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Die Klagelieder Jeremias: Einführung und alle 5 Kapitel
Die Klagelieder sind fünf Gedichte über die Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier 587 oder 586 vor Christus, jedes Gedicht ist ein Kapitel. Die Kapitel 1 bis 4 sind Akrosticha nach dem hebräischen Alphabet. Die Tradition schreibt die Lieder dem Propheten Jeremia zu, die heutige Forschung hält sie für anonym.

"Wie liegt die Stadt so wüst, die voll Volks war! Sie ist wie eine Witwe" (1,1): So beginnen die Klagelieder [3]. Das Buch besteht aus fünf Gedichten über das zerstörte Jerusalem. Die Babylonier hatten die Stadt nach langer Belagerung eingenommen und den Tempel verbrannt [2]. Die Lieder beschreiben Hunger, Tod und Verschleppung und fragen, wie Gott das zulassen konnte. Mitten im Buch, in Kapitel 3, steht ein Satz der Hoffnung, der oft zitiert wird: Gottes Barmherzigkeit "ist alle Morgen neu" (3,23) [3]. Die 5 Kapitel stehen hier in der Lutherbibel von 1912, jedes auf einer eigenen Seite. Die Übersicht steht am Ende dieser Einführung.
Name und Stellung in der Bibel
Auf Hebräisch heißt das Buch Echa. Die griechische Septuaginta nennt es Threnoi, die lateinische Vulgata Lamentationes [1]. Luther überschreibt es "Die Klagelieder Jeremiä" [3]. Die Kapitel 1, 2 und 4 beginnen bei ihm alle mit demselben Wort "Wie" [3].
In der hebräischen Bibel stehen die Klagelieder im dritten Teil, den Schriften, und gehören dort zu den fünf Megillot, den Festrollen [1]. Christliche Bibeln haben sie nach vorn gezogen und direkt hinter das Buch des Propheten Jeremia gestellt [1]. In der Lutherbibel folgt danach der Prophet Hesekiel [3].
Der Anlass: die Zerstörung Jerusalems
Die Lieder antworten auf die Eroberung Jerusalems durch das Heer Babylons. Die Einleitung der katholischen Bischofskonferenz der USA nennt das Jahr 587 vor Christus, der Wikipedia-Artikel 586 vor Christus [1, 2]. Den Hergang in Prosa erzählt das 2. Buch der Könige in Kapitel 25 [2]. Die Klagelieder nennen Babel nicht beim Namen. Sie sprechen von Feinden, die ins Heiligtum eindringen (1,10), vom gefangenen König, "Der Gesalbte des HERRN, der unser Trost war, ist gefangen worden" (4,20), und von Edom, das sich über den Fall freut (4,21) [3]. Mehr über das Reich steht auf geschichte.domain-root.de unter Babylonien.

Aufbau: fünf Lieder nach dem Alphabet
Jedes Kapitel ist ein eigenes Gedicht. Vier davon sind Akrosticha: Die Strophen beginnen der Reihe nach mit den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets [1, 2]. In der deutschen Übersetzung ist das nicht mehr zu sehen, an den Verszahlen aber schon.
| Kapitel | Verse | Form | Sprecher und Inhalt |
|---|---|---|---|
| 1 | 22 | Akrostichon, je drei Zeilen | Jerusalem als verlassene Witwe, zum Teil spricht die Stadt selbst |
| 2 | 22 | Akrostichon, je drei Zeilen | Gottes Zorn über Zion, Hunger in der Stadt |
| 3 | 66 | Akrostichon, je drei Verse mit demselben Buchstaben | ein leidender Einzelner, Mitte der Hoffnung |
| 4 | 22 | Akrostichon, je zwei Zeilen | das Elend der Belagerung, Ende des Königs |
| 5 | 22 | kein Akrostichon, 22 einzeilige Verse | Gebet des Volkes |
In den Kapiteln 2 bis 4 steht der Vers mit dem Buchstaben Pe vor dem mit Ajin. Diese Reihenfolge ist auch auf alten Alphabettafeln belegt [1]. Kapitel 5 hat zwar 22 Verse, folgt aber nicht dem Alphabet [1, 2]. Das Versmaß der Lieder ist die Qina, das Maß der Totenklage, in der Regel drei Hebungen und dann zwei [1, 2]. Die US-Bischofskonferenz findet im Buch Elemente von Volksklagen, Klagen Einzelner, Leichenliedern und altorientalischen Klagen über zerstörte Städte [2].
Inhalt im Überblick
Die verlassene Stadt (Kapitel 1)
Jerusalem erscheint als Frau, die "des Nachts" weint und keinen Tröster hat: "es ist niemand unter allen ihren Freunden, der sie tröstet" (1,2). "Die Straßen gen Zion liegen wüst; weil niemand auf ein Fest kommt" (1,4) [3]. In der zweiten Hälfte spricht die Stadt selbst. Sie wendet sich an die Vorübergehenden: "Schauet doch und sehet, ob irgend ein Schmerz sei wie mein Schmerz" (1,12) [3]. Das Lied nennt auch eine Schuld: "Der HERR ist gerecht; denn ich bin seinem Munde ungehorsam gewesen" (1,18) [3].

