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Das Buch der Richter: Einführung und alle 21 Kapitel

Das Buch der Richter hat 21 Kapitel und erzählt von der Zeit zwischen dem Tod Josuas und dem Beginn des Königtums in Israel. Im Mittelpunkt stehen Retterfiguren wie Debora, Gideon, Jephthah und Simson. Ein festes Muster aus Abfall, Bedrängnis, Hilferuf und Rettung ordnet die Erzählungen.

"Zu der Zeit war kein König in Israel; ein jeglicher tat, was ihn recht deuchte." Mit diesem Satz endet das Buch der Richter (21,25) [3, 6]. Es erzählt von der Zeit nach dem Tod Josuas, als die Stämme Israels ohne König im Land lebten und immer wieder von Nachbarvölkern bedrängt wurden. In dieser Lage treten Retter auf, die das Buch Richter nennt: die Prophetin Debora, der Bauernsohn Gideon, der Heerführer Jephthah und der starke Simson [1, 3]. Hier liest du das Buch in der Lutherbibel von 1912. Jedes der 21 Kapitel hat eine eigene Seite, die Übersicht steht am Ende dieser Einführung.

Name und Stellung in der Bibel

Auf Hebräisch heißt das Buch Schoftim, "Richter" [1]. Das Buch beschreibt sie vor allem als Anführer, die Israel "aus der Räuber Hand" helfen (2,16) [3]. Luther übersetzt an mehreren Stellen auch mit "Heiland", etwa bei Othniel und Ehud: "der HERR erweckte ihnen einen Heiland" (3,9 und 3,15) [3]. Nur von Debora heißt es ausdrücklich, dass die Leute zu ihr "vor Gericht" kamen (4,5) [3].

In der hebräischen Bibel gehört das Buch zu den vorderen Propheten. Seit dem Mittelalter ist es in 21 Kapitel eingeteilt [1]. Es schließt an das Buch Josua an und beginnt mit den Worten "Nach dem Tod Josuas" (1,1) [3]. In der christlichen Bibel folgt danach das Buch Ruth, das mit den Worten "Zu der Zeit, da die Richter regierten" beginnt (Ruth 1,1) [5]. Die Geschichte geht im 1. Buch Samuel mit Samuel, von dem es heißt, er habe Israel sein Leben lang gerichtet (1. Samuel 7,15) [7], und dem ersten König Saul weiter.

Das Muster der Richterzeit

Kapitel 2 legt den Plan fest, nach dem fast alle Erzählungen ablaufen. Eine neue Generation wächst heran, die den HERRN "nicht kannte" (2,10). "Da taten die Kinder Israel übel vor dem HERRN und dienten den Baalim" (2,11) [3]. Darauf gibt Gott sie nach dem Buch in die Hand ihrer Feinde. Das Volk schreit um Hilfe, und Gott erweckt einen Richter: "Wenn dann der HERR Richter auferweckte, die ihnen halfen aus der Räuber Hand" (2,16). Solange der Richter lebt, hat das Land Ruhe. "Wenn aber der Richter starb, so wandten sie sich und verderbten es mehr denn ihre Väter" (2,19) [3].

Eine einzelne alte Palme an einem steinigen Hügelweg zwischen niedrigen Hügeln im Morgendunst
Bild: KI-generiert

Die englische Wikipedia beschreibt diesen Kreislauf in sechs Schritten: Israel tut Böses, wird Feinden ausgeliefert, schreit zu Gott, bekommt einen Anführer, wird befreit und fällt wieder ab. Sie weist auch darauf hin, dass sich der Kreislauf im Lauf des Buches auflöst [2]. Manche Formeln kehren fast wörtlich wieder, etwa "Da ward das Land still vierzig Jahre" nach Othniel (3,11) und "Und das Land war still vierzig Jahre" nach dem Lied der Debora (5,31) [3].

Inhalt im Überblick

Die deutsche Wikipedia gliedert das Buch in eine Einleitung, den Hauptteil mit den Richtererzählungen und einen Schluss [1]. Die Tabelle folgt dieser Einteilung. Die Abschnitte darunter geben wieder, was das Buch erzählt.

