Personen der BibelRatgeber
Mose und der Auszug aus Ägypten
Mose ist die Hauptfigur der Bücher 2. bis 5. Mose. Die Bibel erzählt, wie er am Dornbusch berufen wird, die Israeliten aus Ägypten zum Sinai führt und mit 120 Jahren auf dem Berg Nebo stirbt, ohne das verheißene Land zu betreten. Ob es Mose als historische Person gab, ist in der Forschung umstritten.

Mose ist die Hauptfigur der Bücher 2. bis 5. Mose. Ihre Erzählung reicht von seiner Geburt in Ägypten bis zu seinem Tod auf dem Berg Nebo, als er "hundertundzwanzig Jahre alt" war (5. Mose 34,7) [3]. Dazwischen liegen die Berufung am brennenden Dornbusch, die Plagen, der Auszug der Israeliten, die Gebote am Sinai und die Jahre in der Wüste. Im Judentum zählt Mose neben Abraham, Jakob und David zu den wichtigsten Gestalten, auch Christentum und Islam kennen ihn [1]. Zitiert wird nach der Lutherbibel von 1912 [3].
Herkunft und Name
Die Erzählung beginnt mit einem Machtwechsel: "Da kam ein neuer König auf in Ägypten, der wußte nichts von Joseph" (2. Mose 1,8). Der Pharao befiehlt, alle neugeborenen Söhne der Hebräer ins Wasser zu werfen (2. Mose 1,22) [3]. Ein Mann und eine Frau aus dem Stamm Levi verbergen ihren Sohn drei Monate lang. Dann legt die Mutter ihn in ein "Kästlein von Rohr" in das Schilf am Ufer (2. Mose 2,3). Eine Tochter des Pharao findet das Kind, und seine Schwester vermittelt die eigene Mutter als Amme. Später nimmt die Königstochter den Jungen als Sohn an (2. Mose 2,4 bis 10) [3]. Die Eltern heißen an anderer Stelle Amram und Jochebed, die Geschwister Aaron und Mirjam (4. Mose 26,59) [3].

Den Namen erklärt der Text mit dem Satz der Königstochter: "Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen" (2. Mose 2,10) [3]. Diese Ableitung von der hebräischen Wurzel mšh ("ziehen") bezeichnet der Wikipedia-Artikel über Mose als fehlerhaft. Nach neueren Untersuchungen ist der Name mit der ägyptischen Wurzel msj ("gebären") verwandt, die auch in Königsnamen wie Ramses und Thutmosis steckt [1]. Für die Aussetzung des Kindes nennt der Artikel Parallelen in anderen Erzählungen, etwa über Sargon von Akkad [1].
Flucht nach Midian und Berufung am Dornbusch
Als Erwachsener sieht Mose, wie ein Ägypter einen Hebräer schlägt. Er erschlägt den Ägypter und verscharrt ihn im Sand (2. Mose 2,11 bis 12). Weil die Tat bekannt wird, flieht er vor dem Pharao "im Lande Midian" (2. Mose 2,15) [3]. Dort hilft er den sieben Töchtern eines Priesters an einem Brunnen, bleibt bei der Familie und heiratet die Tochter Zippora. Den ersten Sohn nennt er Gersom, denn "Ich bin ein Fremdling geworden im fremden Lande" (2. Mose 2,22) [3]. Der Schwiegervater heißt in 2,18 Reguel, ab Kapitel 3 Jethro.

