Das Neue TestamentRatgeber
Der Brief an die Epheser: Einführung und alle 6 Kapitel
Der Epheserbrief hat 6 Kapitel. Er nennt Paulus als Absender, doch die meisten Forscher sehen in ihm das Werk eines Paulusschülers aus der Zeit um 80 bis 100 nach Christus. Die Kapitel 1 bis 3 handeln von der Kirche als Leib Christi, in dem Juden und Heiden zusammengehören, die Kapitel 4 bis 6 vom Leben der Gemeinde, darunter die Haustafel und der Harnisch Gottes.

Der Epheserbrief beginnt mit einem langen Lobpreis: "Gelobet sei Gott und der Vater unsers HERRN Jesu Christi, der uns gesegnet hat mit allerlei geistlichem Segen in himmlischen Gütern durch Christum" (1,3) [3]. Im Mittelpunkt steht die Kirche, die der Brief als weltweiten Leib Christi beschreibt, in dem Christen jüdischer und heidnischer Herkunft zusammenfinden [1, 4]. Wer ihn geschrieben hat und an wen, gehört zu den bekannten offenen Fragen der Bibelwissenschaft. Die 6 Kapitel stehen hier in der Lutherbibel von 1912, jedes auf einer eigenen Seite.
Ephesus und die Adresse
In der Lutherbibel geht der Brief an "den Heiligen zu Ephesus und Gläubigen an Christum Jesum" (1,1) [3]. Ephesus kannte Paulus gut. Nach der Apostelgeschichte lehrte er dort "zwei Jahre lang" (Apostelgeschichte 19,10) [3]. Umso mehr fällt auf, dass der Brief unpersönlich bleibt und keine Grüße an einzelne Gemeindeglieder enthält [4].

Die Ortsangabe "in Ephesus" fehlt in den ältesten und besten Handschriften, dem Papyrus 46 und den Codices Vaticanus und Sinaiticus. Die meisten anderen Handschriften haben sie [1]. Viele Forscher halten den Brief deshalb für ein Rundschreiben an mehrere Gemeinden in Kleinasien. Der Überbringer Tychikus hätte dann jeweils den Namen der Gemeinde eingesetzt [4]. Gegen diese Annahme spricht, dass keine Handschrift einen anderen Ort als Ephesus nennt [1]. Andere bringen den Brief mit dem Brief nach Laodizea in Verbindung, den der Kolosserbrief erwähnt [4]: Die Kolosser sollen dafür sorgen, "daß ihr den von Laodizea lest" (Kolosser 4,16) [3]. Nach der englischen Wikipedia könnte der Kanon des Marcion, die erste bekannte Sammlung neutestamentlicher Schriften, den Epheserbrief als Brief an die Laodizener geführt haben [2].
Wer den Brief geschrieben hat
Der Brief nennt Paulus als Absender (1,1) und lässt ihn als Gefangenen sprechen: "Derhalben ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch Heiden" (3,1) [3]. Die Überlieferung datiert ihn deshalb in die Haft des Paulus in Rom um 61 bis 63 und zählt ihn mit dem Philipper-, dem Kolosser- und dem Philemonbrief zu den Gefangenschaftsbriefen [4].
Als Erster bezweifelte Erasmus von Rotterdam 1519, dass Paulus den Brief geschrieben hat [1]. Die Zweifel stützen sich nach Wikipedia auf Stil, Theologie und die enge Abhängigkeit vom Kolosserbrief [1]. Für die historisch-kritische Exegese stellt Wikipedia einen weitgehenden Konsens über die Konfessionen hinweg fest: Der Brief stammt von einem Paulusschüler [1]. Raymond E. Brown schätzt, dass etwa 80 Prozent der kritischen Forschung so urteilen. Breiter gefasst ist eine Auszählung von Harold Hoehner: Von 279 Kommentaren sprachen sich 54 Prozent für Paulus als Verfasser aus, 39 Prozent dagegen, 7 Prozent blieben unentschieden [2]. Für Paulus treten etwa N. T. Wright ein, der den Brief für "höchstwahrscheinlich paulinisch" hält, und früher Heinrich Schlier, der ihn als Altersbrief las [1].
Wer einen Paulusschüler annimmt, datiert später. Die Vorschläge reichen von 70 bis 90 (Ulrich Luz) über 80 bis 90 (unter anderem Franz Mußner und Rudolf Schnackenburg) und den Anfang der 90er Jahre (Joachim Gnilka) bis um 100 (Philipp Vielhauer) [1]. Die Einleitung der katholischen Bischofskonferenz der USA nennt für diese Sicht etwa 80 bis 100 [4].
