Das Neue TestamentRatgeber
Der 2. Brief des Johannes: Einführung in den kürzesten Brief
Der 2. Brief des Johannes ist mit 13 Versen das kürzeste Buch des Neuen Testaments. Ein Absender, der sich "der Älteste" nennt, schreibt "der auserwählten Frau und ihren Kindern", erinnert an das Gebot der Liebe und warnt vor Verführern, die nicht bekennen, dass Jesus Christus ins Fleisch gekommen ist. Wer der Älteste war und wer mit der Frau gemeint ist, ist bis heute offen.

Der 2. Brief des Johannes passt auf eine einzige Seite. Er hat 13 Verse und ist damit nach der Zahl der Verse das kürzeste Buch des Neuen Testaments. Nach Wörtern gezählt ist er mit 245 Wörtern im griechischen Text der zweitkürzeste Brief [1]. Auch im Alten Testament hat kein Buch so wenige Verse; das kürzeste dort, Obadja, hat 21 [5]. In dieser Kürze stecken ein Gruß, eine Erinnerung an das Liebesgebot, eine scharfe Warnung vor Irrlehrern und die Ankündigung eines Besuchs. Der vollständige Text in der Lutherbibel von 1912 steht auf der Kapitelseite 2. Johannes 1.
Ein Buch mit nur einem Kapitel
Weil der Brief nur ein Kapitel hat, nennt man meist nur den Vers: "2. Johannes 7" meint den siebten Vers. Auf dieser Website steht der Text unter der Adresse für Kapitel 1, dort sind die Verse von 1 bis 13 gezählt. Die Stellenangaben auf dieser Seite nennen deshalb nur die Versnummer, etwa "(Vers 7)". Dieselbe Regel gilt für Obadja, Philemon, den 3. Johannesbrief und den Judasbrief. Mehr dazu erklärt die Seite Bibelstellen richtig angeben.
Absender und Empfängerin
Der Brief beginnt: "Der Älteste: der auserwählten Frau und ihren Kindern, die ich liebhabe in der Wahrheit" (Vers 1) [5]. Der Absender nennt keinen Namen. Im Griechischen steht ho presbyteros, der Ältere oder Alte [1, 2]. Die kirchliche Überlieferung sieht in ihm den Evangelisten Johannes. Viele heutige Theologen halten eher einen Presbyter Johannes für den Verfasser, den Papias von Hierapolis um 130 nach Christus erwähnt, oder einen anderen Schüler des Evangelisten [1, 2]. Eine einhellige Meinung gibt es nicht [3].

Ebenso offen ist, an wen der Brief gerichtet ist. Im Griechischen heißt die Anrede eklekte kyria, bei Luther "der auserwählten Frau" [1]. Die Deutungen lassen sich in zwei Gruppen teilen [1, 3]:
- Eine wirkliche Person: Eklekta oder Kyria könnte ein Name sein. Athanasius hielt Kyria für einen Eigennamen. Der Neutestamentler Lincoln H. Blumell vertrat 2025 die These, beim Abschreiben seien zwei Buchstaben verloren gegangen und die Anrede habe ursprünglich einer Frau namens Eklekte gegolten. Er stützt sich auf Clemens von Alexandria, der um 200 schrieb, der Brief sei an eine babylonische Frau namens Electa gerichtet [1, 3].
- Eine Gemeinde: Die Frau steht im Bild für eine Gemeinde und ihre Kinder für deren Mitglieder. Für dieses Verständnis spricht der Schlussvers, der die Kinder der "Schwester, der Auserwählten" grüßen lässt (Vers 13), also wohl die Gemeinde, in der der Absender lebt. Solche Bilder kennen beide Testamente, etwa 2. Korinther 11,2 [1, 5].
Eine weitere, seltener vertretene Deutung sieht in der Frau Maria, die Mutter Jesu, und stützt sich auf Johannes 19,26 bis 27 [3].
Aufbau des Briefes
Der Brief folgt dem Muster eines antiken Privatbriefs mit Anfang, Hauptteil und Schluss [1]:
| Verse | Teil | Inhalt |
|---|---|---|
| 1 bis 3 | Briefanfang | Absender, Empfängerin, Gruß |
| 4 bis 6 | Hauptteil 1 | Freude über die Kinder, die in der Wahrheit wandeln, Bitte um gegenseitige Liebe |
| 7 bis 11 | Hauptteil 2 | Warnung vor Verführern, kein Gruß und keine Aufnahme |
| 12 bis 13 | Briefschluss | Ankündigung eines Besuchs, Grüße |
Inhalt im Überblick
Gruß und Liebesgebot (Verse 1 bis 6)
In den ersten drei Versen steht viermal das Wort Wahrheit. Der Absender liebt die Empfänger "in der Wahrheit", und das tun auch "alle, die die Wahrheit erkannt haben" (Vers 1) [5]. Der Gruß wünscht "Gnade, Barmherzigkeit, Friede" (Vers 3). Diese dreiteilige Formel steht in der Lutherbibel sonst nur in den beiden Timotheusbriefen und im Titusbrief (1. Timotheus 1,2; Titus 1,4) [1, 5].

