Das Neue TestamentRatgeber

Der Brief an die Römer: Einführung und alle 16 Kapitel

Der Römerbrief hat 16 Kapitel mit 433 Versen. Paulus schrieb ihn vermutlich im Winter 55/56 in Korinth an die christlichen Hausgemeinden in Rom, die er nicht selbst gegründet hatte. Im Mittelpunkt steht die Gerechtigkeit Gottes, die nach Paulus aus dem Glauben kommt; dazu kommen die Kapitel 9 bis 11 über Israel und Weisungen für das Zusammenleben.

Eine antike römische Straße mit Pflastersteinen und zerbrochenen Säulen bei Sonnenuntergang, dahinter Pinien auf einem Hügel
Bild: KI-generiert

"Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben, die Juden vornehmlich und auch die Griechen" (1,16) [3]. Die Verse 1,16 und 1,17 gelten in der Forschung als das Thema des Römerbriefs [1]. Paulus schreibt an eine Gemeinde, die er nicht gegründet hat, und legt ihr seine Botschaft ausführlich dar: über Sünde und Gesetz, über Glauben und Gerechtigkeit, über Israel und über das Leben in der Gemeinde. Der Brief hat 16 Kapitel mit 433 Versen. Er gehört zu den sieben Briefen, deren Verfasser Paulus in der Forschung kaum bestritten ist [1]. Zitiert wird nach der Lutherbibel von 1912.

Die Christen in Rom

Paulus hat die Gemeinde in Rom nicht gegründet, und der Brief gibt keine konkreten Nachrichten über sie [1]. Er schreibt, er habe sich oft vorgenommen, nach Rom zu kommen, "bin aber verhindert bisher" (1,13) [3]. Die Empfänger waren nach der deutschen Wikipedia wohl überwiegend Heidenchristen, angesprochen werden aber auch Juden und Judenchristen [1]. Die Grußliste in Kapitel 16 nennt fünf Männer und sieben Frauen mit Aufgaben in Mission oder Gemeinde. Die Namen deuten auf Menschen aus dem Osten, einige sind typische Sklavennamen [1].

Ein kleiner Innenhof eines antiken römischen Hauses mit Steinboden, niedrigem Tisch, Brot und Tonkrug im Abendlicht
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Unter den Gegrüßten sind Priscilla und Aquila (16,3). Die Apostelgeschichte berichtet, dass das Ehepaar aus Italien nach Korinth gekommen war, "darum daß der Kaiser Klaudius geboten hatte allen Juden, zu weichen aus Rom" (Apostelgeschichte 18,2) [3]. Diese Ausweisung erwähnt auch der römische Schriftsteller Sueton, der als Anlass Unruhen "auf Betreiben des Chrestus" (Übersetzung nach der englischen Wiedergabe der lateinischen Stelle) nennt. Ob damit Christus gemeint ist, ist in der Forschung umstritten. Die Jahreszahl 49 geht auf den späteren Geschichtsschreiber Orosius zurück und ist ebenfalls umstritten, sicher ist nur ein Zeitraum zwischen 41 und 53 [2]. Wie Rom zu dieser Zeit regiert wurde, beschreibt die Seite Das Römische Reich auf geschichte.domain-root.de.

Wann und wo der Brief entstand

Als Abfassungsort gilt Korinth. Paulus lässt grüßen von "Gajus, mein und der ganzen Gemeinde Wirt" (16,23). Das ist wahrscheinlich der Gajus, den Paulus in Korinth getauft hat (1. Korinther 1,14) [1, 3]. Empfohlen wird "unsere Schwester Phöbe, welche ist im Dienste der Gemeinde zu Kenchreä" (16,1) [3]. Kenchreä war der Hafen von Korinth, und Phöbe brachte den Brief nach der deutschen Wikipedia nach Rom [1]. Den Text niedergeschrieben hat ein Mann namens Tertius: "Ich, Tertius, grüße euch, der ich diesen Brief geschrieben habe" (16,22) [3].