Verwandtschaft mit dem Kolosserbrief
Epheser- und Kolosserbrief stehen sich in Wortschatz und Stil sehr nahe. Die meisten Forscher nehmen an, dass der Verfasser des Epheserbriefs den Kolosserbrief kannte und benutzte. Andere halten einen gemeinsamen Verfasser für möglich [1]. Bart Ehrman verweist auf den Briefschluss: Epheser 6,21 bis 22 übernimmt 29 Wörter aus Kolosser 4,7 bis 8 [1]. In der Lutherbibel heißt es im Epheserbrief "Tychikus, mein lieber Bruder und getreuer Diener in dem HERRN" (6,21), im Kolosserbrief "Tychikus, der liebe Bruder und getreue Diener und Mitknecht in dem HERRN" (Kolosser 4,7) [3]. Den Vergleich kannst du auf der Seite Der Brief an die Kolosser nachlesen.

Aufbau des Briefes
Die Kapitel 1 bis 3 sind Lehre, die Kapitel 4 bis 6 Ermahnung für das Leben der Gemeinde [1]. Die englische Wikipedia gliedert feiner [2]:
| Kapitel und Verse | Abschnitt | Wichtige Stellen |
|---|---|---|
| 1,1 bis 1,2 | Gruß | Absender und Adresse |
| 1,3 bis 2,10 | Lobpreis und Heil durch Gnade | Erwählung, Christus als Haupt, "aus Gnade" |
| 2,11 bis 3,21 | Juden und Heiden, das Amt des Paulus | der abgebrochene Zaun, Gebet für die Gemeinde |
| 4,1 bis 4,16 | Einheit und Vielfalt der Gaben | ein Leib, ein Geist, Ämter |
| 4,17 bis 6,9 | Weisungen für den Alltag | alter und neuer Mensch, Haustafel |
| 6,10 bis 6,24 | Geistlicher Kampf und Schluss | Harnisch Gottes, Tychikus, Segen |
Inhalt im Überblick
Lobpreis und Gebet (Kapitel 1)
Der Lobpreis am Anfang spricht von einer Erwählung, die älter ist als die Welt: Gott hat die Christen erwählt, "ehe der Welt Grund gelegt war" (1,4) [3]. Es folgt ein Gebet für die Leser, das mit einem Bild endet, das den ganzen Brief prägt. Gott hat Christus "gesetzt zum Haupt der Gemeinde über alles" (1,22), "welche da ist sein Leib" (1,23) [1, 3]. Im griechischen Wort für Gemeinde, ekklesia, ist hier die ganze Kirche gemeint und nicht eine einzelne Ortsgemeinde [1].
Aus Gnade und der abgebrochene Zaun (Kapitel 2)
Kapitel 2 enthält einen der bekanntesten Sätze des Briefes: "Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es" (2,8), "nicht aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rühme" (2,9) [3]. Dann spricht der Brief die Leser als frühere Heiden an. Sie waren "fremd und außer der Bürgerschaft Israels" (2,12). Christus aber "hat abgebrochen den Zaun, der dazwischen war" (2,14) [3]. Daraus folgt: "So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen" (2,19), auf einem Bau, "da Jesus Christus der Eckstein ist" (2,20) [3]. Dass Christen aus Judentum und Heidentum in einer Kirche zusammenfinden, nennt die englische Wikipedia mit Frank Thompson den Grundton des Briefes [2].
Das Geheimnis und das Gebet des Gefangenen (Kapitel 3)
In Kapitel 3 beschreibt der Brief das Amt des Paulus. Ihm sei ein Geheimnis offenbart worden, "daß die Heiden Miterben seien und mit eingeleibt und Mitgenossen seiner Verheißung" (3,6) [3]. Darauf folgt ein Gebet: "Derhalben beuge ich meine Kniee vor dem Vater unsers HERRN Jesu Christi" (3,14). Der Beter wünscht den Lesern zu begreifen, "welches da sei die Breite und die Länge und die Tiefe und die Höhe" (3,18), und schließt mit einem Lobpreis (3,20 bis 21) [3].
Einheit und neues Leben (Kapitel 4 und 5,1 bis 20)
Der zweite Teil beginnt mit einer Mahnung zur Einheit. Sie wird in einer Reihe von Formeln entfaltet: "ein Leib und ein Geist" (4,4), "ein HERR, ein Glaube, eine Taufe" (4,5), "ein Gott und Vater unser aller" (4,6) [3]. Die Einleitung der US-Bischofskonferenz spricht von sieben Einheiten [4]. Christus hat der Gemeinde verschiedene Gaben gegeben, "etliche zu Aposteln gesetzt, etliche aber zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern" (4,11) [3].
