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Der Prediger Salomo (Kohelet): Einführung und alle 12 Kapitel

Der Prediger Salomo, hebräisch Kohelet, ist ein Weisheitsbuch des Alten Testaments mit 12 Kapiteln. Es fragt, was der Mensch von all seiner Mühe hat, nennt alles "eitel" und rät, das Gute im Leben als Gabe Gottes zu genießen. Die Forschung setzt die Entstehung meist im 3. Jahrhundert vor Christus an, lange nach König Salomo.

Sonnenaufgang über einem ruhigen Meer, in das ein Fluss mündet, Dunst liegt über dem Wasser
Bild: KI-generiert

"Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel" (1,2). Der Satz eröffnet ein Buch, das sich kritisch mit der überlieferten Weisheit auseinandersetzt [1]. Es fragt, was der Mensch von seiner Arbeit hat, wenn der Weise stirbt wie der Narr. Manche Leser finden darin Pessimismus, andere den Rat zu heiterer Gelassenheit [1]. Der Prediger hat 12 Kapitel. Den Bibeltext findest du hier in der Lutherbibel von 1912, jedes Kapitel auf einer eigenen Seite. Die Übersicht steht am Ende dieser Einführung.

Name und Stellung in der Bibel

Der hebräische Name des Buches ist Kohelet. Das Wort ist eine weibliche Partizipform des Verbs "sammeln" und bezeichnet hier einen Mann. Gemeint ist wohl jemand, der Sprüche sammelt oder Menschen um sich versammelt [1]. Die Septuaginta übersetzte es mit Ekklesiastes, "Redner in einer Volksversammlung". Daher stammt der lateinische Titel Liber Ecclesiastes. Martin Luther schließt mit "Der Prediger Salomo" an diese Tradition an [1].

In der hebräischen Bibel gehört Kohelet zu den Schriften (Ketuvim) und zu den fünf Festrollen, den Megillot. Seit dem 11. Jahrhundert ist bezeugt, dass einige jüdische Gemeinden das Buch am Laubhüttenfest lesen [1]. Die christliche Tradition zählt es zu den Weisheitsbüchern. In der Lutherbibel steht es zwischen den Sprüchen Salomos und dem Hohelied, wie in der Septuaginta [1]. Im Judentum war zwischen dem 1. und 5. Jahrhundert nach Christus noch umstritten, ob das Buch zum Kanon gehört. Es wurde schließlich aufgenommen, weil man Salomo für den Urheber hielt [1].

Inhalt im Überblick

Ältere Ausleger hielten das Buch für eine lose Sammlung von Sprüchen. Heute überwiegt die Annahme, dass es planvoll aufgebaut ist [1]. Ludger Schwienhorst-Schönberger schlägt diese Gliederung vor [1]:

Ein alter ummauerter Garten mit Obstbäumen auf Terrassen, einem steinernen Wasserbecken und Zypressen im Abendlicht
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Kapitel und VerseAbschnittThema
1,1Überschrift"die Reden des Predigers, des Sohnes Davids"
1,2Mottovers"Es ist alles ganz eitel"
1,3 bis 3,22TheseKann der Mensch glücklich werden?
4,1 bis 6,9ErläuterungAuseinandersetzung mit überlieferten Werten
6,10 bis 8,17WiderlegungAbweisung anderer Vorstellungen vom Glück
9,1 bis 12,7AnwendungFolgen für das praktische Leben
12,8Mottovers"Es ist alles ganz eitel"
12,9 bis 14NachworteWürdigung des Predigers, Mahnung zur Gottesfurcht

Der König, der alles ausprobiert (Kapitel 1 und 2)

Das Ich des Buches stellt sich vor: "Ich, der Prediger, war König zu Jerusalem" (1,12) [3]. Zuerst beobachtet es die Welt. Die Sonne geht auf und unter, alle Wasser laufen ins Meer, "und geschieht nichts Neues unter der Sonne" (1,9) [3]. Dann sucht der Prediger Weisheit und stellt fest: "Denn wo viel Weisheit ist, da ist viel Grämens" (1,18). Er baut Häuser, pflanzt Weinberge, "ich machte mir Gärten und Lustgärten" (2,5), sammelt Silber und Gold [3]. Am Ende urteilt er, es sei "alles eitel und Haschen nach dem Wind" gewesen (2,11) [3].

