Das Neue TestamentRatgeber
Die Offenbarung des Johannes: Einführung und alle 22 Kapitel
Die Offenbarung des Johannes ist das letzte Buch der Bibel und hat 22 Kapitel. Ein Johannes beschreibt darin Visionen, die er nach eigener Angabe auf der Insel Patmos empfing: sieben Briefe an Gemeinden in Kleinasien, Siegel, Posaunen und Schalen, den Kampf gegen Drache und Tier und am Ende ein neues Jerusalem. Die Forschung datiert das Buch meist um 95 nach Christus.

Das letzte Buch der Bibel beginnt mit dem Satz "Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in der Kürze geschehen soll" (1,1) [4]. Was folgt, ist eine Folge von Visionen voller Bilder und Zahlen: ein Buch mit sieben Siegeln, vier Reiter, ein Drache, ein Tier mit der Zahl 666, die Hure Babylon und am Ende eine Stadt aus Gold und Edelsteinen. Ausdrücke wie "Buch mit sieben Siegeln" oder "Alpha und Omega" sind über die Bibel hinaus geläufig [1]. Die 22 Kapitel stehen hier in der Lutherbibel von 1912, jedes auf einer eigenen Seite.
Name und Gattung
Ein anderer Name des Buches ist Apokalypse, nach dem griechischen Wort für Enthüllung [1]. Die Offenbarung ist das einzige prophetische Buch des Neuen Testaments und neben dem Buch Daniel eine der beiden apokalyptischen Schriften der christlichen Bibel [1]. Apokalypsen waren nach der Einleitung der katholischen Bischofskonferenz der USA etwa von 200 vor bis 200 nach Christus eine verbreitete Form. Zu ihren wichtigsten Merkmalen gehört eine Sprache in Symbolen [3]. Zugleich hat das Buch die Form eines Briefes. Es beginnt mit einem Gruß: "Johannes den sieben Gemeinden in Asien: Gnade sei mit euch und Friede" (1,4) [1, 4]. Der Verfasser versteht sich als Prophet. Nach der englischen Wikipedia kommt das Wort Prophet mit seinen Ableitungen 21-mal vor, öfter als in jedem anderen Buch des Neuen Testaments [2].
Wer das Buch geschrieben hat
Der Erzähler nennt sich Johannes und schreibt, er sei "auf der Insel, die da heißt Patmos, um des Wortes Gottes willen" gewesen (1,9) [4]. Die frühe Kirche sah in ihm den Apostel und Evangelisten Johannes. Die heutige Exegese hält das meist für unzutreffend und sieht im Verfasser einen frühchristlichen Propheten aus judenchristlichem Umfeld, im Englischen oft "John of Patmos" genannt [1]. Die US-Bischofskonferenz weist darauf hin, dass er sich nie als Apostel bezeichnet. Wortschatz und Stil machen nach ihrer Einleitung einen gemeinsamen Verfasser mit dem Johannesevangelium zweifelhaft, auch wenn beide Schriften sprachlich und theologisch verwandt sind. Vielleicht war er ein Schüler des Apostels [3]. Schon Dionysius von Alexandria hielt den Verfasser um das Jahr 248 für einen inspirierten Christen, aber nicht für den Apostel Johannes [2].

Zeit der Entstehung
Die meisten Forscher datieren das Buch in die Regierungszeit des Kaisers Domitian (81 bis 96) und stützen sich dabei auf Irenäus. Häufig genannt wird das Jahr 95 [1, 2]. Eine Minderheit setzt es in die Jahre 68 und 69, unter Nero oder Galba [1]. Die englische Wikipedia hält die Anspielungen auf Nero nicht für einen Beweis der Frühdatierung, weil der Glaube an seine Wiederkehr noch Jahrzehnte nach seinem Tod verbreitet war [2]. Die US-Bischofskonferenz beschreibt Domitian als harten Verfolger der Christen und liest das Buch als Widerstandsliteratur für Gemeinden, die von den römischen Behörden verfolgt wurden [3]. Mehr über das Reich jener Zeit steht auf geschichte.domain-root.de unter Das Römische Reich.
