Fest [2].
| Teil | Kapitel | Inhalt |
|---|---|---|
| Einleitung | 1 bis 2 | Gastmahl des Königs, Absetzung Vasthis, Esther wird Königin |
| Hauptteil | 3 bis 9,19 | Hamans Plan, Esthers Gang zum König, Sturz Hamans, Kampf am 13. Adar |
| Schluss | 9,20 bis 10,3 | Briefe über Purim, Würdigung Mardochais |
Der Alttestamentler Arndt Meinhold zählt im Buch acht Gastmähler, die sich zu vier Paaren ordnen. Jon D. Levenson stellt den Aufbau als Umkehrung dar, in der etwa der Erhöhung Hamans (3,1) die Erhöhung Mardochais (8,15) entspricht [1].
Inhalt im Überblick
Der König verstößt Vasthi (Kapitel 1 und 2)
Das Buch beginnt mit einem Fest, das "hundert und achtzig Tage" dauert (1,4). Am siebenten Tag eines weiteren Gelages lässt der König Vasthi rufen, damit er "den Völkern und Fürsten zeigte ihre Schöne", doch sie weigert sich (1,11 bis 12) [3]. Seine Berater fürchten, das Beispiel könne Schule machen, und der König setzt sie ab. Unter den jungen Frauen, die man ihm danach zuführt, ist Esther. Sie wird im siebenten Regierungsjahr Königin, verschweigt aber auf Rat Mardochais "ihr Volk und ihre Freundschaft" (2,10 und 2,16 bis 17) [3]. Mardochai erfährt in dieser Zeit von zwei Kämmerern, die den König töten wollen. Er meldet es über Esther, und die Sache wird "in die Chronik vor dem König" geschrieben (2,23) [3].

Hamans Plan (Kapitel 3 und 4)
Haman steigt zum ersten Mann nach dem König auf. Weil Mardochai als einziger nicht vor ihm niederfällt, will Haman gleich "alle Juden, so im ganzen Königreich des Ahasveros waren", vertilgen (3,6) [3]. Er lässt "das Pur, das ist das Los" werfen, und es fällt auf den zwölften Monat Adar (3,7). Der König überlässt ihm seinen Siegelring, und Boten tragen den Erlass in alle Länder (3,10 bis 13) [3].
Mardochai bittet Esther, beim König für ihr Volk einzutreten. Sie zögert, denn wer ungerufen zum König geht, muss sterben, es sei denn, der König reckt ihm das goldene Zepter entgegen (4,11). Mardochai antwortet mit einem Satz, der oft zitiert wird: "Und wer weiß, ob du nicht um dieser Zeit willen zur königlichen Würde gekommen bist?" (4,14). Esther lässt drei Tage fasten und entscheidet sich: "komme ich um, so komme ich um" (4,16) [3].
Die Wende (Kapitel 5 bis 7)
Der König empfängt Esther und reicht ihr das Zepter (5,2). Sie lädt ihn und Haman zu zwei Mahlzeiten ein. Haman lässt in der Zwischenzeit einen Galgen bauen, "fünfzig Ellen hoch", an dem Mardochai hängen soll (5,14) [3]. In derselben Nacht kann der König nicht schlafen und lässt sich aus der Chronik vorlesen. Er stößt auf Mardochais Warnung und fragt Haman, was man einem Mann tun solle, den der König ehren will. Haman glaubt, er sei gemeint, und muss nun Mardochai in königlichen Kleidern durch die Stadt führen (6,1 bis 11) [3]. Beim zweiten Mahl bittet Esther um ihr Leben und das ihres Volkes und nennt den Feind: "dieser böse Haman" (7,6). Haman wird an dem Baum gehängt, den er für Mardochai errichtet hatte (7,10) [3].
Der 13. Adar und das Fest (Kapitel 8 bis 10)
Ein Erlass des Königs ließ sich nach persischem Recht nicht widerrufen (8,8). Deshalb erlaubt ein zweiter Erlass den Juden, sich am selben Tag zu wehren (8,11 bis 12) [3]. Kapitel 9 berichtet von den Kämpfen und nennt hohe Opferzahlen, in den Ländern des Königs 75.000 Getötete (9,16). Mehrfach betont der Text, dass die Juden die Güter ihrer Feinde nicht anrührten (9,10, 9,15 und 9,16) [3]. Mardochai schreibt danach an alle Juden, sie sollten den 14. und 15. Adar jährlich als "Tage des Wohllebens und der Freude" halten (9,21 bis 22). Das kurze Kapitel 10 schließt mit dem Satz, Mardochai sei "der nächste nach dem König Ahasveros" gewesen (10,3) [3].
Purim: das Fest zum Buch
Der Name des Festes kommt vom Los, das Haman werfen ließ: "Daher sie diese Tage Purim nannten nach dem Namen des Loses" (9,26) [3]. Purim wird am 14. Adar gefeiert, in Jerusalem und anderen in alter Zeit ummauerten Städten am 15. Adar als Schuschan Purim. In Schaltjahren mit zwei Adar-Monaten liegt es im zweiten Adar [4]. Nach dem gregorianischen Kalender fällt Purim 2027 auf den 23.03.2027 und beginnt wie alle jüdischen Feste am Vorabend [5].