KapitelAbschnittWichtige Stellen
1 bis 2,5Landnahme der StämmeKämpfe gegen die Kanaaniter, Völker bleiben im Land
2,6 bis 3,6Tod Josuas und GrundmusterAbfall, Bedrängnis, Rettung
3,7 bis 3,31Othniel, Ehud, SamgarEhud und der Moabiterkönig Eglon
4 bis 5Debora und BarakSieg über Sisera, Lied der Debora
6 bis 9Gideon und AbimelechVlies, 300 Mann, Fabel Jothams
10 bis 12Kleine Richter und JephthahGelübde Jephthahs, Schiboleth
13 bis 16SimsonLöwe, Rätsel, Delila, Tod in Gaza
17 bis 21SchlussMicha und die Daniter, Gibea, Krieg gegen Benjamin

Von Othniel bis Gideon (Kapitel 3 bis 9)

Der erste Richter ist Othniel, ein jüngerer Bruder Kalebs (3,9). Ehud, "der war links", bringt dem Moabiterkönig Eglon Tribut und tötet ihn dabei mit einem kurzen zweischneidigen Schwert, das er an der rechten Hüfte versteckt hat (3,15 bis 22) [3]. In Kapitel 4 ist Debora "Richterin in Israel" (4,4). Sie ruft Barak zum Kampf gegen Sisera, den Feldhauptmann des Kanaaniterkönigs Jabin, und sagt ihm voraus, dass Gott Sisera "in eines Weibes Hand" geben werde (4,9). Am Ende tötet Jael, die Frau Hebers, den fliehenden Sisera mit einem Zeltpflock (4,21) [3]. Kapitel 5 erzählt dieselbe Geschichte noch einmal als Lied. Darin nennt sich Debora "eine Mutter in Israel" (5,7) [3].

Gideon drischt gerade Weizen in einer Kelter, um ihn vor den Midianitern zu verstecken, als ihn der Engel des HERRN anspricht: "Der HERR mit dir, du streitbarer Held!" (6,11 bis 12) [3]. Er bittet um ein Zeichen und legt ein Fell mit Wolle auf die Tenne (6,37). Nach dem Buch lässt Gott ihn das Heer verkleinern, damit Israel nicht sagt: "Meine Hand hat mich erlöst" (7,2). Mit 300 Mann, Posaunen, Krügen und Fackeln greift Gideon nachts an, und die Männer rufen: "Hie Schwert des HERRN und Gideons!" (7,20) [3]. Die Königswürde lehnt er ab: "Ich will nicht Herr sein über euch" (8,23). Sein Sohn Abimelech dagegen lässt sich in Sichem zum König machen, nachdem er siebzig Brüder getötet hat. Der jüngste, Jotham, überlebt und erzählt die Fabel von den Bäumen, die sich einen König suchen und am Ende beim Dornbusch landen (9,5 bis 15) [3].

Jephthah und Simson (Kapitel 10 bis 16)

Zwischen den großen Erzählungen stehen kurze Notizen über Richter wie Thola, Jair, Ebzan, Elon und Abdon, die Wikipedia als kleine Richter bezeichnet [1, 3]. Jephthah aus Gilead kämpft gegen die Ammoniter und gelobt vorher, Gott als Brandopfer darzubringen, "was zu meiner Haustür heraus mir entgegengeht" (11,31). Ihm kommt seine Tochter entgegen, "sein einziges Kind" (11,34) [3]. Danach kommt es zum Streit mit dem Stamm Ephraim. An den Furten des Jordans erkennen die Gileaditer die Ephraimiter daran, dass sie "Schiboleth" nicht richtig aussprechen können (12,6) [3].

Simson ist von Geburt an ein "Geweihter Gottes", auf dessen Kopf "kein Schermesser" kommen soll (13,5) [3]. Er zerreißt einen jungen Löwen mit bloßen Händen (14,6) und gibt den Philistern ein Rätsel auf: "Speise ging von dem Fresser und Süßigkeit von dem Starken" (14,14). Mit einem Eselskinnbacken erschlägt er tausend Mann (15,15) [3]. Delila entlockt ihm schließlich sein Geheimnis und lässt ihm im Schlaf "die sieben Locken seines Hauptes" scheren (16,19). Die Philister stechen ihm die Augen aus, und er "mußte mahlen im Gefängnis" in Gaza (16,21). Als sich ihre Fürsten versammeln, um ihrem Gott Dagon zu opfern, holen sie Simson herbei. Er stemmt sich gegen die Säulen und reißt das Haus über sich und den Philistern ein (16,23 bis 30) [3].

Der Schluss (Kapitel 17 bis 21)

Die letzten fünf Kapitel erzählen keine Rettungen mehr. Ein Mann namens Micha richtet sich ein eigenes Gotteshaus mit Hausgötzen ein, die der Stamm Dan später raubt und in der eroberten Stadt Lais aufstellt (Kapitel 17 und 18) [3]. In Gibea im Gebiet Benjamins wird die Nebenfrau eines Leviten in einer Nacht zu Tode misshandelt. Der Levit zerteilt ihren Leichnam in zwölf Stücke und schickt sie in alle Gebiete Israels (19,29). Daraus entsteht ein Krieg der übrigen Stämme gegen Benjamin (Kapitel 20 und 21) [3]. Der Satz "Zu der Zeit war kein König in Israel" steht in diesem Teil viermal (17,6; 18,1; 19,1; 21,25) [2, 3].

