Das Neue TestamentRatgeber
Die Apostelgeschichte: Einführung und alle 28 Kapitel
Die Apostelgeschichte hat 28 Kapitel und ist der zweite Teil eines Werkes, dessen erster Teil das Lukasevangelium ist. Sie erzählt, wie sich die Botschaft von Jesus von Jerusalem aus bis nach Rom ausbreitet, zuerst mit Petrus, ab Kapitel 13 vor allem mit Paulus. Üblich ist eine Datierung auf etwa 80 bis 100 nach Christus.

Die Apostelgeschichte beginnt mit einer Widmung: "Die erste Rede habe ich getan, lieber Theophilus" (1,1) [3]. Mit der ersten Rede ist das Lukasevangelium gemeint. Beide Bücher sind demselben Theophilus gewidmet, über den sonst nichts bekannt ist, und bilden zusammen das lukanische Doppelwerk [1]. Die Apostelgeschichte setzt dort ein, wo das Evangelium endet, nach Auferstehung und Himmelfahrt, und folgt den ersten Christen von Jerusalem bis nach Rom [1, 2]. Im ersten Teil steht Petrus im Mittelpunkt, im zweiten Paulus. Die 28 Kapitel stehen hier in der Lutherbibel von 1912, jedes auf einer eigenen Seite.
Name und Verfasser
Der älteste griechische Titel lautet "Aposteltaten" (práxeis apostólōn). Wikipedia nennt ihn sekundär und begründet das damit, dass Paulus, die Hauptfigur der zweiten Hälfte, im Sinn des Lukas kein Apostel war [1]. Nach der englischen Wikipedia ist der Name zuerst bei Irenäus von Lyon im späten 2. Jahrhundert belegt. Ob er ihn geprägt hat, ist offen [2].
Einen Verfasser nennt der Text nicht. Die Überlieferung schreibt das Buch Lukas zu, dem Verfasser des Lukasevangeliums. Eine Stütze dafür ist der Satz "Lukas allein ist bei mir" im 2. Timotheusbrief (2. Timotheus 4,11) [1, 3]. Diesen Brief hält die Forschung aber mehrheitlich nicht für einen Brief des Paulus, und viele Exegeten bezweifeln, dass der Verfasser der Paulusbegleiter Lukas war [1]. Die englische Wikipedia beschreibt die Forschung in dieser Frage als gespalten. Die meisten Forscher sehen im Verfasser nach ihrer Darstellung aber jemanden, der Paulus kannte [2].
Wann und wo das Buch entstand
Die Vorschläge zur Datierung reichen von etwa 60 bis 150 nach Christus. Als übliche Datierung nennt Wikipedia die Jahre 80 bis 100 [1], die englische Wikipedia 80 bis 90 [2]. Für diese Zeit spricht nach der englischen Wikipedia, dass der Verfasser das Markusevangelium benutzt und auf die Zerstörung Jerusalems zurückblickt [2]. Einzelne Forscher datieren früher, etwa Colin Hemer auf den Anfang der 60er Jahre, oder später, etwa Richard Pervo auf die Zeit um 115 [1]. Wo das Buch geschrieben wurde, ist unbekannt. In Frage kommen eine Stadt im ägäischen Raum wie Ephesus, Korinth oder Philippi oder Rom [1].
Der Text ist in zwei Fassungen überliefert. Neben dem alexandrinischen Text gibt es den westlichen Text, benannt nach dem Codex Bezae. Er ist nach Wikipedia etwa 8,5 Prozent länger [1], nach der englischen Wikipedia 6,2 bis 8,4 Prozent [2]. Die meisten Forscher halten den kürzeren alexandrinischen Text für ursprünglicher [1, 2].
