Das Alte TestamentRatgeber

Das Hohelied Salomos: Einführung und alle 8 Kapitel

Das Hohelied ist ein Buch des Alten Testaments mit 8 Kapiteln. Es besteht aus Liebesliedern, in denen eine Frau und ein Mann einander beschreiben, suchen und finden. Die Überschrift nennt Salomo, die Forschung datiert die Sammlung aber meist in die Zeit nach dem Exil, oft ins 3. Jahrhundert vor Christus.

Ein ummauerter Garten im späten Frühling mit blühenden Granatapfelbäumen, einem kleinen Steinbrunnen und Ranken im Morgenlicht
Bild: KI-generiert

"Er küsse mich mit dem Kusse seines Mundes; denn deine Liebe ist lieblicher als Wein" (1,2): So beginnt das Hohelied, und es bleibt bis zum Schluss bei diesem Ton. Eine Frau und ein Mann sprechen voneinander, sehnen sich, suchen sich in der Nacht und loben die Schönheit des anderen in langen Bildern aus Gärten, Tieren und Gewürzen. Das Buch hat 8 Kapitel. Den Bibeltext findest du hier in der Lutherbibel von 1912, deren Wortlaut gemeinfrei ist [3]. Jedes Kapitel hat eine eigene Seite, die Übersicht steht am Ende dieser Einführung.

Name und Stellung in der Bibel

Der hebräische Titel lautet Schir ha-Schirim, wörtlich "Lied der Lieder". Das ist ein hebräischer Superlativ und meint das schönste Lied. Die Septuaginta übersetzt Asma Asmaton, die lateinische Vulgata Canticum Canticorum. Die deutsche Bezeichnung geht auf Martin Luther zurück, der das Buch "Das Hohelied Salomonis" nannte [1]. So steht es auch in der Lutherbibel von 1912, die das Buch mit der Zeile "Das Hohelied Salomos" (1,1) eröffnet [3].

In der hebräischen Bibel gehört das Hohelied zu den Schriften (Ketuvim) und dort zu den fünf Megillot, den Festrollen [1, 2]. Viele Juden lesen es zu Pessach: In der Synagoge wird der ganze Text an den Halbfeiertagen des Festes vorgetragen, manche lesen ihn auch am Ende des Sederabends [2]. In christlichen Bibeln steht es bei den poetischen Büchern, nach den Sprüchen Salomos und dem Prediger Salomo [2]. In der Lutherbibel folgt darauf das Buch Jesaja [3].

Inhalt im Überblick

Eine fortlaufende Handlung hat das Hohelied nicht. Die Forschung erkennt einen Rahmen, der Anfang und Ende verbindet, aber über die Abgrenzung der einzelnen Lieder gibt es keine Einigkeit [2]. Es sprechen abwechselnd eine Frau, ein Mann und eine Gruppe. Die Frau kommt häufiger zu Wort als der Mann und tritt aktiv auf: Ihr Sehnsuchtslied in 1,2 bis 4 eröffnet das Buch [1].

Ein junges Reh steht auf einem grasbewachsenen Hügel zwischen Frühlingsblumen bei Sonnenaufgang, dahinter blaue Hügel
Bild: KI-generiert

Sehnsucht und Begegnung (Kapitel 1 und 2)

Die Frau beschreibt sich selbst: "Ich bin schwarz, aber gar lieblich, ihr Töchter Jerusalems" (1,5), und erklärt, die Sonne habe sie so verbrannt, weil ihre Brüder sie zur Hüterin der Weinberge gemacht hätten (1,6). Kapitel 2 enthält eines der bekanntesten Bilder des Buches. Der Mann kommt "und hüpft auf den Bergen und springt auf den Hügeln" (2,8) und ruft sie hinaus: "Denn siehe, der Winter ist vergangen, der Regen ist weg und dahin" (2,11) [3]. Kurz danach steht der Satz, der im Buch mehrfach anklingt: "Mein Freund ist mein, und ich bin sein, der unter Rosen weidet" (2,16) [3].