Aufbau des Buches
Über den Aufbau gibt es in der Forschung keine Einigkeit [2]. Gut erkennbar sind die Reihen von jeweils sieben Visionen. Die deutsche Wikipedia ordnet das Buch so [1]:
| Kapitel | Abschnitt |
|---|---|
| 1 | Einleitung und Berufungsvision |
| 2 bis 3 | Sieben Sendschreiben an die Gemeinden |
| 4 bis 8 | Thronsaal, Lamm und sieben Siegel |
| 8 bis 11 | Sieben Posaunen |
| 12 bis 14 | Frau, Drache und zwei Tiere |
| 15 bis 16 | Sieben Schalen des Zorns |
| 17 bis 19 | Gericht über Babylon und Sieg über das Tier |
| 20 | Tausendjähriges Reich und Weltgericht |
| 21 bis 22 | Neuer Himmel, neue Erde, neues Jerusalem |
Inhalt im Überblick
Die Visionen reichen von der Berufung des Johannes bis zum neuen Jerusalem.

Berufung und sieben Sendschreiben (Kapitel 1 bis 3)
Johannes hört eine Stimme, die sagt: "Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte" (1,11). Er soll aufschreiben, was er sieht, und an sieben Gemeinden schicken: "gen Ephesus und gen Smyrna und gen Pergamus und gen Thyatira und gen Sardes und gen Philadelphia und gen Laodizea" (1,11) [4]. Alle sieben Gemeinden lagen im Westen Kleinasiens [1]. Jede erhält in Kapitel 2 und 3 einen eigenen Brief mit Lob oder Tadel [4]. Die Gemeinde in Laodizea hört: "Weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde" (3,16) [4].
Thron, Lamm und Siegel (Kapitel 4 bis 8)
Johannes sieht den Thron Gottes, umgeben von vier Wesen, die rufen "Heilig, heilig, heilig ist Gott der HERR, der Allmächtige" (4,8). In der Hand dessen, der auf dem Thron sitzt, liegt ein Buch, "versiegelt mit sieben Siegeln" (5,1) [4]. Nur ein Lamm, "wie wenn es erwürgt wäre", kann es öffnen (5,6) [4]. Mit den ersten vier Siegeln kommen vier Reiter auf einem weißen, einem roten, einem schwarzen und einem fahlen Pferd. Über den vierten heißt es: "Und der daraufsaß, des Name hieß Tod" (6,8) [4]. Mit dem siebenten Siegel wird es "eine Stille in dem Himmel bei einer halben Stunde" (8,1) [4].
Posaunen, Drache und Tier (Kapitel 8 bis 14)
Sieben Engel blasen nacheinander sieben Posaunen, und jede bringt eine Plage über die Erde. Nach der siebenten verkünden Stimmen im Himmel: "Es sind die Reiche der Welt unsers HERRN und seines Christus geworden" (11,15) [4]. In Kapitel 12 erscheint "ein Weib, mit der Sonne bekleidet" (12,1) und ihr gegenüber "ein großer, roter Drache" mit sieben Häuptern (12,3). Michael und seine Engel kämpfen gegen den Drachen (12,7) [4]. Danach steigt ein Tier aus dem Meer, dem der Drache seine Macht gibt. Das Kapitel endet mit einem Rätsel: "Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tiers; denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist sechshundertsechsundsechzig" (13,18) [4].
Schalen und Babylon (Kapitel 15 bis 19)
Sieben Engel erhalten den Auftrag: "Gehet hin und gießet aus die Schalen des Zorns Gottes auf die Erde!" (16,1). Bei der sechsten Schale werden die Könige der Erde versammelt "an einen Ort, der da heißt auf hebräisch Harmagedon" (16,16) [4]. Kapitel 17 zeigt eine Frau mit dem Namen "Die große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Greuel auf Erden" (17,5). In Kapitel 18 wird ihr Fall verkündet: "Sie ist gefallen, sie ist gefallen, Babylon, die große" (18,2) [4]. Danach öffnet sich der Himmel, ein Reiter auf einem weißen Pferd erscheint, und das Tier wird besiegt (19,11 bis 21) [4].
Tausend Jahre und neues Jerusalem (Kapitel 20 bis 22)
Ein Engel bindet den Drachen "tausend Jahre" (20,2). In dieser Zeit regieren die Märtyrer "mit Christo tausend Jahre" (20,4). Danach wird der Satan noch einmal frei, sammelt Gog und Magog zum Kampf und wird endgültig besiegt (20,7 bis 10). Es folgt das Gericht über die Toten "nach ihren Werken" (20,12) [2, 4]. Die letzten beiden Kapitel beschreiben "einen neuen Himmel und eine neue Erde" (21,1) und die Stadt, die vom Himmel herabkommt. Dort heißt es: "Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein" (21,4) [4]. Die Tore der Stadt sind aus Perlen, ihre Gassen "lauteres Gold wie ein durchscheinend Glas" (21,21). Das Buch endet mit der Bitte "Amen, ja komm, HERR Jesu!" (22,20) [4].
