Das Alte TestamentRatgeber
Das 3. Buch Mose (Levitikus): Einführung und alle 27 Kapitel
Das 3. Buch Mose, auch Levitikus genannt, ist das dritte der fünf Bücher Mose und hat 27 Kapitel. Es besteht fast ganz aus Vorschriften für Opfer, Priester, Reinheit und Feste, die Gott am Sinai an Mose gibt. Bekannt ist es vor allem für den Versöhnungstag in Kapitel 16 und das Gebot der Nächstenliebe in Kapitel 19.

Das 3. Buch Mose setzt genau dort ein, wo das 2. Buch endet. Das Heiligtum steht, und aus diesem Zelt heraus spricht Gott zu Mose: "Und der HERR rief Mose und redete mit ihm aus der Hütte des Stifts und sprach" (1,1) [3]. Was folgt, ist fast durchgehend Gesetz. Erzählt wird nur an wenigen Stellen, etwa bei der Weihe der ersten Priester [2]. Auf das Buch gehen unter anderem die jüdischen Speisegesetze und der Versöhnungstag Jom Kippur zurück [1]. Die 27 Kapitel stehen auf dieser Seite in der Lutherbibel von 1912, jedes mit einer eigenen Seite. Die Übersicht steht am Ende der Einführung.
Name und Stellung in der Bibel
Auf Hebräisch heißt das Buch nach seinem ersten Wort Wajikra, "Und er rief". In der jüdischen Tradition trägt es auch den Namen Torat Kohanim, "Weisung für die Priester" [1]. Der Name Levitikus kommt aus der griechischen Übersetzung, der Septuaginta, und bedeutet "das levitische Buch". Er wurde gewählt, weil ein großer Teil des Buches die Aufgaben der Priester behandelt, die aus dem Stamm Levi kommen [1, 2]. Genau genommen geht es meist um die Priester aus der Familie Aarons und weniger um die übrigen Leviten [1].
Levitikus ist das dritte der fünf Bücher Mose und steht damit in der Mitte der Tora [1]. Davor liegt das 2. Buch Mose mit dem Auszug aus Ägypten und dem Bau des Heiligtums, danach das 4. Buch Mose mit dem Weiterzug durch die Wüste. Die Handlung bewegt sich in Levitikus nicht vom Fleck: Das Volk lagert die ganze Zeit am Sinai. Das letzte Kapitel endet mit dem Satz "Dies sind die Gebote, die der HERR dem Mose gebot an die Kinder Israel auf dem Berge Sinai" (27,34) [3].
Aufbau des Buches
Die meisten Einleitungen teilen das Buch in fünf Teile. Die Tabelle folgt der Gliederung der katholischen Bischofskonferenz der USA, die Inhalte sind dem Bibeltext entnommen [2, 3].

| Kapitel | Teil | Inhalt |
|---|---|---|
| 1 bis 7 | Opferordnung | Brandopfer, Speisopfer, Dankopfer, Sündopfer, Schuldopfer |
| 8 bis 10 | Weihe der Priester | Salbung Aarons und seiner Söhne, Tod von Nadab und Abihu |
| 11 bis 16 | Reinheit | reine und unreine Tiere, Geburt, Aussatz, Ausflüsse, Versöhnungstag |
| 17 bis 26 | Heiligkeitsgesetz | Blut, Ehe und Sexualität, Nächstenliebe, Priester, Feste, Sabbatjahr, Segen und Fluch |
| 27 | Anhang | Gelübde und ihre Auslösung |
Der Theologe Thomas Hieke schlägt, aufbauend auf Erich Zenger, eine feinere Einteilung in sieben Teile vor. Bei ihm rückt der Versöhnungstag in den Kapiteln 16 und 17 in die Mitte des Buches [1].
Inhalt im Überblick
Die folgenden Abschnitte gehen die fünf Teile der Reihe nach durch. Die Zitate stammen aus der Lutherbibel von 1912 und behalten ihre Schreibweise [3].

