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Der Prophet Jeremia: Einführung und alle 52 Kapitel
Das Buch Jeremia gehört zu den großen Propheten und hat 52 Kapitel. Jeremia stammte aus Anatot bei Jerusalem und wirkte vom 13. Jahr des Königs Josia, etwa 627/626 vor Christus, bis nach der Zerstörung Jerusalems 586 vor Christus. Das Buch verbindet Gerichtsworte mit Erzählungen über sein Leben und der Verheißung eines neuen Bundes.

"Ich kannte dich, ehe denn ich dich im Mutterleibe bereitete" (1,5): Mit diesem Satz beginnt die Berufung Jeremias, und sein Einwand folgt sofort: "Ach HERR HERR, ich tauge nicht, zu predigen; denn ich bin zu jung" (1,6). Das Buch erzählt ausführlich, wie er angefeindet, geschlagen und gefangen gesetzt wird, und überliefert seine Klagen gegen Gott. Es hat 52 Kapitel und steht in der Lutherbibel direkt nach dem Buch Jesaja. Den Bibeltext findest du hier in der Lutherbibel von 1912, deren Wortlaut gemeinfrei ist [2]. Jedes Kapitel hat eine eigene Seite, die Übersicht steht am Ende dieser Einführung.
Wer war Jeremia?
Die Überschrift nennt ihn "Jeremia's, des Sohnes Hilkias, aus den Priestern zu Anathoth im Lande Benjamin" (1,1) [2]. Anatot lag nördlich von Jerusalem. Ob sein Vater derselbe Priester Hilkia ist, der im 2. Buch der Könige unter Josia auftritt, gilt als sehr zweifelhaft [1]. Der Name Jeremia wird im Wikipedia-Artikel mit "JHWH ist erhaben" übersetzt [1].

Nach dem Buch kam das Wort des HERRN zu ihm "im dreizehnten Jahr" des Königs Josia (1,2), also etwa 627/626 vor Christus [1, 2]. Er wirkte in Jerusalem unter den Königen Josia, Joahas, Jojakim, Jojachin und Zedekia [1]. Die Überschrift reicht "bis auf die Gefangenschaft Jerusalems im fünften Monat" im elften Jahr Zedekias (1,3) [2]. Die Babylonier unter Nebukadnezar II. zerstörten Stadt und Tempel 586 vor Christus [1]. Danach wurde Jeremia gegen seinen Willen nach Ägypten mitgenommen (43,6 bis 7) [1, 2]. Spätere, nicht biblische Schriften erzählen, er sei dort um 580 vor Christus gesteinigt worden [1].
Die Zeit des Jeremia
Jeremias Leben fällt in die Jahrzehnte, in denen das Assyrische Reich zerfiel und Babylon die Vormacht wurde. Juda geriet zwischen Babylon und Ägypten. Jeremia riet den Königen, sich Babylon zu unterwerfen. Zu Zedekia sagte er: "Ergebt euren Hals unter das Joch des Königs zu Babel und dient ihm und seinem Volk, so sollt ihr lebendig bleiben" (27,12) [2]. Das brachte ihm den Vorwurf ein, auf der Seite des Feindes zu stehen. Die Geschichte des Reiches, das Jerusalem eroberte, erzählt geschichte.domain-root.de auf der Seite Babylonien.
Aufbau des Buches
Das Buch mischt Prophetenworte und Erzählungen. Der Wikipedia-Artikel gliedert es so [1]:
| Kapitel | Inhalt |
|---|---|
| 1 bis 10 | Berufung, Gerichtsworte, Tempelrede (7), Spott über die Götzen (10) |
| 11 bis 20 | Klagen Jeremias (Konfessionen), Zeichenhandlungen mit Gürtel (13) und Krug (19) |
| 21 bis 24 | Worte an Könige und Propheten |
| 25 | Ankündigung von siebzig Jahren Herrschaft Babels |
| 26 bis 29 | Erzählungen, Streit mit Hananja, Brief an die Verbannten (29) |
| 30 bis 35 | Heilsworte, neuer Bund (31), Ackerkauf in Anatot (32) |
| 36 bis 45 | Erzählungen über Jeremias Leiden, Fall Jerusalems (39), Flucht nach Ägypten (43) |
| 46 bis 51 | Worte gegen fremde Völker, zuletzt gegen Babel |
| 52 | Zerstörung Jerusalems, Begnadigung Jojachins |
Das erste Kapitel gilt als Programm des Buches. In 1,10 steht der Auftrag, "daß du ausreißen, zerbrechen, verstören und verderben sollst und bauen und pflanzen" [1, 2].