Ein antiker Hafen an einer ruhigen Bucht mit hölzernen Handelsschiffen und steinernen Lagerhäusern am frühen Morgen
Bild: KI-generiert

Meist wird der Brief auf den Winter 55/56 datiert, mit einem Spielraum von ein bis zwei Jahren. Diese Datierung hängt an Apostelgeschichte 18,12 bis 17, wo Gallio als Statthalter von Achaja vorkommt, der von Juli 51 bis Juni 52 im Amt war. Wer der Apostelgeschichte weniger traut, kann nur die zweite Hälfte der 50er Jahre angeben [1].

Seine Pläne nennt Paulus selbst. Er will zuerst Geld nach Jerusalem bringen, das die Gemeinden in Mazedonien und Achaja "den armen Heiligen zu Jerusalem" gesammelt haben (15,25 bis 26). Danach will er "durch euch nach Spanien ziehen" (15,28) [3]. Rom sollte nach der deutschen Wikipedia der Ausgangspunkt für diese Mission werden [1]. Ob die Sammlung in Jerusalem angenommen wird, ist für Paulus offen. Er bittet um Gebet, "daß mein Dienst, den ich für Jerusalem tue, angenehm werde den Heiligen" (15,31) [3]. Warum er gerade diesen Brief schrieb, wird verschieden erklärt. Günther Bornkamm sah darin 1971 das Testament des Paulus angesichts der Gefahr in Jerusalem, Eduard Lohse eine zeitlose Darstellung des Evangeliums [1].

Aufbau des Briefes

Die deutsche Wikipedia gliedert den Brief so [1]:

Kapitel und VerseInhalt
1,1 bis 17Gruß, Dank und Thema (1,16 bis 17)
1,18 bis 3,20Heiden und Juden ohne das Evangelium
3,21 bis 5,21Rechtfertigung aus Glauben, Abraham, Adam und Christus
6,1 bis 8,39Das neue Leben der Getauften
9,1 bis 11,36Israel
12,1 bis 15,13Leben nach dem Evangelium, Obrigkeit, Starke und Schwache
15,14 bis 16,23Reisepläne und Grüße
16,25 bis 27Lobpreis zum Schluss

Inhalt im Überblick

Alle unter der Sünde (1,18 bis 3,20)

Der erste große Teil beginnt mit dem Zorn Gottes über "alles gottlose Wesen und Ungerechtigkeit der Menschen" (1,18) [3]. Paulus beschreibt zuerst die Heiden, dann wendet er sich an einen Menschen, der andere richtet: "Darum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen" (2,1). Sein Ergebnis fasst er mit Zitaten aus den Psalmen zusammen: "Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht einer" (3,10) [3]. Nach der deutschen Wikipedia zitiert der Brief am häufigsten aus Jesaja und den Psalmen [1].

Gerecht durch Glauben (3,21 bis 5,21)

Mit "Nun aber" (3,21) setzt Paulus neu ein. Die Gerechtigkeit, "die vor Gott gilt", komme "durch den Glauben an Jesum Christum zu allen und auf alle, die da glauben" (3,21 bis 22) [3]. Daraus folgert er: "So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben" (3,28) [3]. Kapitel 4 führt Abraham als Beispiel an und zitiert 1. Mose 15,6: "Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet" (4,3) [3]. Nach der deutschen Wikipedia bietet Abraham hier Juden und Heiden eine gemeinsame Gestalt zur Identifikation [1]. In Kapitel 5 stellt Paulus Adam und Christus gegenüber: "wie durch einen Menschen die Sünde ist gekommen in die Welt und der Tod durch die Sünde" (5,12) [3].

Taufe, Gesetz und Geist (Kapitel 6 bis 8)

Kapitel 6 deutet die Taufe als Begrabenwerden mit Christus und folgert: "also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln" (6,4). Kapitel 7 spricht in der Ich-Form über den Zwiespalt eines Menschen unter dem Gesetz: "Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich" (7,19) [3]. Die deutsche Wikipedia versteht es als fiktives Ich, als Prosopopoiie [1]. Kapitel 8 endet mit der Aussage, dass "weder Tod noch Leben" und "keine andere Kreatur" von der Liebe Gottes scheiden könne (8,38 bis 39) [3].