Opfer (Kapitel 1 bis 7)
Die ersten Kapitel beschreiben die einzelnen Opferarten. Beim Brandopfer wird das ganze Tier auf dem Altar verbrannt. Wer es bringt, legt "seine Hand auf des Brandopfers Haupt" (1,4). Das Speisopfer besteht aus Mehl, Öl und Weihrauch (2,1), das Fleisch des Dankopfers wird noch am selben Tag gegessen (7,15). Sündopfer und Schuldopfer sühnen Vergehen, die jemand aus Versehen begangen hat, oder Unrecht gegen andere wie Betrug und Unterschlagung (4,2 und 6,2) [3]. Die Kapitel 6 und 7 wiederholen die Regeln aus Sicht der Priester. Sie legen fest, welche Anteile der Opfer den Priestern zustehen [2, 3].
Weihe der Priester (Kapitel 8 bis 10)
Hier wird wieder erzählt. Mose gießt "von dem Salböl auf Aarons Haupt" (8,12) und weiht ihn und seine Söhne zu Priestern. Als Aaron zum ersten Mal opfert, kommt Feuer vom HERRN und verzehrt das Opfer auf dem Altar (9,24). Gleich darauf bringen Aarons Söhne Nadab und Abihu "das fremde Feuer" dar, "das er ihnen nicht geboten hatte", und sterben (10,1 bis 2) [3].
Reinheit und Versöhnungstag (Kapitel 11 bis 16)
Kapitel 11 regelt, welche Tiere gegessen werden dürfen. Erlaubt ist, "was die Klauen spaltet und wiederkäut" (11,3). Das Kamel ist unrein, weil es keine gespaltenen Klauen hat, das Schwein, weil es nicht wiederkäut. Fische brauchen "Floßfedern und Schuppen" (11,9) [3]. Diese Regeln sind eine der Grundlagen der jüdischen Speisegesetze [1]. Es folgen Vorschriften zur Unreinheit nach einer Geburt (Kapitel 12) und zum Aussatz an Menschen, Kleidern und Häusern (Kapitel 13 und 14). Wer aussätzig ist, muss außerhalb des Lagers wohnen und "Unrein, unrein!" rufen (13,45) [3].
Kapitel 16 beschreibt den Versöhnungstag. Der Hohepriester wirft das Los über zwei Böcke: "ein Los dem HERRN, das andere dem Asasel" (16,8). Der erste Bock wird geopfert. Auf den Kopf des zweiten legt Aaron beide Hände und bekennt die Sünden des Volkes, dann wird das Tier in die Wüste geschickt (16,21 bis 22) [3]. Daher kommt das Wort Sündenbock. Der Tag fällt auf den zehnten Tag des siebten Monats und ist ein Tag ohne Arbeit, an dem man fastet ("euren Leib kasteien", 16,29) [3]. Auf diesen Ritus geht der jüdische Versöhnungstag Jom Kippur zurück [1].
Das Heiligkeitsgesetz (Kapitel 17 bis 26)
Die Kapitel 17 bis 26 werden in der Forschung Heiligkeitsgesetz genannt [1]. Der Name kommt von dem Satz, der sie leitmotivisch durchzieht: "Ihr sollt heilig sein; denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott" (19,2) [3]. Kapitel 17 verbietet den Genuss von Blut, "denn des Leibes Leben ist im Blut" (17,11). Kapitel 18 und 20 regeln Ehe und Sexualität und nennen die Strafen [3].
Kapitel 19 mischt religiöse und soziale Gebote. Bei der Ernte soll ein Rest auf dem Feld bleiben, "dem Armen und Fremdling sollst du es lassen" (19,10). In Vers 18 steht der Satz "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" [3]. Vers 34 dehnt das Gebot auf Fremde aus: "sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland" [3]. Im Neuen Testament nennt Jesus 3. Mose 19,18 das zweite der beiden höchsten Gebote (Markus 12,31) [4]. Mehr dazu auf der Seite Nächstenliebe und das höchste Gebot.
