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Das Evangelium nach Johannes: Einführung und alle 21 Kapitel

Das Johannesevangelium ist das vierte Evangelium und hat 21 Kapitel. Es beginnt mit dem Satz "Im Anfang war das Wort", erzählt sieben Zeichen Jesu bis zur Auferweckung des Lazarus und überliefert lange Reden wie die Ich-bin-Worte und die Abschiedsreden. Ein Verfasser wird nicht genannt; die meisten Forscher datieren es auf das Ende des 1. Jahrhunderts.

Ein ruhiger See in Galiläa im Morgengrauen, am Ufer liegt ein Fischerboot, darüber trocknet ein Netz
Bild: KI-generiert

"Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort" (1,1). Mit diesem Hymnus über das Wort, das am Anfang bei Gott war, beginnt das vierte Evangelium. Eine Geburtsgeschichte wie bei Matthäus und Lukas hat es nicht [1, 3]. Auch danach geht es eigene Wege. Die Wundererzählungen heißen hier "Zeichen", und neben ihnen stehen lange Reden Jesu [1, 2]. Von hier stammen Sätze etwa "Also hat Gott die Welt geliebt" (3,16) oder "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben" (14,6) [3]. Am Ende sagt das Buch selbst, wozu es geschrieben ist: "daß ihr glaubet, Jesus sei Christus, der Sohn Gottes" (20,31) [3]. Die 21 Kapitel stehen hier in der Lutherbibel von 1912, jedes auf einer eigenen Seite.

Wer das Evangelium geschrieben hat

Ein Name steht nicht im Text. Kapitel 21 nennt als Zeugen und Schreiber den "Jünger, welchen Jesus liebhatte": "Dies ist der Jünger, der von diesen Dingen zeugt und dies geschrieben hat" (21,20 und 21,24) [3]. Dieser Jünger tritt mehrmals auf, zum ersten Mal beim letzten Mahl, wo er "an der Brust Jesu" liegt (13,23), später unter dem Kreuz (19,26) und am leeren Grab (20,2) [3].

Die christliche Tradition hat ihn mit dem Apostel Johannes gleichgesetzt, dem Sohn des Zebedäus. Irenäus von Lyon berichtet, Johannes habe in Ephesus gelebt und das Evangelium dort herausgegeben. Er berief sich dabei auf Polykarp von Smyrna [1]. Eine andere alte Überlieferung kennt einen Presbyter Johannes, den Papias vom Zebedäussohn unterscheidet [1]. Die historisch-kritische Forschung hält es heute für unwahrscheinlich, dass der Apostel selbst der Verfasser war. Meist rechnet sie mit mehreren Beteiligten: einem Verfasser der Grundschrift, Bearbeitern und einem Herausgeber, der Kapitel 21 anfügte. Dahinter vermutet sie einen Kreis von Schülern, oft johanneische Schule genannt [1]. Die englische Wikipedia hält fest, dass manche Forscher an der traditionellen Zuschreibung festhalten, die meisten sie aber ablehnen [2].

Wann und wo es entstand

Das älteste bekannte Stück eines Textes aus dem Neuen Testament stammt aus diesem Evangelium. Der Papyrus 52 in der John Rylands Library in Manchester enthält Teile von Johannes 18,31 bis 38 [1, 2]. Sein Herausgeber datierte ihn auf etwa 125 nach Christus, neuere Einschätzungen nennen eher 130 bis 150 oder einen noch weiteren Rahmen [1, 2]. Weil der Text Zeit brauchte, um nach Ägypten zu gelangen, lässt sich eine Abfassung vor 130 annehmen [1].

Ein kleines Stück alter Papyrus mit ausgefransten Rändern liegt unter Glas auf dunklem Museumsstoff im weichen Licht eines Strahlers
Bild: KI-generiert

Die meisten Forscher setzen das Evangelium ans Ende des 1. Jahrhunderts, nach der englischen Wikipedia in die Jahre 90 bis 100 [2]. Ein Argument sind Stellen, nach denen Anhänger Jesu aus der Synagoge ausgeschlossen werden: "daß er in den Bann getan würde" (9,22, ähnlich 12,42 und 16,2) [1, 3]. Frühere Datierungen vor 70 haben einzelne Forscher vertreten, etwa Klaus Berger mit 67 bis 70; die Mehrheit lehnt sie ab [1]. Als Ort nennt die Überlieferung Ephesus. Dagegen spricht, dass der Verfasser Jerusalem und Palästina gut kennt. Klaus Wengst hat das nördliche Ostjordanland vorgeschlagen. Der Ort bleibt unsicher [1].

