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Der Brief an Philemon: Einführung in den kürzesten Paulusbrief
Der Brief an Philemon ist der kürzeste erhaltene Brief des Paulus und hat nur ein Kapitel mit 25 Versen. Paulus schreibt ihn aus der Haft an Philemon, einen Christen vermutlich in Kolossä, und bittet ihn, dessen Sklaven Onesimus, der bei Paulus Christ geworden ist, wie einen Bruder aufzunehmen. Die Forschung zählt ihn zu den unbestritten echten Paulusbriefen.

Der Philemonbrief ist ein Begleitschreiben. Paulus schickt einen Mann namens Onesimus zu seinem Herrn Philemon zurück und bittet für ihn: "So ermahne ich dich um meines Sohnes willen, Onesimus" (Vers 10) [4]. Mit etwa 335 griechischen Wörtern ist es der kürzeste erhaltene Brief des Paulus [2]. Er hat nur ein Kapitel, das seit der frühen Neuzeit in 25 Verse eingeteilt ist [1]. Den vollständigen Text in der Lutherbibel von 1912 findest du auf der Seite mit dem Bibeltext des Philemonbriefs.
Absender und Empfänger
Der Brief beginnt mit dem Absender: "Paulus, der Gebundene Christi Jesu, und Timotheus, der Bruder" (Vers 1) [4]. Paulus stellt sich damit als Gefangener vor, und später nennt er sich "ein alter Paulus, nun aber auch ein Gebundener Jesu Christi" (Vers 9) [4]. Angeschrieben sind Philemon, "dem Lieben und unserm Gehilfen", dazu Appia, Archippus und "der Gemeinde in deinem Hause" (Verse 1 und 2) [4]. Das legt nahe, dass sich die Gemeinde im Haus des Philemon traf.
Appia war nach der englischen Wikipedia wahrscheinlich die Frau des Philemon. Archippus, den Paulus "unserm Streitgenossen" nennt, war vielleicht ihr Sohn [2, 4]. Der Theologe John Knox vermutete, Archippus sei der eigentliche Herr des Onesimus gewesen. Diese These hat wenig Zustimmung gefunden [2]. Archippus wird auch am Ende des Kolosserbriefs gegrüßt (Kolosser 4,17) [4]. Philemon lebte nach der deutschen Wikipedia in Kolossä in Kleinasien [1]. Eine spätere Legende macht ihn zum Bischof dieser Stadt und zum Märtyrer unter Nero. Lutherische Kirchen gedenken seiner am 15. Februar, die römisch-katholische Kirche am 22. November [1].
Wer war Onesimus?
Nach der traditionellen Deutung war Onesimus ein Sklave des Philemon, der seinem Herrn davongelaufen war und ihm vielleicht Geld gestohlen hatte. Bei Paulus wurde er Christ, und Paulus schickt ihn nun zurück [2, 3]. Der Brief deutet einen Schaden an, ohne ihn zu benennen: "So er aber dir etwas Schaden getan hat oder schuldig ist, das rechne mir zu" (Vers 18) [4]. Paulus nennt Onesimus seinen Sohn, "den ich gezeugt habe in meinen Banden" (Vers 10). Gemeint ist, dass Onesimus durch Paulus Christ geworden ist [2, 3, 4].

Im Namen steckt ein Wortspiel. Onesimus bedeutet auf Griechisch "nützlich", und Paulus schreibt, er sei Philemon "weiland dir unnütz, nun aber dir und mir wohl nütze" (Vers 11) [2, 4]. Allen Callahan hat bestritten, dass Onesimus überhaupt ein Sklave des Philemon war, und in den beiden zerstrittene Brüder gesehen. Ben Witherington lehnt diese Lesart ab, und Margaret Mitchell weist darauf hin, dass schon frühe Ausleger wie Athanasius von einem entlaufenen Sklaven ausgingen [2].
Außerhalb dieses Briefes erwähnt nur noch der Kolosserbrief einen Onesimus. Dort reist er zusammen mit Tychikus nach Kolossä und heißt "Onesimus, dem getreuen und lieben Bruder, welcher von den euren ist" (Kolosser 4,9) [2, 4]. Später gab es einen Bischof von Ephesus mit demselben Namen. Die Einleitung der katholischen Bischofskonferenz der USA sieht aber wenig, das für eine Gleichsetzung mit dem Onesimus des Briefes spricht [3].
Was Paulus von Philemon erbittet
Paulus könnte, so schreibt er, Philemon etwas befehlen, will ihn "um der Liebe willen nur vermahnen" (Vers 9) [4]. Er schickt Onesimus zurück, nennt ihn "mein eigen Herz" (Vers 12) und gibt zu, dass er ihn gern bei sich behalten hätte, damit er ihm "an deiner Statt diente in den Banden des Evangeliums" (Vers 13) [4]. Ohne Philemons Zustimmung wollte er das aber nicht tun, "auf daß dein Gutes nicht wäre genötigt, sondern freiwillig" (Vers 14) [4].