Dann freut sich der Absender, dass er unter den Kindern der Frau solche gefunden hat, "die in der Wahrheit wandeln" (Vers 4). Seine Bitte ist alt: Er schreibe "nicht als schriebe ich dir ein neues Gebot, sondern das wir gehabt haben von Anfang" (Vers 5), nämlich "daß wir uns untereinander lieben" (Vers 5) [5]. Liebe bestimme sich am Gebot: "das ist die Liebe, daß wir wandeln nach seinem Gebot" (Vers 6) [5]. Ganz ähnlich spricht der 1. Johannesbrief vom alten Gebot, "das ihr habt von Anfang gehabt" (1. Johannes 2,7) [5].
Die Warnung vor den Verführern (Verse 7 bis 11)
Der zweite Teil warnt: "Denn viele Verführer sind in die Welt gekommen, die nicht bekennen Jesum Christum, daß er in das Fleisch gekommen ist. Das ist der Verführer und der Widerchrist" (Vers 7) [5]. Nach dem deutschen Wikipedia-Artikel waren das Irrlehrer, die bestritten, dass Jesus wirklich Mensch geworden ist [1]. Die Forschung spricht von einer doketischen Lehre [3]. Der 1. Johannesbrief sagt dasselbe mit fast gleichen Worten: Jeder Geist, "der da bekennt, daß Jesus Christus ist in das Fleisch gekommen, der ist von Gott" (1. Johannes 4,2) [5]. Das Wort Widerchrist kommt in der Lutherbibel nur im 1. und im 2. Johannesbrief vor [5].
Wer "nicht in der Lehre Christi" bleibe, habe "keinen Gott" (Vers 9). Daraus folgt eine harte Anweisung: "So jemand zu euch kommt und bringt diese Lehre nicht, den nehmet nicht ins Haus und grüßet ihn auch nicht" (Vers 10) [5]. Wer ihn grüße, mache sich "teilhaftig seiner bösen Werke" (Vers 11) [5]. Nach dem Brief sollen solche Lehrer in den Häusern der Gemeinde keine Aufnahme finden. Der 3. Johannesbrief zeigt die Kehrseite: Dort lobt der Älteste Gajus dafür, dass er Brüder aufnimmt, die "um seines Namens willen" unterwegs sind (3. Johannes 7) [5].
Besuch und Grüße (Verse 12 und 13)
Am Ende bricht der Absender ab: Er habe viel zu schreiben, "aber ich wollte nicht mit Briefen und Tinte; sondern ich hoffe, zu euch zu kommen und mündlich mit euch reden" (Vers 12) [5]. Der letzte Vers überbringt Grüße: "Es grüßen dich die Kinder deiner Schwester, der Auserwählten. Amen" (Vers 13) [5].
Die Verwandtschaft mit dem 1. und 3. Johannesbrief
Der 2. und der 3. Johannesbrief gelten als zusammengehörig und zeitlich nah beieinander [2]. Beide beginnen mit "Der Älteste" und beide enden mit dem Wunsch, lieber mündlich zu reden als mit Tinte zu schreiben (3. Johannes 13 bis 14) [5]. Die Sprache der beiden Briefe ist sich nach dem englischen Wikipedia-Artikel bemerkenswert ähnlich [3]. Viele beziehen den Satz "Ich habe der Gemeinde geschrieben" (3. Johannes 9) auf den 2. Johannesbrief, der dann der frühere wäre [2, 5]. Der 1. Johannesbrief nennt keinen Verfasser. Manche setzen ihn vor die beiden kleinen Briefe, weil sie auf ihm aufbauen, andere halten ihn für später [2].
Wann und wo der Brief entstand
Die Datierungen reichen je nach Lehrmeinung von etwa 50 bis 110 nach Christus [2]. John A. T. Robinson setzte die Johannesbriefe um 60 bis 65 an, Klaus Berger zwischen 50 und 56, Udo Schnelle zwischen 90 und 95 [2]. Der deutsche Artikel zum 2. Johannesbrief nennt als späte Grenze die Zeit um 90 bis 130 [1]. Als Abfassungsort gilt meist Ephesus, im Umfeld der sogenannten johanneischen Schule [1, 2].
Ein umstrittener Brief in der Alten Kirche
Der 2. Johannesbrief gehörte lange zu den Schriften, über die die Kirchen uneins waren. Eusebius von Caesarea zählte ihn um 325 zusammen mit dem 3. Johannesbrief zu den Antilegomena, den umstrittenen Schriften, die aber von vielen anerkannt würden. Offen war für ihn, ob die beiden Briefe vom Evangelisten stammen oder von einem anderen Mann gleichen Namens [4]. Zu dieser Gruppe zählte er auch den Jakobusbrief, den Judasbrief und den 2. Petrusbrief [4]. Ein früher Hinweis auf den Brief könnte bei Polykarp stehen, der möglicherweise Vers 7 kannte [3].
Den Brief lesen
Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "daß" und "Jesum Christum". Wer den Brief liest, braucht dafür kaum fünf Minuten. Es lohnt sich, danach gleich den 3. Brief des Johannes zu lesen, der vom selben Absender stammt, und den längeren 1. Brief des Johannes. Das Liebesgebot, auf das Vers 5 zurückgreift, steht im Evangelium nach Johannes (Johannes 13,34) [5]. Wie die umstrittenen Briefe in die Bibel kamen, erklärt die Seite Kanon und Apokryphen, die Welt der frühen Gemeinden Die Ausbreitung des Christentums.
Alle Kapitel: 2. Johannes
- 2. Brief des Johannes. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Johannesbriefe. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Second Epistle of John. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Antilegomena. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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