Aufbau des Buches
Den Weg des Buches gibt schon das erste Kapitel vor. Jesus sagt den Aposteln dort, sie würden "meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde" (1,8) [3]. Wikipedia gliedert das Buch in einen Vorspann und fünf Teile [1]:
| Kapitel und Verse | Teil | Wichtige Stellen |
|---|---|---|
| 1,1 bis 1,14 | Vorspann | Widmung an Theophilus, Himmelfahrt |
| 1,15 bis 8,3 | Die Gemeinde in Jerusalem | Pfingsten, Petrus vor dem Hohen Rat, Stephanus |
| 8,4 bis 12,25 | Ausbreitung bis Antiochia | Philippus, Saulus vor Damaskus, Kornelius |
| 13,1 bis 15,35 | Gemeinsame Mission von Paulus und Barnabas | erste Reise, Apostelkonzil |
| 15,36 bis 21,14 | Paulus als selbständiger Missionar | Philippi, Athen, Korinth, Ephesus |
| 21,15 bis 28,31 | Paulus als Gefangener | Jerusalem, Cäsarea, Seereise, Rom |
Die englische Wikipedia teilt gröber in zwei Hälften: bis Kapitel 12 die jüdisch geprägte Kirche von Jerusalem bis Antiochia, ab Kapitel 13 die Mission unter den Heiden [2].
Inhalt im Überblick
Himmelfahrt und Pfingsten (Kapitel 1 und 2)
Nach seinem Leiden zeigt sich Jesus den Aposteln nach dieser Erzählung "vierzig Tage lang" (1,3). Dann wird er vor ihren Augen aufgehoben, "und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg" (1,9) [3]. Für Judas wählen die übrigen Apostel einen Nachfolger, und "das Los fiel auf Matthias" (1,26). Kapitel 2 erzählt vom Pfingstfest. Ein Brausen erfüllt das Haus, es erscheinen "Zungen, zerteilt, wie von Feuer", und die Versammelten "fingen an, zu predigen mit anderen Zungen" (2,3 bis 4) [3]. Pilger aus vielen Ländern hören sie der Erzählung nach in ihrer eigenen Sprache. Die Liste reicht von "Parther und Meder und Elamiter" bis zu "Kreter und Araber" (2,9 bis 11). Nach einer Predigt des Petrus lassen sich "bei dreitausend Seelen" taufen (2,41) [3]. Mehr dazu steht auf der Seite Das Pfingstwunder in der Apostelgeschichte.
Die Gemeinde in Jerusalem (Kapitel 3 bis 8)
Die ersten Christen teilen nach der Darstellung ihren Besitz: "Die Menge aber der Gläubigen war ein Herz und eine Seele" (4,32) [3]. Petrus heilt nach der Erzählung einen Gelähmten am Tempel und sagt dabei: "Gold und Silber habe ich nicht" (3,6). Vor dem Hohen Rat fällt der Satz "Man muß Gott mehr gehorchen denn den Menschen" (5,29) [3]. Als Klage aufkommt, die Witwen der griechisch sprechenden Christen würden bei der Versorgung übersehen (6,1), wählt die Gemeinde sieben Männer, darunter Stephanus (6,5). Er wird laut Apostelgeschichte angeklagt und gesteinigt. Die Zeugen legen ihre Kleider "zu den Füßen eines Jünglings, der hieß Saulus" (7,58), und Stephanus bittet sterbend: "HERR, behalte ihnen diese Sünde nicht!" (7,60) [3]. Danach setzt eine Verfolgung ein, und die Gemeinde zerstreut sich "in die Länder Judäa und Samarien" (8,1) [3].
Samarien, Damaskus und Antiochia (Kapitel 8 bis 12)
Philippus predigt in Samarien. Unterwegs trifft er einen Kämmerer der Königin Kandaze, der in seinem Wagen den Propheten Jesaja liest, und fragt ihn: "Verstehst du auch, was du liesest?" (8,30) [3]. Saulus zieht unterdessen mit Briefen des Hohenpriesters nach Damaskus, um Anhänger "dieses Weges" gefangen nach Jerusalem zu bringen (9,2). Vor der Stadt umleuchtet ihn nach der Erzählung "plötzlich ein Licht vom Himmel", und er hört die Frage "Saul, Saul, was verfolgst du mich?" (9,3 bis 4) [3]. Er ist "drei Tage nicht sehend" (9,9), bis ihm ein Jünger namens Ananias die Hände auflegt (9,17) [3]. Die Apostelgeschichte erzählt diese Begebenheit dreimal, in Kapitel 9 und in zwei Reden des Paulus (22,6 bis 7 und 26,13 bis 14) [3]. In der Rede vor König Agrippa erzählt Paulus sie so, dass sie zu diesem Publikum passt [1].
