Themen der BibelRatgeber
Die Auferstehung Jesu in den Evangelien
Alle vier Evangelien erzählen, dass Frauen am ersten Tag der Woche das Grab Jesu leer finden: bei Matthäus 28, Markus 16, Lukas 24 und Johannes 20 bis 21. Sie unterscheiden sich darin, welche Frauen kommen, wie viele Engel sie sehen und wo Jesus den Jüngern danach erscheint. Als älteste schriftliche Überlieferung gilt die Liste der Erscheinungen in 1. Korinther 15,3 bis 8.

Nach der Kreuzigung Jesu erzählen alle vier Evangelien von einem leeren Grab. Matthäus, Lukas und Johannes berichten außerdem von Begegnungen mit dem Auferstandenen, Markus nur im späteren Schluss. Die Berichte stehen jeweils am Ende: Matthäus 28, Markus 16, Lukas 24 und Johannes 20 bis 21. Sie stimmen im Kern überein und unterscheiden sich in vielen Einzelheiten. Dazu kommt ein Text, der älter ist als alle vier: die Liste der Erscheinungen im 1. Brief an die Korinther. Zitiert wird nach der Lutherbibel von 1912. Was die Evangelien vor Ostern berichten, steht auf der Seite Die Passionsgeschichte: Leiden und Tod Jesu.
Das älteste Zeugnis in 1. Korinther 15
Paulus erinnert die Gemeinde in Korinth an das, "was ich empfangen habe" (1. Korinther 15,3). Er nennt, "daß er begraben sei, und daß er auferstanden sei am dritten Tage nach der Schrift" (1. Korinther 15,4), und zählt dann auf, wer den Auferstandenen gesehen hat: Kephas, die Zwölf, "mehr denn fünfhundert Brüdern auf einmal", Jakobus, alle Apostel und zuletzt Paulus selbst (1. Korinther 15,5 bis 8) [4]. Die deutsche Wikipedia nennt diese Stelle das wichtigste Auferstehungszeugnis des Neuen Testaments. Die Formel, die Paulus weitergibt, stammt nach dem Artikel aus der Zeit kurz nach Jesu Tod um das Jahr 30. Die Paulusbriefe entstanden ab etwa 50 nach Christus [1]. Ein leeres Grab und die Frauen erwähnt Paulus in dieser Liste nicht [4].
Die Berichte im Vergleich
Die Erzählungen der Evangelien gelten als jünger als die Formeln bei Paulus [1]. Als ältestes Evangelium gilt nach historisch-kritischer Mehrheitsmeinung das Markusevangelium. Es wird meist bald nach 70 nach Christus angesetzt [2]. Das Johannesevangelium datiert die Mehrheit der Forschung auf etwa 90 bis 100 nach Christus [3]. Die vier Berichte nebeneinander [1, 4]:

| Frage | Matthäus 28 | Markus 16 | Lukas 24 | Johannes 20 bis 21 |
|---|---|---|---|---|
| Wer geht zum Grab? | Maria Magdalena und die andere Maria (28,1) | Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome (16,1) | Maria Magdalena, Johanna, Maria, die Mutter des Jakobus, und andere (24,10) | Maria Magdalena (20,1) |
| Wen sehen sie am Grab? | einen Engel, der den Stein wegwälzt (28,2) | einen Jüngling im weißen Kleid (16,5) | zwei Männer in glänzenden Kleidern (24,4) | zwei Engel in weißen Kleidern, erst beim zweiten Blick ins Grab (20,12) |
| Erste Begegnung mit Jesus | die Frauen auf dem Rückweg (28,9) | Maria Magdalena (16,9, im späteren Schluss) | zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus (24,13 bis 31) | Maria Magdalena am Grab (20,14 bis 17) |
| Wo sehen ihn die Jünger? | auf einem Berg in Galiläa (28,16) | beim Mahl der Elf (16,14, im späteren Schluss) | in Jerusalem (24,33 bis 36) | in Jerusalem (20,19 bis 29), dann am See Tiberias (21,1) |
| Ende des Berichts | Sendung zu allen Völkern (28,19 bis 20) | Aufnahme in den Himmel (16,19) | Abschied bei Bethanien (24,50 bis 51) | Fischzug und Gespräch mit Petrus (21,1 bis 23) |
Alle vier Evangelien legen den Gang zum Grab auf den ersten Tag der Woche, also den Tag nach dem Sabbat [4]. Die Zahl der Frauen und der Engel unterscheidet sich ebenso wie der Ort der Begegnungen. Die Erscheinungen spielen bei Matthäus und im Nachtragskapitel Johannes 21 in Galiläa, bei Lukas und in Johannes 20 in und bei Jerusalem [1, 4].
Matthäus: Erdbeben, Engel und Wächter
Bei Matthäus kommen Maria Magdalena und "die andere Maria" zum Grab (28,1). Es gibt ein Erdbeben, und ein Engel wälzt den Stein weg und setzt sich darauf (28,2). Die Wächter erschrecken und werden, "als wären sie tot" (28,4) [4]. Der Engel sagt den Frauen: "Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat" (28,6). Sie laufen "mit Furcht und großer Freude" zu den Jüngern (28,8), und unterwegs begegnet ihnen Jesus (28,9) [4].
Nur Matthäus erzählt, dass die Hohenpriester den Wächtern Geld geben. Sie sollen sagen: "Seine Jünger kamen des Nachts und stahlen ihn, dieweil wir schliefen" (28,13). Der Evangelist fügt hinzu, diese Rede sei verbreitet "bis auf den heutigen Tag" (28,15) [4]. Am Schluss treffen die Elf Jesus auf einem Berg in Galiläa, "etliche aber zweifelten" (28,17). Das Evangelium endet mit dem Auftrag "Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes" (28,19) und dem Satz "Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende" (28,20) [4].
Markus und der Schluss des Evangeliums
Bei Markus kaufen drei Frauen Spezerei, um den Leichnam zu salben (16,1). Unterwegs fragen sie: "Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?" (16,3). Im Grab sitzt ein junger Mann im weißen Gewand und sagt: "Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist nicht hier" (16,6). Die Frauen fliehen, und Vers 8 endet mit dem Satz "Und sie sagten niemand etwas, denn sie fürchteten sich" (16,8) [4].
Im Codex Sinaiticus und im Codex Vaticanus, zwei frühen griechischen Handschriften, endet das Evangelium an dieser Stelle. Die übrigen Handschriften haben die Verse 9 bis 20. Nach der deutschen Wikipedia setzen diese Verse Stoffe aus Lukas, Johannes und der Apostelgeschichte zusammen und entstanden vermutlich in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts [2]. Ob Markus mit Vers 8 aufhören wollte oder ob ein Schluss verloren ging, ist in der Forschung umstritten [2]. Die Lutherbibel 1912 druckt die Verse 9 bis 20 in der Ausgabe von eBible.org ohne Kennzeichnung mit ab [4]. Dort erscheint Jesus zuerst Maria Magdalena, "von welcher er sieben Teufel ausgetrieben hatte" (16,9), dann zwei Jüngern und schließlich den Elf. Es folgt der Auftrag "Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur" (16,15) [4].
Lukas: die Emmausjünger
Bei Lukas treffen die Frauen zwei Männer in glänzenden Kleidern, die fragen: "Was suchet ihr den Lebendigen bei den Toten?" (24,5). Die Apostel halten den Bericht der Frauen für Gerede, "als wären's Märlein, und sie glaubten ihnen nicht" (24,11). Petrus läuft zum Grab und sieht nur die Leinentücher (24,12) [4].

