Das Neue TestamentRatgeber

Der 1. Brief an die Korinther: Einführung und alle 16 Kapitel

Der 1. Korintherbrief hat 16 Kapitel. Paulus schrieb ihn vermutlich um 54 nach Christus in Ephesus an die Gemeinde in Korinth, die er selbst gegründet hatte. Er geht auf Spaltungen und Missstände ein, beantwortet Fragen zu Ehe, Götzenopferfleisch und Gottesdienst und enthält das Hohelied der Liebe (Kapitel 13) und das Kapitel über die Auferstehung (Kapitel 15).

Die Ruine eines antiken griechischen Tempels mit hohen verwitterten Steinsäulen vor einem hohen Berg im Abendlicht
Bild: KI-generiert

Paulus hatte die Gemeinde in Korinth selbst gegründet. Ein paar Jahre später erreichen ihn schlechte Nachrichten, und zwar "durch die aus Chloes Gesinde von euch, daß Zank unter euch sei" (1,11) [3]. In seiner Antwort geht Paulus auf Streit und Missstände ein und beantwortet Fragen, die ihm die Gemeinde gestellt hat: zur Ehe, zum Fleisch aus heidnischen Opfern, zum Gottesdienst und zur Auferstehung [1]. Mitten darin steht Kapitel 13, das Hohelied der Liebe. Die 16 Kapitel stehen hier in der Lutherbibel von 1912, jedes auf einer eigenen Seite.

Korinth und die Gemeinde

Korinth war eine griechische Hafenstadt und Hauptstadt der römischen Provinz Achaia. Die Bevölkerung war gemischt, mit einem starken römischen Anteil [1]. Paulus kam auf seiner zweiten Missionsreise in die Stadt, nach der Datierung bei Wikipedia in den Jahren 50 bis 51 [1]. Die Apostelgeschichte erzählt, dass er bei dem Ehepaar Aquila und Priscilla wohnte und mit ihnen arbeitete, denn sie waren "des Handwerks Teppichmacher" (Apostelgeschichte 18,3) [3]. Nach Streit in der Synagoge lehrte er im Haus eines Mannes namens Just, das direkt daneben lag, und Krispus, "der Oberste der Schule", kam mit seinem Haus zum Glauben (Apostelgeschichte 18,7 bis 8). Insgesamt blieb Paulus "ein Jahr und sechs Monate" (Apostelgeschichte 18,11) [3].

Ein antiker Steinhafen an einer ruhigen Bucht bei Sonnenaufgang, hölzerne Segelschiffe liegen am Kai vor dunstigen Hügeln
Bild: KI-generiert

Die Gemeinde war sozial gemischt. Die meisten Mitglieder waren arm und kamen aus dem Heidentum, einige wenige wie Krispus waren wohlhabender [1]. Paulus erinnert sie selbst daran: "nicht viel Weise nach dem Fleisch, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edle sind berufen" (1,26) [3]. Mehr über das Reich, zu dem Korinth damals gehörte, steht auf der Seite Das Römische Reich auf geschichte.domain-root.de.

Wann und wo der Brief entstand

Als Absender nennt der Brief Paulus und "Bruder Sosthenes" (1,1). Vielleicht ist das derselbe Sosthenes, den die Apostelgeschichte als Vorsteher der Synagoge in Korinth erwähnt (Apostelgeschichte 18,17) [1, 3]. Dass Paulus den Brief verfasst hat, gilt in der Forschung als gesichert. Zweifel aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert werden heute nicht mehr vertreten [1, 2].

Eine gerollte und verschnürte Papyrusrolle neben einer Öllampe aus Ton auf einem Steinsims vor einem Bogenfenster
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Geschrieben hat Paulus in Ephesus, wo er sich auf seiner dritten Reise längere Zeit aufhielt: "Ich werde aber zu Ephesus bleiben bis Pfingsten" (16,8) [3]. Wikipedia datiert den Brief vermutlich auf das Jahr 54, Hans Dieter Betz auf 55 [1]. Die englische Wikipedia nennt als übliche Spanne für die Abfassung des Briefes die Jahre 53 bis 57 [2]. Überbracht haben ihn nach einer Vermutung Stephanas, Fortunatus und Achaikus, über deren Besuch sich Paulus am Ende freut (16,17) [1, 3].

Der Brief, den die Bibel den ersten nennt, war nicht der erste. Paulus schreibt selbst: "Ich habe euch geschrieben in dem Briefe, daß ihr nichts sollt zu schaffen haben mit den Hurern" (5,9) [3]. Dieses frühere Schreiben ist verloren, ebenso die Briefe der Gemeinde an Paulus [1, 2]. Auf einen davon antwortet er ab Kapitel 7: "Wovon ihr aber mir geschrieben habt" (7,1) [3]. Die Geschichte geht im 2. Brief an die Korinther weiter. Zwischen beiden Briefen schrieb Paulus nach der englischen Wikipedia noch einen weiteren Brief, den sie "Severe Letter" nennt [2].

