Themen der BibelRatgeber
Die Wunder Jesu
Die Evangelien erzählen von Heilungen, Dämonenaustreibungen, Totenerweckungen und Wundern an der Natur, die Jesus vollbracht haben soll. Nur die Speisung der Fünftausend steht in allen vier Evangelien. Johannes nennt die Taten "Zeichen" und beginnt mit der Hochzeit zu Kana (Johannes 2,1 bis 11).

Die Evangelien erzählen, dass Jesus Kranke geheilt, Dämonen ausgetrieben, Tote auferweckt und über Wind und Wasser geboten habe. Dämonenaustreibungen fehlen im Johannesevangelium [1]. Als Johannes der Täufer aus dem Gefängnis fragen lässt, wer Jesus sei, antwortet er bei Matthäus mit einer Aufzählung: "die Blinden sehen und die Lahmen gehen, die Aussätzigen werden rein und die Tauben hören, die Toten stehen auf und den Armen wird das Evangelium gepredigt" (Matthäus 11,5) [2]. Diese Antwort halten die meisten Forscher nach der deutschen Wikipedia für ein echtes Wort Jesu [1]. Ob und wie die Wunder geschehen sind, beantworten Glaube und Wissenschaft verschieden. Die Bibelzitate folgen der Lutherbibel von 1912 [2].
Zeichen und Machttaten: die Begriffe
Das deutsche Wort "Wunder" hat im Neuen Testament mehrere griechische Entsprechungen. Thauma, etwas Staunenswertes, verwendet es für die Taten Jesu nach der deutschen Wikipedia nur einmal, in Matthäus 21,15. Häufiger ist von dynamis die Rede, der Kraft, mit der er heilt, und von exousia, seiner Vollmacht [1]. Johannes nennt die Taten semeia, "Zeichen". Die erste ist die Hochzeit zu Kana, an deren Ende es heißt: "Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen zu Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit" (Johannes 2,11) [1, 2]. Am Schluss seines Evangeliums nennt Johannes den Zweck dieser Berichte: "Diese aber sind geschrieben, daß ihr glaubet, Jesus sei Christus, der Sohn Gottes" (Johannes 20,31) [2].
Die deutsche Wikipedia ordnet die Wunder in Gruppen: Dämonenaustreibungen, Heilungen, Geschenkwunder, Rettungswunder, Totenerweckungen und ein einziges Strafwunder [1]. Nach diesen Gruppen sind auch die folgenden Abschnitte geordnet.
Heilungen und Dämonenaustreibungen
Viele Wundergeschichten erzählen von Heilungen. Bei Markus kommt ein Aussätziger, kniet nieder und sagt: "Willst du, so kannst du mich wohl reinigen." Jesus antwortet: "Ich will's tun; sei gereinigt!" (Markus 1,40 bis 41) [2]. In Kapernaum lassen vier Männer einen Gelähmten, bei Luther einen "Gichtbrüchigen", durch das aufgegrabene Dach hinab. Jesus sagt ihm zuerst, seine Sünden seien vergeben, und dann: "stehe auf, nimm dein Bett und gehe heim!" (Markus 2,11) [2]. Vor Jericho ruft der blinde Bettler Bartimäus "Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich mein!" (Markus 10,47) und hört am Ende: "Gehe hin; dein Glaube hat dir geholfen" (Markus 10,52) [2].

Lukas erzählt von zehn Aussätzigen, die auf dem Weg zu den Priestern rein werden. Nur einer kehrt um und dankt, "Und das war ein Samariter" (Lukas 17,16) [2]. Manche Heilungen geschehen am Sabbat, etwa die eines Mannes, der achtunddreißig Jahre krank gelegen hatte, am Teich Bethesda (Johannes 5,5 bis 9). Die deutsche Wikipedia nennt solche Geschichten Normenwunder, weil sie eine religiöse Regel berühren [1]. Von Dämonenaustreibungen berichtet Markus schon im ersten Kapitel, als Jesus in der Synagoge von Kapernaum einen Mann von einem "unsauberen Geist" befreit (Markus 1,23) [2].
