Begriffe der Bibel kurz erklärt

Viele Wörter der Bibel stammen aus dem Hebräischen und Griechischen, andere sind altes Deutsch aus Luthers Übersetzung. Testament heißt ursprünglich Bund, Evangelium gute Nachricht, Messias Gesalbter. In der Lutherbibel 1912 steht Odem für Atem, Weib für Frau und Feste für das Himmelsgewölbe.

Geöffnete Karteikastenschublade aus Holz mit leeren cremefarbenen Karteikarten, daneben ein Olivenzweig und eine Öllampe aus Ton
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Manche Wörter der Bibel kommen aus dem Hebräischen oder Griechischen und wurden mitübersetzt, andere sind deutsche Wörter, die seit Luthers Zeit ihre Bedeutung geändert haben oder verschwunden sind. Die Beispiele stammen aus der Lutherbibel von 1912 und behalten ihre Schreibweise [1].

Die Bibel als Sammlung

Bibel

Das Wort kommt über das kirchenlateinische biblia vom griechischen biblíon, "Buch", einer Verkleinerungsform von bíblos. Der Name geht auf die phönizische Hafenstadt Byblos zurück, einen wichtigen Umschlagplatz für Papyrus. Als Erster nannte Johannes Chrysostomos die christlichen Schriften insgesamt biblía, "Bücher" [2].

Testament

Das lateinische testamentum bedeutet ursprünglich eine rechtsverbindliche Verfügung. Im Kirchenlatein gibt es das griechische diatheke wieder, das seinerseits das hebräische berit übersetzt, also den Bund [3]. Altes und Neues Testament heißen deshalb eigentlich alter und neuer Bund. In diesem Sinn steht das Wort in den Abendmahlsworten: "Dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut" (1. Korinther 11,25) [1]. Die beiden Teile stellen die Seiten Das Alte Testament und Das Neue Testament vor.

Kanon und Apokryphen

Der Kanon ist die Liste der Schriften, die Judentum und Christentum als Teile ihrer Bibel festgelegt haben. Die Lutherbibel begrenzt das Alte Testament auf die 39 Bücher, deren hebräischer Text auch im Tanach steht [4]. Schriften wie Tobit, Judit oder Jesus Sirach nennen evangelische Kirchen Apokryphen, die katholische Kirche zählt sie als deuterokanonische Bücher zum Alten Testament. Mehr dazu unter Kanon und Apokryphen.

Tanach und Tora

Tanach heißt die hebräische Bibel des Judentums, gebildet aus den Anfangsbuchstaben ihrer drei Teile [2]. Ihr erster Teil ist die Tora mit fünf Büchern, in deutschen Bibeln reformatorischer Tradition die fünf Bücher Mose. Das hebräische Wort ist von einer Wurzel mit der Bedeutung "lehren, unterweisen" abgeleitet, manche Übersetzungen geben es mit "Weisung" wieder [5].

Septuaginta

Die älteste durchgehende Übersetzung der hebräisch-aramäischen Bibel ins Griechische. Sie entstand ab etwa 250 vor Christus im hellenistischen Judentum, vorwiegend in Alexandria. Der Name ist lateinisch und bedeutet "siebzig", abgekürzt LXX [6].

Psalter

Ein anderes Wort für das Buch der Psalmen, kirchenlateinisch psalterium nach dem griechischen psaltērion [7]. Die 150 Psalmen stellt die Seite Die Psalmen vor.

Begriffe aus Gebet und Gottesdienst

Amen

Eine Formel der Zustimmung zu Gebet und Segen. Das hebräische Wort stammt von einer Wurzel mit der Grundbedeutung "fest, zuverlässig sein". Christen, Juden und Muslime verwenden es in gleicher Form [8]. Die Bibel endet bei Luther mit diesem Wort: "Die Gnade unsers HERRN Jesu Christi sei mit euch allen! Amen" (Offenbarung 22,21) [1].

Halleluja

Ein hebräischer Ruf aus der Befehlsform von "rühmen, Gott preisen" und der Kurzform des Gottesnamens, übersetzt "Lobet den Herrn!" [9]. Im Judentum ist er ein liturgischer Freudengesang, im Christentum ein Aufruf zum Lob Gottes [9]. Der Psalter endet mit ihm: "Alles, was Odem hat, lobe den HERRN! Halleluja!" (Psalm 150,6) [1].

HERR

In Großbuchstaben steht HERR bei Luther dort, wo der hebräische Text den Gottesnamen JHWH hat. Die Seite Die Lutherbibel 1912 erklärt die Schreibweise genauer.

Zebaoth

Ein hebräisches Beiwort zum Gottesnamen, in neueren Übersetzungen etwa mit "der Heerscharen" wiedergegeben. In der Tora kommt es nicht vor, in den übrigen Büchern häufig, fast immer in der Verbindung mit JHWH. Ob damit die Heere Israels oder himmlische Mächte gemeint sind, bleibt offen [10]. Ein Beispiel: "Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth" (Jesaja 6,3) [1].

Sela

Ein Zeichen in den Psalmen, das Luther als "(Sela.)" in den Text setzt, etwa in Psalm 3,3 [1]. Woher das Wort kommt, ist unklar. Gedeutet wird es als Ruhepunkt im Gesang oder als Schluss einer Strophe, die griechische Septuaginta übersetzt es mit "Zwischenspiel" [11].

Botschaft, Bund und Erzählform

Bund

Ein feierliches Bündnis, ein Vertrag oder Eid, in der Bibel zwischen Menschen oder zwischen Gott und Menschen. Ein Bund Gottes wird zwischen ungleichen Partnern geschlossen, verpflichtet aber beide Seiten [12]. Nach der Sintflut sagt Gott über den Regenbogen: "der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde" (1. Mose 9,13) [1].