Israel (Kapitel 9 bis 11)

Paulus beginnt mit seiner Trauer über das eigene Volk, dem "die Kindschaft und die Herrlichkeit und der Bund und das Gesetz" gehören (9,4) [3]. Er fragt: "Hat denn Gott sein Volk verstoßen? Das sei ferne!" (11,1). Am Ende spricht er von einem "Geheimnis": Verstockung sei Israel "zum Teil widerfahren, so lange, bis die Fülle der Heiden eingegangen sei und also das ganze Israel selig werde" (11,25 bis 26) [3]. Die deutsche Wikipedia beschreibt den Gedankengang als Weg in drei Schritten, in dem Israel strauchelt, eifersüchtig wird und zuletzt gerettet wird [1]. Die Kapitel schließen mit einem Lobpreis: "O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und Erkenntnis Gottes!" (11,33) [3].

Leben in der Gemeinde (12,1 bis 15,13)

Der letzte Hauptteil gibt Weisungen. Dazu gehören "Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden" (12,15) und "Laß dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem" (12,21) [3]. Kapitel 13 beginnt mit dem Satz "Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat" (13,1) und fasst die Gebote im Satz "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" zusammen (13,9) [3]. In Kapitel 14 geht es um Streit über Speisen und Feiertage. Paulus mahnt: "Den Schwachen im Glauben nehmet auf" (14,1) [3].

Das Wort "allein" in 3,28

Den Satz aus 3,28 übersetzte Martin Luther mit "allein durch den Glauben", so steht er auch in der Lutherbibel von 1912 [3]. Für das Wort "allein" wurde Luther kritisiert. Im "Sendbrief vom Dolmetschen" von 1530 räumte er ein: "Diese vier Buchstaben s-o-l-a stehen nicht drinnen" [4]. Er begründete das Wort damit, dass die deutsche Sprache es brauche, um den Sinn klar auszudrücken, denn er habe "deutsch, nicht lateinisch noch griechisch reden wollen" [4]. Wie Luthers Übersetzung bis zur Fassung von 1912 weiterlebte, erklärt die Seite Die Lutherbibel 1912: Geschichte und Sprache.

Wirkungsgeschichte

Augustinus erzählt von einem Garten in Mailand, in dem er im Sommer 386 eine Kinderstimme "Nimm und lies" rufen hörte. Er schlug die Paulusbriefe auf, las Römer 13,13 bis 14 und entschloss sich zu einem asketischen Leben [1]. Martin Luther hielt 1515/16 eine Vorlesung über den Römerbrief. In der Vorrede seines Septembertestaments von 1522 nannte er ihn "das rechte Hauptstück des Neuen Testaments" [1]. John Wesley hörte am 24. Mai 1738 in London, wie jemand Luthers Vorrede zum Römerbrief vorlas, und beschrieb danach in seinem Tagebuch, wie ihm das Herz warm wurde [1]. Karl Barth veröffentlichte 1919 einen Kommentar unter dem Titel "Der Römerbrief" und 1922 eine gründlich umgearbeitete zweite Auflage [1].

Ein stiller Garten mit Feigenbaum und Steinbank, auf der ein geschlossener alter Lederband liegt, im weichen Sommerlicht
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Die Kapitel im Überblick

Die Zitate stehen in der Schreibweise der Lutherbibel von 1912, etwa "daß" und "Christo". Die 16 Kapitel und ihre 433 Verse folgen der üblichen Zählung, der Lobpreis steht als 16,25 bis 27 am Ende. Viele Exegeten halten diesen Schluss für einen späteren Zusatz. In den Handschriften ist das Ende der Kapitel 15 und 16 in 14 verschiedenen Formen überliefert [1]. Der Satz mit dem Wort "allein" steht in Kapitel 3, die Gedanken über Israel stehen in den Kapiteln 9 bis 11. Von der Ankunft des Paulus in Rom erzählt die Apostelgeschichte in Kapitel 28. Das Thema Glaube und Gesetz behandelt Paulus auch im Brief an die Galater, und über den Verfasser informiert die Seite Der Apostel Paulus.

Alle Kapitel: Römer

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  3. 3
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  12. 12
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  14. 14
  15. 15
  16. 16
  1. Brief des Paulus an die Römer. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Claudius' expulsion of Jews from Rome. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Sendbrief vom Dolmetschen. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.