Beim Hüten der Schafe kommt Mose an den Berg Horeb. Dort sieht er einen Busch, der "mit Feuer brannte und ward doch nicht verzehrt" (2. Mose 3,2) [3]. Eine Stimme aus dem Busch fordert ihn auf: "zieh deine Schuhe aus von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist ein heilig Land!" (2. Mose 3,5). Mose soll das Volk aus Ägypten führen. Auf die Frage nach dem Namen Gottes lautet die Antwort bei Luther: "ICH WERDE SEIN, DER ICH SEIN WERDE" (2. Mose 3,14) [3]. Mose wehrt sich gegen den Auftrag. Er sei "nicht wohl beredt" und habe "eine schwere Sprache und eine schwere Zunge" (2. Mose 4,10). Darauf soll sein Bruder Aaron für ihn zum Volk reden (2. Mose 4,16) [3].
Plagen und Auszug aus Ägypten
Mose ist nach dem Text achtzig Jahre alt, als er mit Aaron vor den Pharao tritt (2. Mose 7,7). Ihre Forderung lautet: "Laß mein Volk ziehen, daß mir's ein Fest halte in der Wüste" (2. Mose 5,1) [3]. Der Pharao lehnt ab. Es folgen Plagen über Ägypten, die in der Tötung der Erstgeburt gipfeln (2. Mose 12,29). In derselben Nacht essen die Israeliten das Passahmahl, gegürtet und mit Schuhen an den Füßen, "als die hinwegeilen" (2. Mose 12,11) [3]. Aufbau und Inhalt des ganzen Buches erklärt die Einführung in das 2. Buch Mose.

Laut 2. Mose 12,37 zogen "sechshunderttausend Mann zu Fuß ohne die Kinder" aus [3]. Am Meer reckt Mose seine Hand aus, und ein starker Ostwind macht das Meer trocken, "und die Wasser teilten sich voneinander" (2. Mose 14,21). Die nachsetzenden Ägypter ertrinken (2. Mose 14,27 bis 28). Mirjam, die "Prophetin, Aarons Schwester", stimmt danach ein Lied an (2. Mose 15,20 bis 21) [3].
Am Berg Sinai
Im dritten Monat nach dem Aufbruch erreicht das Volk die Wüste Sinai (2. Mose 19,1). Dort spricht Gott nach dem Text die Zehn Gebote, die mit dem Satz beginnen: "Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, geführt habe" (2. Mose 20,2) [3]. Mose steigt auf den Berg, um "steinerne Tafeln und Gesetze und Gebote" zu empfangen (2. Mose 24,12). Weil er lange ausbleibt, lässt sich das Volk von Aaron ein goldenes Kalb gießen (2. Mose 32,1 bis 4). Über seine Rückkehr heißt es, er "warf die Tafeln aus seiner Hand und zerbrach sie unten am Berge" (2. Mose 32,19) [3]. Später schreibt er die "Zehn Worte" neu auf (2. Mose 34,28). Beim Abstieg glänzt die Haut seines Gesichts, sodass Aaron und das Volk sich fürchten, ihm nahe zu kommen (2. Mose 34,29 bis 30) [3]. Die Gebote im Einzelnen und ihre Zählung erklärt die Seite Die Zehn Gebote.
Das Verhältnis zwischen Gott und Mose beschreibt der Text als besonders nah: "Der HERR aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freunde redet" (2. Mose 33,11) [3].
Die Jahre in der Wüste und der Tod am Nebo
Das 4. Buch Mose erzählt, wie das Volk wegen seines Murrens "vierzig Jahre" in der Wüste bleiben muss (4. Mose 14,33) [3]. In Kadesch schlägt Mose zweimal mit dem Stab an einen Felsen, um Wasser für die Gemeinde zu gewinnen. Gott sagt daraufhin zu Mose und Aaron, sie sollten "diese Gemeinde nicht in das Land bringen" (4. Mose 20,12) [3]. Wer die Abschiedsreden vor dem Einzug lesen will, findet sie im 5. Buch Mose.

