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Das Buch Josua: Einführung und alle 24 Kapitel

Das Buch Josua hat 24 Kapitel und setzt die fünf Bücher Mose fort. Es erzählt, wie Josua, der Nachfolger des Mose, Israel über den Jordan führt, Jericho und weitere Städte erobert und das Land unter die Stämme verteilt, und endet mit dem Bund in Sichem und Josuas Tod. Die Forschung liest es heute überwiegend als theologisches Geschichtswerk, das lange nach den erzählten Ereignissen entstand.

Das Jordantal bei Sonnenaufgang mit einem flachen Fluss zwischen Schilf und hellen Hügeln, Nebel liegt über dem Wasser
Bild: KI-generiert

Das Buch Josua beginnt mit einem Todesfall: "Mein Knecht Mose ist gestorben" (1,2). Josua, der bisherige Diener des Mose, soll das Volk über den Jordan führen [3]. Was folgt, gehört zu den bekanntesten Geschichten des Alten Testaments: die Kundschafter bei Rahab, der Jordan, dessen Wasser stehen bleibt, und die Mauern Jerichos, die beim Schall der Posaunen fallen. Die zweite Hälfte des Buches ist weniger bekannt. Sie verteilt das Land Stamm für Stamm, mit langen Listen von Grenzen und Städten [1, 3]. Die 24 Kapitel stehen hier in der Lutherbibel von 1912, jedes auf einer eigenen Seite. Die Übersicht steht am Ende dieser Einführung.

Name und Stellung in der Bibel

Das Buch ist nach seiner Hauptfigur benannt, Josua, dem Sohn Nuns aus dem Stamm Ephraim. Auf Hebräisch heißt er Jehoschua, die griechische Septuaginta schreibt seinen Namen Iesous [1]. Nach dem 4. Buch Mose hieß er ursprünglich Hosea: "Aber Hosea, den Sohn Nuns, nannte Mose Josua" (4. Mose 13,16) [3]. Schon im 2. Buch Mose führt er für Mose den Kampf gegen Amalek (2. Mose 17,9) [3].

Josua ist das sechste Buch der hebräischen und der christlichen Bibel. Im Judentum eröffnet es die vorderen Propheten, in christlichen Bibeln zählt es zu den Geschichtsbüchern. Weil es eng an die fünf Bücher Mose anschließt, fassen manche Forscher alle sechs als Hexateuch zusammen [1]. Die Erzählung knüpft an das Ende des 5. Buches Mose an und geht im Buch der Richter weiter, das mit Josuas Tod beginnt (Richter 2,8) [3].

Aufbau des Buches

Das Buch hat drei Teile [1, 2]:

KapitelTeilWichtige Stellen
1 bis 12Einzug und Eroberung des Landes westlich des JordansRahab, Jordan, Jericho, Ai, Gibeon, Liste der besiegten Könige
13 bis 21Verteilung des Landes an die StämmeKaleb, Silo, Freistädte, Städte der Leviten
22 bis 24Rückkehr der Oststämme und Abschied JosuasAltar am Jordan, Abschiedsreden, Bund in Sichem

Inhalt im Überblick

Rahab und der Jordan (Kapitel 1 bis 5)

Gott verspricht Josua das Land "Von der Wüste an und diesem Libanon bis an das große Wasser Euphrat" (1,4) und ermutigt ihn mehrfach: "Sei getrost und unverzagt" (1,6) [3]. Josua schickt zwei Kundschafter nach Jericho. Sie kehren bei einer Frau namens Rahab ein, die Luther "Hure" nennt. Sie versteckt die Männer auf dem Dach unter Flachs und lässt sie an einem Seil durchs Fenster hinab, denn "ihr Haus war an der Stadtmauer" (2,6 und 2,15). Als Erkennungszeichen soll sie "dies rote Seil" ins Fenster knüpfen (2,18) [3].