Was es von den anderen Evangelien unterscheidet

Matthäus, Markus und Lukas erzählen in weiten Teilen dieselben Geschichten und heißen deshalb Synoptiker. Johannes hat mit ihnen nur einzelne Szenen gemeinsam, etwa die Speisung der Fünftausend, den Gang über das Wasser, den Einzug in Jerusalem, das letzte Mahl und die Verhaftung [1]. Viele Forscher nehmen an, dass er zumindest das Markusevangelium kannte [1].

Die Unterschiede fallen schon beim Ablauf auf. Die Austreibung der Händler aus dem Tempel steht bei Johannes am Anfang (2,13 bis 16), bei den anderen am Ende des Wirkens Jesu [1, 2]. Johannes erwähnt drei Passafeste, die Luther "Ostern" nennt (2,13; 6,4; 11,55). Nach der englischen Wikipedia ergibt sich daraus ein Wirken Jesu von etwa drei Jahren, auch wenn manche nur von einem Jahr ausgehen [2, 3]. Beim letzten Mahl fehlen die Worte über Brot und Wein. Dafür erzählt nur Johannes, wie Jesus den Jüngern die Füße wäscht (13,5) [1, 3]. Den Anlass für den Beschluss, Jesus zu töten, bildet hier die Auferweckung des Lazarus [2]. Danach heißt es: "Von dem Tage an ratschlagten sie, wie sie ihn töteten" (11,53) [3]. Die Einführungen in die anderen drei Evangelien stehen unter Matthäus, Markus und Lukas.

Aufbau des Evangeliums

Der deutsche Wikipedia-Artikel gliedert das Evangelium so [1]:

Kapitel und VerseTeil
1,1 bis 18Prolog: das Wort, das Fleisch wurde
1,19 bis 51Zeugnis des Täufers, erste Jünger
2 bis 12Wirken vor der Welt: Zeichen und Streitgespräche
13 bis 17Wirken vor den Jüngern: Fußwaschung, Abschiedsreden, Gebet
18 bis 20,29Passion, Tod und Auferstehung
20,30 bis 31Erster Schluss
21Nachtrag: Erscheinung am See Tiberias

Inhalt im Überblick

Der Überblick folgt dem Aufbau des Evangeliums: Prolog und erste Jünger, die Zeichen und Reden vor der Welt, die Abschiedsreden und zuletzt die Erzählungen von Passion und Auferstehung.

Sechs große steinerne Wasserkrüge stehen in einer Reihe im Hof eines alten Hauses im warmen Abendlicht
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Prolog und erste Jünger (Kapitel 1)

Der Prolog spricht vom Wort, durch das alles gemacht sei, und vom Licht, das in der Finsternis scheint (1,3 bis 5). Sein Höhepunkt ist der Satz: "Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns" (1,14) [3]. Dann tritt Johannes der Täufer auf und zeigt auf Jesus: "Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!" (1,29) [3]. Die ersten Jünger kommen aus seinem Kreis. Andreas holt seinen Bruder Simon, dem Jesus den Namen "Kephas" gibt (1,42), Philippus holt Nathanael, der zweifelt: "Was kann von Nazareth Gutes kommen?" (1,46) [3]. Mehr über den Täufer steht auf der Seite Johannes der Täufer.

