Das Neue TestamentRatgeber
Das Evangelium nach Lukas: Einführung und alle 24 Kapitel
Das Lukasevangelium hat 24 Kapitel und ist der erste Teil eines Doppelwerks, dessen zweiter Teil die Apostelgeschichte ist. Es erzählt von der Geburt Jesu bis zu seiner Himmelfahrt und enthält viele Texte, die nur hier stehen, etwa die Weihnachtsgeschichte mit den Hirten und das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Die meisten Forscher datieren es in die Jahre 80 bis 90 nach Christus.

Das Lukasevangelium enthält einige der bekanntesten Texte der Bibel: die Weihnachtsgeschichte mit dem Kaiser Augustus, der Krippe und den Hirten, das Gleichnis vom barmherzigen Samariter, das vom verlorenen Sohn und die Begegnung auf dem Weg nach Emmaus. Alle diese Texte stehen nur bei Lukas [1]. Mit 1.151 Versen in 24 Kapiteln ist es das umfangreichste der vier Evangelien [3]. Zusammen mit der Apostelgeschichte, die denselben Verfasser hat, macht es nach der englischen Wikipedia 27,5 Prozent des Neuen Testaments aus, mehr als die Schriften jedes anderen einzelnen Verfassers [2]. Die 24 Kapitel stehen hier in der Lutherbibel von 1912, jedes auf einer eigenen Seite.
Das Vorwort an Theophilus
Als einziges Evangelium beginnt Lukas mit einem Vorwort, das die Forschung Proömium nennt [1]. Der Verfasser schreibt, dass schon viele "Bericht zu geben von den Geschichten" versucht hätten (1,1). Er selbst habe alles "von Anbeginn mit Fleiß erkundet" und wolle es "dir, mein guter Theophilus, in Ordnung" aufschreiben (1,3) [3]. Der Name Theophilus bedeutet "Freund Gottes". Die meisten Ausleger sehen in ihm einen Neubekehrten und Förderer des Verfassers, der Name könnte aber auch für jeden Christen stehen [2].

Derselbe Theophilus wird am Anfang der Apostelgeschichte angesprochen: "Die erste Rede habe ich getan, lieber Theophilus" (Apostelgeschichte 1,1) [3]. Evangelium und Apostelgeschichte bilden deshalb nach der Forschung formal und inhaltlich eine Einheit, das lukanische Doppelwerk [1]. Das Evangelium endet mit der Himmelfahrt, und die Apostelgeschichte erzählt sie zu Beginn noch einmal und setzt dort fort.
Wer das Evangelium geschrieben hat
Der Name Lukas steht nicht im Text, er wurde erst später hinzugefügt [1]. Die Überlieferung sieht im Verfasser den Lukas, den die Briefe des Paulus als Mitarbeiter nennen. Im Kolosserbrief heißt es: "Es grüßt euch Lukas, der Arzt" (Kolosser 4,14). Auch der Philemonbrief (Vers 24) und der 2. Timotheusbrief (4,11) erwähnen ihn [1, 3]. Der erste sichere Zeuge für Lukas als Verfasser ist Irenäus um 180. Ein Prolog aus dem 4. Jahrhundert beschreibt ihn als Syrer aus Antiochia und Arzt, der unverheiratet blieb und mit 74 Jahren in Bithynien starb [1].
Die historisch-kritische Forschung hält diese Zuschreibung für nicht beweisbar, aber auch nicht für widerlegt. Die Exegeten Schnelle und Broer bezweifeln, dass der Verfasser ein Reisebegleiter des Paulus war. Sie verweisen darauf, dass Paulus in der Apostelgeschichte nicht "Apostel" genannt wird, und auf Widersprüche zur Zeitfolge im Galaterbrief [1]. Die englische Wikipedia schreibt dagegen, die meisten kritischen Forscher hielten den Verfasser für einen Reisebegleiter des Paulus, auch wenn manche auf Unterschiede zu den Paulusbriefen hinweisen [2].
Zeit und Ort der Entstehung
Die Mehrheit der Forscher datiert das Evangelium in die Jahre 70 bis 90 [1]. Die englische Wikipedia nennt die Jahre 80 bis 90 als häufigste Datierung, um 62 als frühestmögliche und das frühe 2. Jahrhundert als späteste noch vertretbare Zeit [2]. Klaus Berger hält das Jahr 66 für den spätestmöglichen Zeitpunkt der Entstehung [1]. Wo das Buch entstand, ist unsicher. Vorgeschlagen werden unter anderem Antiochia, Caesarea, Ephesos, Korinth, Philippi und Rom [1]. Nach der englischen Wikipedia rechnet der Verfasser mit gebildeten, griechischsprachigen Lesern [2].
