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Der Prophet Hesekiel: Einführung und alle 48 Kapitel
Das Buch Hesekiel, katholisch Ezechiel, hat 48 Kapitel und gehört zu den großen Propheten. Hesekiel war Priester und lebte mit den 597 vor Christus aus Jerusalem Verschleppten in Babylonien. Bekannt sind seine Visionen vom Thronwagen Gottes, vom Feld der Totengebeine und vom neuen Tempel.

Ein weites Feld voller Knochen, die sich wieder zusammenfügen, Haut bekommen und aufstehen: Die Vision von den Totengebeinen in Kapitel 37 ist ein bekanntes Bild aus dem Buch Hesekiel [3]. Hesekiel, in katholischen Bibeln Ezechiel, lebte als Verschleppter in Babylonien und hat nie in Israel als Prophet gewirkt [1]. Sein Buch hat 48 Kapitel und gehört mit Jesaja und Jeremia zu den großen Propheten [1]. Den Bibeltext findest du hier in der Lutherbibel von 1912, deren Wortlaut gemeinfrei ist [3]. Jedes Kapitel hat eine eigene Seite, die Übersicht steht am Ende dieser Einführung.
Wer war Hesekiel?
Das Buch stellt ihn gleich zu Beginn vor: "Hesekiel, dem Sohn Busis, dem Priester, im Lande der Chaldäer, am Wasser Chebar" (1,3) [3]. Er war Priester, hebräisch Kohen [1]. Der Name bedeutet etwa "Gott stärkt". Die Formen Hesekiel und Ezechiel gehen auf unterschiedliche Überlieferungen des hebräischen Namens zurück [1].

Hesekiel gehörte zur ersten Gruppe der Judäer, die der babylonische König Nebukadnezar II. nach Babylonien wegführte. Die englische Wikipedia datiert diese Deportation auf 597, die deutsche auf 598 vor Christus [1, 2]. Unter den Verschleppten war auch König Jojachin. Hesekiel datiert seine erste Vision in das fünfte Jahr, "nachdem Jojachin, der König Juda's, war gefangen weggeführt" (1,2) [3]. Er wohnte mit anderen Verbannten in Thel-Abib am Wasser Chebar (3,15) [3]. Seine Visionen fallen in die 22 Jahre von 593 bis 571 vor Christus [2]. Damit war er ein Zeitgenosse Jeremias [1].
Die Zeit des Exils
Nach der ersten Deportation blieb Jerusalem noch einige Jahre bestehen. Nach einem weiteren gescheiterten Aufstand zerstörten die Babylonier 586 vor Christus die Stadt und den Tempel [2]. Dieses Ereignis teilt das Buch in zwei Hälften. Vorher kündigt Hesekiel den Fall Jerusalems an, danach spricht er vom Wiederaufbau [1]. Mehr über das Babylonische Reich steht auf geschichte.domain-root.de auf der Seite Babylonien.
Aufbau des Buches
Das Buch lässt sich in vier Teile gliedern [1, 2].
| Teil | Kapitel | Inhalt |
|---|---|---|
| Gericht über Juda und Jerusalem | 1 bis 24 | Berufung, Zeichenhandlungen, Anklagen, Ankündigung des Falls Jerusalems |
| Worte gegen die Völker | 25 bis 32 | Moab, Edom, Philister, Ammon, Tyrus, Sidon und Ägypten |
| Trost und Wiederaufbau | 33 bis 39 | der gute Hirte, die Totengebeine, Gog und Magog |
| Der neue Tempel | 40 bis 48 | Vision von Tempel, Land und Stadt |
Inhalt im Überblick
Thronwagen und Berufung (Kapitel 1 bis 3)
Das Buch beginnt mit einer Vision am Fluss Chebar. Aus einer Wolke voll Feuer erscheinen vier Wesen mit je vier Gesichtern und vier Flügeln, daneben Räder, "voller Augen um und um" (1,18) [3]. Darüber sieht Hesekiel einen Thron und auf ihm "einer gleichwie ein Mensch gestaltet" (1,26). Der Text nennt das "das Ansehen der Herrlichkeit des HERRN" (1,28) [3]. Diese Beschreibung des Thronwagens ist die ausführlichste ihrer Art in der Bibel [1].

