Themen der BibelRatgeber
Die Zehn Gebote
Die Zehn Gebote stehen zweimal in der Bibel, in 2. Mose 20,2 bis 17 und in 5. Mose 5,6 bis 21. Sie beginnen mit "Ich bin der HERR, dein Gott" und enden mit dem Verbot, den Besitz des Nächsten zu begehren. Juden, orthodoxe und reformierte Christen, Katholiken und Lutheraner teilen denselben Text unterschiedlich in zehn Gebote ein.

Die Zehn Gebote heißen nach dem griechischen Wort für "zehn Worte" auch Dekalog, auf Hebräisch Aseret ha-Dibberot [1]. Die Bibel überliefert sie zweimal: in 2. Mose 20 am Berg Sinai und in 5. Mose 5 in einer Rede, in der Mose an diese Szene erinnert [1, 2]. Der Abschnitt in 2. Mose 20 nennt selbst keine Zahl und keine Tafeln. Erst 2. Mose 34,28 spricht von "die Zehn Worte", 5. Mose 4,13 nennt sie ebenso und erzählt, Gott habe sie "auf zwei steinerne Tafeln" geschrieben (5. Mose 4,13) [1, 2]. Weil der Text selbst keine Nummern enthält, teilen Judentum und christliche Konfessionen ihn verschieden ein. Die Bibelzitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise [2].
Der Wortlaut in 2. Mose 20
Nach dem Auszug aus Ägypten erreicht das Volk Israel im dritten Monat die Wüste Sinai (2. Mose 19,1). Das 20. Kapitel beginnt mit dem Satz "Und Gott redete alle diese Worte" (2. Mose 20,1) [2]. Es folgen in der Lutherbibel von 1912 diese Sätze [2]:

- "Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, geführt habe" (2. Mose 20,2)
- "Du sollst keine anderen Götter neben mir haben" (2. Mose 20,3)
- "Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen" (2. Mose 20,4), mit dem Verbot, Bilder anzubeten (2. Mose 20,5 bis 6)
- "Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht mißbrauchen" (2. Mose 20,7)
- "Gedenke des Sabbattags" (2. Mose 20,8), mit sechs Tagen Arbeit und dem siebenten Tag als Ruhetag (2. Mose 20,9 bis 11)
- "Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren" (2. Mose 20,12)
- "Du sollst nicht töten" (2. Mose 20,13)
- "Du sollst nicht ehebrechen" (2. Mose 20,14)
- "Du sollst nicht stehlen" (2. Mose 20,15)
- "Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten" (2. Mose 20,16)
- "Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses. Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes" (2. Mose 20,17), dazu Knecht, Magd, Ochse, Esel und "alles, was dein Nächster hat" (2. Mose 20,17)
Danach erzählt das Kapitel, wie das Volk Donner und Blitz sieht und Mose bittet: "Rede du mit uns, wir wollen gehorchen; und laß Gott nicht mit uns reden" (2. Mose 20,19) [2]. Das ganze Kapitel steht unter 2. Mose 20.
Die Fassung in 5. Mose 5 und ihre Unterschiede
In 5. Mose 5 wiederholt Mose die Gebote vor dem ganzen Volk mit den Worten "Höre, Israel, die Gebote und Rechte" (5. Mose 5,1) [2]. Der Wortlaut ist fast gleich, an einigen Stellen aber deutlich anders. Am größten ist der Unterschied beim Sabbat. In 2. Mose 20 wird er mit der Schöpfung begründet: "Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht" (2. Mose 20,11). In 5. Mose 5 ist es die Befreiung aus der Sklaverei: "Denn du sollst gedenken, daß du auch Knecht in Ägyptenland warst" (5. Mose 5,15) [1, 2]. Dort sollen auch Knecht und Magd ruhen, "wie du" (5. Mose 5,14) [2].

