Themen der BibelRatgeber
Wie die Bibel entstanden ist
Die Bibel ist eine Sammlung von Schriften, die über viele Jahrhunderte entstanden sind. Das Alte Testament ist überwiegend hebräisch geschrieben, mit wenigen aramäischen Abschnitten; die Forschung datiert seine Bücher vom 8. Jahrhundert vor Christus bis in die Zeit um 164 vor Christus. Das Neue Testament ist griechisch und entstand nach heutiger Datierung zwischen etwa 50 und 110 nach Christus; die ältesten erhaltenen Texte stammen von Ketef Hinnom (7. oder 6. Jahrhundert vor Christus) und aus Qumran, für das Neue Testament aus dem 2. bis 4. Jahrhundert nach Christus.

Die Bibel ist kein Buch, das ein einzelner Mensch in einem Zug geschrieben hat. Sie ist eine Sammlung von Schriften verschiedener Verfasser, Gattungen und Zeiten, die erst nach und nach zu einem Ganzen zusammengestellt wurden. Die Forschung datiert die ältesten Prophetenbücher in das 8. Jahrhundert vor Christus und die jüngste Schrift des Neuen Testaments auf etwa 110 nach Christus [2]. Erhalten sind die Texte in Abschriften. Viele der ältesten fanden sich in Höhlen am Toten Meer, die ältesten vollständigen Handschriften des Neuen Testaments stammen aus dem 4. Jahrhundert nach Christus [1, 6, 7].
Woher der Name kommt
Das Wort Bibel kommt über das Kirchenlatein biblia aus dem Griechischen. Das griechische biblíon ist eine Verkleinerungsform von bíblos ("Buch"), benannt nach der phönizischen Hafenstadt Byblos. Sie war in der Antike ein Hauptumschlagplatz für Bast, aus dem die Papyrusrollen hergestellt wurden [1]. Die Mehrzahl biblía bezeichnete zunächst ehrfürchtig die Tora. Johannes Chrysostomos verwendete das Wort als Erster für die ganze christliche Schrift [1].
In welchen Sprachen die Bibel geschrieben ist
Das Alte Testament ist fast ganz auf Hebräisch geschrieben, mit wenigen Abschnitten in Aramäisch [1]. Aramäisch sind Daniel 2,4b bis 7,28, Esra 4,8 bis 6,18 und 7,12 bis 26, der einzelne Vers Jeremia 10,11 und in 1. Mose 31,47 nur ein Ortsname [3]. Luther übersetzt diesen Ortsnamen nicht: "Und Laban hieß ihn Jegar-Sahadutha; Jakob aber hieß ihn Gilead" (1. Mose 31,47) [4]. Den Übergang im Buch Daniel markiert der Text selbst: "Da sprachen die Chaldäer zum König auf chaldäisch" (Daniel 2,4) [4]. Mit diesem Vers beginnt der aramäische Teil des Buches [3].
Das Neue Testament ist in Koine geschrieben, dem allgemeinen Griechisch der damaligen Zeit [1, 5]. Alte Handschriften, die auf ein aramäisches Original hindeuten, gibt es nicht [5]. Einige aramäische Wörter haben die Evangelien beibehalten und übersetzt. So sagt Jesus nach Markus zu einem Mädchen: "Talitha kumi! das ist verdolmetscht: Mägdlein, ich sage dir stehe auf!" (Markus 5,41) [4]. Am Kreuz ruft er nach demselben Evangelium "Eli, Eli lama asabthani?" (Markus 15,34) [4].
Das Alte Testament
Die hebräische Bibel heißt im Judentum Tanach. Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben ihrer drei Teile zusammen: Tora (Weisung), Neviim (Propheten) und Ketuvim (Schriften) [1]. Die Teile wurden nacheinander abgeschlossen. Nach Wikipedia galt die Tora nach der Rückkehr aus dem Babylonischen Exil, spätestens um 400 vor Christus, als verbindlich. Die Propheten kamen frühestens im 4. Jahrhundert vor Christus hinzu, die Schriften folgten zuletzt, Wikipedia nimmt ihre Entstehung überwiegend ab etwa 200 vor Christus an. Einige Exegeten setzen die Aufnahme des Buches Daniel erst um 135 nach Christus an [1].