Auferweckungen von Toten
Alle vier Evangelien erzählen, dass Jesus Tote ins Leben zurückgerufen habe. Bei Markus ist es die zwölfjährige Tochter des Jairus, eines Synagogenvorstehers, bei Luther des "Obersten der Schule" (Markus 5,35). Jesus nimmt sie bei der Hand und sagt: "Talitha kumi! das ist verdolmetscht: Mägdlein, ich sage dir stehe auf!" (Markus 5,41) [2]. Der aramäische Ausruf steht im griechischen Text, die Übersetzung liefert das Evangelium selbst. Lukas erzählt vom einzigen Sohn einer Witwe in Nain, der schon auf der Bahre liegt: "Jüngling, ich sage dir, stehe auf!" (Lukas 7,14) [2].
Die ausführlichste Erzählung steht bei Johannes. Lazarus aus Bethanien liegt seit vier Tagen im Grab, als Jesus kommt. Er lässt den Stein abheben und ruft "mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus!" (Johannes 11,43). Der Tote kommt heraus, "gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen" (Johannes 11,44) [2]. Die deutsche Wikipedia nennt diese Erzählung den Höhepunkt der Zeichen im Johannesevangelium [1]. Von der Auferstehung Jesu selbst handelt die Seite Die Auferstehung Jesu in den Evangelien.
Wunder an Wasser, Wein und Brot
Eine eigene Gruppe bilden die Erzählungen, in denen Jesus etwas schenkt oder Menschen aus Gefahr rettet. Bei der Hochzeit zu Kana geht der Wein aus, und Jesus lässt sechs steinerne Krüge mit Wasser füllen. Der Speisemeister kostet "den Wein, der Wasser gewesen war" (Johannes 2,9) [2]. Die Speisung der Fünftausend ist das einzige Wunder, das alle vier Evangelien erzählen [1, 2]. Bei Markus haben die Jünger "Fünf, und zwei Fische" (Markus 6,38). Alle werden satt, und die Jünger sammeln "die Brocken, zwölf Körbe voll" (Markus 6,43) [2].

Auf dem See Genezareth gerät das Boot in einen Sturm, während Jesus schläft. Die Jünger wecken ihn, er spricht zum Meer: "Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich, und es ward eine große Stille" (Markus 4,39). Die Jünger fragen danach: "Wer ist der? denn Wind und Meer sind ihm gehorsam" (Markus 4,41) [2]. In einer anderen Nacht geht Jesus nach Matthäus auf dem Wasser zu ihnen. Petrus versucht es ihm nachzutun und beginnt zu sinken (Matthäus 14,25 bis 31) [2]. Das einzige Strafwunder ist die Verfluchung eines Feigenbaums, der keine Früchte trägt (Markus 11,12 bis 14) [1, 2].