Personen im Buch der Richter

Die Tabelle nennt die Gestalten, um die sich längere Erzählungen drehen, mit den Angaben des Bibeltextes [3].

PersonRolleKapitel
Othnielerster Richter, Bruder Kalebs3
EhudRichter aus Benjamin, tötet Eglon3
DeboraProphetin und Richterin4 bis 5
BarakHeerführer an Deboras Seite4 bis 5
JaelFrau Hebers, tötet Sisera4 bis 5
GideonRichter, besiegt die Midianiter6 bis 8
AbimelechSohn Gideons, König in Sichem9
JephthahRichter aus Gilead11 bis 12
SimsonRichter, kämpft gegen die Philister13 bis 16
DelilaFrau am Bach Sorek16

Debora, Jael und die Tochter Jephthahs gehören zu den Frauen, um die es auf der Seite Frauen in der Bibel geht.

Wie das Buch entstanden ist

Ein Verfasser wird nicht genannt. Die deutsche Wikipedia beschreibt einen deuteronomistischen Rahmen um ältere Erzählungen [1]. Nach der englischen Wikipedia folgen die meisten Forscher seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der These von Martin Noth: Das 5. Buch Mose, Josua, Richter, Samuel und Könige bilden ein zusammenhängendes Geschichtswerk, das Noth in die frühe Exilszeit im 6. Jahrhundert vor Christus setzte. Frank Moore Cross nahm eine erste Fassung zur Zeit König Josias an, also im späten 7. Jahrhundert vor Christus [2]. Als Vorstufe gelten Sammlungen von Heldengeschichten einzelner Stämme [2].

Der wiederkehrende Satz über den fehlenden König deutet nach dieser Darstellung darauf hin, dass der Schluss in der Königszeit geschrieben wurde und das Königtum positiv sieht [2]. Die Zahlenangaben wie "vierzig Jahre" hält die englische Wikipedia für ein später hinzugefügtes, deutlich schematisches Zeitgerüst [2].

Geschichte und Forschung

Die Zeit, von der das Buch erzählt, endet nach der deutschen Wikipedia kurz vor dem Königtum Sauls um 1050 vor Christus. Historische Einordnung und Datierung sind dort als sehr unsicher beschrieben [1]. Nach der englischen Wikipedia sehen die meisten kritischen Forscher das Buch als weitgehend unhistorisch. Lester Grabbe hält es als Geschichtsquelle für zu problematisch, will einen historischen Kern aber nicht ausschließen, William G. Dever hält die Darstellung für historisch plausibel [2]. Das Lied der Debora in Kapitel 5 datieren viele Forscher ins 12. bis 11. Jahrhundert vor Christus und zählen es zu den ältesten Texten der Hebräischen Bibel [2].

Flache Furten eines Flusses mit Steinen und Schilf in einem weiten Tal im Morgennebel
Bild: KI-generiert

Unter den Schriftrollen vom Toten Meer fanden sich Bruchstücke des Buches in Höhle 1 und Höhle 4 von Qumran [2]. Den Hintergrund der Zeit beschreibt geschichte.domain-root.de auf der Seite Israel und Juda in der Antike.

Nachwirkung

Im Neuen Testament nennt der Hebräerbrief vier Richter mit Namen: "Gideon und Barak und Simson und Jephthah" stehen dort in einer Reihe mit David und Samuel (Hebräer 11,32) [4]. Daneben nennt die deutsche Wikipedia indirekte Anklänge, etwa bei der Ankündigung Johannes des Täufers in Lukas 1,15 und im Gruß an Maria in Lukas 1,42 [1]. Einen Überblick über Debora und die übrigen prophetischen Gestalten gibt die Seite Die Propheten des Alten Testaments.

Die Kapitel im Überblick

Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 mit ihrer Schreibweise, etwa "daß", "Jephthah" und "deuchte". Zum Einstieg eignen sich die Kapitel 4 und 5 über Debora, die Kapitel 6 und 7 über Gideon und die Kapitel 13 bis 16 über Simson.

Alle Kapitel: Richter

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  15. 15
  16. 16
  17. 17
  18. 18
  19. 19
  20. 20
  21. 21
  1. Buch der Richter. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Book of Judges. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Richter. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Hebräer 11. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Ruth 1. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Richter 21. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), 1. Samuel 7. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.