Das Alte TestamentRatgeber
Das Buch Jona: Einführung und alle 4 Kapitel
Das Buch Jona hat 4 Kapitel und gehört zu den zwölf kleinen Propheten. Es erzählt von dem Propheten Jona, der vor dem Auftrag flieht, in Ninive zu predigen, von einem großen Fisch verschlungen und wieder ausgespien wird und sich am Ende darüber ärgert, dass Gott die Stadt verschont.

Das Buch Jona ist eine Erzählung über einen Propheten, der nicht will. Gott schickt Jona nach Ninive, er nimmt ein Schiff in die Gegenrichtung. Ein Sturm, ein Los und ein großer Fisch bringen ihn zurück, und in Ninive genügt ein einziger Satz, damit die ganze Stadt fastet. Das Ende ist offen: Jona sitzt zornig vor der Stadt, und das Buch schließt mit einer Frage Gottes an ihn [3]. Unter den Prophetenbüchern fällt Jona damit aus der Reihe, denn es sammelt keine Prophetensprüche, es erzählt eine Geschichte über einen Propheten [2]. Die 4 Kapitel stehen hier in der Lutherbibel von 1912, jedes auf einer eigenen Seite. Die Übersicht steht am Ende dieser Einführung.
Wer war Jona?
Nach 1,1 ergeht das Wort des HERRN "zu Jona, dem Sohn Amitthais" [3]. Denselben Namen trägt ein Prophet im 2. Buch der Könige: König Jerobeam II. von Israel stellte die Grenzen seines Reiches wieder her, wie es der HERR geredet hatte "durch seinen Knecht Jona, den Sohn Amitthais, den Propheten, der von Gath-Hepher war" (2. Könige 14,25) [3]. Jerobeam II. regierte von 781 bis 742 vor Christus. Gat-Hefer lag in Galiläa. Außerhalb der Bibel gibt es keinen Beleg dafür, dass dieser Jona gelebt hat [1].
Der hebräische Name Jona bedeutet "Taube" [1]. Die Einleitung der katholischen Bischofskonferenz der USA merkt dazu an, dass die Hauptfigur alles andere als taubenhaft auftritt [2].
Aufbau des Buches
Das Buch besteht aus zwei Hälften mit je drei Szenen, die einander entsprechen: Kapitel 1 und 2 spielen auf dem Meer, Kapitel 3 und 4 in und vor Ninive [1]. Beide Hälften beginnen mit demselben Auftrag Gottes. Die Einleitung der US-Bischofskonferenz gliedert so [2]:
| Kapitel | Abschnitt | Wichtige Stellen |
|---|---|---|
| 1 | Jonas Ungehorsam und Flucht | Sturm, Los, Jona wird ins Meer geworfen |
| 2 | Jonas Gebet | im Leib des Fisches, Psalm, Rettung ans Land |
| 3 | Jonas Gehorsam und die Buße Ninives | Predigt, Fasten, Gott verschont die Stadt |
| 4 | Jonas Zorn und Gottes Antwort | Hütte, Rizinus, Frage Gottes |
Inhalt im Überblick
Flucht auf das Meer (Kapitel 1)
Der Auftrag ist knapp: "Mache dich auf und gehe in die große Stadt Ninive und predige wider sie!" (1,2). Jona aber "floh vor dem HERRN und wollte gen Tharsis" und geht in Japho an Bord (1,3) [3]. Ein Sturm bringt das Schiff in Not. Die Seeleute beten jeder zu seinem Gott und werfen Ladung über Bord, während Jona unten im Schiff liegt "und schlief" (1,5) [3].