Beim Begehren ist die Reihenfolge vertauscht. 5. Mose 5 nennt zuerst die Frau: "Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes" und dann "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker" (5. Mose 5,21) [2]. Das Gebot über die Eltern hat in 5. Mose 5,16 den Zusatz "und daß dir's wohl gehe" (5. Mose 5,16) [1, 2]. Die Ausgabe bei eBible.org nummeriert die Verse 17 bis 20 einzeln und setzt ab Vers 21 eine zweite Zählung in eckigen Klammern davor, nach der das Begehrensverbot 5. Mose 5,18 wäre [2]. Die Angaben hier und auf der Kapitelseite 5. Mose 5 folgen der Zählung ohne Klammern.
Wie die Gebote gezählt werden
Der Katechismus der Katholischen Kirche schreibt: "Im Lauf der Geschichte wurden die Gebote verschieden eingeteilt und numeriert." Er folgt der Einteilung des Augustinus, die in der katholischen Kirche zur Tradition geworden ist und die auch die lutherischen Bekenntnisse haben. Die griechischen Kirchenväter teilten anders ein, und ihre Einteilung findet sich in den orthodoxen Kirchen und den reformierten Gemeinschaften [3].
Im Judentum ist der Einleitungssatz "Ich bin der HERR, dein Gott" das erste Wort, das Verbot fremder Götter und das Bilderverbot bilden zusammen das zweite. Orthodoxe und Reformierte trennen Fremdgötter- und Bilderverbot und fassen das Begehren in einem Gebot zusammen. Katholiken und Lutheraner rechnen Einleitung, Fremdgötter- und Bilderverbot zum ersten Gebot und teilen das Begehren in zwei [1].
| Inhalt | Judentum | Orthodoxe, Reformierte | Katholiken, Lutheraner |
|---|---|---|---|
| Einleitung "Ich bin der HERR" | 1 | Präambel bei Reformierten | 1 |
| keine anderen Götter | 2 | 1 | 1 |
| kein Bildnis | 2 | 2 | 1 |
| Name Gottes | 3 | 3 | 2 |
| Sabbat, Feiertag | 4 | 4 | 3 |
| Vater und Mutter | 5 | 5 | 4 |
| nicht töten | 6 | 6 | 5 |
| nicht ehebrechen | 7 | 7 | 6 |
| nicht stehlen | 8 | 8 | 7 |
| kein falsches Zeugnis | 9 | 9 | 8 |
| nicht begehren | 10 | 10 | 9 und 10 |
Auch Katholiken und Lutheraner teilen das Begehren unterschiedlich auf. Der Katechismus der Katholischen Kirche formuliert in seiner katechetischen Übersicht als neuntes Gebot "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau" und als zehntes "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut" [5]. Luthers Kleiner Katechismus folgt der Reihenfolge von 2. Mose 20 und stellt das Haus an die neunte Stelle [4].
Die Gebote in Luthers Kleinem Katechismus
Für den Unterricht hat Martin Luther 1529 die Gebote im Kleinen Katechismus kurz gefasst. Jedem folgt die Frage "Was ist das?" mit einer Erklärung, beim ersten Gebot etwa "Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen" [4]. Das Bilderverbot nennt keiner von Luthers Katechismen ausdrücklich [1]. Die Liste lautet in der Fassung, die die evangelische Kirche heute verwendet [4]:
| Gebot | Wortlaut im Kleinen Katechismus |
|---|---|
| 1 | Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir. |
| 2 | Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen. |
| 3 | Du sollst den Feiertag heiligen. |
| 4 | Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß dir's wohlgehe und du lange lebest auf Erden. |
| 5 | Du sollst nicht töten. |
| 6 | Du sollst nicht ehebrechen. |
| 7 | Du sollst nicht stehlen. |
| 8 | Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten. |
| 9 | Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. |
| 10 | Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was sein ist. |
Aus dem Sabbat ist hier "der Feiertag" geworden. Mehr über den Reformator steht auf der Seite Martin Luther auf geschichte.domain-root.de.
Die steinernen Tafeln und die Entstehung des Textes
Nach 2. Mose 31,18 gibt Gott Mose auf dem Sinai "zwei Tafeln des Zeugnisses; die waren beschrieben mit dem Finger Gottes" (2. Mose 31,18) [2]. Als Mose das goldene Kalb sieht, zerbricht er sie (2. Mose 32,19). Danach schreibt er auf neue Tafeln "die Worte des Bundes, die Zehn Worte" (2. Mose 34,28) [2]. In 5. Mose 10,5 legt Mose die Tafeln in die Lade, nach der deutschen Wikipedia die Bundeslade [1, 2]. Die Geschichte des Mose erzählt die Seite Mose und der Auszug aus Ägypten.

Wann der Text entstanden ist, beantwortet die Forschung nicht einheitlich. Die deutsche Wikipedia nennt den Papyrus Nash aus der Zeit um 100 vor Christus, der einen Mischtext aus beiden Fassungen enthält. Der Wortlaut stand damals also noch nicht fest. Der Alttestamentler Lothar Perlitt schrieb den Dekalog als Einheit deuteronomistischen Verfassern des 7. Jahrhunderts vor Christus zu. Die ersten drei Gebote wurden nach dem Artikel wahrscheinlich während oder nach dem Babylonischen Exil vor eine ältere Reihe gestellt [1]. Welche der beiden Fassungen die ältere ist, lässt der Artikel offen [1].
Die Gebote in Judentum und Christentum
Im Tempel in Jerusalem wurde der Dekalog nach der deutschen Wikipedia bis zur Zerstörung im Jahr 70 täglich gelesen, und im jüdischen Morgengebet wird er bis heute gesprochen. Der Gelehrte Maimonides wandte sich dagegen, ihn über die übrigen Gebote der Tora zu stellen [1].
Im Neuen Testament zählt Jesus einem reichen Mann mehrere Gebote auf, darunter "du sollst nicht stehlen" und "ehre Vater und Mutter" (Markus 10,19) [2]. Paulus fasst sie zusammen und schreibt, alle diese Gebote würden in einem Satz zusammengefasst, dem Gebot der Nächstenliebe (Römer 13,9) [2]. Wie dieses Gebot im Alten und Neuen Testament vorkommt, zeigt die Seite Nächstenliebe und das höchste Gebot. Wie der Koran von Mose erzählt, beschreibt die Seite Mose im Koran.
- Zehn Gebote. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2066. Der Heilige Stuhl. Stand 1997. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Der Kleine Katechismus Dr. Martin Luthers. evangelisch.de. Stand 15.09.2012. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Katechismus der Katholischen Kirche, Die Zehn Gebote (katechetische Überlieferung). Der Heilige Stuhl. Stand 1997. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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