Lukas ordnet seine Erzählung in die Weltgeschichte ein. Die Geburt Jesu verbindet er mit einem Gebot des Kaisers Augustus, das Auftreten Johannes des Täufers datiert er "In dem fünfzehnten Jahr des Kaisertums Kaisers Tiberius, da Pontius Pilatus Landpfleger in Judäa war" (3,1) [3]. Mehr über diese Herrscher steht auf geschichte.domain-root.de unter Das Römische Reich.
Quellen und Sondergut
Nach der Zweiquellentheorie benutzte Lukas wie Matthäus das Evangelium nach Markus und eine Sammlung von Worten Jesu, die Logienquelle Q [1]. Die englische Wikipedia weist darauf hin, dass eine wachsende Zahl von Forschern Q für entbehrlich hält und annimmt, Lukas habe das Matthäusevangelium gekannt [2]. Mehr als ein Drittel des Textes ist Sondergut, steht also nur bei Lukas [1]. Die englische Wikipedia zählt rund 550 Verse, fast die Hälfte des Evangeliums [2]. Dazu gehören die Verkündigung an Maria, die Weihnachtsgeschichte mit den Hirten, die Gleichnisse vom barmherzigen Samariter und vom verlorenen Sohn sowie die Erzählungen von Zachäus und von den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus [1].
Aufbau des Evangeliums
Die deutsche Wikipedia gliedert das Evangelium in fünf Teile [1]:
| Kapitel und Verse | Abschnitt |
|---|---|
| 1,1 bis 4 | Vorwort an Theophilus |
| 1,5 bis 4,13 | Vorgeschichten: Geburt des Täufers und Jesu, Taufe, Versuchung |
| 4,14 bis 9,50 | Wirken in Galiläa und Judäa |
| 9,51 bis 19,27 | Reisebericht: der Weg nach Jerusalem |
| 19,28 bis 24,53 | Jerusalem: Passion, Auferstehung, Himmelfahrt |
Inhalt im Überblick
Das Evangelium reicht von der Ankündigung der Geburt des Täufers bis zur Himmelfahrt Jesu bei Bethanien.

Geburt und Kindheit (Kapitel 1 bis 4)
Lukas erzählt zuerst von dem Priester Zacharias und seiner Frau Elisabeth, denen ein Engel die Geburt eines Sohnes ankündigt, "des Namen sollst du Johannes heißen" (1,13). Danach kündigt der Engel Maria die Geburt Jesu an (1,31) [3]. Bei ihrem Besuch bei Elisabeth singt Maria ein Loblied, das Magnificat: "Meine Seele erhebt den HERRN" (1,46) [1, 3]. Kapitel 2 beginnt mit dem bekannten Satz "Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde" (2,1). Maria legt das Kind "in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge" (2,7), und die Engel singen den Hirten "Ehre sei Gott in der Höhe" (2,14) [3]. Als Zwölfjähriger bleibt Jesus im Tempel zurück und sitzt dort "mitten unter den Lehrern" (2,46). Der Stammbaum in Kapitel 3 führt bis "Adams, der war Gottes" zurück (3,38) [3]. Die Seite Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas und Matthäus vergleicht beide Fassungen.
Wirken in Galiläa (Kapitel 4 bis 9)
In der Synagoge von Nazareth liest Jesus aus dem Buch Jesaja, er sei gesandt, "zu verkündigen das Evangelium den Armen", und sagt danach: "Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren" (4,18 und 4,21) [3]. Die deutsche Wikipedia nennt diese Antrittspredigt ein Beispiel für die Parteinahme des Evangeliums für die Armen [1]. Die Feldrede in Kapitel 6 ist die kürzere Entsprechung zur Bergpredigt bei Matthäus. Sie beginnt mit "Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer" (6,20) und stellt dem Weherufe gegenüber: "Aber dagegen weh euch Reichen!" (6,24) [3]. In Kapitel 8 nennt Lukas Frauen, die mit Jesus unterwegs waren und ihn "von ihrer Habe" unterstützten, darunter Maria Magdalena, Johanna und Susanna (8,2 bis 3) [1, 3].
