Das Alte TestamentRatgeber
Das Buch Hiob: Einführung und alle 42 Kapitel
Das Buch Hiob hat 42 Kapitel und erzählt von einem frommen Mann im Lande Uz, der alles verliert und mit drei Freunden darüber streitet, warum ein Gerechter leiden muss. Am Ende antwortet Gott aus dem Wetter, und Hiob erhält das Doppelte zurück. Das Buch gehört zur Weisheitsliteratur und entstand in seiner heutigen Form wohl in der Perserzeit.

"Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt" (1,21): Diesen Satz spricht Hiob, nachdem er an einem einzigen Tag sein Vieh, seine Knechte und seine zehn Kinder verloren hat [3]. Danach aber klagt er Gott an, und das über viele Kapitel. Das Buch Hiob hat 42 Kapitel und ist zum größten Teil Dichtung. Es fragt, warum ein Mensch leidet, der nichts Böses getan hat. Den Bibeltext findest du hier in der Lutherbibel von 1912, deren Wortlaut gemeinfrei ist [3]. Jedes Kapitel hat eine eigene Seite, die Übersicht steht am Ende dieser Einführung.
Wer war Hiob?
Das Buch beginnt mit einer Erzählung in Prosa: "Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Derselbe war schlecht und recht, gottesfürchtig und mied das Böse" (1,1) [3]. Hiob hat sieben Söhne und drei Töchter, dazu 7.000 Schafe, 3.000 Kamele, 500 Joch Rinder und 500 Eselinnen (1,2 bis 3) [3]. Wo das Land Uz lag, sagt der Text nicht, und er bezeichnet Hiob an keiner Stelle als Israeliten. Seine Freunde kommen jeder "aus seinem Ort": Eliphas von Theman, Bildad von Suah und Zophar von Naema (2,11) [3].

Der hebräische Name lautet Ijob. Woher er kommt, ist unklar. Die Form "Hiob" geht auf eine mittelalterliche lateinische Schreibweise zurück [1]. Ob es den Mann gegeben hat, war schon unter den Rabbinen umstritten, die ihn sehr unterschiedlich datierten [1].
Aufbau des Buches
Das Buch hat einen Rahmen in Prosa und einen langen Mittelteil in Versen [1, 2].
| Teil | Kapitel | Inhalt |
|---|---|---|
| Prolog | 1 bis 2 | Hiobs Frömmigkeit, die Wette im Himmel, Verlust und Krankheit |
| Klage | 3 | Hiob verflucht den Tag seiner Geburt |
| Gespräche mit den Freunden | 4 bis 27 | drei Redegänge von Eliphas, Bildad und Zophar mit Hiobs Antworten |
| Lied von der Weisheit | 28 | Gedicht über die Frage, wo Weisheit zu finden ist |
| Hiobs Schlussreden | 29 bis 31 | Rückblick, Klage und Unschuldsbeteuerung |
| Reden Elihus | 32 bis 37 | ein vierter, jüngerer Sprecher |
| Gottesreden | 38 bis 42,6 | Gott antwortet aus dem Wetter, Hiob antwortet kurz |
| Epilog | 42,7 bis 17 | Gott tadelt die Freunde, Hiob erhält das Doppelte |
Inhalt im Überblick
Die Prüfung (Kapitel 1 und 2)
Im Himmel treten "die Kinder Gottes" vor den HERRN, unter ihnen der Satan. Gott lobt Hiob, und der Satan fragt zurück: "Meinst du, daß Hiob umsonst Gott fürchtet?" (1,9) [3]. Gott erlaubt ihm, Hiobs Besitz anzutasten. Vier Boten melden nacheinander Unglück, jeder mit demselben Satz: "ich bin allein entronnen, daß ich dir's ansagte" (1,15 bis 19). Danach trifft Hiob eine Krankheit "von der Fußsohle an bis auf seinen Scheitel" (2,7). Seine Frau rät ihm: "sage Gott ab und stirb!" Er antwortet: "Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?" (2,9 bis 10) [3]. Die drei Freunde kommen und sitzen sieben Tage und Nächte schweigend bei ihm, "denn sie sahen, daß der Schmerz sehr groß war" (2,13) [3].

