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Welche Bücher zur Bibel gehören: Kanon und Apokryphen

Welche Bücher zur Bibel gehören, legt der Kanon fest, und er ist nicht überall gleich. Die Lutherbibel zählt 39 Bücher im Alten und 27 im Neuen Testament, katholische Bibeln haben im Alten Testament 46 Bücher, die hebräische Bibel zählt dieselben Texte wie das evangelische Alte Testament als 24 Bücher. Die zusätzlichen Schriften stehen nur in der griechischen Übersetzung und heißen evangelisch Apokryphen, katholisch deuterokanonisch.

Ein langes Holzregal in einer stillen alten Bibliothek mit geschlossenen Lederbänden unterschiedlicher Höhe im warmen Seitenlicht
Bild: KI-generiert

Wie viele Bücher die Bibel hat, hängt davon ab, welche Bibel du aufschlägst. Die Lutherbibel hat 66 Bücher, 39 im Alten und 27 im Neuen Testament. Katholische Bibeln zählen im Alten Testament 46 Bücher, zusammen also 73. Die hebräische Bibel des Judentums kommt auf 24 Bücher und hat kein Neues Testament [1, 3]. Beim Neuen Testament sind sich die großen Kirchen einig. Der Streit um den Umfang betrifft das Alte Testament und eine Gruppe von Schriften, die nur auf Griechisch überliefert ist. Die Lutherbibel 1912 in der gemeinfreien Ausgabe von eBible.org, nach der auf bibel.domain-root.de zitiert wird, enthält nur die 66 Bücher [8].

Was das Wort Kanon bedeutet

Kanon kommt vom altgriechischen kanṓn, "Richtschnur, Regel". Seit etwa 350 nach Christus bezeichnet das Wort die Liste der Schriften, die eine Glaubensgemeinschaft als heilig anerkennt [1]. Der Kanon ist also eine Entscheidung darüber, welche Texte als verbindlich gelten. Er entstand über Jahrhunderte und in verschiedenen Gemeinschaften verschieden. Das erklärt, warum heutige Bibelausgaben unterschiedlich viele Bücher enthalten.

Das Gegenwort heißt Apokryphen. Es kommt vom griechischen apókryphos, wörtlich "verborgen, dunkel". Gemeint sind religiöse Schriften jüdischer oder christlicher Herkunft, die nicht in einen Kanon aufgenommen wurden oder deren Zugehörigkeit umstritten ist [2].

Der jüdische Kanon: 24 Bücher in drei Teilen

Die hebräische Bibel heißt Tanach. Der Name ist ein Kunstwort aus den Anfangsbuchstaben ihrer drei Teile: Tora (Weisung), Neviim (Propheten) und Ketuvim (Schriften) [3]. Die Tora wurde zuerst als verbindlich anerkannt, die Prophetenbücher waren um 200 vor Christus abgeschlossen [1]. Flavius Josephus nennt um 90 nach Christus 22 Bücher, das 4. Buch Esra um 100 nach Christus 24 [1].

Drei gerollte Pergamentrollen mit hölzernen Griffen liegen nebeneinander auf einem Leinentuch im weichen Morgenlicht
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Die Zahl 24 entsteht durch Zusammenfassen. Die Tora hat 5 Bücher, die Neviim 8, die Ketuvim 11. Samuel, Könige und Chronik zählen jeweils als ein Buch, Esra und Nehemia ebenso, und die zwölf kleinen Propheten von Hosea bis Maleachi bilden zusammen das Zwölfprophetenbuch [3]. Inhaltlich deckt sich der Tanach mit den 39 Büchern des evangelischen Alten Testaments. Das Christentum hat alle Bücher des Tanach übernommen und in anderer Reihenfolge angeordnet [3]. Der Tanach endet in der Regel mit der Chronik [3]. Das christliche Alte Testament endet mit dem Propheten Maleachi [8].

Lange galt, eine Versammlung von Rabbinern in Jabne habe den jüdischen Kanon um 100 nach Christus festgelegt. Diese These war bis etwa 1980 verbreitet und gilt heute als fraglich [1].