Aufbau des Briefes

Die Kapitel lassen sich nach ihren Themen so ordnen:

KapitelThemaWichtige Stellen
1 bis 4Spaltungen und das Wort vom KreuzParteien in der Gemeinde, Torheit und Weisheit, Paulus und Apollos
5 bis 6MissständeUnzucht in der Gemeinde, Prozesse vor heidnischen Gerichten
7Ehe und EhelosigkeitAntwort auf die Anfrage der Gemeinde
8 bis 10GötzenopferfleischFreiheit und Rücksicht, in Kapitel 9 Paulus über sich selbst
11 bis 14GottesdienstKopfbedeckung, Abendmahl, Gaben des Geistes, Hohelied der Liebe, Zungenrede
15Auferstehung der TotenBekenntnis, Erscheinungen, Bild vom Samenkorn
16SchlussSammlung für Jerusalem, Reisepläne, Grüße

Inhalt im Überblick

Die Kapitel 1 bis 6 behandeln Streit und Missstände in der Gemeinde, die Kapitel 7 bis 16 beantworten vor allem Fragen, die die Gemeinde gestellt hat.

Ein rundes Fladenbrot und ein schlichter Tonbecher auf einem groben Holztisch im Licht einer kleinen Öllampe
Bild: KI-generiert

Parteien und das Wort vom Kreuz (Kapitel 1 bis 4)

In Korinth haben sich Gruppen gebildet, die sich auf verschiedene Lehrer berufen: "Ich bin paulisch, der andere: Ich bin apollisch, der dritte: Ich bin kephisch" (1,12) [3]. Mit Kephas ist Petrus gemeint [1]. Eine vierte Gruppe sagt "Ich bin christisch". Ob es sie wirklich gab, ist in der Forschung umstritten, manche halten den Satz für einen späteren Zusatz [1]. Paulus fragt zurück: "Ist Christus nun zertrennt?" (1,13) [3]. Dann setzt er der Weisheit, auf die man in Korinth stolz ist, die Botschaft vom Kreuz entgegen: "Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden ist's eine Gotteskraft" (1,18) [3]. Seine Rolle und die des Apollos beschreibt er mit einem Bild aus dem Gartenbau: "Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; aber Gott hat das Gedeihen gegeben" (3,6) [3].

Missstände (Kapitel 5 und 6)

Kapitel 5 beginnt mit einem Fall, über den man in der Stadt redet: "daß einer seines Vaters Weib habe" (5,1). Paulus verlangt, den Mann aus der Gemeinde auszuschließen, und begründet es mit einem Sprichwort: "ein wenig Sauerteig den ganzen Teig versäuert" (5,6) [3]. In Kapitel 6 tadelt er, dass Gemeindeglieder ihre Streitigkeiten vor heidnischen Richtern austragen (6,1 bis 6), und schreibt über den Körper: "daß euer Leib ein Tempel des heiligen Geistes ist" (6,19) [1, 3].

Ehe, Freiheit und Opferfleisch (Kapitel 7 bis 10)

Zur Ehe schreibt Paulus vorsichtig und unterscheidet mehrmals zwischen einem Gebot des Herrn und seiner eigenen Meinung (7,10 und 7,12). Er selbst lebt ehelos und sagt: "Ich wollte aber lieber, alle Menschen wären, wie ich bin" (7,7). Wer sich nicht enthalten kann, soll heiraten, denn "es ist besser freien denn Brunst leiden" (7,9) [3]. Dahinter steht die Erwartung: "Die Zeit ist kurz" (7,29). Wikipedia nennt die Haltung, die daraus folgt, das Als-ob-nicht: Wer weint, soll sein, als weine er nicht, wer kauft, als besitze er es nicht (7,29 bis 31) [1, 3].

Die Kapitel 8 bis 10 gehen einer Frage nach, die in einer antiken Stadt alltäglich war. Darf man Fleisch essen, das aus heidnischen Opfern stammt und auf dem Markt verkauft wird? Paulus hält die Götzen für nichtig, mahnt aber zur Rücksicht auf Gemeindeglieder, deren Gewissen "so schwach ist" (8,7): "Das Wissen bläst auf, aber die Liebe bessert" (8,1) [1, 3]. In Kapitel 9 verzichtet er nach eigenen Worten auf seinen Anspruch, von der Gemeinde versorgt zu werden, und beschreibt seine Arbeitsweise: "Ich bin jedermann allerlei geworden, auf daß ich allenthalben ja etliche selig mache" (9,22) [3].

Gottesdienst, Gaben und die Liebe (Kapitel 11 bis 14)

Kapitel 11 regelt die Kopfbedeckung beim Beten (11,2 bis 16) und kritisiert, wie die Gemeinde das Abendmahl feiert. Jeder isst, was er mitgebracht hat, "und einer ist hungrig, der andere ist trunken" (11,21) [3]. Paulus erinnert an die Überlieferung: "Ich habe es von dem HERRN empfangen, das ich euch gegeben habe" (11,23). Es folgen die Einsetzungsworte mit dem Satz "das ist mein Leib, der für euch gebrochen wird" (11,24) [1, 3]. In Kapitel 12 vergleicht er die Gemeinde mit einem Körper, in dem jedes Glied gebraucht wird: "Ihr seid aber der Leib Christi und Glieder, ein jeglicher nach seinem Teil" (12,27) [3].