Alles hat seine Zeit (Kapitel 3)

Kapitel 3 enthält den bekanntesten Text des Buches: "Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde" (3,1) [3]. Es folgen Paare von Gegensätzen, von "Geboren werden und sterben" bis "Streit und Friede" (3,2 bis 8). Der Abschnitt wird bei Beerdigungen gelesen [1]. Pete Seeger machte daraus 1950 das Lied "Turn! Turn! Turn!", das 1965 in der Fassung der Byrds ein Welterfolg wurde [2]. Im selben Kapitel steht auch: "es ist alles von Staub gemacht und wird wieder zu Staub" (3,20) [3].

Beobachtungen und Ratschläge (Kapitel 4 bis 11)

Die mittleren Kapitel handeln von Unrecht, Reichtum, Arbeit und Tod. Der Prediger sieht, dass es dem Gerechten oft nicht besser geht als dem Gottlosen. Damit stellt er eine Grundregel der älteren Weisheit in Frage, nach der es dem Guten gut und dem Frevler schlecht ergeht [1]. Das Buch enthält etwa 70 Sprichwörter, die es zitiert, verbessert oder widerlegt [1]. Eines davon lautet: "ein lebendiger Hund ist besser denn ein toter Löwe" (9,4) [3]. Immer wieder kehrt der Rat zur Lebensfreude zurück: "So gehe hin und iß dein Brot mit Freuden" (9,7) [3].

Jugend, Alter und Schluss (Kapitel 12)

Das Buch endet mit einem Gedicht über das Altwerden: "Gedenke an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe denn die bösen Tage kommen" (12,1) [3]. In Bildern von zitternden Hütern, stillstehenden Mühlen und einem zerbrochenen Eimer an der Quelle beschreibt es den Verfall des Körpers bis zum Tod (12,3 bis 7) [1, 3]. Danach wiederholt sich der Mottovers. Zwei Nachworte schließen das Buch ab. Das letzte mahnt: "Fürchte Gott und halte seine Gebote" (12,13) [3].

Wer ist der Prediger?

Den Namen Salomo nennt das Buch nicht. Doch die Überschrift spricht vom "Sohn Davids" und vom König zu Jerusalem (1,1), und das Ich erzählt von Weisheit und Reichtum [1, 3]. Der Text legt so nahe, an Salomo zu denken, den weisen König aus dem 1. Buch der Könige. Die historisch-kritische Forschung ist sich einig, dass der historische Salomo nicht der Verfasser sein kann. Sie spricht von einer Königsfiktion [1].

Als Erster bestritt der Gelehrte Hugo Grotius 1644, dass Salomo das Buch geschrieben habe. Er verwies auf Wörter, die sonst nur in späten Texten vorkommen [1]. Franz Delitzsch schrieb 1875 sinngemäß, wenn das Buch von Salomo stamme, gebe es keine Geschichte der hebräischen Sprache [1]. Heute gilt die späte Datierung als Konsens. Das Buch enthält zwei persische Lehnwörter: pardes, "Baumgarten", in 2,5 (davon kommt das deutsche Wort Paradies) und pitgam, "Botschaft", in 8,11 [1]. Wie das Perserreich die Region prägte, beschreibt geschichte.domain-root.de unter Das Perserreich.