Die sieben Zeichen (Kapitel 2 bis 11)

Johannes nennt die berichteten Wunder Jesu "Zeichen". Als erstes erzählt er die Verwandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit in Kana: "Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat" (2,11) [3]. Die Forschung zählt sieben solche Zeichen, die in der Auferweckung des Lazarus gipfeln [1, 2]:

StelleZeichen
2,1 bis 11Wasser wird Wein bei der Hochzeit zu Kana
4,46 bis 54Heilung des Sohnes eines königlichen Beamten
5,1 bis 16Heilung eines Kranken am Teich Bethesda
6,1 bis 14Speisung der Fünftausend
6,16 bis 21Jesus geht auf dem See
9,1 bis 41Heilung eines Blindgeborenen
11,1 bis 44Auferweckung des Lazarus

Um die Zeichen herum stehen Gespräche und Reden. Nikodemus, "ein Oberster unter den Juden", kommt bei Nacht zu Jesus und hört: "Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen" (3,1 und 3,3) [3]. Am Brunnen in Samarien spricht Jesus mit einer Frau, die sich wundert, dass ein Jude sie um Wasser bittet, "Denn die Juden haben keine Gemeinschaft mit den Samaritern" (4,9) [3]. Nach der Rede vom Brot des Lebens wenden sich viele ab (6,66), und Petrus antwortet: "HERR, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens" (6,68) [3]. Am Grab des Lazarus heißt es knapp: "Und Jesus gingen die Augen über" (11,35). Dann ruft er: "Lazarus, komm heraus!" (11,43) [3]. Die anderen Wunder der Evangelien sammelt die Seite Die Wunder Jesu.

Abschied von den Jüngern (Kapitel 12 bis 17)

Nach dem Einzug in Jerusalem mit Palmzweigen und dem Ruf "Hosianna!" (12,13) wendet sich das Evangelium ganz den Jüngern zu [1, 3]. Beim Abendessen wäscht Jesus ihnen die Füße und sagt: "Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr tut, wie ich euch getan habe" (13,15). Er gibt ihnen ein "neu Gebot": "daß ihr euch untereinander liebet, wie ich euch geliebt habe" (13,34) [3]. Es folgen die Abschiedsreden der Kapitel 14 bis 16. Sie beginnen mit "Euer Herz erschrecke nicht!" (14,1) und kündigen den "Tröster" an, den Heiligen Geist (14,26) [3]. Kapitel 17 ist ein langes Gebet Jesu für seine Jünger, das die Tradition das hohepriesterliche Gebet nennt [1]. Darin steht die Bitte, "auf daß sie alle eins seien" (17,21) [3].

Passion und Auferstehung (Kapitel 18 bis 20)

Die Passionsgeschichte erzählt die Verhaftung im Garten jenseits des Baches Kidron (18,1), das Verhör bei Pilatus mit der Frage "Was ist Wahrheit?" (18,38) und die Kreuzigung auf Golgatha (19,17) [3]. Unter dem Kreuz stehen die Mutter Jesu und der Lieblingsjünger. Jesus sagt zu ihr: "Weib, siehe, das ist dein Sohn!" (19,26). Seine letzten Worte lauten hier: "Es ist vollbracht!" (19,30) [3]. Nach dem Evangelium findet Maria Magdalena am ersten Tag der Woche das Grab leer (20,1). Sie hält den Erschienenen zunächst für den Gärtner und erkennt ihn, als er sie beim Namen ruft (20,15 bis 16) [3]. Thomas will nach dem Bericht erst glauben, wenn er die Wunden sieht. Als er Jesus begegnet, sagt er: "Mein HERR und mein Gott!" (20,28), und Jesus antwortet: "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!" (20,29) [3]. Ausführlicher erzählen das die Seiten Die Passionsgeschichte und Die Auferstehung Jesu in den Evangelien.

Die Ich-bin-Worte

Typisch für Johannes sind Reden, in denen Jesus mit einem Bild über sich selbst spricht. Die englische Wikipedia zählt sieben solche Ich-bin-Worte [2]. In der Lutherbibel von 1912 stehen sie an diesen Stellen [3]:

Ein Weinstock mit reifen dunklen Trauben rankt über eine Steinmauer in einem sonnigen Weinberg, die Blätter leuchten im Gegenlicht
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StelleWortlaut bei Luther 1912
6,35"Ich bin das Brot des Lebens"
8,12"Ich bin das Licht der Welt"
10,9"Ich bin die Tür"
10,12 (meist 10,11)"Ich bin der gute Hirte"
11,25"Ich bin die Auferstehung und das Leben"
14,6"Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben"
15,1"Ich bin der rechte Weinstock"

