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Der 1. Brief an Timotheus: Einführung und alle 6 Kapitel

Der 1. Brief an Timotheus hat 6 Kapitel und gehört mit dem 2. Timotheusbrief und dem Titusbrief zu den Pastoralbriefen. Er gibt Timotheus in Ephesus Anweisungen gegen Irrlehrer und zur Ordnung der Gemeinde, etwa zu Bischöfen, Dienern, Witwen und Ältesten. Er nennt Paulus als Absender, die Mehrheit der Forschung hält ihn aber für das Werk eines späteren Verfassers.

Eine stille antike Marmorstraße mit Steinsäulen und Ruinen von Fassaden im weichen Morgenlicht
Bild: KI-generiert

Der 1. Brief an Timotheus liest sich stellenweise wie eine Gemeindeordnung. Er regelt, wie gebetet wird, wer Bischof oder Diener werden kann, welche Witwen die Gemeinde versorgt und wie mit Ältesten umzugehen ist [1]. Daneben stehen Sätze, die weit über die Bibel hinaus bekannt sind, etwa "Geiz ist eine Wurzel alles Übels" (6,10) oder "kämpfe den guten Kampf des Glaubens" (6,12) [4]. Ein Vers über Frauen in der Gemeinde (2,12) ist bis heute Gegenstand erheblicher Kontroversen [1, 3]. Die sechs Kapitel stehen auf dieser Seite in der Lutherbibel von 1912, jedes auf einer eigenen Seite. Die Übersicht folgt am Ende der Einführung.

Absender, Empfänger und Stellung in der Bibel

Der Brief beginnt: "Paulus, ein Apostel Jesu Christi nach dem Befehl Gottes" (1,1). Er richtet sich an "Timotheus, meinem rechtschaffenen Sohn im Glauben" (1,2). Nach dem Briefanfang soll Timotheus in Ephesus bleiben, während Paulus nach Mazedonien weiterzieht (1,3) [4]. Weil er sich an einen Gemeindeleiter richtet und Anweisungen für dessen Aufgaben gibt, zählt man ihn zu den Pastoralbriefen [1].

Den Namen Pastoralbriefe für den 1. und 2. Timotheusbrief und den Titusbrief prägte der Hallenser Theologe Paul Anton. Er erschien in seiner "Exegetischen Abhandlung der Pastoralbriefe Pauli", die 1753 bis 1755 nach seinem Tod gedruckt wurde [2]. In der Lutherbibel ist der Brief das 15. Buch des Neuen Testaments. Er folgt auf die Thessalonicherbriefe und steht vor dem 2. Brief an Timotheus und dem Brief an Titus.

Wer war Timotheus?

Die Apostelgeschichte stellt Timotheus als Jünger aus Lystra vor, "eines jüdischen Weibes Sohn, die war gläubig, aber eines griechischen Vaters" (Apostelgeschichte 16,1) [4]. Der 2. Timotheusbrief nennt seine Großmutter Lois und seine Mutter Eunike (2. Timotheus 1,5) [4]. In den Briefen des Paulus erscheint er als enger Mitarbeiter. Er steht als Mitabsender im 2. Korintherbrief und in den Thessalonicherbriefen, und Paulus schickt ihn als Boten zu Gemeinden, etwa nach Thessalonich (1. Thessalonicher 3,2) und nach Korinth (1. Korinther 16,10) [4]. Die kirchliche Überlieferung sieht in ihm den Bischof von Ephesus [1].

Ein staubiger Landweg führt durch trockene Hügel im Abendlicht, ein einzelner Wanderer mit Stab ist von hinten zu sehen
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Aufbau des Briefes

Die Gliederung folgt dem Neutestamentler Lorenz Oberlinner, wie sie der deutsche Wikipedia-Artikel wiedergibt [1]:

VerseTeilInhalt
1,1 bis 2BriefanfangAbsender, Empfänger, Gruß
1,3 bis 20Auftrag an TimotheusDen rechten Glauben bewahren, Irrlehrern entgegentreten
2,1 bis 3,16GemeindeordnungGebet, Frauen im Gottesdienst, Bischöfe und Diener, Geheimnis des Glaubens
4,1 bis 11Gegen falsche LehrenEhe- und Speiseverbote werden zurückgewiesen
4,12 bis 6,2Leben in der GemeindeAlte und Junge, Witwen, Älteste, Knechte
6,3 bis 21SchlussmahnungenWarnung vor Geldgier und vor falscher Erkenntnis