In Cäsarea tauft Petrus laut Apostelgeschichte den römischen Hauptmann Kornelius und sein Haus (Kapitel 10). Er sagt dort: "Nun erfahr ich mit der Wahrheit, daß Gott die Person nicht ansieht" (10,34) [3]. In Antiochia wächst eine Gemeinde, und "daher die Jünger am ersten zu Antiochien Christen genannt wurden" (11,26) [3]. Kapitel 12 berichtet von einer Verfolgung unter König Herodes: "Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert" (12,2). Petrus wird gefangen gesetzt und kommt nach der Erzählung durch einen Engel frei (12,7) [3].
Die erste Reise und das Apostelkonzil (Kapitel 13 bis 15)
Nach der Erzählung sendet die Gemeinde in Antiochia Barnabas und Saulus aus (13,2). Ab hier heißt er meist Paulus: "Saulus aber, der auch Paulus heißt" (13,9) [3]. Die Reise führt über Zypern nach Perge in Pamphylien, nach Antiochien in Pisidien und nach Lystra und Derbe (13,4 bis 14,6) [3]. In Lystra hält die Menge die beiden für Götter und "nannten Barnabas Jupiter und Paulus Merkurius" (14,12) [3].
Danach kommt es zum Streit über die Beschneidung. Männer aus Judäa lehren: "Wo ihr euch nicht beschneiden lasset nach der Weise Mose's, so könnt ihr nicht selig werden" (15,1) [3]. Apostel und Älteste beraten darüber in Jerusalem, eine Versammlung, die als Apostelkonzil bekannt ist (15,1 bis 35) [1]. Nach Reden von Petrus und Jakobus legen sie den Christen aus den Heiden nur wenige Regeln auf. Sie sollen sich enthalten "vom Götzenopfer und vom Blut und vom Erstickten und von der Hurerei" (15,29) [3]. Paulus schildert ein Treffen in Jerusalem auch selbst, im Brief an die Galater (Galater 2,1 bis 10). Kurz nach dem Konzil trennen sich Paulus und Barnabas im Streit, und Barnabas fährt mit Markus nach Zypern (15,39) [3].
Philippi, Athen, Korinth und Ephesus (Kapitel 16 bis 21)
In Lystra nimmt Paulus Timotheus mit (16,1). Im Traum sieht er einen Mann, der ihn bittet: "Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!" (16,9) [3]. In Philippi hört ihm Lydia zu, "eine Purpurkrämerin aus der Stadt der Thyathirer" (16,14). Paulus und Silas kommen ins Gefängnis, und um Mitternacht öffnet nach der Erzählung ein Erdbeben die Türen (16,25 bis 26) [3].
In Athen spricht Paulus auf dem Areopag. Er knüpft an einen Altar an, "darauf war geschrieben: Dem unbekannten Gott" (17,23), und sagt: "Denn in ihm leben, weben und sind wir" (17,28) [3]. Wikipedia liest die Rede als Verbindung biblischer Überlieferung mit stoischer Philosophie [1]. In Korinth wohnt Paulus bei Aquila und Priscilla, die wie er "des Handwerks Teppichmacher" waren (18,3) [3]. Die Gemeinde dort kennst du aus dem 1. Brief an die Korinther. In Ephesus lehrt er "zwei Jahre lang" (19,10). Dann wiegelt der Goldschmied Demetrius, der silberne Tempel der Diana herstellt, die Stadt auf, und die Menge schreit "Groß ist die Diana der Epheser!" (19,28) [3]. In Milet verabschiedet sich Paulus von den Ältesten aus Ephesus und erinnert an ein Wort Jesu: "Geben ist seliger denn Nehmen" (20,35) [3].
Gefangenschaft und Fahrt nach Rom (Kapitel 21 bis 28)
Im Bericht der Apostelgeschichte kommt es in Jerusalem im Tempel zu einem Aufruhr gegen Paulus. Der römische Hauptmann lässt ihn "binden mit zwei Ketten" (21,33) [3]. Paulus verteidigt sich und stellt sich vor: "Ich bin ein jüdischer Mann, geboren zu Tarsus in Zilizien" (22,3). Er wird nach Cäsarea gebracht und bleibt dort zwei Jahre in Haft (24,27) [3]. Vor dem Statthalter Festus beruft er sich auf sein Recht: "Ich berufe mich auf den Kaiser!" (25,11). König Agrippa sagt nach der Anhörung: "Es fehlt nicht viel, du überredest mich, daß ich ein Christ würde" (26,28) [3].