Danach wird Hesekiel berufen. Gott nennt ihn durchgehend "Menschenkind" und gibt ihm eine Schriftrolle, bei Luther einen "Brief", zu essen; sie ist "so süß wie Honig" (3,3) [3]. Kurz darauf sagt Gott zu ihm: "ich habe dich zum Wächter gesetzt über das Haus Israel" (3,17). Der Wächter soll die Menschen warnen, sonst wird er für ihren Tod verantwortlich gemacht (3,18 bis 21) [3].
Zeichen und Anklagen (Kapitel 4 bis 24)
In diesem Teil führt Hesekiel öffentlich vor, was Jerusalem bevorsteht, und benutzt dafür Gegenstände. Eine dieser Handlungen dauert vierzig Tage [2]. Viele Worte klagen den Götzendienst in Jerusalem an. Neben harten Gerichtsbildern steht in Kapitel 18 ein Gedanke über persönliche Verantwortung. Hesekiel weist ein Sprichwort zurück: "Die Väter haben Herlinge gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden" (18,2). Stattdessen gilt: "Der Sohn soll nicht tragen die Missetat des Vaters, und der Vater soll nicht tragen die Missetat des Sohnes" (18,20) [3]. Wer umkehrt, soll leben, denn Gott fragt: "Meinest du, daß ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen?" (18,23) [3]. Die deutsche Wikipedia nennt diese Stelle eine Abkehr von der Sippenhaftung [1].
Zu diesem Teil gehören auch Bilder, die heute viele Leser verstören. In Kapitel 23 stellt Hesekiel Samaria und Jerusalem als zwei untreue Schwestern dar, Ohola und Oholiba, und beschreibt ihre Strafe sehr drastisch. In 9,4 bis 6 bekommen die Leute in Jerusalem, "so da seufzen und jammern über die Greuel", ein Zeichen an die Stirn und werden verschont, als das Gericht über die Stadt kommt [1, 3]. Das Zeichen ist im Hebräischen der Buchstabe Taw [1].
Worte gegen die Völker (Kapitel 25 bis 32)
Die Kapitel 25 bis 32 richten sich gegen Nachbarvölker Israels, von Moab und Edom bis zu den Handelsstädten Tyrus und Sidon und zu Ägypten [1]. Das Buch stellt Gott hier als Herrn über alle Völker dar [1].
Trost für die Verbannten (Kapitel 33 bis 39)
Im dritten Teil ändert sich der Ton. In Kapitel 34 kritisiert Hesekiel die "Hirten" Israels, also die führenden Leute, und kündigt an, Gott werde selbst Hirte seines Volkes sein [1]. In Kapitel 37 folgt die Vision vom Feld der Gebeine. Hesekiel soll zu den Knochen sprechen: "Ihr verdorrten Gebeine, höret des HERRN Wort!" (37,4). Erst wachsen Adern, Fleisch und Haut, dann kommt Odem in sie, "und ihrer war ein großes Heer" (37,10) [3]. Die Deutung folgt im Text selbst: "diese Gebeine sind das ganze Haus Israel", das sagt: "unsere Hoffnung ist verloren, und es ist aus mit uns" (37,11) [3]. Im selben Kapitel nimmt Hesekiel zwei Hölzer, eines für Juda und eines für Joseph, und fügt sie in seiner Hand zu einem zusammen. Das steht für die Vereinigung der beiden Reiche (37,16 bis 22) [3]. Die Kapitel 38 und 39 handeln von Gog aus dem Land Magog, einem Feind, dessen Untergang ein neues Zeitalter des Friedens einleitet [2].