Inhalt im Überblick

Der Auftrag gegen die Irrlehrer (Kapitel 1)

Timotheus soll etlichen gebieten, "daß sie nicht anders lehrten" und nicht auf "Fabeln und Geschlechtsregister" achten (1,3 bis 4) [4]. Dagegen stellt der Brief: "die Hauptsumme des Gebotes ist Liebe von reinem Herzen" (1,5). Paulus erscheint als Beispiel für Gnade. Er sei früher "ein Lästerer und ein Verfolger und ein Schmäher" gewesen (1,13). Daran schließt der Satz an, Christus sei gekommen, "die Sünder selig zu machen, unter welchen ich der vornehmste bin" (1,15) [4]. Zwei Männer werden namentlich als abgefallen genannt, Hymenäus und Alexander (1,20) [4].

Mehrere ältere Frauen in schlichten Wollumhängen sitzen zusammen auf einer Steinbank in einem sonnigen Hof
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Gebet und Gottesdienst (Kapitel 2)

Kapitel 2 verlangt Gebete "für alle Menschen, für die Könige und alle Obrigkeit" (2,1 bis 2). Gott wolle, "daß allen Menschen geholfen werde" (2,4) [4]. Danach folgen Anweisungen an Männer und Frauen. Von Frauen verlangt der Brief schlichte Kleidung (2,9). Der Vers 2,12 lautet bei Luther: "Einem Weibe aber gestatte ich nicht, daß sie lehre, auch nicht, daß sie des Mannes Herr sei, sondern stille sei" [4]. Begründet wird das mit der Schöpfungsgeschichte: "Denn Adam ist am ersten gemacht, darnach Eva" (2,13) [1, 4].

Bischöfe und Diener (Kapitel 3)

Kapitel 3 zählt auf, was von einem Bischof erwartet wird. Er soll "unsträflich sein, eines Weibes Mann, nüchtern, mäßig, sittig, gastfrei, lehrhaft" (3,2). Er soll seinem Haus gut vorstehen, denn wer das nicht könne, könne auch die Gemeinde nicht versorgen (3,4 bis 5) [4]. Ähnliche Anforderungen gelten für die Diener, also die Diakone (3,8 bis 13) [1, 4]. Die Gemeinde heißt hier "ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit" (3,15). Das Kapitel endet mit einem kurzen Bekenntnis in Versform: "Gott ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist" (3,16) [4].

Gegen falsche Askese (Kapitel 4)

Kapitel 4 richtet sich gegen Lehrer, die "gebieten, nicht ehelich zu werden und zu meiden die Speisen" (4,3). Der Brief hält dagegen: "alle Kreatur Gottes ist gut, und nichts ist verwerflich, das mit Danksagung empfangen wird" (4,4) [4]. Weil der Brief später vor einer "falsch berühmten Kunst" warnt (6,20), griechisch Gnosis, vermutet man hinter den Gegnern Anhänger gnostischer Strömungen [1]. Timotheus selbst wird ermutigt: "Niemand verachte deine Jugend" (4,12) [4].

Witwen, Älteste und Knechte (5,1 bis 6,2)

Ausführlich regelt der Brief die Versorgung der Witwen. Zuerst sollen nach dem Brief Kinder und Enkel für sie sorgen (5,4). Als Witwe der Gemeinde "erwählt" werden soll keine Frau "unter sechzig Jahren" (5,9) [4]. Die Ältesten, die gut vorstehen, seien "zweifacher Ehre wert" (5,17), und eine Klage gegen sie gelte nur mit "zwei oder drei Zeugen" (5,19) [4]. Timotheus erhält auch einen persönlichen Rat: "Trinke nicht mehr Wasser, sondern auch ein wenig Wein um deines Magens willen" (5,23). Christlichen Knechten, also Sklaven, gebietet der Brief, ihre Herren zu ehren (6,1) [1, 4].

Reichtum und Schluss (6,3 bis 21)

Am Ende warnt der Brief vor Gewinnsucht: "Denn wir haben nichts in die Welt gebracht; darum offenbar ist, wir werden auch nichts hinausbringen" (6,7). Es folgt der Satz über den Geiz als "Wurzel alles Übels" (6,10) [4]. Den Reichen soll Timotheus gebieten, "daß sie nicht stolz seien" (6,17). Der Brief schließt mit der Mahnung "O Timotheus! bewahre, was dir vertraut ist" (6,20) [4].

