Das Neue TestamentRatgeber
Der Brief an die Kolosser: Einführung und alle 4 Kapitel
Der Kolosserbrief hat 4 Kapitel. Er nennt Paulus und Timotheus als Absender und richtet sich an die Gemeinde in Kolossä, einer Kleinstadt in Kleinasien, die Epaphras gegründet haben soll. Bekannt sind der Christushymnus in 1,15 bis 20 und die Regeln für das Zusammenleben im Haus; ob Paulus selbst ihn schrieb, ist in der Forschung umstritten.

Der Brief beginnt mit zwei Absendern: "Paulus, ein Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes, und Bruder Timotheus" (1,1). Er geht an "den Heiligen zu Kolossä" (1,2), eine Gemeinde, die Paulus nach den Andeutungen des Briefes nicht persönlich kannte [3]. In vier Kapiteln stellt er Christus als den dar, durch den und zu dem alles geschaffen sei, und warnt vor Lehrern, die der Gemeinde Speisevorschriften, Feiertage und die Verehrung von Engeln nahelegen [1, 3]. Bekannt sind vor allem der Christushymnus in Kapitel 1 und die sogenannte Haustafel in Kapitel 3 [1]. Die vier Kapitel stehen hier in der Lutherbibel von 1912, jedes auf einer eigenen Seite.
Die Stadt Kolossä und ihre Gemeinde
Kolossä war eine kleine Stadt in Phrygien, im Westen der heutigen Türkei. Sie lag nahe bei Laodizea, nach der englischen Wikipedia etwa 160 Kilometer von Ephesus entfernt [2]. Der deutsche Wikipedia-Artikel erwähnt eine bedeutende jüdische Minderheit und ein Erdbeben, das die Stadt 60/61 nach Christus zerstört habe. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus nennt dabei allerdings nur das benachbarte Laodizea [1].

Als Gründer der Gemeinde gilt Epaphras [1]. Der Brief nennt ihn den, von dem die Leser das Evangelium gelernt haben: "wie ihr denn gelernt habt von Epaphras, unserm lieben Mitdiener" (1,7). Am Schluss heißt es, er habe "großen Fleiß" um die Gemeinden "zu Laodizea und zu Hierapolis" (4,13) [3]. Paulus selbst kannten die Leser offenbar nicht persönlich. Er schreibt von seinem Einsatz für sie und für "alle, die meine Person im Fleisch nicht gesehen haben" (2,1) [3]. Über die Gegend und ihre älteren Reiche schreibt geschichte.domain-root.de auf der Seite Phryger und Lyder.
Wer den Brief geschrieben hat
Der Brief nennt Paulus und Timotheus als Absender, und am Ende steht ein eigenhändiger Gruß: "Mein Gruß mit meiner, des Paulus, Hand" (4,18) [3]. Seit dem 19. Jahrhundert wird trotzdem bezweifelt, dass Paulus ihn verfasst hat [2]. Gegen ihn sprechen nach dem deutschen Wikipedia-Artikel Unterschiede im Stil: 37 Wörter, die nur hier vorkommen, die Länge der Sätze und lange Ketten von Genitiven. Nach einer Stilanalyse von Walter Bujard halten viele Gelehrte eine paulinische Verfasserschaft für ausgeschlossen [1]. In der Forschung auf dem europäischen Festland gilt der Brief verbreitet als Schrift eines späteren Schülers. Er wird dann um 70 nach Christus datiert [1].
Andere kommen zu einem anderen Ergebnis. Eduard Schweizer, Ulrich Luz und James D. G. Dunn halten es für möglich, dass Timotheus oder Epaphras den Brief in Absprache mit Paulus schrieb. N. T. Wright hält ihn für einen echten Paulusbrief, und einige computergestützte Stilstudien sprechen eher für Paulus [1]. Wie offen die Frage ist, zeigt eine Umfrage unter Fachleuten aus dem Jahr 2011, die die englische Wikipedia nennt: 56 hielten den Brief für echt, 17 lehnten Paulus als Verfasser ab, 36 waren unentschieden [2].
