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Der 2. Brief an Timotheus: Einführung und alle 4 Kapitel
Der 2. Timotheusbrief hat 4 Kapitel und gehört mit dem 1. Timotheusbrief und dem Titusbrief zu den Pastoralbriefen. Er ist als letzter Brief des gefangenen Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus gestaltet, mit Ermutigung, Warnungen vor Irrlehrern und persönlichen Bitten. Die Mehrheit der Forschung hält ihn für ein Schreiben aus der Zeit nach Paulus, das unter seinem Namen verfasst wurde.

Der Absender sitzt im Gefängnis und rechnet mit seinem Tod: "Denn ich werde schon geopfert, und die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden" (4,6) [3]. Unmittelbar danach steht der Satz "Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten" (4,7) [3]. Der 2. Timotheusbrief ist als letzte Botschaft des Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus gestaltet, als Mahnung und Testament zugleich [1, 4]. Der Ton ist persönlich [4], und am Ende steht eine lange Reihe von Namen. Die 4 Kapitel stehen hier in der Lutherbibel von 1912, jedes auf einer eigenen Seite.
Timotheus
Nach der Apostelgeschichte traf Paulus Timotheus in Lystra. Er war "eines jüdischen Weibes Sohn, die war gläubig, aber eines griechischen Vaters" (Apostelgeschichte 16,1) [3]. Der Brief kennt auch seine Familie. Er erinnert an den Glauben, "welcher zuvor gewohnt hat in deiner Großmutter Lois und deiner Mutter Eunike" (1,5) [1, 3]. Der Absender nennt Timotheus "meinem lieben Sohn" (1,2) und erinnert ihn an die Gabe, die er "durch die Auflegung meiner Hände" empfangen habe (1,6) [3].

Wo Timotheus sich aufhält, sagt der Brief nicht ausdrücklich. Die Einleitung der katholischen Bischofskonferenz der USA sieht einen Hinweis darauf, dass er in Ephesus sein könnte [4]. Dazu passt, dass der 1. Timotheusbrief ihn in Ephesus zurücklässt (1. Timotheus 1,3) und dass der Absender hier Tychikus "gen Ephesus gesandt" hat (4,12) [3]. Mehr über die Stadt und die Gemeinde steht auf der Seite Der Brief an die Epheser.
Die Pastoralbriefe
Zusammen mit dem 1. Brief an Timotheus und dem Brief an Titus bildet der Brief eine eigene Gruppe. Den Namen Pastoralbriefe, also Hirtenbriefe, prägte der Hallenser Theologe Paul Anton. Seine "Exegetische Abhandlung der Pastoralbriefe Pauli" erschien nach seinem Tod 1753 und 1755 [2]. Alle drei Briefe richten sich an einzelne Mitarbeiter des Paulus und handeln von der Leitung von Gemeinden und vom Umgang mit falscher Lehre [2, 4]. Wer Paulus als Verfasser annimmt, sieht im 2. Timotheusbrief den letzten der drei. Viele Forscher, die alle drei einer Paulusschule zuschreiben, halten ihn für den ältesten [4].
Wer den Brief geschrieben hat
Der Brief nennt Paulus als Absender (1,1). Die Mehrheit der neutestamentlichen Forschung hält ihn aber für pseudepigraph, also für ein Schreiben, das Jahre nach dem Tod des Paulus unter seinem Namen verfasst wurde [1]. Zweifel kamen im frühen 19. Jahrhundert auf. Friedrich Schleiermacher bezweifelte 1807 nur den 1. Timotheusbrief, Johann Gottfried Eichhorn dehnte die Zweifel 1812 auf alle drei Pastoralbriefe aus [2].
Wikipedia fasst die Gründe der Mehrheit so zusammen: Sprache und Stil weichen von den unbestrittenen Paulusbriefen ab. Orte, Zeiten und Personen passen schwer in den bekannten Lebenslauf des Paulus. Die Gemeinden haben eine ausgebaute Ordnung mit Bischöfen, Ältesten und Diakonen. Die Gegner erinnern an Irrlehren des 2. Jahrhunderts. Und die Briefe fehlen im ältesten Papyrus mit Paulusbriefen (P46), im Codex Vaticanus und in der Bibel des Marcion [2]. Alfons Weiser datiert die Pastoralbriefe um das Jahr 100 und verbindet sie mit der Gemeinde in Ephesus [1]. Die englische Wikipedia nennt für einen unbekannten Verfasser die Jahre 90 bis 140 [5].
