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Das Pfingstwunder in der Apostelgeschichte
Das Pfingstwunder steht in Apostelgeschichte 2. Am Pfingsttag kommt nach dem Bericht ein Brausen vom Himmel, auf den versammelten Jüngern erscheinen Zungen wie von Feuer, und sie reden in fremden Sprachen, die Menschen aus vielen Ländern verstehen. Petrus deutet das Ereignis mit einem Wort des Propheten Joel, und nach der Erzählung lassen sich an diesem Tag etwa dreitausend Menschen taufen.

Pfingsten kommt vom griechischen pentēkostē hēméra, "der fünfzigste Tag" [2]. Die Christen feiern es am 50. Tag der Osterzeit, 49 Tage nach dem Ostersonntag, und erinnern an die Erzählung aus dem zweiten Kapitel der Apostelgeschichte [2]. Sie berichtet, wie der Heilige Geist auf die Jünger kommt und sie in fremden Sprachen reden. Das genaue Datum von Pfingsten in diesem Jahr steht bei feiertage-ferien.com. Zitiert wird nach der gemeinfreien Lutherbibel von 1912 in der Ausgabe von eBible.org.
Die Vorgeschichte in Apostelgeschichte 1
Die Apostelgeschichte beginnt mit einer Widmung an einen gewissen Theophilus und knüpft an ein früheres Buch an, "Die erste Rede habe ich getan, lieber Theophilus" (Apostelgeschichte 1,1) [1]. Nach dem Bericht zeigt sich der Auferstandene den Aposteln "vierzig Tage lang" (1,3) und befiehlt ihnen, in Jerusalem zu bleiben und "auf die Verheißung des Vaters" zu warten (1,4) [1]. Dazu sagt er: "ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird" (1,8). Danach wird er nach der Erzählung vor ihren Augen in einer Wolke aufgenommen (1,9) [1]. Das Lukasevangelium endet mit derselben Ankündigung (Lukas 24,49) [1].
Die Jünger kehren auf den Söller, ein Obergemach in Jerusalem, zurück. Kapitel 1 nennt die elf Apostel mit Namen, dazu die Frauen, Maria, die Mutter Jesu, und seine Brüder (1,13 bis 14). Insgesamt ist von "bei hundertundzwanzig Namen" die Rede (1,15) [1].
Brausen und Feuerzungen
Kapitel 2 beginnt mit dem Satz: "Und als der Tag der Pfingsten erfüllt war, waren sie alle einmütig beieinander" (Apostelgeschichte 2,1) [1]. Dann heißt es: "Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel wie eines gewaltigen Windes und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen" (2,2). "Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen" (2,3) [1].

Der vierte Vers beschreibt die Folge: "und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes und fingen an, zu predigen mit anderen Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen" (2,4) [1]. "Zunge" bedeutet in der Lutherbibel hier auch Sprache. Die deutsche Wikipedia verweist für Wind und Feuer auf Motive aus den Berichten vom Berg Sinai, wo Gott sich nach der Überlieferung zeigt [2].
Die Völkerliste
In Jerusalem halten sich nach dem Bericht "gottesfürchtige Männer aus allerlei Volk" auf (2,5). Als sie das Brausen hören, laufen sie zusammen, "denn es hörte ein jeglicher, daß sie mit seiner Sprache redeten" (2,6) [1]. Die Menge wundert sich: "Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa?" (2,7) [1]. Es folgt eine lange Aufzählung von Völkern und Ländern:

- Parther, Meder und Elamiter
- Bewohner von Mesopotamien, Judäa, Kappadozien, Pontus und Asien
- Phrygien, Pamphylien, Ägypten und Libyen bei Kyrene
- "Ausländer von Rom", Juden und Judengenossen
- Kreter und Araber
Alle sagen: "wir hören sie mit unsern Zungen die großen Taten Gottes reden" (2,11) [1]. Die Liste wirkt in ihrer Auswahl willkürlich. Nach der deutschen Wikipedia folgt sie einer ursprünglich babylonischen astrologischen Geographie, die einzelnen Ländern Tierkreiszeichen zuordnete. Der Artikel beruft sich dafür auf Stefan Weinstock und Wolfgang Hübner [2].
Spott und die Predigt des Petrus
Nicht alle staunen. "Die andern aber hatten's ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins" (2,13) [1]. Darauf tritt Petrus mit den elf anderen Aposteln auf und hält die erste Predigt der Apostelgeschichte. Gegen den Spott sagt er: "Denn diese sind nicht trunken, wie ihr wähnet, sintemal es ist die dritte Stunde am Tage" (2,15) [1].
Petrus deutet das Ereignis mit einem Wort des Propheten Joel. In der Apostelgeschichte lautet es: "Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, ich will ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen" (2,17) [1]. Im Buch Joel selbst beginnt der Satz anders: "Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen" (Joel 3,1) [1]. In englischen Bibeln und bei eBible.org steht dieser Vers als Joel 2,28, mit der Zusatznummer [3:1] [1].
Danach spricht Petrus über Jesus, über seinen Tod und seine Auferweckung, und zitiert dazu Psalm 16 (2,25 bis 28) und Psalm 110 (2,34 bis 35) [1]. Die Predigt gipfelt in dem Satz: "So wisse nun das ganze Haus Israel gewiß, daß Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zu einem HERRN und Christus gemacht hat" (2,36) [1]. Mehr über den Sprecher steht auf der Seite Petrus.
Taufe und erste Gemeinde
Die Zuhörer fragen: "Ihr Männer, was sollen wir tun?" (2,37). Petrus antwortet: "Tut Buße und lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes" (2,38) [1]. Nach dem Bericht "wurden hinzugetan an dem Tage bei dreitausend Seelen" (2,41) [1].
Das Kapitel endet mit einem Bild der ersten Gemeinde: "Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet" (2,42). Die Gläubigen "hielten alle Dinge gemein" (2,44) und verkauften ihren Besitz, um ihn nach Bedarf zu verteilen (2,45) [1]. Die Apostelgeschichte versteht das Ereignis als Gründung der Kirche [2]. Ein Beitrag auf evangelisch.de nennt die Ausgießung des Geistes die "Geburtsstunde der christlichen Gemeinde und der Kirche" [3].
Pfingsten und das jüdische Wochenfest
Der "Tag der Pfingsten" in Apostelgeschichte 2,1 ist ein jüdisches Fest, das Wochenfest, hebräisch Schawuot. Es ist eines der drei Wallfahrtsfeste, ein Erntefest, und erinnert zugleich an die Gabe der Tora am Sinai [2]. Das Alte Testament nennt es "Das Fest der Wochen" mit "den Erstlingen der Weizenernte" (2. Mose 34,22) [1]. Den Namen erklärt 3. Mose 23: Vom Tag der ersten Garbe an sollen "sieben ganze Wochen" gezählt werden, "bis an den Tag nach dem siebenten Sabbat, nämlich fünfzig Tage" (3. Mose 23,15 bis 16) [1]. Nach 5. Mose 16,11 sollen am Fest auch der Fremdling, die Waise und die Witwe mitfeiern [1].

