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Der Prophet Habakuk: Einführung und alle 3 Kapitel

Das Buch Habakuk hat 3 Kapitel und gehört zu den zwölf kleinen Propheten. Es beginnt mit einer Klage über Gewalt und Unrecht, auf die Gott mit der Ankündigung der Chaldäer antwortet, und endet mit einem Gebet in Versen. Der Satz "der Gerechte aber wird seines Glaubens leben" (2,4) wurde für Paulus und die Reformation wichtig.

Ein alter steinerner Wachturm auf einer felsigen Anhöhe über terrassierten Hügeln bei Morgendämmerung mit Blick ins Tal
Bild: KI-generiert

"HERR, wie lange soll ich schreien, und du willst mich nicht hören?" (1,2): Mit dieser Frage beginnt das Buch Habakuk [3]. Habakuk richtet seine Klage über Gewalt und Unrecht direkt an Gott [1]. Das Buch ist mit 3 Kapiteln kurz. Aus ihm stammt der Satz "der Gerechte aber wird seines Glaubens leben" (2,4), den Paulus aufgriff und der für Martin Luther zentral wurde [2, 3]. Den Bibeltext findest du hier in der Lutherbibel von 1912, deren Wortlaut gemeinfrei ist [3]. Jedes Kapitel hat eine eigene Seite, die Übersicht steht am Ende dieser Einführung.

Wer war Habakuk?

Über den Propheten selbst ist kaum etwas bekannt. Das Buch nennt weder seinen Vater noch seine Herkunft, nur den Namen: "Dies ist die Last, welche der Prophet Habakuk gesehen hat" (1,1) [3]. Lebensdaten sind nicht überliefert, und auch die Bedeutung des Namens ist unsicher [1]. In der griechischen Bibel heißt er Ambakoum, in der lateinischen Abacuc [1].

Eine spätere Erzählung macht ihn zu einer Figur in der Geschichte von Daniel. In dem griechischen Zusatz "Bel und der Drache", in katholischen Bibeln Daniel 14, trägt ein Engel Habakuk von Judäa nach Babylon, damit er Daniel in der Löwengrube eine Mahlzeit bringt [1]. Geschichtlich lässt sich daraus nichts über den Propheten ableiten.

Die Zeit des Habakuk

Habakuk kündigt an, Gott wolle "die Chaldäer erwecken, ein bitteres und schnelles Volk" (1,6) [3]. Gemeint sind die Neubabylonier [1]. Die Forschung datiert das Buch deshalb meist in die Mitte bis zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts, nach dem Fall Ninives 612 und vor der Belagerung Jerusalems 587 vor Christus. Am wahrscheinlichsten gilt die Regierungszeit König Jojakims von Juda ab 609 vor Christus [2]. Die Alttestamentler Jörg Jeremias und Eckart Otto setzen sein Auftreten in Jerusalem um 600 vor Christus an [1]. Den Aufstieg Babylons beschreibt geschichte.domain-root.de auf der Seite Babylonien.

Eine Staubwolke von einer fernen Pferdekolonne über einer trockenen Ebene bei Sonnenuntergang, von einem Hügel gesehen
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Aufbau des Buches

Das Buch hat drei Teile, die sich deutlich voneinander unterscheiden [1, 2].

TeilVerseInhalt
Zwiegespräch1,2 bis 2,5zwei Klagen des Propheten, zwei Antworten Gottes
Weherufe2,6 bis 20fünf Weherufe gegen einen Gewaltherrscher
Gebet3,1 bis 19Psalm über das Kommen Gottes, Bekenntnis des Vertrauens

Inhalt im Überblick

Die erste Klage und Gottes Antwort (1,2 bis 11)

Habakuk klagt über Zustände im eigenen Land: "Raub und Frevel sind vor mir. Es geht Gewalt über Recht" (1,3). Das Gesetz sei "ohnmächtig", der Gottlose übervorteile den Gerechten (1,4) [3]. Gott antwortet mit der Ankündigung eines fremden Heeres, der Chaldäer. Das Buch beschreibt sie mit Bildern aus der Tierwelt, ihre Pferde seien "schneller denn die Parder", ihre Reiter flögen herbei, "wie die Adler eilen zum Aas" (1,8) [3].