Hiobs Klage (Kapitel 3)
Mit Kapitel 3 wechselt das Buch in die Dichtung, und der Ton ändert sich. Hiob verflucht seinen Geburtstag: "Der Tag müsse verloren sein, darin ich geboren bin" (3,3). Er fragt, warum er nicht schon bei der Geburt gestorben sei, und schließt: "Und es kommt solche Unruhe!" (3,26) [3].
Der Streit mit den Freunden (Kapitel 4 bis 27)
In drei Redegängen sprechen die Freunde nacheinander, und Hiob antwortet jedem. Die Freunde vertreten den sogenannten Tun-Ergehen-Zusammenhang: Wem es schlecht geht, der muss gesündigt haben, und wer umkehrt, dem wird es wieder gut gehen [1]. Hiob weist das zurück. Er besteht auf seiner Unschuld und wirft Gott vor, ihm Unrecht zu tun: "so merkt doch nun einmal, daß mir Gott Unrecht tut" (19,6) [3]. Der dritte Redegang ist unvollständig, eine Rede Zophars fehlt [2].
Mitten in diesem Streit steht ein Satz, der in der christlichen Überlieferung besonders bekannt wurde: "Aber ich weiß, daß mein Erlöser lebt; und als der letzte wird er über dem Staube sich erheben" (19,25) [3]. Unmittelbar davor wünscht sich Hiob, seine Reden würden "mit einem eisernen Griffel auf Blei und zum ewigem Gedächtnis in Stein gehauen" (19,24) [3].
Weisheit, Schlussrede und Elihu (Kapitel 28 bis 37)
Kapitel 28 ist ein Gedicht über die Weisheit, das viele Forscher heute als eigenen Zwischenteil in der Stimme des Erzählers lesen [2]. In den Kapiteln 29 bis 31 blickt Hiob auf sein früheres Leben zurück und beteuert noch einmal seine Unschuld [1]. Dann tritt unerwartet Elihu auf, ein jüngerer Mann, der in vier Reden sowohl Hiob als auch den Freunden widerspricht [1]. Im Rahmen des Buches wird er sonst nicht erwähnt.
Gott antwortet (Kapitel 38 bis 42,6)
"Und der HERR antwortete Hiob aus dem Wetter und sprach: Wer ist der, der den Ratschluß verdunkelt mit Worten ohne Verstand?" (38,1 bis 2) [3]. Gott erklärt das Leiden nicht. Er stellt Gegenfragen: "Wo warst du, da ich die Erde gründete?" (38,4) [3]. Es folgen Bilder aus der Natur, vom Meer, dem Gott sagt: "Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter" (38,11), über Schnee, Hagel und Sternbilder bis zu wilden Tieren [3]. Die zweite Gottesrede in den Kapiteln 40 und 41 handelt von zwei Wesen, Behemoth und Leviathan. Man hat sie als Nilpferd und Krokodil gedeutet, wahrscheinlicher stehen sie für Mächte des Chaos [2]. Hiob antwortet knapp: "Ich hatte von dir mit den Ohren gehört; aber nun hat dich mein Auge gesehen" (42,5) [3].
Der Ausgang (Kapitel 42,7 bis 17)
Am Ende tadelt Gott die Freunde: "ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Hiob" (42,7) [3]. Hiob soll für sie bitten. Danach erhält er doppelt so viel wie zuvor, 14.000 Schafe und 6.000 Kamele, und wieder sieben Söhne und drei Töchter, deren Namen das Buch nennt: Jemima, Kezia und Keren-Happuch (42,12 bis 14). Er lebt noch 140 Jahre und stirbt "alt und lebenssatt" (42,16 bis 17) [3].
Die Frage nach dem Leid
Im Kern geht es im Buch um die Frage, wie ein gerechter und allmächtiger Gott Leid zulassen kann. Die Philosophie nennt diese Frage Theodizee [1]. Die Antwort der Freunde, Leid sei Strafe für Schuld, stellt das Buch in Frage, denn am Ende verurteilt Gott ihre Reden. Die Gottesreden weisen Hiobs Anklagen zurück, werfen ihm aber keine Schuld vor [1]. Eine Erklärung für sein Leiden bekommt Hiob nicht. Was der Leser aus dem Prolog weiß, die Szene im Himmel, erfährt Hiob im ganzen Buch nicht.

Wie das Buch entstanden ist
Die meisten Forscher unterscheiden zwischen der Rahmenerzählung und den Reden. Die Erzählung in Prosa gilt als älter und geht wohl auf eine mündlich überlieferte Geschichte zurück. Die Reden in Versen stammen von anderen Verfassern, die Reden Elihus gelten meist als jüngster Teil [1]. Ein Hinweis darauf ist der Gottesname: Der Prolog nennt den Gottesnamen JHWH 23-mal, der Redeteil verwendet 127-mal andere Bezeichnungen wie El, Eloah und Schaddaj [1]. Die Sprache deutet auf die Perserzeit zwischen 540 und 330 vor Christus [2]. Die deutsche Wikipedia gibt für die Gesamtform einen weiteren Zeitraum von etwa 500 bis 100 vor Christus an [1].
Aus dem Alten Orient sind Texte bekannt, die ähnliche Fragen stellen, etwa der sogenannte Babylonische Hiob "Ludlul bēl nēmeqi" aus der Zeit um 1200 vor Christus. Eine direkte Abhängigkeit ist nicht nachgewiesen [1]. Das Hebräisch des Buches enthält ungewöhnlich viele Wörter und Formen, die sonst in der Bibel nicht vorkommen[2].
Stellung in der Bibel
In der Hebräischen Bibel gehört Hiob zu den Schriften (Ketuvim) und steht dort an zweiter Stelle nach den Psalmen. Im christlichen Alten Testament zählt es zur Weisheitsliteratur [1]. In der Lutherbibel steht es nach Esther und vor den Psalmen. Im Neuen Testament nennt der Jakobusbrief Hiob als Vorbild der Geduld [1]. Auch der Koran erwähnt ihn als Ayyub [1].
Nachwirkung
Aus dem Buch stammt das Wort "Hiobsbotschaft" für eine schlimme Nachricht, nach den vier Boten in Kapitel 1 [1]. Goethe gestaltete den "Prolog im Himmel" seines "Faust" nach der Himmelsszene des Buches. Joseph Roth schrieb 1930 den Roman "Hiob", Archibald MacLeish 1958 das Versdrama "J.B." [1]. Vertont haben Texte aus Hiob unter anderem Heinrich Schütz und Georg Friedrich Händel im "Messiah" [1]. Wer Trost in Bibeltexten sucht, findet eine Auswahl auf der Seite Bibelverse für Trauer und Trost.
Die Kapitel im Überblick
Die Zitate auf dieser Seite folgen der Lutherbibel von 1912 mit Schreibweisen wie "daß", "Eliphas" und "Zophar" [3]. Für einen ersten Eindruck eignen sich die Kapitel 1 und 2 mit der Rahmenhandlung, Kapitel 38 mit der ersten Gottesrede und Kapitel 42 mit dem Schluss.
Alle Kapitel: Hiob
- Ijob. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Book of Job. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Hiob. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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