Wann die einzelnen Bücher geschrieben wurden, lässt sich nur indirekt erschließen. Manche nennen selbst eine Zeit. Das Buch Amos beginnt mit "zur Zeit Usias, des Königs in Juda, und Jerobeams, des Sohnes Joas, des Königs Israels, zwei Jahre vor dem Erdbeben" (Amos 1,1) [4]. Die Forschung setzt Amos in die erste Hälfte und Hosea in die zweite Hälfte des 8. Jahrhunderts vor Christus [2]. Die Visionen Hesekiels datiert der Text selbst in die Jahre zwischen 593 und 571 vor Christus, das Buch Haggai nennt das Jahr 520 vor Christus [2]. Im Buch Jesaja unterscheidet die Forschung einen Kern aus dem 8. Jahrhundert und spätere Teile aus der Zeit des Exils und danach [2]. Das Buch Daniel lässt sich nach dem englischen Wikipedia-Artikel recht genau auf 164 vor Christus datieren, weil es den Tod eines griechischen Königs verhüllt ankündigt [2].
Die Tora, also die fünf Bücher Mose, nennt Mose als Schreiber einzelner Teile: "Da schrieb Mose alle Worte des HERRN" (2. Mose 24,4) [4]. Die meisten heutigen Forscher nehmen nach dem englischen Wikipedia-Artikel an, dass die Tora ihre jetzige Gestalt in der Zeit nach dem Exil erhielt, unter persischer Herrschaft zwischen 538 und 332 vor Christus [2]. Vom Entstehen eines Prophetenbuchs erzählt das Buch Jeremia: Baruch schreibt "aus dem Munde Jeremia's alle Reden des HERRN" auf (Jeremia 36,4) [4]. Den geschichtlichen Hintergrund beschreibt die Seite Israel und Juda in der Antike auf geschichte.domain-root.de.
Die Septuaginta
In Alexandria begann um 250 vor Christus die Übersetzung der Tora ins Griechische. Die übrigen Bücher folgten im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus, die letzten bis ins 2. Jahrhundert nach Christus [1]. Diese Übersetzung heißt Septuaginta. Welche Bücher katholische und evangelische Bibeln verschieden zählen, erklärt die Seite Kanon und Apokryphen. Die Septuaginta zählt auch die Psalmen anders als der hebräische Text, siehe Bibelstellen richtig angeben.
Das Neue Testament
Das Neue Testament umfasst 27 Schriften: vier Evangelien, die Apostelgeschichte, 21 Briefe und die Offenbarung des Johannes [5]. Die ältesten davon sind Briefe des Paulus. Von den Briefen, die seinen Namen tragen, gelten in der Forschung sieben allgemein als echt; der Hebräerbrief nennt keinen Verfasser [5]. Die Evangelien entstanden nach den Paulusbriefen [5]. Lukas beginnt sein Evangelium mit einem Hinweis auf ältere Berichte: "Sintemal sich's viele unterwunden haben, Bericht zu geben von den Geschichten, so unter uns ergangen sind" (Lukas 1,1) [4].
Der englische Wikipedia-Artikel zur Datierung der Bibel nennt diese Zeiten [2]:
| Schrift | Datierung (nach Christus) |
|---|---|
| 1. Thessalonicher | um 51, einer der frühesten echten Paulusbriefe |
| Galater | um 48 oder 55, je nach Empfängern |
| 1. Korinther | um 53 bis 57 |
| Philipper und Philemon | um 54 bis 55 |
| Römer | um 57 bis 58 |
| Markus | um 65 bis 73 |
| Matthäus und Lukas | je um 80 bis 90 |
| Apostelgeschichte | um 80 bis 90, vielleicht frühes 2. Jahrhundert |
| Johannes | um 90 bis 100 |
| Offenbarung | um 95 |
| 2. Petrus | um 110, wohl die jüngste Schrift |
Gegen Ende des 1. Jahrhunderts wurden Briefe des Paulus gesammelt [5]. Der 2. Petrusbrief kennt eine solche Sammlung schon und spricht von "allen Briefen" des Paulus, "in welchen sind etliche Dinge schwer zu verstehen" (2. Petrus 3,16) [4]. Festgelegt wurde der Umfang des Neuen Testaments im 4. Jahrhundert. Als wichtigster Beleg gilt ein Osterfestbrief des Athanasius von Alexandria aus dem Jahr 367, der die 27 Schriften aufzählt [5]. Mehr über den Absender der meisten Briefe steht auf der Seite Der Apostel Paulus.