Eine glatte, unbeschriebene Tontafel lehnt an einer Steinmauer neben einem hölzernen Griffel im seitlichen Licht
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Die zweite Klage (1,12 bis 17)

Damit gibt sich Habakuk nicht zufrieden. Wenn Gott rein ist, warum sieht er dann zu, "daß der Gottlose verschlingt den, der frömmer als er ist" (1,13)? Er vergleicht die Menschen mit Fischen, die der Eroberer mit Haken und Netz fängt. Der Eroberer ehrt sogar sein Netz: "Darum opfern sie ihrem Netz und räuchern ihrem Garn" (1,16) [3].

Die Tafel und der Gerechte (2,1 bis 5)

Habakuk stellt sich wie ein Wächter auf seinen Posten und wartet auf Antwort (2,1). Gott befiehlt ihm: "Schreib das Gesicht und male es auf eine Tafel, daß es lesen könne, wer vorüberläuft!" (2,2) [3]. Die Erfüllung werde kommen, auch wenn sie sich verzögere: "Ob sie aber verzieht, so harre ihrer" (2,3). Dann folgt der Kernsatz: "Siehe, wer halsstarrig ist, der wird keine Ruhe in seinem Herzen haben; der Gerechte aber wird seines Glaubens leben" (2,4) [3]. Die griechische Bibel übersetzt "aus dem Glauben". Weil das griechische Wort pistis sowohl Glaube als auch Treue heißt und im Vers Gott spricht, halten manche Ausleger "durch meine Treue" für näherliegend [1].

Die Weherufe (2,6 bis 20)

Es folgen fünf Weherufe gegen einen Herrscher, der sich auf Kosten anderer bereichert. Sie beginnen etwa mit "Weh dem, der sein Gut mehrt mit fremden Gut!" (2,6) oder "Weh dem, der die Stadt mit Blut baut" (2,12) [3]. Ein bekanntes Bild steht in 2,11: "Denn auch die Steine in der Mauer werden schreien" [3]. Zwischen die Drohungen ist ein Satz der Hoffnung gesetzt: "Denn die Erde wird voll werden von Erkenntnis der Ehre des HERRN, wie Wasser das Meer bedeckt" (2,14) [3]. Der letzte Weheruf richtet sich gegen Götzenbilder aus Holz und Stein, in denen "kein Odem" ist (2,19). Der Abschnitt schließt mit dem Satz: "Aber der HERR ist in seinem heiligen Tempel. Es sei vor ihm still alle Welt!" (2,20) [3].

Das Gebet (Kapitel 3)

Kapitel 3 trägt eine eigene Überschrift. Luther übersetzt sie mit "Dies ist das Gebet des Propheten Habakuk für die Unschuldigen" (3,1) [3]. Im Hebräischen steht dort ein Wort, dessen Bedeutung unbekannt ist und das wohl eine musikalische Angabe ist [2]. Der Psalm beschreibt, wie Gott "vom Mittag" kommt und Berge und Meer erbeben (3,3 bis 15) [3]. Das Gebet endet mit einem Bekenntnis, das viele kennen: Es nennt zuerst, was ausbleibt: "Denn der Feigenbaum wird nicht grünen" und keine Rinder werden in den Ställen sein (3,17). Dann heißt es: "Aber ich will mich freuen des HERRN und fröhlich sein in Gott, meinem Heil" (3,18) [3]. Der letzte Vers schließt mit der Anweisung "Vorzusingen auf meinem Saitenspiel" (3,19) [3]. Dreimal steht im Gebet der Einschub "Sela" (3,3, 3,9 und 3,13) [3].