Gottes Zorn (Kapitel 2)
Das zweite Lied beginnt: "Wie hat der HERR die Tochter Zion mit seinem Zorn überschüttet!" (2,1). Gott selbst erscheint als Angreifer, "Der HERR ist gleich wie ein Feind" (2,5), der Altar und Heiligtum verworfen hat (2,7) [3]. Der Sprecher hat "schier meine Augen ausgeweint", weil Säuglinge und kleine Kinder auf den Gassen verschmachten (2,11) [3]. Die Vorübergehenden spotten: "Ist das die Stadt, von der man sagt, sie sei die allerschönste" (2,15) [3]. Das Lied schildert auch, was Hunger in einer belagerten Stadt anrichtet, bis zu Kindern, die gegessen werden (2,20 und 4,10) [3].
Ein Einzelner klagt und hofft (Kapitel 3)
Das längste Lied spricht in der Ich-Form: "Ich bin ein elender Mann, der die Rute seines Grimmes sehen muß" (3,1) [3]. Die ersten Verse häufen Bilder der Gewalt. Gott hat ihn in Finsternis geführt, vermauert und wie ein Bär auf ihn gelauert (3,2 bis 10) [3]. Dann kommt eine Wende: "Die Güte des HERRN ist's, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß" (3,22 bis 23) [3]. Es folgen Sätze aus der Weisheitslehre wie "Es ist ein köstlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen" (3,26) und ein Aufruf zur Umkehr: "Und laßt uns erforschen und prüfen unser Wesen und uns zum HERRN bekehren!" (3,40) [3]. Am Ende bittet der Sprecher darum, dass Gott seine Feinde bestraft (3,64 bis 66) [3].
Das Elend der Belagerung (Kapitel 4)
"Wie ist das Gold so gar verdunkelt" (4,1): Das vierte Lied vergleicht das Früher mit dem Jetzt. Die Kinder Zions waren dem Gold gleich und gelten nun wie irdene Töpfe (4,2). Wer in Scharlach aufwuchs, liegt im Kot (4,5) [3]. Als Ursache nennt das Lied die Sünden der Propheten und die Missetaten der Priester (4,13) [3]. Es endet mit einem Wort an Edom und der Zusage an Zion: "Aber deine Missetat hat ein Ende, du Tochter Zion" (4,22) [3].
Gebet des Volkes (Kapitel 5)
Das letzte Lied ist ein Gebet in der Wir-Form: "Gedenke, HERR, wie es uns geht; schaue und siehe an unsre Schmach!" (5,1). Es zählt den Alltag der Besiegten auf: Fremde besitzen das Erbe, Wasser und Holz müssen bezahlt werden, die Alten sitzen nicht mehr im Tor (5,2 bis 14) [3]. Kurz vor dem Ende steht die Bitte "Bringe uns, HERR, wieder zu dir, daß wir wieder heimkommen; erneuere unsre Tage wie vor alters!" (5,21) [3]. Der letzte Vers bleibt offen: "Denn du hast uns verworfen und bist allzusehr über uns erzürnt" (5,22) [3].
Wer hat die Klagelieder geschrieben?
Eine vorchristliche jüdische Überlieferung, greifbar im Targum und in der Septuaginta, nennt den Propheten Jeremia als Verfasser. Daher kommt der deutsche Name [1]. Im hebräischen Text selbst kommt Jeremia nicht vor, und manches in den Liedern lässt sich nach der US-Bischofskonferenz schwer mit dem Buch Jeremia vereinbaren. Sie hält die Zuschreibung deshalb für unwahrscheinlich [2]. Auch die heutige Forschung vertritt sie kaum noch [1]. Im 2. Buch der Chronik heißt es: "Und Jeremia beklagte Josia", und weiter, das stehe "unter den Klageliedern" (2. Chronik 35,25) [3]. Dort ist von einer Totenklage auf König Josia die Rede.
Die Lieder gelten heute als anonym. Ihr Verfasser war nach Wikipedia wahrscheinlich Augenzeuge der Zerstörung und damit ein Zeitgenosse Jeremias [1]. Wahrscheinlich entstanden die Lieder zwischen 586 und 530 vor Christus. Die Kapitel 1 bis 4 wirken, als seien sie kurz nach dem Fall der Stadt geschrieben, Kapitel 5 eher aus dem Exil [1]. Die US-Bischofskonferenz hält es für möglich, dass die Gedichte einzeln entstanden und erst später zusammengestellt wurden, und vermutet, dass Überlebende sie bei gemeinsamen Trauerfeiern sangen [2].
Die Klagelieder im Gottesdienst
Im Judentum werden die Klagelieder am Tischa beAv gelesen, dem Fasttag zum Gedenken an die Zerstörung des ersten und des zweiten Tempels [1, 2]. In der katholischen Kirche wurden sie in der Karwoche in den Trauermetten gelesen, das fünfte Lied wurde als "Oratio Jeremiae" zusätzlich gesungen [1]. Abschnitte aus Kapitel 3 werden nach der US-Bischofskonferenz oft am Gründonnerstag und Karfreitag verwendet, sonst habe die Kirche das Buch eher vernachlässigt [2]. Wer Verse für Trauerfeiern sucht, findet eine Auswahl auf der Seite Bibelverse für Trauer und Trost.

Die Kapitel im Überblick
Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "daß" und "Juda's". Ähnliche Klagen über Jerusalem stehen auch in den Psalmen, etwa in Psalm 79 [3]. Für den Einstieg eignen sich Kapitel 1 mit der Klage der Stadt und Kapitel 3 mit dem Satz von der Güte, die alle Morgen neu ist.
Alle Kapitel: Klagelieder
- Klagelieder Jeremias. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lamentations, Introduction (New American Bible, Revised Edition). United States Conference of Catholic Bishops. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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