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Die Passionsgeschichte: Leiden und Tod Jesu in den Evangelien

Die Passionsgeschichte erzählt das Leiden und Sterben Jesu. Sie steht in allen vier Evangelien: Matthäus 26 bis 27, Markus 14 bis 15, Lukas 22 bis 23 und Johannes 18 bis 19. Die Evangelien berichten vom letzten Mahl, vom Gebet in Gethsemane, von der Gefangennahme, dem Verhör vor Pontius Pilatus, der Kreuzigung auf Golgatha und der Grablegung.

Alte knorrige Olivenbäume in einem ummauerten Garten am Hang bei Nacht im fahlen Mondlicht mit leerem Steinweg
Bild: KI-generiert

Passion heißt Leiden. Das Wort geht auf griechische und lateinische Begriffe für "leiden, erdulden" zurück [3]. Mit der Passionsgeschichte ist der letzte Abschnitt der vier Evangelien gemeint, der vom Leiden, Sterben und Begräbnis Jesu erzählt. Alle vier Evangelien geben ihm viel Raum, das Markusevangelium besonders [3]. Die Kirchen lesen diese Kapitel in der Karwoche vor Ostern. Wann Karfreitag in diesem Jahr ist, steht bei feiertage-ferien.com. Die Zitate stammen aus der gemeinfreien Lutherbibel von 1912 in der Ausgabe von eBible.org.

Wo die Passionsgeschichte steht

Die vier Evangelien erzählen den Ablauf in derselben Reihenfolge, jedes hat aber eigene Szenen und Worte. Die folgende Übersicht nennt einige davon [1].

EvangeliumKapitelWas nur dieses Evangelium erzählt (Auswahl)
Matthäus26 bis 27dreißig Silberlinge, Traum der Frau des Pilatus, Händewaschen, Wache am Grab
Markus14 bis 15der junge Mann, der nackt flieht; Kreuzigung "um die dritte Stunde"
Lukas22 bis 23Schweiß wie Blutstropfen, Verhör bei Herodes, Gespräch mit dem Mitgekreuzigten
Johannes18 bis 19"Was ist Wahrheit?", "Sehet, welch ein Mensch!", Jesu Mutter am Kreuz, Nikodemus

Beschluss und Verrat

Matthäus beginnt die Passion mit einer Ankündigung Jesu: "Ihr wisset, daß nach zwei Tagen Ostern wird; und des Menschen Sohn wird überantwortet werden, daß er gekreuzigt werde" (Matthäus 26,2) [1]. Mit "Ostern" meint die Lutherbibel 1912 hier das jüdische Passafest. Nach dem Evangelium beraten die Hohenpriester und Ältesten im Palast des Kaiphas, wie sie Jesus festnehmen können, aber "Ja nicht auf das Fest, auf daß nicht ein Aufruhr werde im Volk!" (Matthäus 26,5) [1]. Judas Ischariot, einer der Zwölf, bietet sich an, und "sie boten ihm dreißig Silberlinge" (Matthäus 26,15) [1].

Das letzte Mahl und Gethsemane

Beim gemeinsamen Mahl nimmt Jesus nach Matthäus Brot und sagt: "Nehmet, esset; das ist mein Leib" (Matthäus 26,26). Über den Kelch sagt er: "das ist mein Blut des neuen Testaments, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden" (Matthäus 26,28) [1]. Ob das letzte Mahl ein Passamahl war, ist in der Forschung umstritten [3].

Ein langer rustikaler Holztisch in einem Obergemach mit gebrochenem Fladenbrot, einem Tonbecher und Öllampen im warmen Abendlicht
Bild: KI-generiert

Danach geht Jesus mit den Jüngern zum Ölberg, an einen Ort namens Gethsemane. Matthäus erzählt, wie er dort betet: "Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch von mir; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!" (Matthäus 26,39) [1]. Die Jünger schlafen ein. Jesus weckt sie mit dem Satz, der zum Sprichwort wurde: "Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach" (Matthäus 26,41) [1]. Lukas fügt hinzu, ein Engel habe Jesus gestärkt, und "sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde" (Lukas 22,44) [1].

Gefangennahme und Verleugnung

Judas kommt mit einer Schar und gibt das verabredete Zeichen: "Gegrüßet seist du, Rabbi! und küßte ihn" (Matthäus 26,49) [1]. Ein Jünger schlägt mit dem Schwert zu. Johannes nennt ihn Simon Petrus und den getroffenen Knecht des Hohenpriesters Malchus (Johannes 18,10) [1]. Nur Markus erzählt von einem jungen Mann, der "ließ die Leinwand fahren und floh bloß von ihnen" (Markus 14,52) [1].

