Das Neue TestamentRatgeber
Der Brief an die Philipper: Einführung und alle 4 Kapitel
Der Philipperbrief hat 4 Kapitel mit 104 Versen. Paulus schreibt ihn aus der Gefangenschaft an die Gemeinde in Philippi in Makedonien, die er selbst gegründet hatte. Er dankt für eine Geldgabe, enthält den Christushymnus in Kapitel 2 und ruft mehrmals zur Freude auf, etwa in 4,4: "Freuet euch in dem HERRN allewege!"

"Freuet euch in dem HERRN allewege! Und abermals sage ich: Freuet euch!" (4,4) [3]. Diesen Satz schreibt Paulus an die Gemeinde in Philippi, während er selbst in Haft sitzt. Der Brief ist kurz, 4 Kapitel mit zusammen 104 Versen. Paulus dankt darin für eine Geldgabe, berichtet von seiner Lage, warnt vor Gegnern und zitiert in Kapitel 2 ein Lied über Christus, das in der Forschung Philipperhymnus heißt [1]. Dass Paulus den Brief geschrieben hat, ist fast unbestritten [1]. Zitiert wird nach der Lutherbibel von 1912.
Die Stadt Philippi
Philippi lag in Makedonien. Philipp von Makedonien gründete die Stadt an der Stelle der älteren Siedlung Krenides. Ab etwa 167 vor Christus stand sie unter römischer Herrschaft. Im Jahr 42 vor Christus legte Marcus Antonius dort eine Kolonie für entlassene Soldaten an, nach 31 vor Christus gründete Kaiser Augustus sie neu. Zur Zeit des Paulus hieß sie Colonia Augusta Iulia Philippensis [1]. Es lebten dort Thraker, Griechen, Makedonen und Römer, darunter Veteranen und Bauern aus Italien. Für das 1. und 2. Jahrhundert schätzt die Forschung 5.000 bis 10.000 Einwohner [1]. Wie das Reich aussah, zu dem die Kolonie gehörte, beschreibt die Seite Das Römische Reich auf geschichte.domain-root.de.
Wie die Gemeinde entstand
Die Apostelgeschichte erzählt in Kapitel 16, wie Paulus nach Philippi kam. In Troas sieht er nachts einen Mann aus Makedonien, der ihn bittet: "Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns!" (Apostelgeschichte 16,9). Philippi nennt der Bericht "die Hauptstadt des Landes Mazedonien und eine Freistadt" (16,12) [3]. Am Sabbat redet Paulus vor der Stadt am Wasser mit Frauen. Eine von ihnen ist Lydia, "eine Purpurkrämerin aus der Stadt der Thyathirer" (16,14). Sie lässt sich mit ihrem Haus taufen und nimmt die Missionare bei sich auf (16,15) [3]. Nach der deutschen Wikipedia war das die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden, gegründet auf der zweiten Missionsreise [1]. Die englische Wikipedia datiert den ersten Besuch auf die Jahre um 50 bis 52 [2].

Im 1. Brief an die Thessalonicher erinnert Paulus daran, dass er in Philippi gelitten habe und misshandelt worden sei (1. Thessalonicher 2,2) [1]. Udo Schnelle hält den Bericht der Apostelgeschichte in Teilen für legendarisch, im Kern aber für historisch [1]. Die Gemeinde blieb mit Paulus eng verbunden. Er schreibt, keine andere Gemeinde habe mit ihm "nach der Rechnung der Ausgabe und Einnahme" geteilt "als ihr allein" (4,15), und sie habe ihm auch nach Thessalonich zweimal etwas geschickt (4,16) [3].
Wann und wo der Brief entstand
Paulus schreibt als Gefangener. Er spricht von "diesem meinem Gefängnis" (1,7) und davon, dass seine Fesseln "in dem ganzen Richthause" bekannt geworden sind (1,13). Am Schluss grüßen "sonderlich aber die von des Kaisers Hause" (4,22) [3]. Wo die Haft war, sagt der Brief nicht. In Frage kommen Rom, Caesarea Maritima und Ephesus [1, 2].