Das Los fällt auf ihn. Gefragt, wer er sei, antwortet er: "Ich bin ein Hebräer und fürchte den HERRN, den Gott des Himmels, welcher gemacht hat das Meer und das Trockene" (1,9). Er schlägt selbst vor: "Nehmt mich und werft mich ins Meer" (1,12). Die Seeleute rudern zuerst gegen den Sturm an, beten dann zum Gott Israels und werfen Jona ins Wasser. Das Meer wird ruhig, und die Seeleute bringen dem HERRN Opfer dar (1,13 bis 16) [3].
Im Bauch des Fisches (Kapitel 2)
"Aber der HERR verschaffte einen großen Fisch, Jona zu verschlingen." Drei Tage und drei Nächte bleibt Jona in seinem Leib (2,1) [3]. Von einem Wal ist im Buch Jona nicht die Rede [1, 3]. Luther übersetzt im Matthäusevangelium allerdings "in des Walfisches Bauch" (Matthäus 12,40) [3]. Wer englische Ausgaben benutzt, findet den Vers über den Fisch dort als 1,17, die Lutherbibel zählt ihn als 2,1 [3].
Im Fisch betet Jona einen Psalm: "Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst, und er antwortete mir" (2,3). Er spricht von Fluten und Wogen, von Schilf um seinen Kopf und davon, dass er "zu der Berge Gründen" hinabsank (2,4 bis 7) [3]. Dann spricht der HERR zum Fisch, "und der spie Jona aus ans Land" (2,11) [3]. Ob der Psalm von Anfang an zum Buch gehörte oder später eingefügt wurde, war lange umstritten. Neuere Arbeiten lesen das Buch meist als einheitlichen Text [1].
Predigt in Ninive (Kapitel 3)
Der Auftrag kommt "zum andernmal", und diesmal geht Jona (3,1 bis 3). Ninive beschreibt das Buch als "drei Tagereisen groß" (3,3). Jona geht eine Tagereise weit in die Stadt hinein und ruft: "Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen" (3,4) [3]. Das ist die einzige Prophezeiung im ganzen Buch [1].
Die Wirkung ist sofort da. Die Leute glauben, rufen ein Fasten aus und ziehen Säcke an. Der König steigt vom Thron, hüllt sich in einen Sack und setzt sich in die Asche. Sein Befehl gilt für "weder Mensch noch Vieh": Alle sollen fasten und sich vom Unrecht abwenden (3,5 bis 8). Seine Hoffnung fasst er in zwei Worte: "Wer weiß?" (3,9). Gott sieht, dass sie umkehren, "reute ihn des Übels, das er geredet hatte ihnen zu tun, und tat's nicht" (3,10) [3].
Jonas Zorn (Kapitel 4)
Jetzt erst nennt Jona den Grund seiner Flucht. Er habe gewusst, "daß du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und läßt dich des Übels reuen" (4,2). Lieber will er sterben: "ich wollte lieber tot sein als leben" (4,3). Gott antwortet mit einer Gegenfrage: "Meinst du, daß du billig zürnst?" (4,4) [3].
Jona setzt sich östlich der Stadt in eine selbstgebaute Hütte und wartet ab. Gott lässt "einen Rizinus" über ihm wachsen, der Schatten spendet, und am nächsten Morgen einen Wurm, der die Pflanze verdorren lässt. In der Hitze wünscht sich Jona erneut den Tod (4,5 bis 8) [3]. Das Buch endet mit Gottes Frage: Wenn Jona schon die Pflanze leid tut, solle Gott dann nicht Ninive bedauern, eine Stadt mit "mehr denn hundert und zwanzigtausend Menschen, die nicht wissen Unterschied, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere" (4,11) [3]? Eine Antwort Jonas folgt nicht.
Ninive und die Assyrer
Ninive war eine Hauptstadt des Assyrischen Reichs. Dieses Reich beendete das Nordreich Israel und verwüstete 701 vor Christus das Land Juda [2]. Für die ersten Leser war Ninive damit die Stadt eines Feindes. Zur zentralen Residenz der Assyrer wurde Ninive erst unter Sanherib nach 705 vor Christus, also nach der Zeit des Jona aus dem Königebuch. 612 vor Christus wurde die Stadt zerstört [1]. Die Darstellung im Buch mischt außerdem assyrische und persische Züge, was auf eine spätere Entstehung hinweist [1]. Mehr über das Reich steht auf geschichte.domain-root.de unter Assyrien. Den Untergang Ninives kündigt in der Bibel ein anderes Buch an, der Prophet Nahum: "Dies ist die Last über Ninive" (Nahum 1,1) [3].

Wie das Buch entstanden ist
Die meisten Forscher datieren das Buch an die Wende vom 4. zum 3. Jahrhundert vor Christus, entstanden wohl in Jerusalem oder in der jüdischen Diaspora Ägyptens. Dafür sprechen Anspielungen auf die Zeit nach dem Exil, Bezüge auf Jeremia und Motive aus der griechischen Mythologie. Wahrscheinlich kennt der Verfasser das Buch Joel [1]. Eine späte Grenze setzt das Buch Jesus Sirach, das in 49,10 die zwölf Propheten schon als Sammlung kennt. Nach 190 vor Christus kann Jona deshalb nicht entstanden sein [1]. Die US-Bischofskonferenz nennt das Buch schwer datierbar, hält es aber für fast sicher nachexilisch [2].

Der Gattung nach gilt Jona meist als belehrende Erzählung, die mit Satire und Ironie arbeitet. Andere sprechen von einer Novelle oder einem Midrasch [1]. Die Einleitung der US-Bischofskonferenz nennt Parabel und Satire als Einordnungen, die vorgeschlagen wurden. Sie sieht im Buch eine Zuspitzung gegen eine enge Haltung, die Gottes Fürsorge auf Israel beschränken will [2].
Jona im Judentum und im Neuen Testament
Im jüdischen Gottesdienst wird das Buch Jona an Jom Kippur, dem Versöhnungstag, als Prophetenlesung vorgetragen. Der Grund ist die Umkehr der Niniviten und die Vergebung, die sie erfahren [1].
Im Neuen Testament spricht Jesus vom "Zeichen des Propheten Jona" (Matthäus 12,39). Die drei Tage im Fisch werden auf den Menschensohn bezogen, der "drei Tage und drei Nächte mitten in der Erde sein" wird (Matthäus 12,40). Die Leute von Ninive, die "Buße nach der Predigt des Jona" taten, stellt Jesus seiner eigenen Generation gegenüber (Matthäus 12,41) [3]. Ähnlich steht es in Lukas 11,29 bis 32 [1]. Wie das Zeichen ursprünglich gemeint war, ob als Hinweis auf Tod und Auferstehung oder anders, ist in der Forschung umstritten [1]. Mehr dazu in der Einführung in das Matthäusevangelium.
Jona im Zwölfprophetenbuch
In der hebräischen Bibel bilden die zwölf kleinen Propheten ein gemeinsames Buch [1]. Jona steht dort wie in der Lutherbibel zwischen Obadja und Micha [3]. Einen Überblick über alle Prophetenbücher gibt die Seite Die Propheten des Alten Testaments.
Die Kapitel im Überblick
Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "daß" und "Tharsis". Luther nennt die Pflanze in Kapitel 4 "Rizinus" [3]. Das ganze Buch hat 48 Verse. Wer nur einen Teil lesen will, beginnt am besten mit Kapitel 1 und dem Schluss in Kapitel 4.
Alle Kapitel: Jona
- Jona (Prophet). Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Jonah, Introduction (New American Bible, Revised Edition). United States Conference of Catholic Bishops. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.