Zahlen und Bilder
Die Offenbarung spricht fast ganz in Bildern. Die US-Bischofskonferenz erklärt, dass Farben, Metalle, Kleider und Zahlen eine eigene Bedeutung tragen: Vier steht für die Welt, Sieben für Vollständigkeit, Zwölf für die Stämme Israels oder die Apostel. Die Bilder seien nicht wörtlich gemeint und sollten nicht realistisch vorgestellt werden [3]. Das Buch selbst deutet einzelne Bilder, etwa die sieben Leuchter als "sieben Gemeinden" (1,20) [4].

Für die Zahl 666 ist die häufigste Deutung Kaiser Nero. Die Buchstaben seines Namens samt Titel ergeben in hebräischer Schrift, in der Buchstaben zugleich Zahlwerte haben, die Summe 666 [1]. Die Hure Babylon versteht die Forschung als Bild für Rom [1]. Die US-Bischofskonferenz verweist auf die "Stadt auf sieben Hügeln" [3]. Im Text heißt es dazu: "Die sieben Häupter sind sieben Berge, auf welchen das Weib sitzt" (17,9) [4]. Die harten Strafen und Rufe nach Vergeltung liest die US-Bischofskonferenz als literarische Mittel, die das Urteil Gottes über das Böse ausdrücken. Die Botschaft des Buches beschreibt sie als Hoffnung, Trost und Ermutigung für bedrängte Gemeinden [3].
Vier Arten der Deutung
Die englische Wikipedia unterscheidet vier Grundrichtungen der Auslegung [2]. Die präteristische Deutung bezieht das Buch vor allem auf Ereignisse des 1. Jahrhunderts, höchstens bis zum Ende des Weströmischen Reiches. Die kirchengeschichtliche Deutung liest es als Überblick über die gesamte Geschichte. Die futuristische Deutung erwartet die beschriebenen Ereignisse in der Zukunft. Die idealistische oder symbolische Deutung versteht die Bilder als Gleichnis für den Kampf zwischen Gut und Böse [2]. Nach der deutschen Wikipedia hat das Buch die christlichen Vorstellungen vom Ende der Welt stark geprägt [1]. Wie die Bibel sonst von Engeln erzählt, beschreibt die Seite Engel in der Bibel.
Der Weg in den Kanon
Die Offenbarung gehörte zu den letzten Büchern, die in den Kanon aufgenommen wurden [2]. Im Osten blieb sie lange umstritten. Die Ostkirchen lesen sie bis heute nicht im Gottesdienst, die Syrisch-Orthodoxe Kirche erkennt sie nicht an [1]. Das Konzil von Laodicea ließ sie um 363 weg. Die Synoden von Hippo (393) und Karthago (397) zählten sie zu den kanonischen Büchern [2]. Im Westen setzte sich das Buch nach dem Osterfestbrief des Athanasius von 367 weitgehend durch [1].
Martin Luther nannte die Offenbarung 1522 weder apostolisch noch prophetisch. 1530 urteilte er milder [2]. Ulrich Zwingli sprach ihr ab, ein biblisches Buch zu sein. Johannes Calvin schrieb zur Offenbarung keinen Kommentar [2]. Mehr zur Ordnung der Bücher steht auf der Seite Das Neue Testament: alle 27 Bücher.
Die Kapitel im Überblick
Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "daß", "Greuel" und "Harmagedon". Die 22 Kapitel haben zusammen 404 Verse. Die Versnummern stimmen mit der Ausgabe von eBible.org überein. Kapitel 12 hat dort wie hier 17 Verse, und der Satz "Und ich trat an den Sand des Meeres" steht am Anfang von 13,1 [4]. Wer nicht das ganze Buch lesen will, beginnt mit den Kapiteln 1 bis 3, liest dann Kapitel 5 und am Schluss Kapitel 21 und 22.
Alle Kapitel: Offenbarung
- Offenbarung des Johannes. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Book of Revelation. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Revelation, Introduction (New American Bible, Revised Edition). United States Conference of Catholic Bishops. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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