Ein rotes Seil hängt aus einem kleinen Fenster in einer alten Stadtmauer aus Lehmziegeln im warmen Nachmittagslicht
Bild: KI-generiert

Beim Übergang über den Jordan tragen Priester die Bundeslade voraus. Sobald ihre Füße ins Wasser treten, staut sich der Fluss "auf einem Haufen" bei der Stadt Adam, und das ganze Volk geht trocken hinüber (3,13 bis 17) [3]. Zwölf Steine aus dem Fluss werden in Gilgal aufgestellt, damit spätere Generationen fragen: "Was sollen diese Steine?" (4,20 bis 21) [3]. Die Erzählung ist dem Zug durch das Rote Meer nachgebildet. Wie damals feiert das Volk danach das Passah (5,10) [2, 3, 6]. Am Tag darauf hört das Manna auf (5,12) [3].

Jericho und Ai (Kapitel 6 bis 8)

Sechs Tage lang zieht das Kriegsvolk einmal täglich um Jericho, am siebten Tag siebenmal, voran sieben Priester mit "sieben Posaunen des Halljahrs" (6,3 bis 4). Beim Feldgeschrei fallen die Mauern, und das Volk nimmt die Stadt ein (6,20) [3]. Was dann folgt, beschreibt der Text knapp: Alles in der Stadt wird "verbannt", das heißt getötet, "Mann und Weib, jung und alt, Ochsen, Schafe und Esel" (6,21) [3]. Nur Rahab und ihre Familie bleiben am Leben (6,25). Josua verflucht jeden, der Jericho wieder aufbaut (6,26). Das 1. Buch der Könige berichtet später, dass dieser Fluch an Hiel von Beth-El in Erfüllung ging (1. Könige 16,34) [3].

Der erste Angriff auf Ai scheitert. Der Grund ist Achan, der aus der Beute Jerichos einen "köstlichen babylonischen Mantel", Silber und eine goldene Stange genommen und in seinem Zelt vergraben hat (7,21). Er und seine Familie werden im Tal Achor gesteinigt (7,24 bis 26) [3]. Danach nimmt Israel Ai mit einem Hinterhalt ein (8,1 bis 28). Auf dem Berg Ebal baut Josua einen Altar, schreibt das Gesetz auf Steine und lässt "alle Worte des Gesetzes vom Segen und Fluch" verlesen (8,30 bis 34) [3].

Gibeon und der Stillstand von Sonne und Mond (Kapitel 9 bis 12)

Die Bewohner von Gibeon geben sich mit alten Säcken und trockenem Brot als Gesandte aus einem fernen Land aus und erreichen einen Bund mit Israel (9,3 bis 15). Als die List auffliegt, dürfen sie leben, werden aber "Holzhauer und Wasserträger" (9,21) [3]. Fünf Könige der Amoriter, angeführt vom König von Jerusalem, greifen Gibeon an. In der Schlacht ruft Josua: "Sonne, stehe still zu Gibeon, und Mond, im Tal Ajalon!" (10,12) [3]. Das Buch beruft sich dabei auf eine ältere Quelle: "Ist dies nicht geschrieben im Buch des Frommen?" (10,13) [3]. Zwei astronomische Studien haben die Stelle mit einer ringförmigen Sonnenfinsternis am 30. Oktober 1207 vor Christus verbunden. Das ist eine Hypothese [1].

Es folgen Feldzüge im Süden und im Norden, wo Josua Hazor verbrennt, das "vormals die Hauptstadt aller dieser Königreiche" gewesen sei (11,10 bis 11). Kapitel 12 zählt die besiegten Könige auf: "Das sind einunddreißig Könige" (12,24) [3].

