Das Alte TestamentRatgeber
Die Psalmen: Einführung und alle 150 Psalmen
Das Buch der Psalmen, auch Psalter genannt, ist eine Sammlung von 150 Gebeten und Liedern im Alten Testament. Es ist in fünf Bücher gegliedert und führt von Klagen zu Lob und Dank, bis zum Schluss: "Alles, was Odem hat, lobe den HERRN!" Die meisten Psalmen stammen in ihrer heutigen Form wahrscheinlich aus dem 6. bis 2. Jahrhundert vor Christus.

"Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln" (23,1). Der Satz stammt aus einem Buch, das selbst aus 150 einzelnen Texten besteht. Die Psalmen sind Gebete und Lieder, die gelesen, gebetet und gesungen werden [2]. Sie reichen von Todesangst bis zur Freude am Leben, von Wut bis zur Vergebung [2]. Im Neuen Testament wird aus keinem Buch des Alten Testaments so oft zitiert [2]. Alle 150 Psalmen stehen hier in der Lutherbibel von 1912, jeder auf einer eigenen Seite. Die Übersicht steht am Ende dieser Einführung.
Name und Stellung in der Bibel
Im Judentum heißt das Buch Sefer Tehillim, "Buch der Lobpreisungen". Die Bezeichnung ist schon im 1. Jahrhundert vor Christus belegt [1, 2]. Das deutsche Wort Psalm geht auf das griechische psalmos zurück, ein Lied mit Begleitung eines Saiteninstruments. Mit diesem Wort gab die Septuaginta das hebräische mizmor wieder, das über 57 Psalmen steht [1]. In einer Bibelhandschrift aus dem 4. Jahrhundert heißen die 150 Texte "Buch der Psalmen", rund hundert Jahre später taucht der Titel Psalter auf [2].
In der hebräischen Bibel stehen die Psalmen meist am Anfang des dritten Teils, der Schriften. Im christlichen Alten Testament gehören sie zu den Weisheits- und Lehrbüchern und folgen auf das Buch Hiob [1]. In der Lutherbibel stehen danach die Sprüche Salomos.
Die fünf Bücher des Psalters
Der Psalter ist in fünf Bücher geteilt, wie die fünf Bücher Mose [1]. Jedes der ersten vier Bücher endet mit einem Lobspruch, einer Doxologie. Am Ende des ersten heißt es: "Gelobet sei der HERR, der Gott Israels, von nun an bis in Ewigkeit! Amen, amen" (41,14) [3]. Nach Psalm 72 steht zusätzlich eine Schlussnotiz: "Ein Ende haben die Gebete Davids, des Sohnes Isais" (72,20) [3]. Die Übersicht folgt der Darstellung von Frank-Lothar Hossfeld und Erich Zenger [1]:

| Teil | Psalmen | Inhalt | Abschluss |
|---|---|---|---|
| Eröffnung | 1 bis 2 | Gesetz und König auf dem Zion | |
| 1. Buch | 3 bis 41 | erster Davidpsalter | 41,14 |
| 2. Buch | 42 bis 72 | Psalmen der Korachiter, Asaph, zweiter Davidpsalter | 72,18 bis 20 |
| 3. Buch | 73 bis 89 | Psalmen Asaphs und der Korachiter | 89,53 |
| 4. Buch | 90 bis 106 | Mose-Psalmen, Psalmen vom Königtum Gottes | 106,48 |
| 5. Buch | 107 bis 145 | Psalm 119, Wallfahrtslieder 120 bis 134, Davidpsalmen | |
| Schluss | 146 bis 150 | Halleluja-Psalmen |
Das Buch beginnt mit dem Bild des Menschen, der "Lust zum Gesetz des HERRN" hat und davon redet "Tag und Nacht" (1,2) [3]. Es endet mit dem Aufruf "Alles, was Odem hat, lobe den HERRN! Halleluja!" (150,6) [3]. Als Ganzes führt der Psalter so von der Klage zum Lob [1, 2].
Arten von Psalmen
Die Forschung ordnet viele Psalmen nach Gattungen. Das Modell geht auf Hermann Gunkel zurück und wird bis heute benutzt [1].