Während des Verhörs sitzt Petrus im Hof. Dreimal wird er gefragt, ob er zu Jesus gehöre, dreimal leugnet er. Dann kräht der Hahn, "und ging hinaus und weinte bitterlich" (Matthäus 26,75) [1]. Mehr über Petrus steht auf der Seite Petrus.

Vor Pontius Pilatus

Am Morgen bringen die Hohenpriester Jesus zum römischen Statthalter Pontius Pilatus. Pilatus fragt in allen vier Evangelien, ob Jesus der König der Juden sei, bei Matthäus mit den Worten "Bist du der Juden König?" (Matthäus 27,11) [1]. Nach Matthäus schickt die Frau des Pilatus eine Nachricht: "Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten" (Matthäus 27,19). Pilatus bietet an, zum Fest einen Gefangenen freizulassen, Jesus oder einen Gefangenen namens Barabbas. Die Menge verlangt Barabbas [1]. Pilatus wäscht sich nach Matthäus die Hände und sagt: "Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten, sehet ihr zu!" (Matthäus 27,24) [1].

Lukas erzählt zusätzlich, Pilatus habe Jesus zu Herodes geschickt, weil er aus Galiläa stammte (Lukas 23,6 bis 12) [1]. Johannes gestaltet das Verhör als Gespräch. Jesus sagt: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt" (Johannes 18,36), und Pilatus fragt: "Was ist Wahrheit?" (Johannes 18,38) [1]. Nach der Geißelung führt Pilatus Jesus mit Dornenkrone und Purpurkleid hinaus und sagt: "Sehet, welch ein Mensch!" (Johannes 19,5) [1].

Kreuzigung und letzte Worte

Ein Mann aus Kyrene namens Simon wird gezwungen, das Kreuz zu tragen. Die Hinrichtung findet nach den Evangelien auf Golgatha statt, "das ist verdeutscht Schädelstätte" (Matthäus 27,33) [1]. Über dem Kreuz steht der Grund der Verurteilung. Johannes gibt die Inschrift so wieder: "Jesus von Nazareth, der Juden König" (Johannes 19,19), geschrieben "in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache" (Johannes 19,20) [1]. Die lateinischen Anfangsbuchstaben ergeben das Kürzel INRI. Viele Historiker halten den Anklagegrund "König der Juden" für geschichtlich [2].

Die Evangelien überliefern verschiedene Worte Jesu am Kreuz. Die Tradition hat sie zu den "sieben letzten Worten" zusammengestellt, Joseph Haydn hat sie vertont [3]:

WortStelle
"Vater, vergib ihnen sie wissen nicht, was sie tun!"Lukas 23,34
"Wahrlich ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein."Lukas 23,43
"Weib, siehe, das ist dein Sohn!" und "Siehe, das ist deine Mutter!"Johannes 19,26 bis 27
"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"Matthäus 27,46, Markus 15,34
"Mich dürstet!"Johannes 19,28
"Es ist vollbracht!"Johannes 19,30
"Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!"Lukas 23,46

Den Ruf "Eli, Eli, lama asabthani?" übersetzt das Evangelium selbst: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (Matthäus 27,46) [1]. Es ist der Anfang von Psalm 22 [2]. Markus nennt als Zeit der Kreuzigung "die dritte Stunde" (Markus 15,25) und eine Finsternis von der sechsten bis zur neunten Stunde (Markus 15,33) [1]. Nach Jesu Tod sagt der römische Hauptmann bei Markus: "Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!" (Markus 15,39) [1].

Die Grablegung

Joseph von Arimathia, nach Markus "ein ehrbarer Ratsherr", bittet Pilatus um den Leichnam (Markus 15,43). Er wickelt ihn in Leinwand und legt ihn "in ein Grab, das war in einen Felsen gehauen" (Markus 15,46) [1]. Johannes nennt als zweiten Helfer Nikodemus, der Myrrhe und Aloe bringt (Johannes 19,39) [1]. Frauen aus Galiläa, darunter Maria Magdalena, sehen zu, wo Jesus hingelegt wird (Markus 15,47). Matthäus erzählt als einziger, dass die Hohenpriester das Grab versiegeln und bewachen lassen (Matthäus 27,66) [1]. Wie die Evangelien weitererzählen, beschreibt die Seite Die Auferstehung Jesu in den Evangelien.

Ein in den Fels gehauenes Grab in einem stillen Garten, vor dem Eingang liegt ein großer runder Stein
Bild: KI-generiert

Was die Geschichtswissenschaft dazu sagt

Pontius Pilatus war von 26 bis 36 nach Christus römischer Präfekt in Judäa. Dass Jesus auf seinen Befehl von römischen Soldaten gekreuzigt wurde, gilt als geschichtlich gesichert [2]. Auch der römische Geschichtsschreiber Tacitus schreibt um 117 in seinen Annalen (15,44), der Name der Christen gehe auf Christus zurück, der unter Kaiser Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden sei [2]. Die meisten Forscher setzen den Tod Jesu ins Jahr 30 [2].