Im Mittelpunkt steht die Lesung der Esther-Rolle, der Megillat Ester. Bei jeder Nennung Hamans macht die Gemeinde mit Ratschen Lärm. Dazu gehören Geschenke mit mindestens zwei Speisen an Freunde oder Nachbarn, Gaben für mindestens zwei Arme und ein Festmahl. Viele verkleiden sich [4]. Die Geschenke und die Gaben für Arme gehen direkt auf 9,22 zurück [3].
Entstehung und Geschichtlichkeit
Wer das Buch geschrieben hat, sagt der Text nicht. Der Babylonische Talmud schreibt es den "Männern der großen Synagoge" zu, was als Überlieferung gilt [1]. Die Forschung datiert das hebräische Buch meist ins 4. Jahrhundert vor Christus, manche Ausleger auch ins 3. Jahrhundert [1, 2]. Als Ort der Entstehung nehmen viele die jüdische Diaspora im Osten an [1].
Die meisten historisch-kritischen Ausleger lesen das Buch als Erzählung, die einzelne geschichtliche Züge aufnimmt. Ein Pogrom gegen die Juden Persiens ist außerhalb der Bibel nicht belegt. Nach dem griechischen Geschichtsschreiber Herodot war die Frau des Xerxes eine Perserin namens Amestris, was zu Esther als Königin schwer passt [2]. Die New Oxford Annotated Bible nennt das Buch eine historische Novelle, also eine erfundene Geschichte in einem geschichtlichen Rahmen [2].
Ein Buch ohne Gottesnamen
Gott wird im hebräischen Esther-Buch an keiner Stelle genannt, weder mit seinem Namen noch mit einer anderen Bezeichnung [1]. Außer Esther gilt das in der Hebräischen Bibel nur noch für das Hohelied [2]. Wenn Mardochai in 4,14 sagt, Hilfe werde "von einem andern Ort her" kommen, bleibt offen, wen er meint [3]. Esther ist zudem das einzige Buch der Hebräischen Bibel, von dem unter den Schriftrollen vom Toten Meer kein Bruchstück gefunden wurde. Das kann auch Zufall der Überlieferung sein [1].
Die griechischen Zusätze
Die griechische Übersetzung, die Septuaginta, ist deutlich länger. Sie enthält sechs Zusätze, die die Forschung mit A bis F bezeichnet, zusammen 105 Verse. Darunter sind Gebete Mardochais und Esthers, in denen Gott ausdrücklich angerufen wird [1]. Hieronymus stellte diese Stücke in seiner lateinischen Bibel als Kapitel 11 bis 16 ans Ende [1]. Katholische Bibeln enthalten sie, evangelische folgen dem kürzeren hebräischen Text. Welche Bücher in welcher Form zur Bibel gehören, erklärt die Seite Kanon und Apokryphen.
Stellung in der Bibel
In der Hebräischen Bibel gehört Esther zu den Schriften (Ketuvim) und dort zu den fünf Festrollen, den Megillot [1]. Die christlichen Bibeln folgen der griechischen Ordnung und stellen das Buch zu den Geschichtsbüchern, nach Esra und Nehemia. Die Lutherbibel 1912 hat dieselbe Reihenfolge, danach folgt Hiob. Unumstritten war das Buch lange nicht. Der Kirchenvater Athanasius zählte es nicht zum Alten Testament, und Martin Luther sagte in seinen Tischreden, er sei dem Buch "so feind", dass er wünschte, es wäre nicht vorhanden [1]. Mehr über die Frauen der Bibel steht auf der Seite Frauen in der Bibel.
Nachwirkung
Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus erzählte die Geschichte um 93/94 nach Christus in seinen "Jüdischen Altertümern" nach [1]. Die älteste erhaltene Darstellung in der Kunst ist ein Wandbild in der Synagoge von Dura Europos aus der Zeit um 245 nach Christus. Später malte unter anderem Rembrandt Szenen aus dem Buch [2]. Georg Friedrich Händel schrieb 1718 das Oratorium "Esther" nach einem Stück von Jean Racine [2]. Den geschichtlichen Hintergrund des Perserreichs beschreibt geschichte.domain-root.de auf der Seite Das Perserreich, die Geschichte der jüdischen Gemeinden die Seite Die Geschichte des Judentums.
Die Kapitel im Überblick
Die Zitate auf dieser Seite folgen der Lutherbibel von 1912 mit Schreibweisen wie "daß", "Mardochai" und "Vasthi" [3]. Wer das Buch zum ersten Mal liest, beginnt am besten mit Kapitel 4, in dem Esther ihre Entscheidung trifft, und Kapitel 6 mit der schlaflosen Nacht des Königs.
Alle Kapitel: Esther
- Buch Ester. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Book of Esther. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Esther. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Purim. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Purim 2027. Hebcal. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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