| Gattung | Kennzeichen | Beispiel |
|---|---|---|
| Hymnus | Aufruf zum Lob, dann die Begründung | Psalm 117 |
| Klagelied des Einzelnen | Klage, Bitte, Umschwung, Vertrauen; rund 40 Psalmen | Psalm 13 |
| Danklied des Einzelnen | erzählt, wie Gott geholfen hat; rund 20 Psalmen | |
| Klage des Volkes | beklagt politische Katastrophen | Psalm 79 |
Psalm 117 ist der kürzeste Psalm und zeigt den Aufbau eines Hymnus in zwei Versen: "Lobet den HERRN, alle Heiden; preiset ihn, alle Völker! Denn seine Gnade und Wahrheit waltet über uns in Ewigkeit" (117,1 bis 2) [1, 3]. Psalm 13 gilt als Musterbeispiel einer Klage. Er beginnt mit der Frage "HERR, wie lange willst du mein so gar vergessen?" (13,2) und wechselt am Ende zu Vertrauen und Lob [1, 3]. Daneben fasst die Forschung Psalmen nach Themen zusammen, etwa Königspsalmen, Zionspsalmen oder Schöpfungspsalmen [1].
Einige Psalmen haben eine eigene Form. Psalm 119 ist mit 176 Versen der längste und ein alphabetisch aufgebauter Psalm über das Gesetz [1, 3]. Die Psalmen 120 bis 134 tragen bei Luther Überschriften mit der Wendung "im höhern Chor", etwa "Ein Lied im höhern Chor" (120,1) und werden als Wallfahrtspsalmen zusammengefasst [1, 3]. Im hebräischen Text steht das Wort Sela in 39 Psalmen, bei Luther als "(Sela.)". Was es bedeutet, ist unklar: vielleicht ein musikalisches Zwischenspiel, eine Pause oder ein Hinweis für Abschreiber [1].
David und die anderen Dichter
Im hebräischen Text tragen 73 Psalmen die Überschrift lədawid, "von oder für David". In der griechischen Septuaginta sind es 83 [1]. Bei 13 Psalmen verbindet die Überschrift den Text mit einer Szene aus Davids Leben, etwa Psalm 3: "Ein Psalm Davids, da er floh vor seinem Sohn Absalom" (3,1) [1, 3]. Diese Geschichten erzählen das 1. Buch Samuel und das 2. Buch Samuel. Andere Überschriften nennen Asaph, die Kinder Korah, Salomo oder Mose. Psalm 90 beginnt mit "Ein Gebet Mose's, des Mannes Gottes" (90,1) [3]. Mehr über David steht auf der Seite König David.
In der Bibelwissenschaft gelten diese Überschriften meist nicht als historische Angaben über den Verfasser [1]. Hossfeld und Zenger verstehen sie zunächst als Angebot an den Leser, sich mit dem betenden David zu vergleichen. Erst später wurden sie als Angabe des Autors gelesen, und schließlich galt der ganze Psalter als Werk Davids [1].
Wie der Psalter entstanden ist
Die einzelnen Psalmen lassen sich nur unsicher datieren. In ihrer heutigen Form stammen die meisten wahrscheinlich aus der Zeit des Zweiten Tempels, also aus dem 6. bis 2. Jahrhundert vor Christus [1]. Für manche wird eine ältere Vorform vermutet. Zenger und Hossfeld halten es für möglich, dass die Königspsalmen (2, 18, 21, 45, 72, 110) bei der Einsetzung von Königen in Jerusalem verwendet wurden [1]. Psalm 74 könnte die Zerstörung des Tempels 586 vor Christus beklagen [1]. Auch Psalm 137 blickt auf das Exil zurück: "An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten" (137,1) [3]. Mehr zu Babylon steht auf geschichte.domain-root.de unter Babylonien.

Das Buch selbst ist nach dem Modell von Hossfeld und Zenger aus kleineren Sammlungen gewachsen. Erste Sammlungen entstanden im 6. Jahrhundert vor Christus. Um 300 vor Christus wurde Psalm 1 an den Anfang gestellt und der Psalter in fünf Teile gegliedert. Im 2. Jahrhundert vor Christus kamen die Schlusspsalmen 146 bis 150 hinzu. Die abschließende Form war nach diesem Modell etwa um 175 vor Christus erreicht [1]. Andere Forscher bezweifeln, dass der Psalter so planvoll komponiert wurde. Eva Mroczek verweist auf die Vielfalt der Psalmenrollen vom Toten Meer [1].
Psalmen in Judentum und Christentum
Im Judentum wie im Christentum waren die Psalmen zuerst Texte für das persönliche Nachsinnen. Erst später wurden sie Teil der Gottesdienste in Synagoge und Kirche [1]. Die ersten Christen schrieben kein eigenes Psalmenbuch, sie beteten die jüdischen Psalmen weiter [2]. Heute gehören Psalmen zum Stundengebet und zum Gottesdienst vieler Konfessionen [1].
Wie weit die Gefühle in den Psalmen auseinanderliegen, zeigen zwei Verse, die auch katholisch.de nennt. Neben "Denn meine Seele ist voll Jammers, und mein Leben ist nahe dem Tode" (88,4) steht "mit meinem Gott über die Mauer springen" (18,30) [2, 3]. Martin Luther nannte den Psalter nach katholisch.de einen Spiegel der menschlichen Seele [2]. Viele Psalmverse stehen auch auf der Seite Bibelverse für Trauer und Trost.
Zählung der Psalmen und Verse
Psalmnummern unterscheiden sich je nach Bibelausgabe. Die griechische Septuaginta und die lateinische Vulgata fassen etwa die Psalmen 9 und 10 zu einem zusammen und zählen deshalb ab dort meist um eins niedriger [1]. Luther folgte dem hebräischen Text. Evangelische Bibeln, die katholische Einheitsübersetzung von 1980 und diese Seite zählen ebenso. In katholischen liturgischen Büchern steht oft die Doppelangabe, etwa Ps 51(50) [1].
Auch die Verse sind verschieden gezählt. Deutsche Bibeln geben der Überschrift eines Psalms eine eigene Versnummer, englische nicht. Betroffen sind 62 Psalmen [1]. Der Anfang von Psalm 22, "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?", ist deshalb hier Vers 2 [3]. Die eBible-Ausgabe, auf die sich die Quellenangabe bezieht, zählt englisch und führt denselben Satz als Vers 1; Psalm 22 hat dort 31 statt 32 Verse. Diesen Satz ruft Jesus nach dem Markusevangelium am Kreuz (Markus 15,34) [3].
Die Psalmen im Überblick
Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "Odem" und "Mose's" [3]. Wer zum ersten Mal in den Psalmen liest, kann mit bekannten Texten beginnen: Psalm 1 als Eingang, Psalm 23, Psalm 90 über die Vergänglichkeit ("Unser Leben währet siebzig Jahre", 90,10), Psalm 121 und zum Schluss Psalm 150 [3]. Eine Auswahl mit Erklärungen bietet die Seite Bekannte Psalmen und wie man sie liest.
Alle Psalmen
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- Buch der Psalmen. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Die Psalmen: Eine Schule des Betens (Till Magnus Steiner). katholisch.de. Stand 10.04.2021. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Psalmen. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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