Beim Tag weichen die Evangelien voneinander ab. Nach Matthäus, Markus und Lukas stirbt Jesus am ersten Festtag nach dem Passamahl, dem 15. Nisan. Johannes nennt den Rüsttag davor, den 14. Nisan. Nach der deutschen Wikipedia halten viele Forscher die Datierung des Johannes heute für glaubwürdiger [2]. Zweifel gibt es auch an Einzelheiten: Viele Historiker bezweifeln ein förmliches Todesurteil des jüdischen Hohen Rates und halten die öffentliche Freilassung eines Gefangenen zum Fest für nicht historisch [2].

Deutungen in Christentum, Judentum und Islam

Paulus fasst im 1. Korintherbrief zusammen, was er als Glauben weitergegeben hat: "daß Christus gestorben sei für unsre Sünden nach der Schrift" (1. Korinther 15,3) [1]. Martin Luther stellte die "Theologie des Kreuzes" in den Mittelpunkt [3]. In der katholischen Liturgie wird am Palmsonntag die Passion nach einem der ersten drei Evangelien gelesen, am Karfreitag die nach Johannes [3].

Für Juden hat die Passionsgeschichte eine schwere Wirkungsgeschichte. Schon frühe Kirchenväter wie Melito von Sardes um 160 machten die Juden insgesamt für den Tod Jesu verantwortlich, der Vorwurf hieß "Gottesmord". Über Jahrhunderte wurde dafür der Ruf der Menge bei Matthäus herangezogen: "Sein Blut komme über uns und unsere Kinder" (Matthäus 27,25) [1, 4]. Der Wikipedia-Artikel zum Gottesmord ordnet den Vers als nachträgliche Deutung der Zerstörung Jerusalems durch die frühen Christen ein [4]. Im Hochmittelalter dienten solche Vorwürfe als Anlass für Vertreibungen und Pogrome gegen Juden, besonders in der Karwoche [4]. Die katholische Kirche wies die Schuldzuweisung 1965 in der Konzilserklärung Nostra aetate zurück: Die Ereignisse des Leidens Jesu dürften weder allen damals lebenden Juden "ohne Unterschied" noch den heutigen Juden zur Last gelegt werden. Auf evangelischer Seite gilt der Beschluss der Rheinischen Landessynode von 1980 als wegweisend [4]. Die Oberammergauer Passionsspiele strichen Darstellungen von Juden als "Gottesmörder" erst im Aufführungsjahr 2000 [4].

Der Koran sieht das Ende Jesu anders. Nach Sure 4,157 haben die Gegner Jesus weder getötet noch gekreuzigt, es sei ihnen nur so erschienen. Sure 4,158 sagt, Gott habe ihn zu sich erhoben [5]. Islamische Ausleger deuten das verschieden. Eine verbreitete Deutung sagt, ein anderer, der Jesus ähnlich sah, sei an seiner Stelle gekreuzigt worden; spätere Kommentatoren nennen dafür Judas [5]. Mehr dazu steht auf koran.domain-root.de unter Jesus im Koran.

Die Passion in Musik und Kunst

Johann Sebastian Bach vertonte die Passion nach Johannes 1724 [7]. Seine Matthäus-Passion (BWV 244) wurde am Karfreitag, dem 11.04.1727, in der Thomaskirche in Leipzig uraufgeführt. Die Bibelworte stammen aus Matthäus 26 und 27 in Luthers Übersetzung [6]. Felix Mendelssohn Bartholdy führte das Werk am 11.03.1829 in Berlin in gekürzter Fassung wieder auf. Das gilt als Beginn der Bach-Renaissance [6]. In der bildenden Kunst entstanden ganze Zyklen, etwa Albrecht Dürers Holzschnittfolge von 1511, und der Kreuzweg mit seinen Stationen. Passionsspiele werden bis heute aufgeführt, unter anderem in Oberammergau, Erl und Waal [3]. Wer Jesus von Nazareth war, wie ihn die Evangelien zeigen, beschreibt die Seite Jesus von Nazareth in den Evangelien.

  1. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Public Domain. eBible.org. Stand 29.12.2025. abgerufen am 29.10.2026
  2. Jesus von Nazaret. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Passion Jesu. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Gottesmord. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Jesus im Islam. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Matthäus-Passion (J. S. Bach). Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Johannes-Passion. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.