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Der Prophet Nahum: Einführung und alle 3 Kapitel
Das Buch Nahum gehört zu den zwölf kleinen Propheten und hat 3 Kapitel. Es kündigt den Untergang Ninives an, der Hauptstadt des assyrischen Großreichs, und enthält Trostworte für Juda. Die Forschung setzt den Kern des Buches meist zwischen der Eroberung Thebens 663 und dem Fall Ninives 612 vor Christus an.

"Dies ist die Last über Ninive und das Buch der Weissagung Nahums von Elkos" (1,1). Mit diesem Satz beginnt das Buch des Propheten Nahum. Es richtet sich fast ganz gegen eine einzige Stadt: Ninive, die Hauptstadt Assyriens. Für das kleine Königreich Juda, das unter der assyrischen Vorherrschaft stand, bedeutete die Ankündigung ihres Untergangs nach Steiner auf katholisch.de eine gute Nachricht [2]. Den Bibeltext findest du hier in der Lutherbibel von 1912. Jedes der 3 Kapitel hat eine eigene Seite, die Übersicht steht am Ende dieser Einführung.
Name und Stellung in der Bibel
Nahum gehört zum Zwölfprophetenbuch, also zu den sogenannten kleinen Propheten [1]. In der Lutherbibel steht es zwischen Micha und Habakuk. Der hebräische Name Nahum lässt sich als "trostreich" deuten oder als Kurzform von Nehemia, "der Herr hat getröstet" [1]. Die Septuaginta, die alte griechische Übersetzung, schreibt Naum, ebenso die lateinische Vulgata [1].
Über den Propheten selbst ist kaum etwas bekannt. Außer seinem Namen nennt das Buch nur seinen Herkunftsort Elkosch, bei Luther "Elkos", und dieser Ort lässt sich heute nicht mehr bestimmen [1, 2]. Weil eine Person Nahum sonst nirgends im Alten Testament vorkommt, halten manche Ausleger den Namen für eine Anspielung auf den Inhalt: Das Unheil für Assyrien bedeutet Trost für Israel [1].
Inhalt im Überblick
Das Buch ist kurz und poetisch. Die folgende Gliederung stammt aus der "Einleitung in das Alte Testament" von Erich Zenger, wie sie die Wikipedia wiedergibt [1]:

| Verse | Abschnitt | Kennzeichen |
|---|---|---|
| 1,1 | Überschrift | zweiteilig: "Last über Ninive" und "Buch der Weissagung" |
| 1,2 bis 8 | Psalm über das Erscheinen Gottes | alphabetisch angelegter Hymnus |
| 1,9 bis 2,3 | Streitrede | wechselnd an Juda und an Ninive gerichtet |
| 2,4 bis 14 | erstes Gerichtswort gegen Ninive | Schilderung der Eroberung, Spottlied |
| 3,1 bis 7 | zweites Gerichtswort | Leichenklage, Gottesspruch |
| 3,8 bis 19 | drittes Gerichtswort | Vergleich mit No-Amon, Spottklage |
Der Psalm am Anfang (Kapitel 1)
Der erste Abschnitt beschreibt, wie Gott in Sturm und Erdbeben erscheint. "Der HERR ist ein eifriger Gott und ein Rächer", heißt es in 1,2, und gleich danach: "Der HERR ist geduldig und von großer Kraft" (1,3) [3]. Berge zittern, Hügel zergehen, und doch steht in der Mitte ein Satz des Vertrauens: "Der HERR ist gütig und eine Feste zur Zeit der Not und kennt die, die auf ihn trauen" (1,7) [3]. Im Hebräischen folgen die Verse dieses Hymnus teilweise dem Alphabet [1]. In der Übersetzung ist das nicht mehr zu sehen.
Die Botschaft an Juda (1,9 bis 2,3)
Danach wechselt die Rede mehrmals ihr Gegenüber. Mal wird Juda angesprochen, mal Ninive [1]. Juda hört, dass Gott das fremde "Joch" zerbrechen will (1,13). Am Anfang von Kapitel 2 steht ein Satz, der an eine Stelle im Buch Jesaja erinnert: "Siehe, auf den Bergen kommen Füße eines guten Boten, der da Frieden verkündigt!" (2,1) [3]. Der Alttestamentler Jörg Jeremias sieht in diesem Vers eine Anlehnung an Jesaja 52,7 [1].
Der Fall Ninives (2,4 bis 3,19)
Der Hauptteil schildert in schnellen Bildern, wie die Stadt erobert wird. "Die Wagen rollen auf den Gassen und rasseln auf den Straßen" (2,5), die Tore an den Wassern werden geöffnet, und "Ninive ist wie ein Teich voll Wasser von jeher; aber dasselbe wird verfließen müssen" (2,9) [3]. Kapitel 3 beginnt mit einem Weheruf: "Weh der mörderischen Stadt, die voll Lügen und Räuberei ist" (3,1) [3]. Jeder der drei Teile des Gerichtsworts nennt einmal Ninive oder Assur [1].
In 3,8 vergleicht der Prophet Ninive mit der Stadt No-Amon, die trotz ihrer Lage am Wasser erobert wurde [3]. Das Buch endet mit einer Frage an den König von Assur: "denn über wen ist nicht deine Bosheit ohne Unterlaß gegangen?" (3,19) [3].
Ninive, Assur und No-Amon
Ninive lag in der Nähe des heutigen Mossul im Norden des Irak [2]. Assyrien baute zwischen 750 und 612 vor Christus sein Reich gewaltsam aus und ließ unterworfene Kleinstaaten als Provinzen oder Vasallen Abgaben leisten [1]. Im Jahr 722 vor Christus eroberte Sargon II. das Nordreich Israel, 701 belagerte sein Nachfolger Sanherib Jerusalem. Die Stadt fiel nicht, Juda blieb aber ein von Assyrien abhängiger Staat [2]. Mehr zu diesem Reich steht auf geschichte.domain-root.de unter Assyrien.