Evangelium

Auf Deutsch "frohe Botschaft" oder "gute Nachricht". So bezeichnet das Christentum die Botschaft, die Gott durch Jesus Christus an die Menschen richtet, und zugleich Schriften, die sie als Lebensbeschreibung Jesu erzählen [13]. Im Neuen Testament stehen vier davon, nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Das Markusevangelium beginnt: "Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes" (Markus 1,1) [1].

Messias und Christus

Das hebräische Wort bedeutet "Gesalbter", griechisch übersetzt Christós. Im Tanach meint es unter anderem den König aus dem Haus Davids, später einen erwarteten künftigen König. Die frühe Kirche bezog diese Erwartung auf Jesus von Nazareth [14]. Das Johannesevangelium übersetzt den Begriff gleich mit: "Wir haben den Messias gefunden (welches ist verdolmetscht: der Gesalbte)" (Johannes 1,41) [1].

Gleichnis

Eine bildhafte Erzählung oder ein ausgeführter Vergleich, der einen Gedanken durch etwas aus einem anderen Lebensbereich anschaulich macht [15]. In den Evangelien redet Jesus "mancherlei durch Gleichnisse" (Matthäus 13,3) [1]. Eine Liste mit Fundstellen steht unter Die Gleichnisse Jesu.

Gruppen und Ämter

Apostel

Vom griechischen apóstolos, "Gesandter, Sendbote". In der christlichen Tradition heißt so, wer von Jesus direkt mit der Verkündigung beauftragt wurde [16]. Lukas erzählt, dass Jesus aus seinen Jüngern zwölf auswählte, "welche er auch Apostel nannte" (Lukas 6,13) [1]. Ihre Namen stehen unter Die zwölf Apostel.

Pharisäer

Eine theologische und politische Schule im antiken Judentum zur Zeit des zweiten Tempels. Der Name bedeutet "Abgesonderte". Nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 wurden die Pharisäer zur treibenden Kraft des rabbinischen Judentums. Im Neuen Testament erscheinen sie teils als Gegner Jesu, vor allem aber als seine wichtigsten Gesprächspartner; an einigen Stellen werden sie Heuchler genannt. Ob diese Darstellung dem Pharisäismus der Zeit gerecht wird, beurteilt die Forschung unterschiedlich [17].

Schriftgelehrte

Kenner der heiligen Schriften des Judentums in der Antike. Den deutschen Begriff hat Luther nicht neu geschaffen, aber geprägt: Vorher meinte er Menschen mit literarischer oder juristischer Bildung, in der Lutherbibel jüdische Gelehrte [18]. Oft stehen beide Gruppen nebeneinander: "Auf Mose's Stuhl sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer" (Matthäus 23,2) [1].

Feste und Ruhetag

Sabbat

Der siebte Wochentag im Judentum, ein Ruhetag ohne Arbeit. Er dauert von Sonnenuntergang am Freitag bis zum Einbruch der Dunkelheit am Samstag, und seine Einhaltung gehört zu den Zehn Geboten [19]. Bei Luther heißt es: "aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes" (2. Mose 20,10) [1].

Passah

Das Fest erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten und gehört zu den wichtigsten Festen des Judentums, heute meist Pessach geschrieben [20]. Die Lutherbibel 1912 schreibt im Alten Testament "Passah", in den Evangelien für dasselbe Fest meist "Ostern".

Alte Wörter der Lutherbibel

Odem

Ein altes, heute nur noch dichterisch gebrauchtes Wort für Atem [21]. Es steht etwa im letzten Psalm: "Alles, was Odem hat, lobe den HERRN!" (Psalm 150,6) [1].

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Weib

Im Mittelalter das übliche Wort für eine erwachsene oder verheiratete Frau. Ab dem 17. Jahrhundert wurde es allmählich durch "Frau" verdrängt und zunehmend abwertend gebraucht [22]. Die Lutherbibel behält das ältere Wort, im Bibeltext ist es neutral gemeint: "und schuf sie einen Mann und ein Weib" (1. Mose 1,27) [1].

Feste

Das Wort bedeutet im älteren Deutsch Festigkeit oder einen befestigten Ort [23]. In der Schöpfungsgeschichte steht es für das Himmelsgewölbe, das frühe Weltbilder als Sphäre über der Erde dachten. Das lateinische Wort dafür ist firmamentum, eigentlich "Befestigungsmittel" [24]. "Es werde eine Feste zwischen den Wassern", heißt es dort, und dann: "Und Gott nannte die Feste Himmel" (1. Mose 1,6 bis 8) [1].

Sintemal und ward

"Sintemal" bedeutet "da, weil" und war bis ins 18. Jahrhundert im Kanzleistil häufig [25]. "Ward" ist die alte Form von "wurde" und gilt heute als gehoben oder veraltet [26]. Beides zeigt der Bericht vom ersten Tag: "Da ward aus Abend und Morgen der andere Tag" (1. Mose 1,8) [1].

  1. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Public Domain. eBible.org. Stand 29.12.2025. abgerufen am 29.10.2026
  2. Bibel. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Testament (Bibel). Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Kanon der Bibel. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Tora. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Septuaginta. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Psalter. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Amen. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Halleluja. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  10. Zebaot. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  11. Sela (Tonzeichen). Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  12. Bund (Bibel). Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  13. Evangelium (Glaube). Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  14. Messias. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  15. Gleichnis. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  16. Apostel. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  17. Pharisäer. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  18. Schriftgelehrter. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  19. Schabbat. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  20. Pessach. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  21. Organisation Odem. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  22. Organisation Weib. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS). Stand 2024. abgerufen am 29.10.2026
  23. Organisation Feste. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  24. Firmament. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  25. Organisation sintemal. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  26. Organisation werden. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.