Wann und wo das Buch entstanden ist

Viele Forscher nehmen eine Entstehung im 3. Jahrhundert vor Christus an, in der frühen hellenistischen Zeit. Als Ort gilt überwiegend Jerusalem, Alexandria ist nicht ausgeschlossen [1]. katholisch.de spricht ebenfalls von einer Weisheitsschrift "etwa aus dem dritten Jahrhundert vor Christi Geburt" [2]. Juda gehörte damals zum Reich der Ptolemäer, die von Ägypten aus herrschten. Die Steuerpacht bereicherte eine lokale Oberschicht und setzte die Mehrheit unter Druck. Der Alttestamentler Thomas Krüger sieht im Buch eine zwiespältige Haltung zu diesen Umbrüchen [1].

Ruinen einer Palastfassade aus Stein mit Säulen an einem grünen Hang im Morgendunst
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Eine späteste Grenze liefern zwei Handschriftenreste aus Qumran. Das ältere Bruchstück wird zwischen 175 und 150 vor Christus datiert [1]. Auch das Buch Jesus Sirach aus dem frühen 2. Jahrhundert vor Christus setzt sich wohl schon mit Kapitel 3 auseinander [1]. Die beiden Nachworte stammen nach verbreiteter Ansicht von zwei verschiedenen Herausgebern. Der zweite (12,12 bis 14) rückt die Lehre des Predigers wieder näher an die überlieferte Weisheit heran [1].

Eitel, Windhauch und Lebensfreude

Das Leitwort des Buches ist das hebräische hevel. Es bezeichnet einen Lufthauch und im übertragenen Sinn etwas Flüchtiges [1]. Luther übersetzte es mit "eitel". Das Wort hieß damals im Grunde "leer" und hat seine Bedeutung seitdem verändert [1]. Andere Übersetzungen wählen andere Wörter. Die folgende Übersicht zeigt, wie sie den Mottovers 1,2 wiedergeben [1]:

Trockene Pusteblumensamen werden vom Wind fortgeweht vor einem goldenen Himmel am späten Nachmittag
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ÜbersetzungWort für hevel
Vulgata (lateinisch)vanitas, Nichtigkeit
Luther 1545 und 1912eitel
Buber und Rosenzweig (1929)Dunst
Einheitsübersetzung (1980)Windhauch
Diethelm Michel (1988)absurd
Zürcher Bibel (2007)nichtig und flüchtig

Neben der Vergänglichkeit steht die Freude. Das Gute im Leben gilt dem Prediger als Gabe Gottes, die man nicht festhalten kann [1]. "Denn ein jeglicher Mensch, der da ißt und trinkt und hat guten Mut in aller seiner Arbeit, das ist eine Gabe Gottes" (3,13) [3]. Wie der Prediger von Gott spricht, ist in der Forschung umstritten. Melanie Köhlmoos meint, Gott sei bei ihm kein persönliches Gegenüber, das in die Welt eingreift. Thomas Krüger beschreibt seine Gottesfurcht als kritische Teilnahme an der religiösen Praxis [1]. Ein anderes Weisheitsbuch, das an der Regel vom gerechten Ausgleich zweifelt, ist Hiob.

Die Kapitel im Überblick

Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "iß", "daß" und "Grämens" [3]. Für einen ersten Eindruck eignen sich Kapitel 1 mit dem Mottovers, Kapitel 3 mit den Versen über die Zeit und Kapitel 12 mit dem Gedicht über das Alter. Die Verse am Übergang von Kapitel 6 zu 7 zählen manche Ausgaben anders: Der Vers "Denn wer weiß, was dem Menschen nütze ist im Leben" steht hier als 7,1, in anderen Ausgaben (auch bei eBible.org) als 6,12. Deshalb hat Kapitel 6 hier 11 Verse statt 12, und Kapitel 7 hat 30 statt 29. Alle Versnummern in Kapitel 7 liegen hier um eins höher als dort [3].

Alle Kapitel: Prediger

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  1. Kohelet. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Gelassen durchs Leben mit Kohelet (Felix Neumann). katholisch.de. Stand 07.08.2022. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Prediger. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.