Kapitel 23 ist ein Festkalender. Es nennt den Sabbat, das Passah am 14. Tag des ersten Monats, das Fest der ungesäuerten Brote, das Fest nach fünfzig gezählten Tagen, den Versöhnungstag und das Laubhüttenfest am 15. Tag des siebten Monats [3]. Kapitel 25 regelt das Sabbatjahr, in dem das Land jedes siebte Jahr brachliegen soll, und das Halljahr im fünfzigsten Jahr, in dem jeder "wieder zu seiner Habe und zu seinem Geschlecht kommen" soll (25,10) [3]. Kapitel 26 stellt Segen für den Gehorsam und Unglück für den Ungehorsam gegenüber. Von diesen Flüchen kommt die Redewendung "jemandem die Leviten lesen" [1].
Gelübde (Kapitel 27)
Das letzte Kapitel wirkt wie ein Nachtrag. Es regelt, wie Menschen, Tiere, Häuser und Felder, die jemand dem Heiligtum versprochen hat, mit Geld ausgelöst werden können [2, 3].
Personen im 3. Buch Mose
Für ein Buch der Bibel kommen in Levitikus sehr wenige Personen vor. Die meisten Kapitel beginnen mit derselben Formel: "Und der HERR redete mit Mose und sprach" [3].
| Person | Rolle | Kapitel |
|---|---|---|
| Mose | empfängt die Gesetze und gibt sie weiter | durchgehend |
| Aaron | Hoherpriester, Bruder des Mose | 8 bis 10, 16, 21 bis 22 |
| Nadab und Abihu | Söhne Aarons, sterben beim Opfer | 10 |
| Eleasar und Ithamar | die übrigen Söhne Aarons | 10 |
| Sohn der Selomith | lästert den Gottesnamen, wird gesteinigt | 24 |
Die kurze Erzählung in Kapitel 24 führt zu dem Grundsatz, dass für Fremde und Einheimische dasselbe Recht gilt (24,16 und 24,22) [3].
Wie das Buch entstanden ist
Ein Verfasser wird nicht genannt. Die Bibelwissenschaft rechnet Levitikus zur priesterlichen Überlieferung der fünf Bücher Mose. Innerhalb dieser Texte gibt es Spuren verschiedener Fassungen und einer längeren Entwicklung [2]. Die Priesterschrift wird meist ins 6. Jahrhundert vor Christus datiert [5]. Thomas Hieke verortet Überlieferung und Niederschrift des Buches bei der Priesterschaft in Jerusalem [1].

Als eigene Sammlung gilt das Heiligkeitsgesetz in den Kapiteln 17 bis 26 [1, 2]. Wie sich die Kirchen und das Judentum auf einen gemeinsamen Bestand von Büchern geeinigt haben, beschreibt die Seite Kanon und Apokryphen.
Die Kapitel im Überblick
Wer Levitikus nicht von vorn bis hinten lesen möchte, kann mit drei Kapiteln anfangen: Kapitel 16 zum Versöhnungstag, Kapitel 19 mit den sozialen Geboten und Kapitel 23 mit dem Festkalender. Wer die Vorgeschichte des Heiligtums kennenlernen will, liest vorher im 2. Buch Mose die Kapitel 25 bis 40. Wie die Opferpraxis später am Tempel in Jerusalem weiterging, erzählen die Bücher der Könige und der Chronik, etwa das 2. Buch der Chronik mit dem Tempelbau Salomos.
Alle Kapitel: 3. Mose
- Levitikus. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Leviticus, Introduction (New American Bible, Revised Edition). United States Conference of Catholic Bishops. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), 3. Mose. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Markus 12. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Auszug aus Ägypten. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
Weitere Artikel
Altes TestamentDas 4. Buch Mose (Numeri)Das 4. Buch Mose erzählt die Wüstenwanderung vom Sinai bis an den Jordan.
Altes TestamentDas 5. Buch Mose (Deuteronomium)Die Abschiedsreden des Mose vor dem Jordan mit Zehn Geboten und Schma Israel: Aufbau, Inhalt, Entstehung und alle 34 Kapitel …
Altes TestamentDas Buch JosuaDas Buch Josua erzählt vom Zug über den Jordan, dem Fall Jerichos und der Verteilung des Landes.
WerkzeugeBibelleseplanErstelle deinen Bibelleseplan nach Startdatum und Tempo: ganze Bibel in einem oder zwei Jahren oder das Neue Testament.