Kapitel 13 heißt seit langem das Hohelied der Liebe [1]. Es beginnt mit dem Satz "Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle" (13,1). Von dort stammt auch "Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort" (13,12) und der Schluss "Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen" (13,13) [3]. Kapitel 14 kehrt zur Praxis zurück. Paulus stellt die verständliche prophetische Rede über die Zungenrede: "Wer mit Zungen redet, der bessert sich selbst; wer aber weissagt, der bessert die Gemeinde" (14,4). Am Ende steht die Regel "Lasset alles ehrbar und ordentlich zugehen" (14,40) [1, 3].

Auferstehung und Schluss (Kapitel 15 und 16)

Einige in Korinth sagen, "die Auferstehung der Toten sei nichts" (15,12). Paulus antwortet mit einer Überlieferung, die er nach eigenen Worten "empfangen" hat (15,3): Christus ist gestorben, begraben und auferstanden und wurde gesehen von Kephas, den Zwölf, mehr als fünfhundert Brüdern, Jakobus, allen Aposteln und zuletzt von Paulus selbst (15,3 bis 8) [3]. Die englische Wikipedia hält es für möglich, dass diese Formel zu den frühesten Bekenntnissen über Tod und Auferstehung Jesu gehört [2]. Für Paulus hängt alles daran: "Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich" (15,14) [3]. Wie der neue Leib aussehen soll, erklärt er mit dem Bild vom Samenkorn: "Es wird gesät verweslich, und wird auferstehen unverweslich" (15,42). Das Kapitel endet mit dem Ruf "Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?" (15,55) [3].

Kapitel 16 ordnet eine Geldsammlung für die Gemeinde in Jerusalem, für die jeder "An jeglichem ersten Tag der Woche" etwas zurücklegen soll (16,2). Paulus kündigt seinen Besuch an und grüßt von Aquila und Priscilla (16,19). Am Schluss steht ein aramäischer Ruf, den die Lutherbibel stehen lässt und in Klammern erklärt: "Maran atha!" mit der Übersetzung "Unser HERR kommt!" (16,22) [1, 3].

Eine umstrittene Stelle: Kapitel 14,34 bis 35

Zwei Verse im Kapitel über den Gottesdienst werden in der Forschung besonders viel diskutiert. Dort heißt es: "lasset eure Weiber schweigen in der Gemeinde" (14,34) [3]. Nach Wikipedia gelten die Verse in der Bibelwissenschaft weithin als nachträglicher Einschub aus der Zeit nach Paulus. Die Zürcher Bibel von 2007, die Einheitsübersetzung von 2016 und die Gute Nachricht Bibel von 2018 folgen dieser Sicht. Die BasisBibel von 2021 merkt an, dass sich in den fünf Büchern Mose kein Schweigegebot für Frauen findet. Die Lutherübersetzung von 2017 setzt keine Anmerkung [1]. Die englische Wikipedia nennt beide Seiten: Joseph Fitzmyer berichtet, dass die meisten heutigen Kommentatoren die Verse für einen Einschub halten, Raymond Collins hält die Argumente dafür für nicht gewichtig. Alle erhaltenen griechischen Handschriften enthalten die Verse, einige westliche Handschriften stellen sie aber erst hinter Vers 40 [2]. Andere Ausleger halten die Verse für echt. Fitzmyer und Collins ziehen die Deutung vor, dass Paulus hier eine Parole der Korinther zitiert und in Vers 36 zurückweist. Anthony Thiselton versteht das Schweigegebot als Anweisung für eine bestimmte Art des Redens, nämlich das Befragen bei der Prüfung prophetischer Rede [2]. Wikipedia nennt als einen Grund für die Einschubthese den Widerspruch zu 11,5, wo von Frauen die Rede ist, die beten und weissagen [1].

Die Kapitel im Überblick

Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "daß" und "Weib". Die Zählung der 16 Kapitel und ihrer 437 Verse stimmt mit der üblichen Zählung überein. Wer nicht den ganzen Brief lesen will, beginnt mit Kapitel 1, liest dann Kapitel 13 und am Schluss Kapitel 15. Wie Paulus nach Korinth kam, erzählt die Apostelgeschichte in Kapitel 18. Mehr über den Absender steht auf der Seite Der Apostel Paulus, die Berichte der Evangelien über das leere Grab auf der Seite Die Auferstehung Jesu in den Evangelien.

Alle Kapitel: 1. Korinther

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7. 7
  8. 8
  9. 9
  10. 10
  11. 11
  12. 12
  13. 13
  14. 14
  15. 15
  16. 16
  1. 1. Brief des Paulus an die Korinther. Wikipedia. Stand 11.08.2026. abgerufen am 29.10.2026
  2. First Epistle to the Corinthians. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.