Am selben Tag gehen zwei Jünger nach Emmaus, einem Dorf "sechzig Feld Wegs" von Jerusalem (24,13). Einer heißt Kleophas (24,18). Ein Fremder schließt sich ihnen an und legt ihnen die Schriften aus. Sie laden ihn ein: "Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt" (24,29). Beim Brotbrechen erkennen sie ihn, "Und er verschwand vor ihnen" (24,31) [4]. Zurück in Jerusalem hören sie von den Elf: "Der HERR ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen" (24,34). Dann steht Jesus selbst unter ihnen, zeigt Hände und Füße und isst "ein Stück von gebratenem Fisch" (24,42). Das Evangelium endet mit dem Abschied bei Bethanien (24,50 bis 51) [4]. Die Apostelgeschichte nennt einen Zeitraum von vierzig Tagen bis zur Himmelfahrt [1]. Wie es danach weitergeht, erzählt die Seite Das Pfingstwunder in der Apostelgeschichte.
Johannes: Maria Magdalena und Thomas
Bei Johannes geht Maria Magdalena allein zum Grab, "da es noch finster war" (20,1). Sie holt Petrus und den Jünger, "welchen Jesus liebhatte" (20,2). Beide laufen hin, der andere Jünger ist schneller (20,4). Im Grab liegen die Leinen und, zusammengewickelt an einem eigenen Ort, das Schweißtuch (20,6 bis 7) [4]. Maria bleibt weinend zurück. Sie hält Jesus zuerst für den Gärtner und erkennt ihn, als er ihren Namen sagt: "Spricht Jesus zu ihr: Maria!" (20,16) [4].

Am Abend erscheint Jesus den Jüngern bei verschlossenen Türen mit dem Gruß "Friede sei mit euch!" (20,19). Thomas ist nicht dabei und will es nur glauben, wenn er die Wundmale sieht und berührt (20,25). Acht Tage später sagt Thomas: "Mein HERR und mein Gott!" (20,28). Jesus antwortet: "Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!" (20,29) [4]. Mit 20,30 bis 31 kommt das Buch zu einem Schluss. Kapitel 21 mit dem Fischzug am See Tiberias, bei dem die Jünger "hundert und dreiundfünfzig" große Fische fangen (21,11), gilt der Forschung deshalb als späterer Nachtrag [3, 4].
Wie die Forschung die Berichte deutet
Die Bibelwissenschaft fragt, wie die Berichte entstanden sind und was hinter ihnen steht. Die deutsche Wikipedia nennt dazu mehrere Positionen. David Friedrich Strauß hielt 1835/36 die Erscheinungen für innere Visionen der Jünger und das leere Grab für eine spätere Legende. Gerd Lüdemann vertritt seit 1994, ursprünglich hätten nur Petrus und Paulus Erscheinungen gehabt [1]. Laut Gary Habermas gehen etwa drei Viertel von rund 1.400 Veröffentlichungen seit 1975 davon aus, dass den Osterzeugnissen ein reales Geschehen um den toten Jesus zugrunde liegt [1]. Die Evangelische Kirche in Deutschland betont nach dem Artikel, der Osterglaube sei durch Begegnungen mit dem Auferstandenen entstanden und nicht durch das leere Grab [1].
Paulus schreibt den Korinthern: "Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich" (1. Korinther 15,14) [4]. Die Kirchen feiern die Auferstehung jedes Jahr zu Ostern, dem wichtigsten Fest des Christentums [1]. Wann Ostern in den nächsten Jahren liegt und wie das Datum berechnet wird, steht auf feiertage-ferien.com. Wer Jesus über die Ostererzählungen hinaus kennenlernen will, findet auf der Seite Jesus von Nazareth in den Evangelien einen Überblick.
- Auferstehung Jesu Christi. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Markusevangelium. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Evangelium nach Johannes. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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