Inhalt im Überblick
Berufung und erste Visionen (Kapitel 1)
Nach der Berufung sieht Jeremia zwei Bilder. Zuerst sieht er "einen erwachenden Zweig", einen Zweig des Mandelbaums, und Gott deutet ihn: "denn ich will wachen über mein Wort, daß ich's tue" (1,11 bis 12) [1, 2]. Dann sieht er "einen heißsiedenden Topf von Mitternacht her": Aus dem Norden kommt das Unheil (1,13 bis 14) [2].

Die Tempelrede (Kapitel 7)
Am Tor des Tempels warnt Jeremia vor falscher Sicherheit: "Verlaßt euch nicht auf die Lügen, wenn sie sagen: Hier ist des HERRN Tempel, hier ist des HERRN Tempel, hier ist des HERRN Tempel!" (7,4). Wer stiehlt, mordet und anderen Göttern folgt, könne sich nicht auf den Tempel berufen: "Haltet ihr denn dies Haus, das nach meinem Namen genannt ist, für eine Mördergrube?" (7,11) [2]. Kapitel 26 erzählt, dass man ihn für eine solche Rede töten wollte. Ältere des Landes erinnerten an den Propheten Micha, der unter Hiskia Ähnliches gesagt hatte und nicht getötet wurde (26,17 bis 19) [2].
Zeichenhandlungen
Mehrmals stellt Jeremia seine Botschaft als Handlung dar. Er kauft einen leinenen Gürtel, versteckt ihn am Euphrat und findet ihn später verdorben, "daß er nichts mehr taugte" (13,7) [2]. Er zerbricht vor den Ältesten einen irdenen Krug: "Eben wie man eines Töpfers Gefäß zerbricht, das nicht kann wieder ganz werden, so will ich dies Volk und diese Stadt auch zerbrechen" (19,11) [2]. In Kapitel 27 trägt er ein Joch um den Hals als Zeichen für die Herrschaft Babels. Der Prophet Hananja nimmt es ihm ab und zerbricht es (28,10), weil er das baldige Ende Babels ankündigt [1, 2].
Die Klagen Jeremias
Zwischen den Kapiteln 11 und 20 stehen Gebete, in denen Jeremia mit Gott ringt. Die Forschung nennt sie Konfessionen [1]. "HERR, du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen" (20,7), klagt er, und er versucht zu schweigen, doch es wird "in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer" (20,9). In 20,14 verflucht er den Tag seiner Geburt [2]. Diese Texte haben dazu beigetragen, dass man Jeremia auch die Klagelieder zuschrieb. Auch das Wort "Jeremiade" für eine lange Klage geht auf ihn zurück [1].
Der Brief an die Verbannten (Kapitel 29)
Nach einer ersten Wegführung schreibt Jeremia an die Judäer in Babylon. Sie sollen Häuser bauen und Gärten pflanzen, und er rät: "Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe lassen wegführen, und betet für sie zum HERRN" (29,7) [2]. Nach siebzig Jahren werde Gott sie zurückbringen (29,10). Bekannt ist auch 29,11: "Gedanken des Friedens und nicht des Leidens" [2].
Der neue Bund (Kapitel 30 bis 33)
Im sogenannten Trostbuch steht die Verheißung, die im Christentum besonders nachwirkt: "Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen" (31,31). Das Gesetz soll dann im Inneren stehen: "Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben" (31,33) [2]. Während Jerusalem belagert wird, kauft Jeremia im Gefängnishof einen Acker in Anatot für "siebzehn Silberlinge" (32,9) als Zeichen, dass das Land wieder bewohnt werden wird [1, 2].