Wie das Buch entstanden ist

Nach Jörg Jeremias und Eckart Otto geht der Kern auf einen Propheten um 600 vor Christus zurück. Im babylonischen Exil wurde das Buch überarbeitet, und der Psalm in Kapitel 3 kam erst nach dem Exil hinzu [1]. Klaus Seybold setzt die Worte von der Tafel schon um 630 vor Christus an und den Psalm ins 4. Jahrhundert [1]. Der Psalm gilt heute als liturgisches Stück [2].

Unter den Schriftrollen vom Toten Meer fand sich ein Kommentar zu Habakuk aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts vor Christus, der sogenannte Habakuk-Pescher. Er legt nur die Kapitel 1 und 2 aus, Kapitel 3 fehlt darin [2]. Eine Prophetenrolle aus dem Wadi Murabbaat, entstanden zwischen 75 und 100 nach Christus, enthält dagegen auch Kapitel 3 [2].

Der Satz vom Gerechten und seine Wirkung

Habakuk 2,4 wird im Neuen Testament dreimal zitiert. Paulus führt den Satz im Römerbrief (Römer 1,17) und im Galaterbrief (Galater 3,11) an, um zu begründen, dass der Mensch durch den Glauben gerecht wird. Der Hebräerbrief (Hebräer 10,38) nutzt ihn als Aufruf, durchzuhalten [1, 2]. In der Reformation wurde der Vers zu einem der wichtigsten Belege. Martin Luther las ihn als Aussage, dass allein der Glaube rettet [2].

Ein kahler Feigenbaum und ein leerer steinerner Schafpferch an einem trockenen Hang mit Olivenbäumen in der Ferne
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Auch im Judentum hat der Satz Gewicht. Nach dem Babylonischen Talmud führte Habakuk alle 613 Gebote der Tora auf den einen Grundsatz zurück, dass der Gerechte durch seine Treue lebt [1]. Die Verse 2,20 bis 3,19 werden am zweiten Tag des Wochenfestes Schawuot in der Synagoge gelesen, wo dieser Tag als Feiertag begangen wird [1].

Habakuk in Kunst und Geschichte

In Florenz steht eine Marmorfigur Donatellos, die als Habakuk gilt und wegen ihres kahlen Kopfes "Lo Zuccone" heißt. In Rom gestaltete Gian Lorenzo Bernini für die Chigi-Kapelle in Santa Maria del Popolo eine Figur Habakuks [1]. Auch ein ungewöhnliches Projekt aus dem Zweiten Weltkrieg trägt seinen Namen: Großbritannien plante unter dem Namen "Habbakuk" einen Flugzeugträger aus Pykrete, einem Werkstoff auf Eisbasis, der nie gebaut wurde. Der Name soll auf Habakuk 1,5 anspielen, wahrscheinlicher ist ein Bezug auf die Erzählung von Daniel in der Löwengrube [1]. Die römisch-katholische Kirche erinnert am 2. Dezember oder 15. Januar an den Propheten [1].

Stellung in der Bibel

Habakuk ist der achte der zwölf kleinen Propheten. Er steht nach Nahum und vor Zephanja [1]. In der Hebräischen Bibel bilden die zwölf ein gemeinsames Buch, die Lutherbibel führt sie als einzelne Bücher in derselben Reihenfolge. Einen Überblick über alle Prophetenbücher gibt die Seite Die Propheten des Alten Testaments.

Die Kapitel im Überblick

Die Zitate auf dieser Seite folgen der Lutherbibel von 1912 mit Schreibweisen wie "daß", "Parder" für Leoparden und "Chaldäer" [3]. Wer nur ein Kapitel lesen will, beginnt mit Kapitel 2, in dem die Tafel, der Satz vom Gerechten und die Weherufe stehen.

Alle Kapitel: Habakuk

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  1. Habakuk. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Book of Habakkuk. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Habakuk. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.