Der neue Tempel (Kapitel 40 bis 48)
Die letzte große Vision ist auf das 25. Jahr der Gefangenschaft datiert (40,1) [3]. Ein Mann "des Ansehen war wie Erz" führt Hesekiel durch einen künftigen Tempel und misst mit einer Messrute Tore, Höfe und Kammern genau aus (40,3 bis 5) [3]. Unter der Schwelle des Tempels entspringt ein Wasser, das immer tiefer wird und durch das Land ins Meer fließt. Dort soll es das Wasser gesund machen, sodass es "sehr viel Fische haben" wird und Fischer "von Engedi bis zu En-Eglaim" ihre Netze aufspannen (47,1 bis 10) [3]. Danach wird das Land neu unter die zwölf Stämme verteilt. Auch die Fremdlinge, die unter ihnen wohnen, sollen Erbteil bekommen "gleich wie die Einheimischen" (47,22) [1, 3]. Das Buch endet mit dem Namen der neuen Stadt: "Hier ist der HERR" (48,35) [3].
Wie das Buch entstanden ist
Hesekiel spricht im Buch fast durchgehend in der Ich-Form. Anders als bei früheren Propheten, deren Worte andere aufschrieben, gilt das Buch Hesekiel als von Anfang an schriftlich gestaltete Prophetie [2]. Die meisten Forscher halten den Kern für echt und rechnen mit späteren Ergänzungen durch Schüler des Propheten [2]. Der Kommentar von Walther Zimmerli hat beschrieben, wie aus einzelnen Worten durch fortgesetzte Bearbeitung ein Buch wurde [2]. Einzelne Forscher haben das Buch viel später ins 3. Jahrhundert vor Christus datiert; die neuere Forschung kehrt eher zur Entstehung im Exil zurück [2]. Die griechische Übersetzung ist etwas kürzer als der hebräische Text, nach der englischen Wikipedia um rund 8 von 1.272 Versen [2].

Nachwirkung
Die Vision vom Thronwagen, hebräisch Merkaba, wurde zur Grundlage jüdischer Mystik. Die Mischna erlaubte, den Anfang des Buches nur ausgewählten, weisen Schülern auszulegen [1]. Im Neuen Testament greift keine Schrift so oft auf Hesekiel zurück wie die Offenbarung des Johannes. Gog und Magog in Offenbarung 20,8 und die neue Stadt in den Kapiteln 21 und 22 nehmen Bilder aus Hesekiel auf [2]. Michelangelo malte den Propheten 1510 an die Decke der Sixtinischen Kapelle [1]. Seit dem 10. Jahrhundert verehren Juden in Al-Kifl im heutigen Irak ein Grab, das als Grab Hesekiels gilt [1]. Einen Überblick über alle Prophetenbücher gibt die Seite Die Propheten des Alten Testaments.
Stellung in der Bibel
In der Hebräischen Bibel gehört Hesekiel zu den hinteren Propheten (Nevi'im), im christlichen Alten Testament zu den großen Propheten [1]. In der Lutherbibel steht das Buch nach den Klageliedern und vor Daniel. Zeitlich steht es dem Buch Jeremia nahe, denn beide Propheten waren Zeitgenossen [1].
Die Kapitel im Überblick
Die Zitate auf dieser Seite folgen der Lutherbibel von 1912 mit Schreibweisen wie "daß", "Chebar" und "Thel-Abib". Für Gott steht oft die doppelte Anrede "der Herr HERR", etwa in 2,4 [3]. Einen ersten Eindruck geben Kapitel 1 mit dem Thronwagen, Kapitel 18 über die eigene Verantwortung und Kapitel 37 mit den Totengebeinen.
Alle Kapitel: Hesekiel
- Buch Ezechiel. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Book of Ezekiel. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Hesekiel. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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