Wann und wo er entstand
Der Schreiber stellt sich als Gefangenen dar. Er bittet um Gebet für das "Geheimnis Christi, darum ich auch gebunden bin" (4,3), und schließt mit "Gedenket meiner Bande!" (4,18) [3]. Wenn Paulus der Verfasser war, könnte der Brief in Rom während seiner ersten Gefangenschaft entstanden sein. Andere Forscher denken an Caesarea oder Ephesus [2]. Bruce Metzger setzte ihn in die 60er Jahre des 1. Jahrhunderts, als Paulus in Haft war. Wer ihn für das Werk eines Schülers hält, datiert ihn ins späte 1. Jahrhundert, möglicherweise bis um 90 [2].

Aufbau des Briefes
Eine vereinfachte Gliederung in Anlehnung an den deutschen Wikipedia-Artikel [1]:
| Verse | Abschnitt |
|---|---|
| 1,1 bis 2 | Absender, Empfänger, Gruß |
| 1,3 bis 14 | Dank und Fürbitte |
| 1,15 bis 20 | Christushymnus |
| 1,21 bis 23 | Anwendung auf die Gemeinde |
| 1,24 bis 2,5 | Der Dienst des Apostels |
| 2,6 bis 23 | Auseinandersetzung mit den Gegnern |
| 3,1 bis 17 | Das neue Leben, Laster und Tugenden |
| 3,18 bis 4,1 | Haustafel |
| 4,2 bis 6 | Allgemeine Mahnungen |
| 4,7 bis 18 | Nachrichten, Grüße, eigenhändiger Schluss |
Inhalt im Überblick
Der Überblick folgt dem Aufbau des Briefes: Christushymnus, Warnung vor den Gegnern, Anweisungen für das neue Leben und die Haustafel, zum Schluss Grüße und Mitarbeiter.

Der Christushymnus (Kapitel 1)
Nach Dank und Gebet für die Gemeinde folgt ein Abschnitt, den die Forschung als Hymnus versteht, also als feierliches Lied, das der Brief aufgreift [1, 2]. Er beginnt mit den Worten: "welcher ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor allen Kreaturen" (1,15). Dann heißt es: "Denn durch ihn ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist" (1,16) [3]. Nach dem deutschen Wikipedia-Artikel handelt die erste Strophe (1,15 bis 16) von der Schöpfung, ein Zwischenstück (1,17 bis 18a) stellt Christus über alles, und die letzte Strophe (1,18b bis 20) handelt von Erlösung und Versöhnung. Christus heißt dort "das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde" (1,18), und durch ihn solle alles versöhnt werden, "damit daß er Frieden machte durch das Blut an seinem Kreuz" (1,20) [1, 3].
Die Warnung vor einer "Philosophie" (Kapitel 2)
Kapitel 2 warnt: "Sehet zu, daß euch niemand beraube durch die Philosophie und lose Verführung nach der Menschen Lehre" (2,8) [3]. Wer die Gegner waren, sagt der Brief nicht ausdrücklich. Aus seinen Andeutungen schließt die Forschung auf Lehrer, die Engelmächte verehrten und strenge Enthaltsamkeit verlangten [1]. Der Brief schreibt dazu: "So lasset nun niemand euch Gewissen machen über Speise oder über Trank oder über bestimmte Feiertage oder Neumonde oder Sabbate" (2,16). Und er warnt vor jemandem, der "einhergeht in Demut und Geistlichkeit der Engel" (2,18) [3]. Wegen des Wortes "Philosophie" und der Rede von den Elementen der Welt im griechischen Text hielt Norman DeWitt einen Einfluss der epikureischen Philosophie für wahrscheinlich, andere sprechen allgemein von einer Irrlehre [2].