Fundstellen nach Evangelium
Viele Wunder erzählen Matthäus, Markus und Lukas parallel, mit kleinen Abweichungen bei Orten und Personen. Johannes hat überwiegend eigene Erzählungen. Die Fundstellen hier sind im Bibeltext nachgeschlagen [2]:

| Wunder | Matthäus | Markus | Lukas | Johannes |
|---|---|---|---|---|
| Heilung eines Aussätzigen | 8,1 bis 4 | 1,40 bis 45 | 5,12 bis 16 | |
| Heilung eines Gelähmten | 9,1 bis 8 | 2,1 bis 12 | 5,17 bis 26 | |
| Seesturm | 8,23 bis 27 | 4,35 bis 41 | 8,22 bis 25 | |
| Besessener in der Gegend der Gadarener (Matthäus: Gergesener, zwei Besessene) | 8,28 bis 34 | 5,1 bis 20 | 8,26 bis 39 | |
| Tochter des Jairus | 9,18 bis 26 | 5,21 bis 43 | 8,40 bis 56 | |
| Speisung der Fünftausend | 14,13 bis 21 | 6,30 bis 44 | 9,10 bis 17 | 6,1 bis 15 |
| Gang auf dem Wasser | 14,22 bis 33 | 6,45 bis 52 | 6,16 bis 21 | |
| Speisung der Viertausend | 15,32 bis 39 | 8,1 bis 10 | ||
| Blinde bei Jericho (Markus: Bartimäus) | 20,29 bis 34 | 10,46 bis 52 | 18,35 bis 43 | |
| Verfluchter Feigenbaum | 21,18 bis 22 | 11,12 bis 14 | ||
| Fischzug | 5,1 bis 11 | 21,1 bis 14 | ||
| Jüngling zu Nain | 7,11 bis 17 | |||
| Zehn Aussätzige | 17,11 bis 19 | |||
| Wein bei der Hochzeit zu Kana | 2,1 bis 11 | |||
| Sohn des Königischen in Kapernaum | 4,46 bis 54 | |||
| Kranker am Teich Bethesda | 5,1 bis 9 | |||
| Blindgeborener | 9,1 bis 41 | |||
| Lazarus | 11,1 bis 44 |
Den Fischzug erzählen Lukas und Johannes an verschiedenen Stellen. Bei Johannes geschieht er nach der Auferstehung. Die Heilung des Sohnes in Kapernaum nennt Johannes "das andere Zeichen" (Johannes 4,54) [2]. Die Kapitel lassen sich über die Bucheinführungen zu Markus und Johannes aufrufen.
Wie die Wunder gedeutet werden
Die Kirchenväter lasen die Wunderberichte als Beweis für die Göttlichkeit Jesu [1]. Papst Johannes Paul II. sagte in einer Generalaudienz am 11.11.1987, die Taten hätten die Worte Jesu begleitet und ihre Glaubwürdigkeit bestätigt. Sie hätten gezeigt, dass das Reich Gottes nahe war [3].
Die Bibelwissenschaft fragt seit der Aufklärung, was hinter den Erzählungen steht. Rationalistische Ausleger wie Karl Friedrich Bahrdt erklärten den Seewandel und den Seesturm als natürliche Vorgänge, die die Jünger missverstanden hätten. Heinrich Paulus vermutete, bei der Speisung hätten die Zuhörer ihre mitgebrachten Vorräte geteilt. Albert Schweitzer karikierte solche Erklärungen, etwa die Deutung der Totenerweckungen als Scheintod [1]. David Friedrich Strauß las die Wundergeschichten als Mythen, die Jesus als Messias darstellen sollten. Rudolf Bultmann und Martin Dibelius führten vieles auf die Zeit nach Jesu Tod zurück. Bultmann leitete den Wein von Kana aus dem Kult des Dionysos ab [1]. Die historische Jesusforschung nimmt nach der deutschen Wikipedia an, dass tatsächliche Heilungen Jesu einige der ältesten Wundererzählungen veranlassten, die später legendarisch vermehrt wurden [1].
Auch außerhalb des Christentums setzte man sich mit den Wundern auseinander. Der Talmud betrachtet Jesus wegen seiner Wunder als Verführer zum Götzendienst und setzt die Wunder dabei als geschehen voraus. Der Philosoph Kelsos fragte um 178, was an Jesu Wundern besonders sei, da auch andere Wundertäter Ähnliches von sich behaupteten [1]. Der Koran nennt Wunder Jesu ebenfalls. Nach Sure 5,110 haucht er mit Gottes Erlaubnis Vögeln aus Ton Leben ein, heilt Blinde und Aussätzige und erweckt Tote [4, 5]. Mehr darüber steht auf der Seite Jesus im Koran. Das Leben Jesu nach den Evangelien beschreibt die Seite Jesus von Nazareth in den Evangelien, seine Gleichnisse die Seite Die Gleichnisse Jesu.
- Wunder Jesu. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Generalaudienz vom 11. November 1987. Der Heilige Stuhl. Stand 11.11.1987. abgerufen am 29.10.2026
- Jesus im Islam. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Koran, Sure 5 Vers 110, sieben englische Übersetzungen. Quranic Arabic Corpus. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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