Die Verteilung des Landes (Kapitel 13 bis 21)

Der zweite Teil beginnt mit dem alten Josua und dem Satz, es sei noch "sehr viel übrig einzunehmen" (13,1) [3]. Kaleb, einst einer der Kundschafter unter Mose, erhält mit 85 Jahren Hebron (14,10 bis 13) [3]. Dann werden für jeden Stamm Grenzen und Städte aufgelistet. Mehrfach hält der Text fest, dass die Eroberung unvollständig blieb: Die Jebusiter in Jerusalem konnte Juda "nicht vertreiben" (15,63), ähnlich die Kanaaniter in Geser (16,10) [3]. In Silo wird die Stiftshütte aufgerichtet, und Josua verteilt das übrige Land per Los (18,1 und 18,10) [3].

Zwei besondere Regelungen schließen den Teil ab. Sechs Freistädte sollen jemandem Schutz bieten, der einen Menschen "unversehens und unwissend" getötet hat, damit ihn der Bluträcher nicht tötet, bevor die Gemeinde entschieden hat (20,3 und 20,9) [3]. Der Stamm Levi bekommt kein eigenes Gebiet, aber 48 Städte mit Weideland (13,33 und 21,41) [3].

Altar, Abschied und Bund (Kapitel 22 bis 24)

Die Stämme Ruben und Gad und der halbe Stamm Manasse kehren in ihr Land östlich des Jordans zurück und bauen dort "einen großen, schönen Altar" (22,10). Die übrigen Stämme sehen darin zunächst einen Abfall. Der Streit endet friedlich: Der Altar soll nur Zeuge sein, "daß der HERR Gott sei" (22,34) [3]. In Kapitel 23 nimmt der alte Josua Abschied. In Kapitel 24 versammelt er alle Stämme in Sichem und stellt sie vor die Wahl. Daraus stammt der Satz "Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen" (24,15) [3]. Das Volk verpflichtet sich, Josua schließt einen Bund und richtet einen großen Stein unter einer Eiche auf (24,25 bis 26). Er stirbt mit 110 Jahren und wird in Thimnath-Serah begraben (24,29 bis 30). Am Ende werden auch die Gebeine Josephs aus Ägypten in Sichem bestattet (24,32) [3].

Erklärungen "bis auf diesen Tag"

Viele Erzählungen enden mit dem Hinweis, etwas sei "bis auf diesen Tag" zu sehen. Sie erklären, woher ein Ort, ein Steinhaufen oder ein Brauch kommt. Wikipedia nennt unter anderem die zwölf Steine im Jordan (4,9), das Heiligtum Gilgal (5,9), Rahabs Familie in Israel (6,25), den Steinhaufen über Achan im Tal Achor (7,26), den Trümmerhügel von Ai (8,28) und die Gibeoniter als Holzhauer und Wasserträger am Heiligtum (9,27) [1, 3]. Solche Erklärungen heißen in der Forschung Ätiologien [1].

Zwölf große Flusssteine stehen im Kreis auf einer grasbewachsenen Ebene nahe einem Fluss im weichen Morgenlicht
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Wie das Buch entstanden ist

Einen Verfasser nennt das Buch nicht [1]. Die Forschung sieht es meist als Teil des deuteronomistischen Geschichtswerks, das vom 5. Buch Mose bis zum 2. Buch der Könige reicht. Eine erste Fassung entstand demnach am Hof des Königs Josia im späten 7. Jahrhundert vor Christus und wurde im 6. Jahrhundert stark überarbeitet. Abgeschlossen wurde das Buch wahrscheinlich nach dem Fall Jerusalems 586 vor Christus [5]. Die Einleitung der katholischen Bischofskonferenz der USA betont, dass es viele Jahrhunderte nach den erzählten Ereignissen geschrieben wurde. Der Untergang des Nordreichs 722/721 vor Christus habe es geprägt, und es bewahre ältere Überlieferungen, vor allem zur Verteilung des Landes [2].