Suche in der Nacht und die Sänfte Salomos (Kapitel 3)

"Des Nachts auf meinem Lager suchte ich, den meine Seele liebt. Ich suchte; aber ich fand ihn nicht" (3,1). Die Frau läuft durch die Gassen der Stadt, fragt die Wächter und findet ihn schließlich (3,4). Danach wechselt die Szene: Ein Festzug mit der Sänfte des Königs Salomo, umgeben von "sechzig Starke aus den Starken in Israel" (3,7), zieht heran, und die "Töchter Zions" sollen den König in der Krone "am Tage seiner Hochzeit" anschauen (3,11) [3].

Beschreibungslieder und der Garten (Kapitel 4 bis 6)

In Kapitel 4 beschreibt der Mann die Frau von den Augen abwärts: "Deine Augen sind wie Taubenaugen", das Haar wie eine Herde Ziegen am Berg Gilead, der Hals "wie der Turm Davids" (4,1 bis 4). Dann nennt er sie "ein verschlossener Garten" (4,12), voll Granatäpfeln, Narde, Safran und Zimt [3]. In Kapitel 5 klopft er nachts an, sie zögert, und als sie öffnet, ist er fort (5,2 bis 6). Den Töchtern Jerusalems beschreibt sie ihn darauf von Kopf bis Fuß: "Sein Haupt ist das feinste Gold" (5,11), "Seine Gestalt ist wie Libanon, auserwählt wie Zedern" (5,15) [3].

Am Ende von Kapitel 6 fällt der Name, unter dem die Frau bekannt ist: "Kehre wieder, kehre wieder, o Sulamith!" (6,13) [3]. In der hebräischen Zählung ist das 7,1 [1, 3].

Liebe ist stark wie der Tod (Kapitel 7 und 8)

Kapitel 7 lobt noch einmal die Frau, nun "du Fürstentochter" genannt (7,1), und sie lädt den Freund aufs Feld hinaus zu den Weinbergen (7,11 bis 12) [3]. Das letzte Kapitel enthält die Verse, die am häufigsten zitiert werden: "Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz und wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod" (8,6). Und weiter: "daß auch viele Wasser nicht mögen die Liebe auslöschen noch die Ströme sie ertränken" (8,7) [3]. Das Buch endet offen mit der Bitte: "Flieh, mein Freund, und sei gleich einem Reh oder jungen Hirsch auf den Würzbergen!" (8,14) [3].

Wiederkehrende Verse und Personen

Einige Sätze kehren wie ein Kehrreim wieder. Am auffälligsten ist die Beschwörung an die Töchter Jerusalems, die Liebe nicht zu wecken, "bis es ihr selbst gefällt". Sie steht in 2,7, 3,5 und 8,4 [1, 3]. Auch die Formel "Mein Freund ist mein" erscheint in Varianten in 2,16, 6,3 und 7,10 [3].

Terrassierte Weinbergreihen an einem sonnigen Hang mit einem kleinen steinernen Wachturm zwischen den Reben
Bild: KI-generiert
Person oder GruppeRolle im BuchStellen (Beispiele)
die Frau (Sulamith)spricht am häufigsten, sucht und lobt den Freund1,2 bis 7; 3,1 bis 4; 5,10 bis 16
der Mann (Freund, Hirte, König)lobt die Frau, ruft sie hinaus2,10 bis 14; 4,1 bis 15
Töchter JerusalemsZuhörerinnen und Chor1,5; 2,7; 5,8 bis 9
Salomogenannt in der Überschrift, im Festzug und im Weinberg-Vergleich1,1; 3,7 bis 11; 8,11 bis 12
die Brüdersetzen die Frau als Hüterin ein1,6; 8,8 bis 9

Den Mann hat man oft mit Salomo gleichgesetzt. Manche Ausleger sahen ein Dreiecksdrama aus Frau, Hirte und König. Weil das Buch aber wohl eine Sammlung ist, können in den einzelnen Liedern auch unterschiedliche Figuren gemeint sein [1].

Gott im Hohelied

Das Wort "Gott" kommt im Hohelied nach Luther 1912 nicht vor. Der Gottesname steht nur an einer Stelle, im Bild von der Glut der Liebe: "Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des HERRN" (8,6) [3]. Ob ein so weltliches Buch zur Bibel gehört, war schon in der Antike umstritten.