Wer hat den Brief geschrieben?

Die Mehrheit der Theologen hält den Brief für pseudepigraph, also für das Werk eines unbekannten Verfassers, der unter dem Namen des Paulus schrieb [1]. Raymond Collins nannte die Forschung in einem Kommentar von 2004 in dieser Frage "virtually unanimous", fast einstimmig [3]. Die Zweifel sind alt. Friedrich Schleiermacher hielt 1807 den 1. Timotheusbrief für unecht, Johann Gottfried Eichhorn dehnte den Zweifel 1812 auf alle drei Pastoralbriefe aus [2].

Als Gründe nennt die Forschung den Wortschatz, der von den unbestrittenen Paulusbriefen abweicht, etwa "gesunde Lehre" und "anvertrautes Gut" [1]. Hinzu kommen Gemeinden mit festen Ämtern, wie sie in den unbestrittenen Paulusbriefen fehlen, und Reiseangaben, die schlecht zur Apostelgeschichte passen [1, 2]. Nach 1,3 zieht Paulus nach Mazedonien und lässt Timotheus in Ephesus. Nach Apostelgeschichte 19,22 ist es umgekehrt: Paulus schickt Timotheus nach Mazedonien und bleibt selbst in der Provinz Asien [4].

Eine Minderheit hält an Paulus fest. Joachim Jeremias nahm an, Paulus sei aus der römischen Haft freigekommen und habe die im Römerbrief geplante Reise nach Spanien unternommen (Römer 15,24); aus dieser späten Zeit stammten die Briefe [1, 4]. Jens Herzer vertritt in seinem Kommentar (Leipzig 2024), nur der 1. Timotheusbrief sei pseudepigraph, die beiden anderen Pastoralbriefe könnten von Paulus sein [1].

Datierung und frühe Zeugen

Wer den Brief einem späteren Verfasser zuschreibt, datiert ihn meist ins späte 1. oder in die erste Hälfte des 2. Jahrhunderts [3]. Polykarp kannte ihn um 130 nach Christus sehr wahrscheinlich [3]. Marcion ließ die drei Pastoralbriefe um 140 nicht in seine Sammlung der Paulusbriefe aufnehmen. Warum, ist nicht bekannt [3]. Auch der Papyrus 46 und der Codex Vaticanus enthalten sie nicht [2]. Als Erster schreibt Irenäus um 180 den Brief eindeutig Paulus zu [3]. Das älteste bekannte Bruchstück, ein Papyrus aus Oxyrhynchus mit 3,13 bis 4,8, stammt aus dem 4. Jahrhundert [3].

Ein brüchiges Stück braunen Papyrus liegt unter einer Glasplatte auf einem weißen Tisch in einem Museumsraum
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Wirkung in den Kirchen

Der Vers 2,12 dient oft als Begründung dafür, Frauen von Ordination und Priesteramt auszuschließen [1]. Die orthodoxen Kirchen und die katholische Kirche berufen sich auf ihn [3]. Mehr zu den Frauen der Bibel steht auf der Seite Frauen in der Bibel.

Auch die Formel "eines Weibes Mann" (3,2) wird verschieden übersetzt und gedeutet. Die Einheitsübersetzung von 1980 schrieb "nur einmal verheiratet" [1]. Die Mehrheit der Kirchenhistoriker sieht in den Amtsträgern verheiratete Familienväter. Die Deutung als früher Beleg für eine enthaltsam lebende Priesterschaft, die der Kirchenhistoriker Stefan Heid vertritt, bezeichnet der deutsche Wikipedia-Artikel als spekulativ [1].

Die Kapitel im Überblick

Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "daß" und "Weib". Wer den Brief zum ersten Mal liest, beginnt mit Kapitel 3 über die Ämter und liest danach Kapitel 6. Wie Paulus und Timotheus sich kennenlernten, erzählt die Apostelgeschichte in Kapitel 16. Das Leben des Apostels beschreibt die Seite Der Apostel Paulus, die Frage, wie die Briefe in die Bibel kamen, die Seite Kanon und Apokryphen. Zur Stadt Ephesus und zur Welt der frühen Gemeinden passt Das Römische Reich.

Alle Kapitel: 1. Timotheus

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  1. Erster Brief des Paulus an Timotheus. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Pastoralbriefe. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. First Epistle to Timothy. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.