Das Neue TestamentRatgeber
Der Brief an die Hebräer: Einführung und alle 13 Kapitel
Der Hebräerbrief hat 13 Kapitel und nennt keinen Verfasser. Er deutet den Tod Jesu mit Bildern aus dem Tempelkult, beschreibt Christus als Hohenpriester nach der Ordnung Melchisedeks und reiht in Kapitel 11 Beispiele des Glaubens aus dem Alten Testament auf. Lange wurde er Paulus zugeschrieben; die heutige Forschung schreibt ihn einem unbekannten, griechisch gebildeten Verfasser zu.

Der Hebräerbrief beginnt ohne Absender und ohne Gruß, mit einem langen Satz: "Nachdem vorzeiten Gott manchmal und mancherleiweise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er am letzten in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn" (1,1 bis 2) [3]. Was folgt, liest sich wie eine Predigt. Er selbst nennt sich am Ende "das Wort der Ermahnung" (13,22) [1, 3]. Im Mittelpunkt steht ein Bild, das sonst im Neuen Testament nicht vorkommt: Christus als Hoherpriester [1]. Bekannt ist auch Kapitel 11 mit seiner Reihe von Glaubensbeispielen von Abel bis Rahab. Die 13 Kapitel stehen hier in der Lutherbibel von 1912, jedes auf einer eigenen Seite.
Ein Brief ohne Absender
Anders als die Paulusbriefe nennt der Hebräerbrief keinen Verfasser. Die ältesten Handschriften, darunter der Papyrus 46, ordnen ihn trotzdem den Briefen des Paulus zu, und die frühe Ostkirche hielt Paulus für den Autor. Diese Zuschreibung gilt heute allgemein als irrig [1, 2]. Schon Origenes zweifelte daran. Er hielt die Gedanken für paulinisch, Wortschatz und Stil aber nicht. Nach Eusebius urteilte er, wer den Brief geschrieben habe, wisse allein Gott [2].
An Vorschlägen fehlt es nicht. Genannt wurden unter anderem Apollos, Priszilla, Lukas, Clemens von Rom und Barnabas. Belegen lässt sich keiner davon [1]. Der deutsche Wikipedia-Artikel hält einen griechisch gebildeten Judenchristen für wahrscheinlich. Weil der Brief keinen erfundenen Absender nennt, gilt er nicht als pseudepigraphisch [1]. Am Schluss erwähnt der Verfasser einen Bekannten des Paulus: "Wisset, daß der Bruder Timotheus wieder frei ist" (13,23) [3].
Empfänger und Entstehung
Ob die Überschrift "An die Hebräer" die ersten Leser trifft, ist umstritten [1]. Am weitesten verbreitet ist die Annahme, dass Judenchristen gemeint sind, denn der Brief setzt viel jüdisches Wissen voraus, etwa über das Priestertum der Leviten. Andere denken an Christen der zweiten oder dritten Generation ganz allgemein [1]. Ein Hinweis auf den Ort steht im vorletzten Vers: "Es grüßen euch die Brüder aus Italien" (13,24). Er wird oft auf Rom bezogen, sicher ist das nicht [1, 3].
Spätestens um 96 nach Christus muss der Brief vorgelegen haben, denn der Erste Clemensbrief aus dieser Zeit zitiert ihn [1]. Wer annimmt, dass der Tempel in Jerusalem noch stand, datiert ihn in die Jahre 60 bis 70. Die Mehrheit bezieht die Ausführungen zum Opferkult dagegen auf die Texte des Alten Testaments. Deutet man die im Brief erwähnten Verfolgungen auf die Zeit Domitians, ergibt sich eine Abfassung zwischen 80 und 90 [1]. Harold Attridge und Ellen Aitken setzen ihn zwischen 70 und 100 an [2].
Eine Predigt in Briefform
Nur die letzten Verse (13,22 bis 25) haben die Form eines Briefes. Der deutsche Wikipedia-Artikel spricht deshalb von einem Kunstbrief, der wie eine rhetorisch ausgearbeitete Predigt wirkt und Lehre mit Ermahnung verbindet [1]. Die englische Wikipedia beschreibt ihn ebenfalls als ursprüngliche Predigt, der später Reisepläne und Grüße angefügt worden sein könnten [2]. Der Verfasser bittet seine Leser: "haltet das Wort der Ermahnung zugute; denn ich habe euch kurz geschrieben" (13,22) [3].