Der Reisebericht (Kapitel 9 bis 19)
Mit 9,51 beginnt ein langer Abschnitt, in dem Jesus "sein Angesicht, stracks gen Jerusalem zu wandeln" wendet [3]. Hier steht ein großer Teil des Sonderguts. Auf die Frage, wer der Nächste sei, erzählt Jesus von einem Mann, der "von Jerusalem hinab gen Jericho" ging und unter die Räuber fiel. Ein Priester und ein Levit gehen vorbei, ein Samariter hilft. Am Ende steht der Auftrag "So gehe hin und tue desgleichen!" (10,30 bis 37) [3]. Kapitel 15 enthält drei Gleichnisse vom Verlorenen: das verlorene Schaf, den verlorenen Groschen und den verlorenen Sohn, der mit dem Satz "Ein Mensch hatte zwei Söhne" beginnt (15,11). Der Vater sagt am Ende: "dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden" (15,24) [3]. In Jericho kehrt Jesus bei dem Oberzöllner Zachäus ein. Die Szene schließt mit "Denn des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, das verloren ist" (19,10) [3]. Mehr dazu auf der Seite Die Gleichnisse Jesu.
Passion, Auferstehung und Himmelfahrt (Kapitel 19 bis 24)
Die Passionsgeschichte enthält bei Lukas drei Worte Jesu am Kreuz, die nur hier stehen: "Vater, vergib ihnen" (23,34), zu einem der Mitgekreuzigten "Heute wirst du mit mir im Paradiese sein" (23,43) und "Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!" (23,46) [3]. Am Ostertag gehen zwei Jünger nach Emmaus. Ein Fremder begleitet sie, und erst beim Brotbrechen erkennen sie ihn. Rückblickend fragen sie: "Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege" (24,32) [3]. Das Evangelium endet bei Bethanien mit der Himmelfahrt, "schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel" (24,51), und mit den Jüngern im Tempel (24,53) [3]. Mehr dazu steht auf der Seite Die Auferstehung Jesu in den Evangelien.
Schwerpunkte des Evangeliums
Nach der deutschen Wikipedia sieht Udo Schnelle im Sondergut des Lukas thematische Schwerpunkte, etwa eine Parteinahme für die Armen sowie Demut und Gebet als Grundhaltungen der Jesusjünger. Dieselbe Quelle stellt Jesus bei Lukas in den Schlüsselmomenten seines Lebens als Betenden dar [1]. Ein Beispiel ist die Taufe, bei der sich der Himmel öffnet, während Jesus betet (3,21) [3]. Die englische Wikipedia beschreibt außerdem, wie Lukas die Geschichte in drei Zeiten teilt: die Zeit von Gesetz und Propheten, die Zeit Jesu und die Zeit der Kirche, von der die Apostelgeschichte erzählt [2].

Die deutsche Wikipedia nennt vier Lobgesänge aus den ersten beiden Kapiteln: das Magnificat der Maria (1,46 bis 55), das Benedictus des Zacharias (1,68 bis 79), das Gloria der Engel (2,14) und das Nunc dimittis des Simeon, "HERR, nun läßt du deinen Diener in Frieden fahren" (2,29) [1, 3]. Der Ausleger Dillmann sieht darin frühjüdische Armenfrömmigkeit, vergleichbar mit den Psalmen 146, 147 und 149 und der Hymnenrolle aus Qumran [1]. Mehr über die Mutter Jesu steht auf der Seite Maria, die Mutter Jesu, in der Bibel.
Das Evangelium des Markion
Im 2. Jahrhundert verwendete Markion ein Evangelium, das dem Lukasevangelium ähnelte, aber kürzer war. Darin fehlten unter anderem die Geburtsgeschichte, die Taufe Jesu und die Gleichnisse vom barmherzigen Samariter und vom verlorenen Sohn [2]. Die meisten Forscher halten Markions Text für eine spätere Bearbeitung des Lukasevangeliums. Die Kirchenväter warfen Markion vor, Lukas verstümmelt zu haben, Markion warf seinen Gegnern Fälschung vor [2].
Die Kapitel im Überblick
Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "daß", "Weib" und "Groschen". Die 24 Kapitel haben zusammen 1.151 Verse, Kapitel 1 ist mit 80 Versen das längste. Die Versnummern stimmen mit der üblichen Zählung und mit der Ausgabe von eBible.org überein [3]. Wer nicht das ganze Evangelium lesen will, beginnt mit Kapitel 2, liest dann Kapitel 15 und am Schluss die Kapitel 23 und 24.
Alle Kapitel: Lukas
- Evangelium nach Lukas. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Gospel of Luke. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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