Die Seefahrt nach Italien endet mit einem Schiffbruch, bei dem nach der Erzählung alle an Land kommen (27,41 bis 44). Die Insel, auf der sie stranden, heißt bei Luther "Melite" (28,1) [3]. Nach drei Monaten fahren sie weiter und erreichen Rom (28,11 bis 14). Dort darf Paulus mit einem Soldaten als Wache wohnen, wo er will (28,16) [3].
Die Wir-Berichte
An einigen Stellen wechselt die Erzählung plötzlich in die Wir-Form. Zum ersten Mal geschieht das in Troas: "da trachteten wir alsobald, zu reisen nach Mazedonien" (16,10) [3]. Weitere Wir-Abschnitte beginnen in 20,5 und 21,1, der längste umfasst die Seereise nach Rom von 27,1 bis 28,16 [3]. Meist geht es um Fahrten über das Meer [1]. Wie die Wir-Form zu erklären ist, ist umstritten. Wikipedia nennt drei Deutungen: Der Verfasser war selbst dabei, er hat einen Reisebericht als Quelle eingearbeitet, oder die Wir-Form ist ein Stilmittel [1]. Die englische Wikipedia verortet die Wir-Abschnitte in den Kapiteln 16 bis 27 [2].

Das offene Ende
Das Buch endet in Rom: "Paulus aber blieb zwei Jahre in seinem eigenen Gedinge und nahm auf alle, die zu ihm kamen" (28,30). Er predigt und lehrt "mit aller Freudigkeit unverboten" (28,31) [3]. Wie der Prozess vor dem Kaiser ausging, erzählt die Apostelgeschichte nicht. Die englische Wikipedia spricht von einem abrupten Ende [2]. Wikipedia nennt das Ende in drei Punkten offen: beim Ausgang des Prozesses, beim Schicksal Israels und bei der weiteren Mission [1].

Die Apostelgeschichte als Geschichtsquelle
Wie verlässlich die Apostelgeschichte als Geschichtsquelle ist, beurteilt die Forschung unterschiedlich. Viele der Reden gelten als Gestaltung des Verfassers, wie sie in der antiken Geschichtsschreibung üblich war. Als Quellen benutzte er die griechische Übersetzung des Alten Testaments (Septuaginta) und das Markusevangelium, nach Richard Pervo möglicherweise auch die Schriften des Josephus [1]. William Ramsay hielt die historischen Angaben für belastbar, Ernst Haenchen schätzte den Verfasser als Historiker gering ein, Martin Hengel und Peter Stuhlmacher trauten ihm die Verwendung zuverlässiger Überlieferung zu. Charles Kingsley Barrett fand ihn in der weltlichen Geschichte gut unterrichtet und sah die meisten Angriffspunkte bei den christlichen Themen [1]. Die Päpstliche Bibelkommission bestätigte 1913 Lukas als Verfasser und die volle Glaubwürdigkeit des Buches [1].

Die englische Wikipedia beobachtet, dass die deutschsprachige Forschung kritischer urteilt und die englischsprachige die Apostelgeschichte häufiger als glaubwürdige Geschichtsschreibung behandelt. Richard Pervo ordnete das Buch einer romanhaften Gattung zu. Die meisten Kommentatoren rechnen es aber zur antiken Geschichtsschreibung [2]. Wie sich das Christentum im Römischen Reich weiter ausbreitete, beschreibt die Seite Die Ausbreitung des Christentums auf geschichte.domain-root.de.
Die Kapitel im Überblick
Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "daß", "Mose's" und "Diana" für die Göttin von Ephesus. Die 28 Kapitel haben zusammen 1.007 Verse. Die Versnummern auf den Kapitelseiten stimmen mit der Zählung der Ausgabe von eBible.org überein, Kapitel 19 hat dort wie hier 41 Verse [3]. Wer nicht das ganze Buch lesen will, beginnt mit Kapitel 2, liest dann Kapitel 9, Kapitel 15 und Kapitel 17 und zum Schluss die Kapitel 27 und 28. Die Vorgeschichte erzählt das Evangelium nach Lukas. Mehr über die beiden Hauptfiguren steht auf den Seiten Petrus und Der Apostel Paulus.
Alle Kapitel: Apostelgeschichte
- Apostelgeschichte des Lukas. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Acts of the Apostles. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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