Die Septuaginta und die zusätzlichen Schriften

Die Septuaginta ist die griechische Übersetzung der hebräischen Bibel. Ihr ältester Teil, die Tora, entstand um 250 vor Christus. Die Septuaginta enthält mehr Schriften als der hebräische Tanach, und die frühe Kirche übernahm sie weitgehend [1]. Aus diesem Mehrbestand stammen die Bücher, um die es beim Streit über die Apokryphen geht.

In der Lutherbibel stehen sie in dieser Reihenfolge [2]:

  • Judit
  • Weisheit Salomos
  • Tobit, bei Luther "Tobias"
  • Jesus Sirach
  • Baruch mit dem Brief des Jeremia
  • 1. und 2. Buch der Makkabäer
  • Zusätze zum Buch Ester
  • Zusätze zum Buch Daniel
  • Gebet des Manasse

Der katholische Kanon und das Konzil von Trient

Die Bischofssynoden von Rom (382), Hippo (393) und Karthago (397 und 419) nahmen Judit, Tobit, die Weisheit, die beiden Makkabäerbücher, Jesus Sirach und Baruch in die Liste auf [1]. Die lateinische Bibel, die Vulgata, enthält im Alten Testament 46 Bücher. Das Konzil von Trient legte 1546 den Umfang der Bibel lehramtlich verbindlich nach der Vulgata fest [1]. Katholische Theologen nennen die zusätzlichen Schriften seitdem "deuterokanonisch" [1, 2].

Ein großer Saal der Renaissance mit langen Holzbänken und hohen Bogenfenstern, leer im Nachmittagslicht
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Auch die katholische Kirche kennt Apokryphen. Sie meint damit Schriften wie das 3. und 4. Buch Esra, das 3. und 4. Makkabäerbuch und die Psalmen Salomos. Das Gebet des Manasse gilt in beiden Konfessionen als apokryph [2]. Die Wörter sind also nicht austauschbar: Was evangelische Bibeln "Apokryphen" nennen, steht in katholischen Bibeln als gleichrangiger Teil des Alten Testaments.

Die orthodoxen Kirchen orientieren sich an der Septuaginta. Der Umfang des Alten Testaments wurde in der Ostkirche nach der deutschen Wikipedia nie eindeutig festgelegt [1].

Luther und die Apokryphen

Martin Luther richtete sich beim Alten Testament nach dem hebräischen Kanon. Seine vollständige Bibel von 1534 hat 39 Bücher im Alten Testament [1]. Die Apokryphen übersetzte er trotzdem mit. Die Weisheit Salomos übertrug er selbst zwischen Juni 1529 und Juni 1530, die übrigen Bücher übernahmen wegen seiner Krankheit Mitarbeiter, Luther schrieb aber die Vorreden. Das 3. und 4. Buch Esra nahm er nicht auf [6]. Bei der Auswahl folgte er der Tradition der Vulgata, die Reihenfolge legte er neu fest. Am Ende steht das Gebet des Manasse, das Luther als Schlussgebet zum Alten Testament verstand [6].

Eine alte hölzerne Druckerpresse in einer dämmrigen Werkstatt mit Setzkästen und einem Stapel leerer Papierbögen
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Luther stellte die Apokryphen als eigenen Teil hinter das Alte Testament. Die Überschrift lautet in einem Wittenberger Druck von 1538 aus der Staatsbibliothek zu Berlin: "Apocrypha. Das sind Bücher: so der heiligen Schrifft nicht gleich gehalten, vnd doch nützlich vnd gut zu lesen sind." [5]. Damit war die lutherische Linie gezogen. Die Bücher gehören nicht zum Kanon, sie dürfen aber gelesen werden [1]. Die reformierten Kirchen gingen weiter und lehnen die deuterokanonischen Schriften meist ganz ab [1].

Auch im Neuen Testament setzte Luther eigene Gewichte. Den Jakobusbrief nannte er eine "stroherne Epistel", weil er dort einen Gegensatz zu Paulus in der Frage der Rechtfertigung sah. Er verschob den Brief und den Hebräerbrief weiter nach hinten [7]. Aus dem Kanon entfernte er sie nicht.