Auch Paulus richtet seine Reisen nach dem Fest. Er will "zu Ephesus bleiben bis Pfingsten" (1. Korinther 16,8) und eilt ein anderes Mal, "auf den Pfingsttag zu Jerusalem zu sein" (Apostelgeschichte 20,16) [1]. Nach der deutschen Wikipedia stellt die Pfingsterzählung sprachlich Bezüge zur Gesetzgebung am Sinai her [2].
Sprachenwunder und Turmbau zu Babel
Die frühen christlichen Gemeinden kannten die Zungenrede, in der Fachsprache Glossolalie [2]. Apostelgeschichte 2 erzählt etwas anderes: Die Zuhörer verstehen die Jünger in ihrer eigenen Sprache. Dafür steht der Fachbegriff Xenoglossie [2]. Nach der deutschen Wikipedia hat Lukas eine ältere Überlieferung über Zungenrede zu einem Fremdsprachenwunder umgestaltet [2].
Manche christliche Auslegungen lesen das Pfingstwunder zusammen mit dem Turmbau zu Babel im 1. Buch Mose. Dort heißt es: "Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und Sprache" (1. Mose 11,1). Gott verwirrt ihre Sprache, "daß keiner des andern Sprache verstehe" (1. Mose 11,7) [1]. Ein Beitrag auf evangelisch.de stellt beide Erzählungen nebeneinander. Dort zerstreut Gott die Menschen, an Pfingsten sammelt der Geist sie [3]. Die Erzählung von Babel steht in der Einführung in das 1. Buch Mose.
Die Geistgabe bei Johannes
Das Johannesevangelium kennt kein Sprachenwunder. Dort gibt der Auferstandene den Jüngern den Geist schon am Abend des Ostertages: "Und da er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmet hin den Heiligen Geist!" (Johannes 20,22) [1, 2]. Später erzählt auch die Apostelgeschichte noch einmal von einer Geistgabe, diesmal an Menschen, die keine Juden sind: "Da Petrus noch diese Worte redete, fiel der heilige Geist auf alle, die dem Wort zuhörten" (Apostelgeschichte 10,44) [1].
Pfingsten heute
Pfingstsonntag fällt immer in die Zeit zwischen dem 10. Mai und dem 13. Juni. Der Pfingstmontag ist in Deutschland und Österreich gesetzlicher Feiertag [2]. Die Kirchen bezeichnen Pfingsten gern als "Geburtstag der Kirche" [2]. Als Zeichen für den Geist dienen die Feuerzungen aus Apostelgeschichte 2 und die Taube aus der Erzählung von der Taufe Jesu. Auch die Farbe Rot gilt als Symbol des Geistes [2]. Nach dem Fest ist auch die Pfingstbewegung benannt, eine weltweite christliche Bewegung mit vielen eigenen Kirchen [2].
Zu den bekannten Darstellungen des Pfingstwunders in der Kunst zählt die deutsche Wikipedia das Rabbula-Evangeliar von 586, den Ingeborg-Psalter um 1200 und das Stundenbuch "Les Très Riches Heures" aus dem 15. Jahrhundert [2]. Wie sich die Gemeinde nach Pfingsten über Jerusalem hinaus ausbreitete, beschreibt geschichte.domain-root.de auf der Seite Die Ausbreitung des Christentums.
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Public Domain. eBible.org. Stand 29.12.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Pfingsten. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Pfingsten: Vom Heiligen Geist begeistert. evangelisch.de. Stand 20.05.2018. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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