Beim guten Hirten weicht die Zählung ab. In der hier verwendeten Textfassung der Lutherbibel 1912, ebenso bei eBible, ist Vers 10 geteilt: "Ein Dieb kommt nur, daß er stehle, würge und umbringe" ist Vers 10, "Ich bin gekommen, daß sie das Leben und volle Genüge haben sollen" Vers 11. Die Sätze, die sonst Vers 11 und 12 bilden, stehen dafür zusammen in Vers 12 [3]. Die meisten Bibeln, auch die Lutherbibel 2017, fassen beide Hälften von Vers 10 zusammen und zählen "Ich bin der gute Hirte" als Vers 11 [4]. Ab Vers 13 ist die Zählung wieder gleich. Wer die Stelle in einer anderen Bibel sucht, findet sie also unter Johannes 10,11.

Die Geschichte von der Ehebrecherin

Zwischen 7,53 und 8,11 steht die Erzählung von einer Frau, die beim Ehebruch ertappt und zu Jesus gebracht wird. Aus ihr stammt der Satz "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie" (8,7) [3]. Nach einhelliger Auffassung der Forschung gehörte dieser Abschnitt ursprünglich nicht zum Evangelium. Er fehlt in den Handschriften vor dem 5. Jahrhundert, darunter den Papyri 66 und 75, und weicht auch sprachlich ab [1]. Die Lutherbibel von 1912 enthält ihn an dieser Stelle, und er zählt bei den Versen mit [3].

Kapitel 21 als Nachtrag

Am Ende von Kapitel 20 klingt das Buch aus: "Auch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch" (20,30) [3]. Trotzdem folgt ein weiteres Kapitel. Es erzählt, wie die Jünger am See Tiberias fischen und auf das Wort Jesu hin ein Netz "voll großer Fische, hundert und dreiundfünfzig" an Land ziehen (21,11) [3]. Dreimal fragt Jesus Petrus, ob er ihn liebe, und gibt ihm den Auftrag: "Weide meine Schafe!" (21,17) [3]. Die Forschung sieht in diesem Kapitel überwiegend einen Nachtrag, weil 20,30 bis 31 schon einen Schluss bildet [1]. Auch innerhalb des Buches gibt es Hinweise auf Bearbeitung: In 14,31 sagt Jesus "stehet auf und lasset uns von hinnen gehen", doch erst in 18,1 geht er hinaus [1, 3]. Mehr über Petrus steht auf der Seite Petrus.

Ein schweres Fischernetz voller silberner Fische wird im Morgennebel auf einen Kieselstrand gezogen
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Die Kapitel im Überblick

Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "daß" und "ward". Die 21 Kapitel haben zusammen 879 Verse, so viele wie in der üblichen Zählung. Nur in Kapitel 10 sind die Verse 10 bis 12 anders verteilt (siehe oben) [3, 4]. Für einen ersten Eindruck eignen sich Kapitel 1 mit dem Prolog, Kapitel 3 mit dem Gespräch mit Nikodemus und Kapitel 20. Unter dem Namen Johannes stehen im Neuen Testament auch drei Briefe, beginnend mit dem 1. Brief des Johannes. Was die Evangelien insgesamt über Jesus erzählen, fasst die Seite Jesus von Nazareth in den Evangelien zusammen. Wie sich das Christentum im Römischen Reich ausbreitete, beschreibt geschichte.domain-root.de unter Die Ausbreitung des Christentums.

Alle Kapitel: Johannes

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  2. 2
  3. 3
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  8. 8
  9. 9
  10. 10
  11. 11
  12. 12
  13. 13
  14. 14
  15. 15
  16. 16
  17. 17
  18. 18
  19. 19
  20. 20
  21. 21
  1. Evangelium nach Johannes. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Gospel of John. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Lutherbibel 2017, Johannes 10. Deutsche Bibelgesellschaft (über BibleServer). Stand 2017. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.