Sein Griechisch gilt als ausgezeichnet, sein Wortschatz als reich [1]. Er kennt die Septuaginta, die griechische Übersetzung des Alten Testaments, gut und zitiert vor allem aus den Psalmen, dem 3. Buch Mose und den Propheten [1].
Aufbau des Briefes
Für den Aufbau gibt es mehrere Vorschläge. Eine vereinfachte Gliederung nach Donald Guthrie, wie sie der deutsche Wikipedia-Artikel wiedergibt, teilt den Brief in Lehre (1,1 bis 10,18) und Ermahnung (10,19 bis 13,25) [1]:
| Verse | Abschnitt |
|---|---|
| 1,1 bis 4 | Gott hat durch den Sohn geredet |
| 1,5 bis 2,18 | Der Sohn und die Engel |
| 3,1 bis 4,13 | Mose, Josua und die verheißene Ruhe |
| 4,14 bis 10,18 | Christus als Hoherpriester und sein Opfer |
| 10,19 bis 10,39 | Mahnung zur Treue |
| 11,1 bis 40 | Beispiele des Glaubens |
| 12,1 bis 29 | Ausdauer und Erziehung |
| 13,1 bis 25 | Einzelne Mahnungen und Briefschluss |
Der Exeget Vanhoye hat einen konzentrischen Aufbau vorgeschlagen, dessen Mitte in den Kapiteln 8 und 9 das Hohepriestertum Christi bildet. Kritiker halten diese Einteilung für zu konstruiert [1].
Inhalt im Überblick
Bis 10,18 erklärt der Brief, wer Christus ist und was sein Opfer bedeutet, ab 10,19 folgen die Ermahnungen an die Leser [1].

Der Sohn und die Engel (Kapitel 1 und 2)
Der Sohn heißt "der Glanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens" (1,3) [3]. Mit einer Kette von Zitaten aus dem Alten Testament will das erste Kapitel zeigen, dass er über den Engeln steht. Die Engel dagegen sind "allzumal dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst" (1,14) [3]. Kapitel 2 betont, dass der Sohn ganz Mensch geworden sei: "Daher mußte er in allen Dingen seinen Brüdern gleich werden" (2,17) [3].
Mose, Josua und die Ruhe (Kapitel 3 und 4)
Mose war "treu in seinem ganzen Hause als ein Knecht" (3,5), Christus dagegen sei nach dem Brief der Sohn über das Haus (3,6) [3]. Mit einem Psalmwort erinnert der Brief an die Generation, die nach dem Auszug aus Ägypten in der Wüste starb, und leitet daraus ab: "Darum ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes" (4,9) [3]. Josua habe diese Ruhe nicht gebracht (4,8). Aus diesem Abschnitt stammt der Vers: "Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn kein zweischneidig Schwert" (4,12) [3].
Der Hohepriester und Melchisedek (Kapitel 4,14 bis 7)
Ab 4,14 entfaltet der Brief sein Hauptthema. Jesus sei ein Hoherpriester, der mit menschlicher Schwäche mitfühlen könne, "der versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde" (4,15) [3]. Weil Jesus nach dem Brief aus dem Stamm Juda stammt und nicht aus dem Priesterstamm Levi (7,14), greift der Brief auf eine andere Gestalt zurück: Melchisedek, den König von Salem, der Abraham segnete [1, 3]. Im 1. Buch Mose heißt es: "Aber Melchisedek, der König von Salem, trug Brot und Wein hervor" (1. Mose 14,18) [3]. Der Hebräerbrief deutet ihn so: "ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlecht und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens" (7,3). Mit Psalm 110,4 nennt er Christus einen "Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks" (5,6) [3]. Kapitel 5 enthält auch einen Tadel an die Leser: Sie brauchten noch "Milch" statt "starke Speise" (5,12) [3].
