Themen der BibelRatgeber

Die Propheten des Alten Testaments

Als Propheten bezeichnet das Alte Testament Menschen, die im Auftrag Gottes zu Israel und zu den Völkern sprechen. Christliche Bibeln zählen sechzehn Prophetenbücher: die vier großen Propheten Jesaja, Jeremia, Hesekiel und Daniel und die zwölf kleinen von Hosea bis Maleachi; die Bezeichnung richtet sich nur nach der Länge. Dazu kommen Propheten ohne eigenes Buch wie Samuel, Elija und Elisa.

Ein einzelner Hirtenstab lehnt an einer groben Steinmauer an einem trockenen Hang über einer fernen ummauerten Stadt
Bild: KI-generiert

"Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert" (Micha 6,8). Sätze wie dieser stammen aus den Prophetenbüchern, die im Alten Testament nach den Geschichts- und Weisheitsbüchern stehen. Das hebräische Wort für Prophet ist nabi. Propheten verstanden sich nach der Wikipedia als persönlich von Gott berufen, und das unterschied sie von Wahrsagern [2]. Die griechische Übersetzung gab es mit prophetes wieder, ursprünglich "Fürsprecher" oder "Sendbote" [2, 4]. Zitiert wird nach der Lutherbibel von 1912, deren Text gemeinfrei ist.

Was ein Prophet in der Bibel ist

Nach der deutschen Wikipedia umfasst die Botschaft der biblischen Propheten zum kleineren Teil Ankündigungen der Zukunft, zum größeren Teil Kritik an Gegenwart und Vergangenheit ihrer Zuhörer [2]. Neben nabi kennt die Bibel die Bezeichnungen "Seher" und "Gottesmann" [2]. Die ersten Schriftpropheten nannten sich selbst nicht nabi. Amos weist den Titel sogar zurück: "Ich bin kein Prophet, auch keines Propheten Sohn, sondern ich bin ein Hirt, der Maulbeeren abliest" (Amos 7,14) [2, 6]. Die Wikipedia erklärt das mit dem Gegensatz zu bezahlten Hof- und Kultpropheten, die diesen Titel trugen. Erst Jeremia nahm ihn für sich an [2].

Ein leerer steinerner Tempelhof bei Tagesanbruch mit einem großen Bronzebecken und aufsteigendem Rauch von einem Altar
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Mehrere Bücher erzählen, wie ein Prophet berufen wird. Jesaja hört im Tempel die Frage: "Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein?" Er antwortet: "Hier bin ich; sende mich!" (Jesaja 6,8) [6]. Jeremia wehrt sich zuerst: "ich tauge nicht, zu predigen; denn ich bin zu jung" (Jeremia 1,6). Jona flieht nach seinem Auftrag sogar: "Aber Jona machte sich auf und floh vor dem HERRN" (Jona 1,3) [6]. Die Forschung sieht hinter solchen Erzählungen ein festes Muster: Gott ruft, der Gerufene wehrt ab, Gott sagt ihm seinen Beistand zu [2]. Persönliche Daten über die Propheten enthalten die Bücher dagegen kaum [2].

Große und kleine Propheten

Christliche Bibeln, auch die Lutherbibel, zählen sechzehn Prophetenbücher. Die vier umfangreichen heißen große Propheten, die zwölf kürzeren kleine Propheten. Die Namen beziehen sich nur auf die Länge der Texte und sagen nichts über die Bedeutung eines Propheten [1]. Nach Jeremia steht außerdem das Buch der Klagelieder [1].

GruppeBücher in der Reihenfolge der Lutherbibel
Große ProphetenJesaja, Jeremia (danach Klagelieder), Hesekiel, Daniel
Kleine ProphetenHosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zephanja, Haggai, Sacharja, Maleachi

Die hebräische Bibel ordnet anders. Ihr zweiter Hauptteil heißt Neviim, "Propheten". Er beginnt mit den "vorderen Propheten", den Büchern Josua, Richter, Samuel und Könige, die in christlichen Bibeln zu den Geschichtsbüchern gehören. Es folgen die "hinteren Propheten": Jesaja, Jeremia, Ezechiel (bei Luther Hesekiel) und das Zwölfprophetenbuch [1, 2]. Das Buch Daniel, das die Wikipedia auf etwa 160 vor Christus datiert, steht in der hebräischen Bibel bei den "Schriften" [1]. Die zwölf kleinen Propheten wurden oft auf einer einzigen Rolle überliefert und gelten im Judentum seit etwa 180 vor Christus als ein Buch. Ihr Umfang entspricht ungefähr dem Buch Jesaja [3].