Für den 2. Timotheusbrief ist das Bild weniger einheitlich als für die beiden anderen. Eine Reihe von Forschern hält weiter an Paulus als Verfasser fest [5]. Raymond E. Brown vermutete einen Schüler, der die letzten Tage des Paulus kannte [5]. Jermo van Nes kam 2018 mit statistischen Sprachvergleichen zu dem Ergebnis, dass die drei Briefe verschiedene Verfasser haben könnten und einzeln zu betrachten sind [1]. Jens Herzer hält 2024 den 1. Timotheusbrief für pseudepigraph, den 2. Timotheusbrief aber für einen Brief aus der römischen Haft des Paulus in den frühen 60er Jahren [1]. Die ältere Annahme, Paulus habe den Inhalt bestimmt und ein Sekretär den Wortlaut geschrieben, nennt Jürgen Roloff eine "gewagte Hilfskonstruktion" [2].
Ort und Lage des Briefes
Als Ort gilt Rom [1, 4]. Der Brief erwähnt, dass Onesiphorus den Gefangenen gesucht hat, "da er zu Rom war" (1,17) [3]. Wikipedia verweist außerdem auf lateinische Lehnwörter und auf die römischen Namen Pudens, Linus und Klaudia in den Grüßen (4,21) [1]. Der Absender ist gefesselt: Er leidet "bis zu den Banden wie ein Übeltäter; aber Gottes Wort ist nicht gebunden" (2,9) [3]. Unterstützung hat er kaum noch. Über eine erste Anhörung schreibt er: "In meiner ersten Verantwortung stand mir niemand bei, sondern sie verließen mich alle" (4,16) [3]. Die Einleitung der US-Bischofskonferenz hebt hervor, dass er seine Rettung von Gott erwartet und nicht von Menschen [4]. Den geschichtlichen Hintergrund beschreibt die Seite Das Römische Reich auf geschichte.domain-root.de.

Aufbau des Briefes
Die US-Bischofskonferenz teilt den Brief in vier Teile [4]:
| Kapitel und Verse | Teil | Wichtige Stellen |
|---|---|---|
| 1,1 bis 1,5 | Anschrift | Gruß, Dank, Lois und Eunike |
| 1,6 bis 2,13 | Ermahnungen an Timotheus | Geist der Kraft, Onesiphorus, guter Streiter, Christuslied |
| 2,14 bis 4,8 | Weisungen gegen falsche Lehre | Hymenäus und Philetus, letzte Zeiten, "alle Schrift", guter Kampf |
| 4,9 bis 4,22 | Persönliche Bitten und Grüße | Mantel und Pergamente, Alexander der Schmied, Grüße |
Inhalt im Überblick
Erinnerung und Ermutigung (Kapitel 1)
Nach dem Dank für den Glauben des Timotheus kommt die erste Mahnung: "Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht" (1,7) [3]. Timotheus soll sich des Zeugnisses nicht schämen und mitleiden (1,8). Der Absender sagt von sich: "denn ich weiß, an wen ich glaube" (1,12) [3]. Dann wird es persönlich. In der Provinz Asien hätten sich alle von ihm abgewandt, "unter welchen ist Phygellus und Hermogenes" (1,15). Nur das Haus des Onesiphorus wird gelobt, denn er "hat sich meiner Kette nicht geschämt" (1,16) [3].
Ein guter Streiter (Kapitel 2)
Timotheus soll weitergeben, was er gehört hat, an Menschen, "die da tüchtig sind, auch andere zu lehren" (2,2) [3]. Drei Bilder aus dem Alltag machen das anschaulich: der Soldat, der sich nicht in andere Geschäfte verwickelt, der Wettkämpfer, der nur gekrönt wird, wenn er nach den Regeln kämpft, und der Bauer, der als Erster von der Ernte isst (2,3 bis 6) [3]. Darauf folgt ein Christuslied (2,11 bis 13) [5], das mit dem Satz endet: "glauben wir nicht, so bleibt er treu; er kann sich selbst nicht verleugnen" (2,13) [3].
Im zweiten Teil des Kapitels geht es um Streit in der Gemeinde. Timotheus soll sich von leerem Gerede fernhalten, das "um sich wie der Krebs" frisst (2,17). Genannt werden Hymenäus und Philetus, die lehren, "die Auferstehung sei schon geschehen" (2,18) [3]. Das Kapitel schließt mit dem Bild vom großen Haus, in dem es "goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene" gibt (2,20), und mit der Mahnung, ein Knecht des Herrn solle "nicht zänkisch sein, sondern freundlich gegen jedermann" (2,24) [3].
Die letzten Tage und die Schrift (Kapitel 3)
Kapitel 3 kündigt an, "daß in den letzten Tagen werden greuliche Zeiten kommen" (3,1) [3]. Es folgt eine lange Liste von Lastern, von Menschen, "die viel von sich halten, geizig, ruhmredig" (3,2), bis zu solchen, "die mehr lieben Wollust denn Gott" (3,4) [3]. Die Gegner vergleicht der Brief mit zwei Gestalten, die im Alten Testament keinen Namen tragen: "wie Jannes und Jambres dem Mose widerstanden" (3,8) [3].