Am Ende steigt Mose auf den Berg Nebo gegenüber von Jericho und sieht das Land. Dazu heißt es: "Du hast es mit deinen Augen gesehen; aber du sollst nicht hinübergehen" (5. Mose 34,4) [3]. Er stirbt im Land der Moabiter. "Und niemand hat sein Grab erfahren bis auf diesen heutigen Tag" (5. Mose 34,6). Sein Nachfolger wird Josua, auf den Mose "seine Hände" gelegt hatte (5. Mose 34,9). Das Buch schließt mit dem Satz: "Und es stand hinfort kein Prophet in Israel auf wie Mose" (5. Mose 34,10) [3].
Was die Forschung sagt
Bis zur Aufklärung galt Mose als Verfasser der fünf Bücher Mose. Die heutige Bibelwissenschaft schließt das aus. Nach der Urkundenhypothese gehören die Erzählungen über ihn verschiedenen Schichten an, die meist zwischen dem 10. und 6. Jahrhundert v. Chr. datiert werden [1]. Ob Mose gelebt hat, wird unterschiedlich beantwortet. Orthodoxe Juden und verschiedene christliche Konfessionen halten seine führende Rolle beim Auszug für historisch, für andere Juden und Christen spielt die Frage keine wesentliche Rolle. Der Wikipedia-Artikel nennt unter anderem diese Positionen der Forschung [1]:
- Martin Noth hielt die Erzählungen für nachträglich um Mose ergänzt. Am ehesten historisch fassbar sei die Überlieferung von seinem Grab jenseits des Jordans.
- Ernst Sellin vermutete, Mose sei als Märtyrer getötet worden, und stützte sich auf Anspielungen bei Hosea, Deuterojesaja und Sacharja.
- Sigmund Freud stellte Mose 1939 als Ägypter und Anhänger Echnatons dar. Er selbst nannte das ein Konstrukt.
- Ernst Axel Knauf brachte ihn mit Bay in Verbindung, einem Würdenträger unter Sethos II. um 1200 v. Chr. Rolf Krauss hält eine Entstehung der Mosegeschichte um 450 v. Chr. nach dem Vorbild des Pharao Amenmesse für möglich.
- Jan Assmann und Donald Redford verbinden den Exodus mit Ahmose I. und der Vertreibung der Hyksos. Diese Deutung ist umstritten.
Zum Auszug selbst schreibt der Wikipedia-Artikel "Auszug aus Ägypten", dass es ihn "im geschilderten Ausmaß eher nicht" gegeben hat. Archäologische Untersuchungen und das Fehlen historischer Quellen sprechen gegen die Historizität. Die Forschung ist dennoch geteilt: Einige verteidigen die Geschichtlichkeit zumindest in Grundzügen, andere bestreiten sie mehr oder weniger radikal [2]. Ägyptische Quellen belegen Zwangsarbeit semitischer Nomaden, der sogenannten Apiru, im Neuen Reich und gelegentliche Fluchten kleiner Gruppen. Ein historischer Hintergrund ist deshalb nicht auszuschließen [2]. Assmann fragt in seinem gedächtnisgeschichtlichen Ansatz, wie man sich an den Auszug erinnerte, und vermutet, dass sich darin Erinnerungen an die Hyksos, an ägyptische Herrschaft in Kanaan und an die Apiru verbinden [2]. Das Ägypten dieser Zeit stellt die Seite Das Alte Ägypten auf geschichte.domain-root.de vor.
Mose in Judentum, Christentum und Islam
Für das religiöse und nationale Selbstverständnis des Judentums ist Mose eine der wichtigsten Figuren [1]. Die katholische Kirche und die Orthodoxie verehren ihn als Patriarchen und Heiligen, sein Gedenktag ist der 4. September, ebenso im Kalender der Lutherischen Kirche, Missouri-Synode [1]. Im Neuen Testament wird er oft genannt, etwa wenn Philippus sagt, er habe den gefunden, "von welchem Moses im Gesetz und die Propheten geschrieben haben" (Johannes 1,45) [3]. Im Islam heißt er Mūsā und ist ein bedeutender Prophet, der Koran erwähnt ihn in zahlreichen Suren [1]. Wie der Koran von ihm erzählt, beschreibt die Seite Mose im Koran. Die Vorfahren, auf die sich die Gottesrede am Dornbusch beruft, stellt die Seite Abraham, Isaak und Jakob vor.
- Mose. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Auszug aus Ägypten. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
Weitere Artikel
PersonenKönig DavidKönig David nach 1. Samuel 16 bis 1.
PersonenJohannes der Täufer in der BibelJohannes der Täufer nach Matthäus 3, Markus 1, Lukas 1 und 3 und Johannes 1: Geburt, Bußpredigt am Jordan, Taufe Jesu, Tod …
PersonenMaria, die Mutter Jesu, in der BibelMaria im Neuen Testament: Verkündigung, Magnificat, Geburt Jesu, Hochzeit zu Kana, unter dem Kreuz.