Die Reihenfolge der Zwölf richtet sich nach den Zeitangaben der Bücher und nach inhaltlichen Bezügen, nicht immer nach der Entstehungszeit. Nach der deutschen Wikipedia wirkten Hosea und Amos im 8. Jahrhundert vor Christus, Nahum, Habakuk und Zephanja werden ins 7. Jahrhundert eingeordnet, Haggai und Sacharja traten nach dem Exil im 6. Jahrhundert auf. Joel, Obadja, Jona und Maleachi sind deutlich später entstanden, als ihre Stellung vermuten lässt [3]. Die Sammlung war um 200 vor Christus abgeschlossen [3]. Insgesamt stammen die Texte der Schriftpropheten aus der Zeit zwischen 750 und 400 vor Christus [1].

Propheten ohne eigenes Buch

Viele Propheten haben kein Buch, das ihren Namen trägt. Von ihnen erzählen die Bücher Samuel und Könige. Dazu gehören Samuel, Natan, Elija und sein Nachfolger Elisa. Bei ihnen stehen nach der Wikipedia einzelne Worte und Taten im Vordergrund, keine langen Reden [1]. Die Wikipedia nennt für den ganzen Tanach 48 Propheten und 7 Prophetinnen im weiteren Sinn [2].

Der schmale Eingang einer Berghöhle an einem felsigen Hang, ein leichter Wind bewegt trockenes Gras im Abendlicht
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Elija tritt im Nordreich gegen den Baalskult unter König Ahab und dessen Frau Isebel auf. Nach 1. Könige 18 kommt es auf dem Berg Karmel zum Gottesurteil [2]. Danach flieht er an den Horeb, wo Gott ihm nach dem Text nicht im Sturm, im Erdbeben oder im Feuer begegnet: "Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen" (1. Könige 19,12) [6]. Am Ende seines Weges erzählt 2. Könige 2,11: "und Elia fuhr also im Wetter gen Himmel" [6]. Elisa erbittet vorher "ein zwiefältig Teil" von seinem Geist (2. Könige 2,9) [6].

Als erste Frau nennt der Tanach Mirjam eine Prophetin, nach dem Lied am Schilfmeer in 2. Mose 15,20. Weitere Prophetinnen sind Debora im Buch der Richter (Richter 4,4) und Hulda (2. Könige 22,14) [2]. Mehr über sie steht auf der Seite Frauen in der Bibel.

Was die Propheten verkünden

Die ersten Propheten, deren Sprüche gesammelt wurden, traten nach der deutschen Wikipedia etwa 750 bis 700 vor Christus auf, als Assyrien die beiden Reiche Israel und Juda bedrohte: Amos und Hosea im Norden, etwas später Micha und Jesaja im Süden [2]. Ihre Kritik richtet sich vor allem gegen soziale Ungerechtigkeit, etwa die Enteignung der Bauern durch Großgrundbesitzer. Bei Amos heißt es: "Es soll aber das Recht offenbart werden wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein starker Strom" (Amos 5,24) [2, 6]. Daneben steht die Kritik an Opfern und Kult. Hosea lässt Gott sagen: "Denn ich habe Lust an der Liebe, und nicht am Opfer" (Hosea 6,6) [6].