Diese Einleitung liest das Buch als Mahnung an die eigenen Leser: Israel behält das Land, wenn es ganz auf Gott vertraut und als Volk zusammenhält, und kann es verlieren wie das Nordreich [2]. Die vollständige Vernichtung der Städte, den Bann, versteht sie als Idealisierung der Forderung des 5. Buches Mose. Die Kanaaniter, um die es dort geht, gab es zur Zeit der Abfassung längst nicht mehr [2]. Die US-Bischofskonferenz stellt diesen Texten spätere Visionen gegenüber, in denen die Völker gemeinsam mit Israel Frieden finden, und das Gebot der Feindesliebe im Neuen Testament [2].

Was die Archäologie sagt

Nach der biblischen Zeitrechnung fiele der Einzug ins Land um 1200 vor Christus. Für diese Zeit beschreibt die Archäologie den Übergang von der städtischen Kultur der Spätbronzezeit (etwa 1550 bis 1200 vor Christus) zu einer Dorfkultur der frühen Eisenzeit [6]. Mehr über diese Epoche steht auf geschichte.domain-root.de unter Die Eisenzeit und Israel und Juda in der Antike.

Ein Grabungsschnitt in einem alten Siedlungshügel mit freigelegten Schichten aus Lehmziegeln und Steinen, am Rand Werkzeug und Eimer
Bild: KI-generiert

In Jericho datierte John Garstang in den 1930er Jahren eine Zerstörungsschicht auf etwa 1400 vor Christus und verband sie mit Josua. Kathleen Kenyon setzte dieselbe Schicht in den 1950er Jahren ins 17. Jahrhundert vor Christus. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts war Jericho nach dem Wikipedia-Artikel ein unbewohnter Ruinenhügel, und für eine Eroberung im 13. Jahrhundert lassen sich dort keine Befunde ermitteln. Eine Sagenbildung angesichts der Ruinen hält der Artikel für wahrscheinlicher als eine örtliche Erinnerung an die Zerstörung [4]. Ähnliches gilt nach älteren Befunden für Ai. Neuere Grabungen in Jericho haben diese Sicht allerdings wieder in Frage gestellt [5].

Die vorherrschende Meinung in der Forschung ist, dass das Buch Josua keinen Tatsachenbericht bietet. Die meisten Archäologen nehmen an, dass Israel aus der Bevölkerung Kanaans selbst hervorging und nicht durch einen Feldzug von außen ins Land kam [5]. Das Buch selbst lässt erkennen, dass die Eroberung nicht vollständig war, etwa in Jerusalem und Geser (15,63 und 16,10) [3]. Die US-Bischofskonferenz verweist auf Richter 1, wo die Ansiedlung als langsamer, stückweiser Vorgang erscheint [2].

Josua und Rahab im Neuen Testament

Der Hebräerbrief nennt den Fall Jerichos als Beispiel für Glauben: "Durch den Glauben fielen die Mauern Jerichos, da sie sieben Tage um sie herumgegangen waren" (Hebräer 11,30). Im folgenden Vers wird Rahab erwähnt (11,31) [3]. Auch der Jakobusbrief führt sie als Beispiel an (Jakobus 2,25), und im Stammbaum Jesu bei Matthäus steht sie als Mutter des Boas (Matthäus 1,5) [3]. Mehr über sie steht auf der Seite Frauen in der Bibel.

Die Kapitel im Überblick

Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "Mose's" und "daß". Wer das Buch nicht ganz lesen will, beginnt mit den Kapiteln 1 bis 6, liest dann Kapitel 10 und am Schluss Kapitel 24 mit dem Bund in Sichem. Die Kapitel 13 bis 21 sind vor allem Listen von Orten und Grenzen. Die Vorgeschichte mit Mose erzählen das 4. Buch Mose und die Seite Mose und der Auszug aus Ägypten.

Alle Kapitel: Josua

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  1. Buch Josua. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Joshua, Introduction (New American Bible, Revised Edition). United States Conference of Catholic Bishops. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Jericho. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Book of Joshua. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Die Landnahme (Materialpool Biblische Geschichte). Katholisches Bibelwerk e.V.. Stand 18.03.2019. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.