Das neue Leben (Kapitel 3,1 bis 17)
Der dritte Teil zieht Folgen für das Verhalten. Er beginnt mit dem Aufruf "suchet, was droben ist, da Christus ist" (3,1) und stellt zwei Listen gegenüber [3]. Abzulegen sind unter anderem "Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung" (3,8), anzuziehen "herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld" (3,12) [3]. Die Unterschiede zwischen Menschen sollen in der Gemeinde nicht mehr zählen: "da nicht ist Grieche, Jude, Beschnittener, Unbeschnittener, Ungrieche, Scythe, Knecht, Freier" (3,11). Über allem steht die Liebe, "die da ist das Band der Vollkommenheit" (3,14) [3].
Die Haustafel (Kapitel 3,18 bis 4,1)
Es folgt eine Reihe kurzer Anweisungen für die Menschen eines Hauses, die man Haustafel nennt [1]. Sie spricht der Reihe nach Frauen und Männer, Kinder und Väter, Knechte und Herren an: "Ihr Weiber, seid untertan euren Männern in dem HERRN, wie sich's gebührt" (3,18), "Ihr Männer, liebet eure Weiber und seid nicht bitter gegen sie" (3,19) [3]. Die Knechte, also Sklaven, sollen ihren Herren gehorchen (3,22). Die Herren sollen ihnen geben, "was recht und billig ist" (4,1) [2, 3]. Ähnliche Anweisungen stehen im Epheserbrief (Epheser 5,22 bis 6,9) und im 1. Petrusbrief (1. Petrus 2,18 bis 3,7) [3].
Grüße und Mitarbeiter (Kapitel 4)
Nach einigen Mahnungen, etwa "Eure Rede sei allezeit lieblich und mit Salz gewürzt" (4,6), folgt eine lange Liste von Namen [3]. Tychikus soll den Brief überbringen, zusammen mit Onesimus (4,7 bis 9). Es grüßen Aristarchus, "Markus, der Neffe des Barnabas" (4,10), Epaphras und "Lukas, der Arzt, der Geliebte, und Demas" (4,14) [3]. Dann bittet der Schreiber, den Brief auch in Laodizea vorzulesen "und daß ihr den von Laodizea lest" (4,16) [3]. Dieser Brief an die Laodizener ist nicht erhalten [1].
Verwandtschaft mit dem Philemon- und dem Epheserbrief
Der Kolosserbrief hat enge Parallelen zum Brief an Philemon [2]. Beide nennen Timotheus als Mitabsender und dieselben Leute aus dem Umfeld des Paulus. Onesimus, um den es im Philemonbrief geht, heißt dort "meines Sohnes willen, Onesimus" (Philemon 1,10). Archippus, den der Kolosserbrief an sein Amt erinnert (4,17), wird dort als "unserm Streitgenossen" gegrüßt (Philemon 1,2) [3]. Auch die Grußliste ähnelt sich: "Markus, Aristarchus, Demas, Lukas, meine Gehilfen" (Philemon 1,24) [3]. Tychikus, der Überbringer, erscheint außerdem im Epheserbrief (Epheser 6,21) [2, 3]. Nach der englischen Wikipedia wurden alle drei Briefe mit Tychikus geschickt, was sie miteinander verbindet [2]. Wie Kolosser- und Epheserbrief zueinander stehen, behandelt die Einführung in den Brief an die Epheser.
Die Kapitel im Überblick
Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "daß" und "Weiber". Die Zählung der vier Kapitel und ihrer 95 Verse stimmt mit der üblichen Zählung überein [3]. Wer nur einen Teil lesen will, beginnt mit Kapitel 1 und dem Christushymnus und liest dann Kapitel 3. Den Brief an einen einzelnen Christen aus derselben Gemeinde erklärt die Seite Der Brief an Philemon, das Leben des Apostels die Seite Der Apostel Paulus. Die Nachbarstadt Laodizea begegnet noch einmal in der Offenbarung des Johannes: "Und dem Engel der Gemeinde zu Laodizea schreibe" (Offenbarung 3,14) [3].
Alle Kapitel: Kolosser
- Brief des Paulus an die Kolosser. Wikipedia. Stand 05.06.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Epistle to the Colossians. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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