Udo Schnelle spricht sich für Rom aus und datiert den Brief um das Jahr 60. Für Rom sprechen nach ihm die milde und lange Haft, wie sie Apostelgeschichte 28,30 bis 31 beschreibt, das Prätorium und die kaiserlichen Sklaven, die in Rom belegt sind. Gegen Ephesus spreche, dass die Sammlung für Jerusalem nicht erwähnt wird. Ingo Broer setzt den Brief zwischen 54 und 60 an [1]. Die englische Wikipedia nennt für Ephesus die Jahre 52 bis 55, für Caesarea 57 bis 59 und hält Rom um 62 für den wahrscheinlichsten Ort [2]. Paulus rechnet im Brief mit beiden Ausgängen seines Prozesses: "es sei durch Leben oder durch Tod" (1,20) [3].
Ein Brief oder mehrere
Seit etwa 1960 fragen Exegeten, ob der Philipperbrief aus zwei oder drei Briefen des Paulus zusammengesetzt ist. Manche halten 3,2 bis 4,9 für einen Einschub [1]. Auffällig ist der Übergang in Kapitel 3. Paulus schreibt "Weiter, liebe Brüder, freuet euch in dem HERRN!" (3,1) und warnt direkt danach scharf: "Sehet auf die Hunde, sehet auf die bösen Arbeiter" (3,2) [3]. Teilungen vorgeschlagen haben unter anderen Walter Schmithals, Joachim Gnilka, Rudolf Pesch und Günther Bornkamm, eine gemeinsame Lösung gibt es nicht [1]. Werner Georg Kümmel fand die Argumente "keineswegs überzeugend", Udo Schnelle versteht den Brief als literarische und theologische Einheit [1]. Die englische Wikipedia berichtet dagegen, dass seit den 1960er Jahren viele Forscher den Brief für eine Sammlung aus drei Briefteilen halten [2]. Die älteste erhaltene Handschrift ist der Papyrus 46 um 200 [1].
Aufbau des Briefes
Nach dem Bibeltext lässt sich der Brief so gliedern:
| Verse | Inhalt |
|---|---|
| 1,1 bis 11 | Gruß, Dank und Fürbitte |
| 1,12 bis 30 | Lage des Paulus in der Haft, Leben und Sterben |
| 2,1 bis 11 | Aufruf zur Einigkeit und Christushymnus |
| 2,12 bis 30 | Ermahnungen, Sendung von Timotheus und Epaphroditus |
| 3,1 bis 21 | Warnung vor Gegnern, der Lebensweg des Paulus |
| 4,1 bis 9 | Aufruf zur Einigkeit und zur Freude |
| 4,10 bis 23 | Dank für die Gabe, Grüße |
Inhalt im Überblick
Dank und Haft (Kapitel 1)
Der Brief geht von "Paulus und Timotheus" aus und richtet sich an alle Heiligen in Philippi "samt den Bischöfen und Dienern" (1,1) [3]. Die Einheitsübersetzung gibt diese Ämter als "Vorsteher und Helfer" wieder [1]. Paulus dankt für die "Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tage an bis her" (1,5). Seine Haft deutet er so, dass sie die Predigt eher fördert, weil andere Christen dadurch mutiger geworden seien (1,12 bis 14). Er weiß nicht, was er sich wünschen soll: "Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn" (1,21). Am Ende entscheidet er, dass es für die Gemeinde "nötiger" sei, wenn er am Leben bleibt (1,24) [3].