Eine alte eiserne Pflugschar und ein gebogenes Winzermesser liegen in einem frisch gepflügten Feld
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Seit dem Untergang des Nordreichs um 722 vor Christus und besonders im Babylonischen Exil ab 586 vor Christus treten nach der Wikipedia zunehmend Heilsworte hervor [4]. Bekannt sind das Bild vom Frieden unter den Völkern, "Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen" (Jesaja 2,4, ähnlich Micha 4,3) [6], der Trost "Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott" (Jesaja 40,1) und die Ankündigung bei Jeremia, Gott wolle "einen neuen Bund machen" (Jeremia 31,31) [6]. Die Forschung unterscheidet im Buch Jesaja mehrere Teile aus verschiedenen Zeiten und nennt die späteren Deuterojesaja und Tritojesaja [2]. Wie die Prophetenbücher gewachsen sind, beschreibt die Wikipedia als jahrhundertelangen Prozess, in dem Sammlungen erweitert, umgestellt und verbunden wurden [2].

Wahre und falsche Propheten

Schon die Bibel fragt, woran man einen echten Propheten erkennt. Das 5. Buch Mose stellt die Frage ausdrücklich: "Wie kann ich merken, welches Wort der HERR nicht geredet hat?" Die Antwort lautet: "Wenn der Prophet redet in dem Namen des HERRN, und es wird nichts daraus und es kommt nicht, das ist das Wort, das der HERR nicht geredet hat" (5. Mose 18,21 bis 22) [6]. Im selben Kapitel steht die Ankündigung: "Einen Propheten wie mich wird der HERR, dein Gott, dir erwecken aus dir und aus deinen Brüdern" (5. Mose 18,15) [6].

Im Buch Jeremia stehen sich zwei Propheten gegenüber. Nach Jeremia 28 kündigt Hananja im Namen Gottes ein baldiges Ende der babylonischen Herrschaft an und zerbricht das Joch, das Jeremia als Zeichen trägt. Jeremia widerspricht ihm. Nach der Wikipedia steht damals Aussage gegen Aussage, entscheiden kann erst die Zukunft [2].

Propheten in Judentum, Christentum und Islam

Im Judentum bilden die Neviim den zweiten Teil der Bibel nach der Tora. Im Gottesdienst am Schabbat folgt auf jeden Tora-Abschnitt eine kürzere Lesung aus den Propheten, die Haftara [5]. Die Prophetie hatte im antiken Judentum nach der Wikipedia zeitweise einen zentralen Rang für die Beziehung zwischen Gott und Mensch [4].

Zusammengerollte Pergamentrollen an Holzstäben liegen neben einer Öllampe auf einem schlichten Holztisch
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Das Neue Testament zitiert die Propheten oft und liest sie aus christlicher Sicht als Ankündigung Jesu. Matthäus schreibt zur Geburt Jesu, es sei geschehen, "auf daß erfüllt würde, was der HERR durch den Propheten gesagt hat" (Matthäus 1,22), und zitiert dann Jesaja 7,14 [6]. Nach Lukas 4 liest Jesus in der Synagoge von Nazareth aus dem Buch Jesaja und sagt: "Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren" (Lukas 4,21) [6]. Im Urchristentum galt Johannes der Täufer als letzter Prophet Israels [4]. Mehr über ihn steht auf der Seite Johannes der Täufer.

Im Islam heißt der Prophet wie im Hebräischen nabi. Daneben kennt der Koran den rasul, den Gesandten mit einer eigenen Botschaft; jeder rasul ist ein Prophet, aber nicht jeder Prophet ein rasul. Als nabi nennt der Koran unter anderem Abraham, Isaak und Jesus, das Wort steht darin 75 Mal. Mohammed gilt im Islam als letzter und wichtigster der Propheten [4]. Welche Propheten der Koran nennt und wie er von ihnen erzählt, zeigt die Seite Die Propheten im Koran auf koran.domain-root.de. Die Zeit, in der die Propheten der Bibel auftreten, beschreibt die Seite Israel und Juda in der Antike.

  1. Schriftpropheten. Wikipedia. Stand 06.10.2026. abgerufen am 29.10.2026
  2. Prophetie im Tanach. Wikipedia. Stand 25.10.2026. abgerufen am 29.10.2026
  3. Zwölfprophetenbuch. Wikipedia. Stand 13.11.2024. abgerufen am 29.10.2026
  4. Prophetie. Wikipedia. Stand 09.05.2026. abgerufen am 29.10.2026
  5. Tanach. Wikipedia. Stand 25.10.2026. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.