Neuer Bund und ein einziges Opfer (Kapitel 8 bis 10)
Die Kapitel 8 bis 10 vergleichen den Dienst der Priester im Heiligtum mit dem Werk Christi. Kapitel 8 zitiert die Verheißung eines neuen Bundes aus Jeremia 31: "Siehe, es kommen die Tage, spricht der HERR, daß ich über das Haus Israel und über das Haus Juda ein neues Testament machen will" (8,8) [3]. Kapitel 9 beschreibt die Stiftshütte und den Hohenpriester, der nur einmal im Jahr ins Allerheiligste ging (9,7). Von Christus heißt es, er sei "auch nicht der Böcke oder Kälber Blut, sondern sein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen" (9,12) [3]. Der Versöhnungstag, auf den sich diese Bilder beziehen, ist im 3. Buch Mose beschrieben. In Kapitel 10 steht: "Denn es ist unmöglich, durch Ochsen- und Bocksblut Sünden wegzunehmen" (10,4) [3].
Die Wolke der Zeugen (Kapitel 11 bis 13)
Kapitel 11 beginnt mit einer Bestimmung des Glaubens: "Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht" (11,1) [3]. Dann folgen Beispiele, jedes eingeleitet mit "Durch den Glauben": Abel, Henoch, Noah, Abraham und Sara, Isaak, Jakob, Joseph, Mose, das Volk am Roten Meer, die Mauern Jerichos und Rahab (11,4 bis 31) [3]. Kapitel 12 knüpft daran an: "dieweil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben" (12,1), sollen die Leser ausdauernd laufen "und aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens" (12,2) [3]. Kapitel 13 sammelt Mahnungen zu Gastfreundschaft, Ehe und Geld. Darin stehen die Sätze "Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit" (13,8) und "Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir" (13,14) [3].
Die Stellen über den Abfall vom Glauben
Zwei Abschnitte sprechen davon, was mit Christen geschieht, die vom Glauben abfallen. In 6,4 bis 6 heißt es, es sei unmöglich, die, "so einmal erleuchtet sind", wenn sie abfallen, "wiederum zu erneuern zur Buße" [3]. Kapitel 10 wiederholt den Gedanken: "Denn so wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, haben wir fürder kein anderes Opfer mehr für die Sünden" (10,26) [3]. Nach dem deutschen Wikipedia-Artikel war der Abschnitt 10,26 bis 31, der keine zweite Buße nach dem Abfall kennt, ein Grund, warum die Westkirche den Brief lange als zweifelhaft ansah. Dazu kam die Auseinandersetzung mit den Novatianern [1].

Stellung im Kanon
Die Alte Kirche zählte den Hebräerbrief zu den Briefen des Paulus, die damit auf vierzehn kamen. In der Ostkirche wurde er früh anerkannt, im Westen erst später [1]. Martin Luther schätzte den Brief, hatte aber Vorbehalte, weil er sich stark auf den Opferkult bezieht und von der Lehre des Paulus über die Rechtfertigung abweicht. In seiner Übersetzung stellte er ihn mit drei weiteren Schriften ans Ende des Neuen Testaments [1]. Die englische Wikipedia nennt sie: den Jakobusbrief, den Judasbrief und die Offenbarung [4]. Mehr dazu steht auf der Seite Kanon und Apokryphen und in der Einführung in den Brief des Jakobus.
Die Kapitel im Überblick
Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "daß" und "mußte". Die Zählung der 13 Kapitel und ihrer 303 Verse stimmt mit der üblichen Zählung überein [3]. Wer nur einen Teil lesen will, beginnt mit Kapitel 1 und liest dann Kapitel 11 über den Glauben. Die Geschichten hinter den Namen in Kapitel 11 erzählen die Seiten Abraham, Isaak und Jakob und Mose und der Auszug aus Ägypten, die Eroberung Jerichos die Einführung in das Buch Josua. Wie Tempel und Priestertum im antiken Judentum entstanden, beschreibt geschichte.domain-root.de unter Die Geschichte des Judentums.
Alle Kapitel: Hebräer
- Brief an die Hebräer. Wikipedia. Stand 17.08.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Epistle to the Hebrews. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Epistle of James. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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