Timotheus dagegen kennt die Leiden des Paulus "zu Antiochien, zu Ikonien, zu Lystra" (3,11), Stationen, die auch die Apostelgeschichte in den Kapiteln 13 und 14 nennt [3]. Er kennt "von Kind auf die heilige Schrift" (3,15). Darauf folgt der Vers "Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit" (3,16) [3]. Nach dem Zusammenhang sind mit "Schrift" die heiligen Schriften gemeint, die Timotheus von Kind auf kennt (3,15). Wie die Bibel entstand, erklärt die Seite Wie die Bibel entstanden ist.
Abschied (Kapitel 4)
Das letzte Kapitel beginnt mit einem feierlichen Auftrag: "Predige das Wort, halte an, es sei zu rechter Zeit oder zur Unzeit" (4,2) [3]. Es werde eine Zeit kommen, in der die Menschen sich Lehrer suchen, "nach dem ihnen die Ohren jucken" (4,3) [3]. Dann folgt der Abschied mit dem guten Kampf (4,6 bis 8) und der "Krone der Gerechtigkeit" (4,8) [3].
Am Ende stehen ganz praktische Bitten. Timotheus soll bald kommen, denn "Demas hat mich verlassen und hat diese Welt liebgewonnen" (4,10), und "Lukas allein ist bei mir" (4,11). Markus soll er mitbringen (4,11) [3]. Dazu kommt eine Bitte um Gepäck: "Den Mantel, den ich zu Troas ließ bei Karpus, bringe mit, wenn du kommst, und die Bücher, sonderlich die Pergamente" (4,13) [3]. Der Neutestamentler Michael Wolter sieht in solchen Einzelheiten ein Mittel, den Eindruck der Echtheit zu erzeugen [1]. Vor "Alexander, der Schmied" warnt der Brief ausdrücklich (4,14). Er schließt mit der Bitte "Tue Fleiß, daß du vor dem Winter kommst" und mit Grüßen (4,21 bis 22) [3].
Personen im Brief
Die Grüße und Bemerkungen am Schluss erwähnen etwa 15 Mitarbeiter [1]. Die Übersicht zeigt, wo die Personen vorkommen und was der Brief über sie sagt [3]:

| Person | Stelle | Was der Brief sagt |
|---|---|---|
| Lois und Eunike | 1,5 | Großmutter und Mutter des Timotheus |
| Phygellus und Hermogenes | 1,15 | haben sich in Asien abgewandt |
| Onesiphorus | 1,16 bis 18; 4,19 | suchte den Gefangenen in Rom, diente in Ephesus |
| Hymenäus und Philetus | 2,17 bis 18 | lehren, die Auferstehung sei schon geschehen |
| Jannes und Jambres | 3,8 | Gegner des Mose |
| Demas | 4,10 | nach Thessalonich gegangen |
| Kreszens und Titus | 4,10 | nach Galatien und Dalmatien gezogen |
| Lukas und Markus | 4,11 | Lukas ist beim Absender, Markus soll kommen |
| Tychikus | 4,12 | nach Ephesus gesandt |
| Karpus | 4,13 | verwahrt in Troas Mantel und Pergamente |
| Alexander der Schmied | 4,14 bis 15 | hat dem Absender geschadet |
| Priska und Aquila | 4,19 | werden gegrüßt |
| Erastus und Trophimus | 4,20 | in Korinth geblieben, krank in Milet |
| Eubulus, Pudens, Linus, Klaudia | 4,21 | lassen grüßen |
Linus erscheint nur an dieser Stelle im Neuen Testament. Die katholische Überlieferung führt einen Linus später als Nachfolger des Petrus in Rom [5]. Priska und Aquila sind das Ehepaar, bei dem Paulus nach der Apostelgeschichte in Korinth wohnte (Apostelgeschichte 18,2 bis 3) [3].
Die Kapitel im Überblick
Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "daß", "Christo" und "greuliche". Die 4 Kapitel haben 18, 26, 17 und 22 Verse, zusammen 83. Wer nur einen Teil lesen will, beginnt mit Kapitel 1 und liest dann Kapitel 3 und Kapitel 4. Mehr über den Absender steht auf der Seite Der Apostel Paulus.
Alle Kapitel: 2. Timotheus
- 2. Brief des Paulus an Timotheus. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Pastoralbriefe. Wikipedia. Stand 21.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation 2 Timothy, Introduction (New American Bible, Revised Edition). United States Conference of Catholic Bishops. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Second Epistle to Timothy. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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