Der Christushymnus (Kapitel 2)
Paulus mahnt zur Einigkeit: "durch Demut achte einer den andern höher denn sich selbst" (2,3). Als Vorbild nennt er Jesus Christus und zitiert dazu einen Text in gehobener Sprache [3]. Der Hymnus beschreibt Christus, der "in göttlicher Gestalt war" (2,6). Er "entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an" (2,7) und ward "gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz" (2,8). Danach habe Gott ihn erhöht, so dass sich in seinem Namen "aller derer Kniee" beugen (2,9 bis 10) [3]. Ernst Lohmeyer vertrat 1928 die Ansicht, dass Paulus hier einen älteren Text übernimmt. Bart Ehrman hält ein Lied aus den 30er Jahren für möglich [2]. Nach der deutschen Wikipedia bot der Hymnus Ansatzpunkte für die Christologie der Alten Kirche bis hin zur Zweinaturenlehre [1].
Im zweiten Teil des Kapitels kündigt Paulus an, Timotheus zu schicken, und sendet Epaphroditus zurück. Dieser hatte das Geschenk der Gemeinde gebracht und war bei Paulus schwer erkrankt: "er war todkrank, aber Gott hat sich über ihn erbarmt" (2,27) [1, 3].
Warnung und Lebensweg (Kapitel 3)
Kapitel 3 richtet sich gegen Lehrer, die auf die Beschneidung setzen. Paulus hält ihnen seine eigene Herkunft entgegen: "am achten Tag beschnitten", "des Geschlechts Benjamin, ein Hebräer von Hebräern und nach dem Gesetz ein Pharisäer" (3,5), dazu "ein Verfolger der Gemeinde" (3,6) [3]. All das habe er "um Christi willen für Schaden geachtet" (3,7). Sein Leben beschreibt er mit einem Bild aus dem Wettlauf: "Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich zu dem, was da vorne ist" (3,13) [3]. Mehr zu seinem Werdegang steht auf der Seite Der Apostel Paulus.
Einigkeit, Freude und Dank (Kapitel 4)
Zwei Frauen werden mit Namen ermahnt: "Die Evodia ermahne ich, und die Syntyche ermahne ich, daß sie eines Sinnes seien in dem HERRN" (4,2) [3]. Die deutsche Wikipedia hält beide für wahrscheinlich leitende Personen in der Gemeinde [1]. Es folgen die Aufforderung zur Freude (4,4) und der Satz "Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu!" (4,7) [3]. Erst danach dankt Paulus für die Gabe, die Epaphroditus gebracht hat, und schreibt: "Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus" (4,13) [3].
Freude als Leitwort
Wörter wie Freude, freuen und erfreut stehen in der Lutherbibel von 1912 in 11 der 104 Verse des Briefes, von "mit Freuden" in 1,4 bis "höchlich erfreut" in 4,10 [3]. Der Theologe Johann Albrecht Bengel fasste den Brief nach der englischen Wikipedia mit den Worten "I rejoice, rejoice ye" zusammen, auf Deutsch etwa "Ich freue mich, freut ihr euch" (eigene Übersetzung) [2]. Die Freude steht dabei neben der Haft und der offenen Frage, ob Paulus den Prozess überlebt. In 2,17 verbindet er beides: "Und ob ich geopfert werde über dem Opfer und Gottesdienst eures Glaubens, so freue ich mich und freue mich mit euch allen" [3].

Die Kapitel im Überblick
Die Zitate stehen in der Schreibweise der Lutherbibel von 1912, etwa "daß" und "Mazedonien". Die vier Kapitel und ihre 104 Verse folgen der üblichen Zählung. Der Christushymnus steht in Kapitel 2, der Ruf zur Freude in Kapitel 4. Einen weiteren Brief aus der Haft schrieb Paulus an Philemon, vorgestellt auf der Seite Der Brief an Philemon. Den ersten Brief an die Gemeinde im benachbarten Thessalonich stellt die Seite Der 1. Brief an die Thessalonicher vor.
Alle Kapitel: Philipper
- Brief des Paulus an die Philipper. Wikipedia. Stand 20.10.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Epistle to the Philippians. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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