Die Leser sollen "den alten Menschen" ablegen (4,22) und "den neuen Menschen" anziehen (4,24) [3]. Daraus folgen konkrete Regeln. Eine davon lautet: "Zürnet, und sündiget nicht; lasset die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen" (4,26). Weitere lauten "Wer gestohlen hat der stehle nicht mehr" (4,28) und "Seid aber untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem andern" (4,32) [3]. Die Gemeinde soll "in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern" miteinander reden (5,19) [3].
Die Haustafel (Kapitel 5,21 bis 6,9)
Ab Kapitel 5 folgt eine Haustafel, eine Reihe von Weisungen für die Beziehungen in einem antiken Haushalt [1, 2]. Sie beginnt mit einem Satz, der für alle gilt: "seid untereinander untertan in der Furcht Gottes" (5,21) [3]. Dann geht der Text die Gruppen einzeln durch. An die Frauen: "Die Weiber seien untertan ihren Männern als dem HERRN" (5,22). An die Männer: "Ihr Männer, liebet eure Weiber, gleichwie Christus auch geliebt hat die Gemeinde" (5,25) [3]. Die Ehe dient dem Brief als Bild für Christus und die Kirche: "Das Geheimnis ist groß; ich sage aber von Christo und der Gemeinde" (5,32) [3]. Es folgen Kinder und Väter (6,1 bis 4), Knechte und Herren (6,5 bis 9). Die Herren erinnert der Text daran, "daß auch euer HERR im Himmel ist und ist bei ihm kein Ansehen der Person" (6,9) [3].
Der Harnisch Gottes und der Schluss (Kapitel 6,10 bis 24)
Der letzte Abschnitt beschreibt das Leben der Christen als Kampf: "Ziehet an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnet gegen die listigen Anläufe des Teufels" (6,11) [3]. Die Gegner seien nicht Menschen: "Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen" (6,12) [3]. Wikipedia nennt das eine dualistische Kampfethik [1]. Dann wird die Rüstung Stück für Stück gedeutet, vom "Panzer der Gerechtigkeit" (6,14) über den "Schild des Glaubens" (6,16) bis zum "Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes" (6,17) [3]. Am Schluss kündigt der Brief Tychikus als Boten an (6,21 bis 22) und endet mit einem Segenswunsch (6,23 bis 24) [3].
Die Kirche als Thema des Briefes
Nach Wikipedia ist die weltweite Kirche als kosmischer Leib Christi das zentrale Thema [1]. Die US-Bischofskonferenz nennt als Leitgedanken unter anderem die Kirche als weltweiten Leib mit Christus als Haupt, das Heil aus der Liebe Gottes, die Einheit von Juden und Heiden in einem Haus und die Sendung der Kirche in die Welt [4]. Weil der Brief bedenkt, wie Christen aus verschiedenen Traditionen in einer Kirche zusammenfinden, gilt er nach Wikipedia als wichtiger Text für das ökumenische Gespräch [1]. Wie sich die frühen Gemeinden im Römischen Reich ausbreiteten, beschreibt die Seite Die Ausbreitung des Christentums auf geschichte.domain-root.de.

Die Kapitel im Überblick
Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "daß", "Christo" und "Weiber". Die 6 Kapitel haben 23, 22, 21, 32, 33 und 24 Verse, zusammen 155. Wer nur einen Teil lesen will, beginnt mit Kapitel 2 und liest dann Kapitel 4 und Kapitel 6. Die Zeit des Paulus in Ephesus erzählt die Apostelgeschichte in Kapitel 19. Mehr über Paulus steht auf der Seite Der Apostel Paulus.
Alle Kapitel: Epheser
- Brief des Paulus an die Epheser. Wikipedia. Stand 27.10.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Epistle to the Ephesians. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Ephesians, Introduction (New American Bible, Revised Edition). United States Conference of Catholic Bishops. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
Weitere Artikel
Neues TestamentDer Brief an die PhilipperPaulus schreibt aus der Haft an die Gemeinde in Philippi: Dank, der Christushymnus, Warnungen und viel Freude.
Neues TestamentDer Brief an die KolosserDer Kolosserbrief an eine Gemeinde in Kleinasien: Christushymnus, Warnung vor einer "Philosophie", Haustafel und Grüße.
Neues TestamentDer 1. Brief an die ThessalonicherDer 1. Thessalonicherbrief gilt als eine der ältesten christlichen Schriften.