Wie das Buch ausgelegt wurde

Nach der Mischna (Traktat Jadajim 3,5) wurde um 90 nach Christus darüber gestritten, ob das Hohelied zu den heiligen Schriften gehört. Die Schule Hillels setzte sich gegen die Schule Schammais durch [1]. Rabbi Akiba (2. Jahrhundert) deutete das Buch als Bild für das Verhältnis zwischen Gott und Israel und wies weltliche Deutungen zurück [1]. Ihm wird der Satz zugeschrieben, das Hohelied sei das "Allerheiligste" unter den Schriften [2]. In dieser Linie legten auch der Targum, Saadia Gaon, Raschi und Abraham ibn Esra das Buch aus [1].

Christliche Ausleger lasen den Bräutigam als Christus. Die Braut war für Hippolyt die Kirche, für Origenes die einzelne Seele, für Ambrosius von Mailand Maria [1]. Im Mittelalter prägte das Buch die Mystik und die Marienfrömmigkeit; ragt als Kommentator Bernhard von Clairvaux heraus [1]. Theodor von Mopsuestia las das Hohelied wörtlich als Liebesdichtung. Seine Sicht wurde auf dem Zweiten Konzil von Konstantinopel verurteilt [2].

Seit der Aufklärung trat die bildhafte Deutung zurück. Georg Wachter verstand das Buch 1722 als Singspiel in fünf Akten, Heinrich Ewald 1826 als Hirtenstück. Franz Rosenzweig verteidigte die religiöse Lesart, gerade weil es ein weltliches Liebeslied sei [1]. Als verbreitete Auffassung gilt heute, dass das Hohelied eine lockere Sammlung ursprünglich selbständiger Liebeslieder ist. Motive wie der Garten und die Kehrverse geben ihr einen gewissen Zusammenhang [1].

Wie das Buch entstanden ist

In der Antike galt Salomo als Verfasser. Man stützte sich auf die Überschrift, auf die Stellen, an denen er genannt wird, und auf das 1. Buch der Könige, nach dem Salomo dichtete: "seine Lieder waren tausendundfünf" (1. Könige 4,32) [1, 3]. Heute gilt diese Zuschreibung als nicht ausreichend begründet [1].

Kleine Tonschalen mit Safranfäden, Zimtstangen, Myrrhenharz und Narde auf einem rauen Holztisch im warmen Seitenlicht
Bild: KI-generiert

Wann die Lieder entstanden sind, ist umstritten. Für ein hohes Alter spricht die Nähe zur ägyptischen Liebesdichtung des Neuen Reiches. Für eine Endfassung nach 500 vor Christus sprechen aramäisch gefärbte Sprachformen und das persische Lehnwort pardes für "Park" in 4,13, das Luther mit "Lustgarten" übersetzt [1, 3]. Einige Bräuche erinnern an die griechische Welt und deuten auf die hellenistische Zeit [1]. Die meisten Forscher setzen das Buch ins 3. Jahrhundert vor Christus, die Vorschläge reichen aber vom 10. bis zum 2. Jahrhundert [2]. Handschriften aus Qumran aus dem 2. Jahrhundert vor Christus zeigen noch Textvarianten [1]. Zum Hintergrund der persischen Zeit bietet geschichte.domain-root.de eine Seite über das Perserreich.

Nachwirkung in Kunst und Literatur

Das Hohelied hat Maler, Bildhauer und Schriftsteller beschäftigt. Franz Pforr malte 1811 "Maria und Sulamith", Jacques Lipchitz schuf 1946 die Skulptur "Le Cantique des cantiques", und Scholem Alejchem schrieb von 1909 bis 1911 die Erzählung "Schir-Ha-Schirim" [1]. Bibelverse über Liebe und Ehe, auch aus dem Hohelied, sammelt die Seite Trausprüche aus der Bibel.

Die Kapitel im Überblick

Die Zitate auf dieser Seite folgen der Lutherbibel von 1912 mit Schreibweisen wie "daß" und "Würzbergen". Die Verszählung der Kapitelseiten folgt der Textgrundlage dieser Website; in Kapitel 6 und 7 weicht sie um einen Vers von der hebräischen Zählung ab [3]. Für einen ersten Eindruck eignen sich Kapitel 2 mit dem Frühlingslied und Kapitel 8 mit dem Vers von der Liebe, die stark ist wie der Tod.

Alle Kapitel: Hoheslied

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  1. Hoheslied. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Song of Songs. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Hohelied. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.