Im 19. Jahrhundert kam es zum Apokryphenstreit. Die britische Bibelgesellschaft (British and Foreign Bible Society) beschloss zwischen 1825 und 1827, Bibeln nur noch ohne Apokryphen zu drucken, und entzog Gesellschaften, die sie weiter verbreiteten, die Unterstützung. Mehrere deutsche Bibelgesellschaften lösten sich daraufhin von London [4]. Die heutige Lutherbibel 2017 enthält die Apokryphen wieder. Judit, Tobias, Jesus Sirach, das 1. Makkabäerbuch, die Stücke zu Ester und das Gebet Manasses wurden dafür neu aus der Septuaginta übersetzt [6]. Nach der deutschen Wikipedia weicht die Ausgabe 2017 in etwa 44 Prozent der Verse von der Fassung 1984 ab, die meisten Änderungen betreffen die Apokryphen. Bis 1970 beruhten die Apokryphen der Lutherbibel auf alten Ausgaben der Vulgata und der Septuaginta, ihre Kapitel- und Verszählung wich deshalb von der katholischen Einheitsübersetzung ab [6].

Der Kanon des Neuen Testaments

Für das Neue Testament dauerte die Klärung bis ins 4. Jahrhundert. Das Muratorische Fragment, eine Liste aus der Zeit um 170, enthält die Offenbarung des Petrus. Es fehlen dort der 1. und 2. Petrusbrief, der Hebräerbrief, der Jakobusbrief und der 3. Johannesbrief [1]. Athanasius von Alexandria zählt im 39. Osterfestbrief des Jahres 367 alle 27 Schriften auf, die heute das Neue Testament bilden. Die Synoden von Hippo (393) und Karthago (397) bestätigten diese Liste. Karthago erkannte 46 Schriften des Alten und 27 des Neuen Testaments an [1].

Die Schriften, die keinen Platz im Neuen Testament fanden, heißen neutestamentliche Apokryphen. Bekannte Beispiele sind das Thomasevangelium aus dem 2. Jahrhundert, das Petrusevangelium, das Judasevangelium und das Protoevangelium des Jakobus. Die deutsche Wikipedia schätzt ihre Zahl auf rund 100 oder mehr [2]. Diese Texte gehören in keiner der großen Kirchen zur Bibel.

Die Bibeln im Vergleich

BibelAltes TestamentNeues TestamentZusätzliche Schriften
Tanach (Judentum)24 Bücher, inhaltlich wie die 39 evangelischenkeinsnicht enthalten
Lutherbibel39 Bücher27 Bücherals Apokryphen im Anhang, je nach Ausgabe
Katholische Bibel46 Bücher27 Bücherals deuterokanonische Bücher im Alten Testament
Orthodoxe Bibelnnach der Septuaginta, Umfang nicht einheitlich festgelegt27 Bücherim Alten Testament

Wer die einzelnen Bücher sucht, findet sie in den Übersichten zum Alten Testament und zum Neuen Testament. Wie die Texte entstanden sind, bevor jemand über ihren Rang entschied, erklärt die Seite Wie die Bibel entstanden ist.

Was das für die Lutherbibel 1912 bedeutet

Die Lutherbibel 1912 umfasst in der Ausgabe von eBible.org die 39 Bücher des Alten und die 27 Bücher des Neuen Testaments [8]. In der Datenfassung dieser Seite sind das zusammen 1.189 Kapitel und 31.174 Verse; die Zählung bei eBible.org weicht an einzelnen Stellen ab. Das Wort "Apokryphen" kommt im Bibeltext der Datenfassung nicht vor. Wer Judit, Tobias oder Jesus Sirach lesen möchte, braucht deshalb eine Ausgabe mit Apokryphen, etwa die Lutherbibel 2017, oder eine katholische Bibel.

Mehr über die Geschichte dieser Textfassung steht auf der Seite Die Lutherbibel 1912: Geschichte und Sprache, zu Luthers Brief an Jakobus die Einführung in den Jakobusbrief. Wie das Konzil von Trient in die katholische Reform nach Luther gehört, beschreibt geschichte.domain-root.de auf der Seite Die Gegenreformation.

  1. Biblischer Kanon. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Apokryphen. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Tanach. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Apokryphenstreit. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Biblia: das ist: die gantze Heilige Schrifft Deudsch, Teil Apocrypha (Wittenberg: Hans Lufft, 1538), Exemplar der Staatsbibliothek zu Berlin. Deutsche Digitale Bibliothek. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Lutherbibel. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Jakobusbrief. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand 29.12.2025. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.