Die ältesten Handschriften
Als ältester erhaltener Bibeltext gelten nach dem englischen Wikipedia-Artikel die Rollen von Ketef Hinnom bei Jerusalem aus dem späten 7. oder frühen 6. Jahrhundert vor Christus. Sie enthalten eine frühe Form des Priestersegens [2]. In der Lutherbibel lautet er: "Der HERR segne dich und behüte dich" (4. Mose 6,24) [4].

Zwischen 1947 und 1956 wurden in elf Höhlen bei Qumran am Toten Meer Schriftrollen entdeckt, zum großen Teil von Beduinen. Nur etwa 15 Rollen sind noch als Rollen erkennbar; die übrigen, geschätzt 900 bis 1.000, sind in mehr als 15.000 Fragmente zerfallen. Nach der Schrift datiert man sie vom 3. Jahrhundert vor bis ins 1. Jahrhundert nach Christus, Radiokarbonmessungen bestätigen das in einigen Fällen [6]. Die Große Jesajarolle ist 7,34 Meter lang und enthält den fast vollständigen Text des Buches Jesaja; sie wurde wahrscheinlich im 2. Jahrhundert vor Christus beschrieben [10]. Die Funde zeigen, dass neben dem Vorläufer des späteren jüdischen Standardtextes, dem protomasoretischen Text, gleichberechtigt andere Textformen im Umlauf waren [6].
Die ältesten vollständigen Handschriften der hebräischen Bibel sind jünger. Der Codex von Aleppo stammt aus dem Jahr 925, der Codex Leningradensis aus dem Jahr 1009. Auf ihm beruht die wissenschaftliche Ausgabe Biblia Hebraica Stuttgartensia [1]. Die ältesten Handschriften des masoretischen Textes mit Vokalzeichen stammen aus dem 9. Jahrhundert [2].
Für das Neue Testament ist der Papyrus 52 das älteste Stück. Er wird auf etwa 125 nach Christus datiert und enthält einige Verse aus dem Johannesevangelium [1]. Der Codex Sinaiticus und der Codex Vaticanus stammen aus dem 4. Jahrhundert, der Codex Alexandrinus aus dem 5. Jahrhundert [1]. Der Codex Sinaiticus ist die älteste vollständige Handschrift des Neuen Testaments. Nach Tischendorfs eigener Darstellung, der einzigen Quelle dazu, zeigten ihm die Mönche 1844 im Katharinenkloster am Fuß des Sinai 129 Blätter; 1859 wurde ihm der Hauptteil mit insgesamt 347 Blättern ausgehändigt. Erhalten sind 407 Blätter, sie liegen heute in der British Library, in der Universitätsbibliothek Leipzig, im Katharinenkloster und in der Russischen Nationalbibliothek in Sankt Petersburg [7].
Von der Handschrift zur Lutherbibel
Martin Luther übersetzte die Bibel ins Deutsche. Im September 1522 war eine erste Auflage seines Neuen Testaments fertig, ab 1534 lag eine vollständige deutsche Bibel vor, 1545 nahm er die letzten Korrekturen selbst vor [8]. Die Kapitel und Verse, nach denen man heute zitiert, kamen erst später in die Drucke. Die erste deutsche Bibel mit durchgehender Verszählung war die Heidelberger Bibel von 1568/69 [9]. Die Lutherbibel wurde mehrfach überarbeitet; den Text der Fassung von 1912 beschreibt die Seite Die Lutherbibel 1912: Geschichte und Sprache. Über Luthers Leben informiert die Seite Martin Luther auf geschichte.domain-root.de.

- Bibel. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Dating the Bible. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Biblisches Aramäisch. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Neues Testament. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Schriftrollen vom Toten Meer. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Codex Sinaiticus. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Lutherbibel. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Bibelvers. Wikipedia. Stand 15.06.2025. abgerufen am 29.10.2026
- Große Jesajarolle. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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