Baruch, die Schriftrolle und der Fall Jerusalems (Kapitel 36 bis 45)
Kapitel 36 erzählt die Entstehung einer ersten Sammlung: Jeremia diktiert seinem Schreiber Baruch, dem Sohn Nerias, alle Reden (36,4). Als die Rolle dem König Jojakim vorgelesen wird, schneidet er Stück für Stück ab und wirft es "ins Feuer, das im Kaminherde war" (36,23). Jeremia lässt alles neu schreiben, "und zu denselben wurden dergleichen Reden noch viele hinzugetan" (36,32) [2].
Unter Zedekia wird Jeremia geschlagen und gefangen gesetzt (37,15). Gegner werfen ihn in eine Zisterne, "da nicht Wasser, sondern Schlamm war" (38,6), und Ebed-Melech, ein Kämmerer des Königs, sorgt dafür, dass er wieder herausgezogen wird (38,7 bis 13) [2]. Kapitel 39 berichtet vom Fall der Stadt. Jeremia bleibt bei Gedalja, den Babel als Statthalter einsetzt (40,6). Nach dessen Ermordung fliehen die Übriggebliebenen nach Ägypten und nehmen "den Propheten Jeremia und Baruch" mit (43,6) [1, 2].
Wie das Buch entstanden ist
Das Buch ist in zwei Fassungen überliefert. Der hebräische (masoretische) Text ist etwa ein Siebtel länger als die griechische Übersetzung der Septuaginta, und die Völkersprüche stehen dort an anderer Stelle [1]. Funde aus Qumran deuten darauf hin, dass die Septuaginta auf eine eigene hebräische Vorlage zurückgeht. Welche Fassung älter ist, ist umstritten [1].

Über die Entstehung gibt es mehrere Modelle. Bernhard Duhm hielt 1901 nur die "Gedichte Jeremias" in den Kapiteln 1 bis 25 für ursprünglich, etwa 280 Verse. Sigmund Mowinckel nahm 1914 vier Quellen an. Winfried Thiel unterscheidet Worte Jeremias, eine deuteronomistische Bearbeitung und spätere Ergänzungen [1]. Das Buch selbst nennt Schreiber, Tinte und Rolle und zeigt damit eine Schriftkultur, in der Prophetenworte aufgeschrieben und weitergegeben wurden [1].
Nachwirkung
Im Neuen Testament greift Matthäus die Klage aus 31,15 auf, "Rahel weint über ihre Kinder", und bezieht sie auf den Kindermord in Bethlehem (Matthäus 2,17 bis 18) [2]. Jesus nennt den Tempel eine "Mördergrube" (Matthäus 21,13) und nimmt damit das Wort aus 7,11 auf [2]. Der Hebräerbrief zitiert in Kapitel 8 die Verheißung vom neuen Bund, bei Luther als "neues Testament" (Hebräer 8,8) [2].
In der Kunst hat Michelangelo Jeremia an der Decke der Sixtinischen Kapelle dargestellt, auch Rembrandt malte ihn. Leonard Bernstein nannte seine 1. Sinfonie 1942 "Jeremiah", und Stefan Zweig schrieb 1917 ein Drama über ihn [1]. Einen Überblick über alle Prophetenbücher gibt die Seite Die Propheten des Alten Testaments.
Die Kapitel im Überblick
Die Zitate auf dieser Seite folgen der Lutherbibel von 1912 mit Schreibweisen wie "daß", "Anathoth" und "Jeremia's". Für einen ersten Eindruck eignen sich Kapitel 1 mit der Berufung, Kapitel 7 mit der Tempelrede, Kapitel 31 mit dem neuen Bund und Kapitel 36 bis 38 mit den Erzählungen über Baruch und die Zisterne.
Alle Kapitel: Jeremia
- Jeremia. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Jeremia. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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