Den Kern der Bitte bilden die Verse 15 bis 17. Philemon soll Onesimus zurückbekommen, "nun nicht mehr als einen Knecht, sondern mehr denn einen Knecht, als einen lieben Bruder" (Vers 16), und ihn aufnehmen wie Paulus selbst (Vers 17) [4]. Für den möglichen Schaden bürgt Paulus mit eigener Hand: "Ich, Paulus, habe es geschrieben mit meiner Hand: Ich will's bezahlen" (Vers 19). Er schließt mit der Erwartung "du wirst mehr tun, denn ich sage" (Vers 21) und bittet, ihm eine Unterkunft bereitzuhalten, weil er auf seine Freilassung hofft (Vers 22) [4]. Was dieses "mehr" bedeuten soll, sagt der Brief nicht. Die US-Bischofskonferenz entnimmt dem Brief den Wunsch des Paulus, Onesimus möge mit ihm für das Evangelium arbeiten [3].
Wo und wann der Brief entstand
Dass Paulus den Brief geschrieben hat, ist kaum bestritten. Die englische Wikipedia zählt ihn zu den unbestrittenen Paulusbriefen. Zweifel kamen vor allem im 19. Jahrhundert aus der Tübinger Schule um Ferdinand Christian Baur, sie gelten heute als überholt [2]. Offen ist dagegen, wo Paulus in Haft saß. Die deutsche Wikipedia nennt Ephesus und die Jahre 55 oder 56 [1]. Die englische Wikipedia nennt die Jahre 57 bis 62 und als Orte Caesarea Maritima oder Rom [2]. Die US-Bischofskonferenz denkt an Rom in den Jahren 61 bis 63 und hält andere Orte für möglich [3].

Die Grüße am Schluss nennen Epaphras, "mein Mitgefangener in Christo Jesu" (Vers 23), sowie "Markus, Aristarchus, Demas, Lukas, meine Gehilfen" (Vers 24) [4]. Dieselben fünf Namen grüßen auch im Kolosserbrief (Kolosser 4,10 bis 14) [4]. Mehr dazu steht in der Einführung zum Brief an die Kolosser. Wer der Lukas dieser Grußliste ist, behandelt die Einführung zum Evangelium nach Lukas.
Aufbau des Briefes
Die deutsche Wikipedia gliedert den Brief in fünf Teile [1]:
| Verse | Abschnitt |
|---|---|
| 1 bis 3 | Absender, Empfänger und Gruß |
| 4 bis 7 | Dank für Philemons Liebe und Glauben |
| 8 bis 21 | Bitte für Onesimus |
| 22 | Angekündigter Besuch |
| 23 bis 25 | Grüße und Segenswunsch |
Der Dankteil bereitet die Bitte vor. Paulus hört nach eigenen Worten "von der Liebe und dem Glauben, welche du hast an den HERRN Jesus und gegen alle Heiligen" (Vers 5), und schreibt: "die Herzen der Heiligen sind erquickt durch dich, lieber Bruder" (Vers 7) [4]. Das Wort Herz kehrt zweimal wieder. Onesimus ist "mein eigen Herz" (Vers 12), und am Ende der Bitte heißt es: "erquicke mein Herz in dem HERRN" (Vers 20) [4]. Der Segenswunsch am Schluss, "Die Gnade unsers HERRN Jesu Christi sei mit eurem Geist!" (Vers 25), steht in der Mehrzahl und gilt damit allen Angesprochenen [4].
Der Brief und die Sklaverei
Sklaverei war in der Antike eine selbstverständliche Einrichtung. Paulus greift sie im Brief nicht direkt an. Die US-Bischofskonferenz erklärt das damit, dass die frühen Gemeinden dazu nicht in der Lage gewesen seien und die Erwartung einer baldigen Wiederkunft Christi gesellschaftliche Reformen in den Hintergrund rückte. Dass Paulus den Sklaven als Bruder vorstellt, nennt sie für die damalige Zeit revolutionär [3]. Wie das römische Recht damals Personen und Eigentum regelte, beschreibt die Seite Das römische Recht auf geschichte.domain-root.de.
Ob Paulus die Freilassung des Onesimus verlangt, wird unterschiedlich gelesen. Die traditionelle Deutung verneint das. Diese Lesart wurde nach der deutschen Wikipedia in den Vereinigten Staaten bis in die neuere Zeit zur Rechtfertigung der Sklaverei herangezogen [1]. Andere lesen den Brief als Schreiben an die ganze Gemeinde, vor der Philemon Onesimus kaum noch als Sklaven behalten konnte [1]. Die englische Wikipedia fasst zusammen, dass der Brief die Sklaverei nicht ausdrücklich verurteilt, das Verhältnis von Herr und Sklave aber als Bruderschaft in Christus neu bestimmt [2]. Papst Benedikt XVI. zitierte die Verse 10 bis 16 in seiner Enzyklika Spe salvi als Beispiel dafür, dass Sklaven und Herren in der Kirche zu Brüdern und Schwestern wurden [1].
Der Text auf einer Seite
Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "Appia", "daß" und "weiland" für früher. Weil das Buch nur ein Kapitel hat, geben Versangaben hier nur die Versnummer an. Die 25 Verse stimmen mit der üblichen Zählung überein [1, 4]. Den ganzen Brief liest du in wenigen Minuten auf der Seite mit dem Bibeltext. Mehr über den Absender steht auf der Seite Der Apostel Paulus, die übrigen Paulusbriefe findest du in der Übersicht Das Neue Testament: alle 27 Bücher.
Alle Kapitel: Philemon
- Brief des Paulus an Philemon. Wikipedia. Stand 17.01.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Epistle to Philemon. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Philemon, Introduction (New American Bible, Revised Edition). United States Conference of Catholic Bishops. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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