| Name im Buch | Bedeutung | Stelle |
|---|---|---|
| Nahum von Elkos | Prophet, Herkunftsort unbekannt | 1,1 |
| Ninive | Hauptstadt Assyriens | 1,1; 2,9; 3,7 |
| König zu Assur | der Herrscher Assyriens | 3,18 |
| Juda | das Königreich, an das die Trostworte gehen | 2,1 |
| No-Amon | ägyptische Stadt, wohl Theben | 3,8 bis 10 |
| Basan, Karmel, Libanon | Landschaften, die vor Gott verschmachten | 1,4 |
No-Amon ist wohl mit Theben in Ägypten gleichzusetzen, das die Assyrer 663 vor Christus eroberten. Ninive wurde 612 vor Christus von Medern und Babyloniern zerstört [1, 2].
Wann das Buch entstanden ist
Aus dem Text ergibt sich ein Zeitfenster. Nahum erwähnt die Eroberung von No-Amon als vergangenes Ereignis und den Fall Ninives als kommendes. Weil die Fachwissenschaft das meist als echte Vorhersage ansieht, entstand der Hauptteil vermutlich zwischen 663 und 612 vor Christus, wohl nach dem Tod des assyrischen Königs Assurbanipal im Jahr 626 [1]. katholisch.de schreibt vorsichtiger, das Buch sei nach 664 geschrieben worden. Die Wendung "Siehe, ich will an dich" (2,14; 3,5) könne darauf hinweisen, dass die Unheilsworte vor der Zerstörung Ninives entstanden [2, 3].
Das heutige Buch ist wohl in mehreren Stufen gewachsen. Nach der Darstellung in der Wikipedia, die sich auf Zengers Einleitung stützt, beginnt dieser Prozess mit Texten aus dem 7. Jahrhundert und endet erst im 5. oder 4. Jahrhundert vor Christus [1]. Über den genauen Ablauf gibt es verschiedene Thesen. Klaus Seybold hält das Gedicht in 3,8 bis 19 für den ältesten Teil und datiert den Abschluss ins 4. Jahrhundert. Andere Forscher rechnen mit nur zwei Stufen: einer Sammlung von Gerichtsworten gegen Ninive (2,4 bis 3,19) und einer späteren Ergänzung von 1,2 bis 2,3 [1]. Der überlieferte hebräische Text gilt als überwiegend gut erhalten und verständlich. Als schwierige Stelle gilt vor allem 1,10 bis 11 [1].
In Qumran am Toten Meer fanden sich Teile des Textes, darunter eine Auslegung des Buches (4Q169). Dort wurde Nahum im 1. Jahrhundert vor Christus auf die Gegner der eigenen Gemeinschaft bezogen [1]. Eine hebräische Rolle des Zwölfprophetenbuchs aus dem Wadi Murabbaʿat enthält weite Teile des Buches, und im Nachal Chever wurden Bruchstücke einer griechischen Rolle gefunden [1].
Wie das Buch gedeutet wird
Das Buch beschreibt Leichenberge (3,3) und kündigt an, Gott werde die als Hure bezeichnete Stadt öffentlich bloßstellen (3,4 bis 7) [3]. Till Magnus Steiner deutet diese Gewaltsprache auf katholisch.de als Reaktion auf die Grausamkeit der Assyrer. Das Buch antworte "in der Sprache der assyrischen Propaganda" auf die Übermacht des Großreichs [2]. Er versteht die Vergeltung im Buch als eine Form, Recht zu schaffen, und liest es so, dass Nahum das Recht auf Gewalt ganz in Gottes Hände legt [2].

Nach Erich Zenger lässt sich das Buch als "Lehrstück zum Thema Gott und die Weltmacht" verstehen. Begriffe wie Zorn und Rache in 1,2 bis 8 sind nach dieser Deutung als Rechtsbegriffe zu lesen [1]. Im Zusammenhang der zwölf kleinen Propheten ergibt sich ein weiterer Bezug: Das Buch Jona erzählt, dass Gott Ninive verschont, als die Stadt umkehrt. Nahum dagegen kündigt ihr Ende an [1]. Mehr über die Prophetenbücher und ihre Reihenfolge steht auf der Seite Die Propheten des Alten Testaments.
Die Kapitel im Überblick
Die Zitate auf dieser Seite folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "läßt" und "daß" [3]. Kapitel 1 enthält den Hymnus, Kapitel 2 die Schilderung der Eroberung und Kapitel 3 den Weheruf über Ninive. Manche Ausgaben, etwa die Lutherbibel 1912 bei eBible.org, zählen den Vers "Siehe, auf den Bergen kommen Füße eines guten Boten" als 1,15 [3]. Hier steht er wie im hebräischen Text als 2,1. Deshalb hat Kapitel 1 nur 14 Verse und Kapitel 2 hat 14 statt 13. Alle Versnummern in Kapitel 2 liegen hier um eins höher als bei eBible: Der Satz "Siehe, ich will an dich" steht hier in 2,14, bei eBible in 2,13.
Alle Kapitel: Nahum
- Nahum. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Nahum: Mit Gewalt zum Frieden? (Till Magnus Steiner). katholisch.de. Stand 30.11.2018. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Nahum. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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