Das Alte TestamentRatgeber

Der Prophet Joel: Einführung und alle Kapitel

Das Buch Joel ist das zweite der zwölf kleinen Propheten. Es beschreibt eine Heuschreckenplage und Dürre als Vorzeichen des Tages des HERRN, ruft zur Umkehr und verheißt die Ausgießung des Geistes über alle Menschen. Die meisten Forscher datieren es heute ins 4. Jahrhundert vor Christus.

Ein vertrocknetes Weizenfeld unter blassem dunstigem Himmel mit kahlen Halmen und rissigem Boden zur Mittagszeit
Bild: KI-generiert

"Zerreißet eure Herzen und nicht eure Kleider, und bekehret euch zu dem HERRN, eurem Gott!" (2,13): Mit diesem Ruf zur Umkehr ist das Buch Joel bekannt geworden, ebenso mit der Verheißung, Gott werde seinen Geist "über alles Fleisch" ausgießen (3,1). Das Buch ist kurz und beginnt mit einer Naturkatastrophe: Heuschrecken haben das Land kahl gefressen, eine Dürre folgt. Den Bibeltext findest du hier in der Lutherbibel von 1912, deren Wortlaut gemeinfrei ist [2]. Jedes Kapitel hat eine eigene Seite, die Übersicht steht am Ende dieser Einführung.

Wer war Joel?

Über den Propheten sagt das Buch nur einen Satz: "Dies ist das Wort des HERRN, das geschehen ist zu Joel, dem Sohn Pethuels" (1,1) [2]. Der Name bedeutet "JHWH ist Gott" und ist selbst eine Art Bekenntnis [1]. Weitere Angaben über seine Person, seinen Ort oder seine Zeit fehlen. Ein Teil der neueren Forschung bezweifelt deshalb, dass hinter dem Buch eine einzelne historische Gestalt steht. Sie liest es eher als Werk von Schriftgelehrten, die ältere Prophetentexte für ihre eigene Zeit auslegten [1].

Wann das Buch entstanden ist

Weil die Überschrift keinen König nennt, ist die Datierung offen. Ältere Ausleger setzten Joel ins 8. Jahrhundert vor Christus, also in die Zeit von Hosea und Amos [1]. Die meisten Forscher datieren das Buch heute in die Zeit nach dem Exil, um das 4. Jahrhundert vor Christus, in die späte persische oder frühe hellenistische Zeit. Daneben gibt es Vorschläge zwischen 600 und 587/586 sowie zwischen 520 und 500 vor Christus [1].

Eine alte steinerne Hafenmauer an der Mittelmeerküste mit ruhigem Wasser und kleinen Holzbooten in der Dämmerung
Bild: KI-generiert

Für die späte Datierung sprechen mehrere Beobachtungen [1]:

  • Das Buch greift Worte älterer Propheten auf und kehrt sie teilweise um.
  • Ein König kommt nicht vor; Priester und Tempelgottesdienst stehen im Mittelpunkt.
  • Tyrus, Sidon und die Philister verkaufen Menschen aus Juda "den Griechen" (4,6), was auf den Sklavenhandel in die griechische Welt deutet.
  • Die Bilder vom Weltgericht erinnern an spätere apokalyptische Texte.

Die Worte gegen Tyrus und Sidon (4,4 bis 8) gelten als Nachtrag, ebenso 4,18 bis 21. Sie könnten sich auf Zerstörungen von Sidon und Tyrus zwischen 345 und 330 vor Christus beziehen [1]. Nach Ulrich Dahmen stammt das Buch im Übrigen von einem Verfasserkreis und ist in einem Zug entstanden [1]. Zur Geschichte der beiden Hafenstädte bietet geschichte.domain-root.de die Seite Die Phönizier.

Aufbau und Kapitelzählung

Nach der hebräischen Zählung hat das Buch 4 Kapitel und zerfällt in zwei Hälften [1]. Die Kapitel 1 und 2 erzählen von Klage, Fasten und Umkehr und blicken auf eine Not zurück. Die Kapitel 3 und 4 sind Gottesrede und kündigen Künftiges an [1].

AbschnittStelle (hebräische Zählung)Inhalt
Heuschrecken und Dürre1,1 bis 20Klage über die Plage, Aufruf zu Fasten und Gebet
Der Tag des HERRN2,1 bis 11ein Heer wie Heuschrecken, Finsternis
Ruf zur Umkehr2,12 bis 17"Zerreißet eure Herzen"
Gottes Antwort2,18 bis 27Regen, Ernte, Ersatz der verlorenen Jahre
Ausgießung des Geistes3,1 bis 5Geist über alle, Zeichen an Sonne und Mond
Gericht über die Völker4,1 bis 21Tal Josaphat, Heil für Juda und Jerusalem

Die Ausgabe der Lutherbibel 1912 bei eBible.org ordnet den Text nach der englischen Zählung mit 3 Kapiteln und nennt die hebräischen Versnummern in Klammern. Dort gehört der Abschnitt 3,1 bis 5 als Verse 28 bis 32 noch zu Kapitel 2, und Kapitel 4 heißt Kapitel 3 [2]. Auf dieser Website gibt es 3 Kapitelseiten aus dem alten Bestand mit einer dritten Lösung: Kapitel 1 und 2 entsprechen der hebräischen Zählung, Kapitel 3 enthält die Kapitel 3 und 4 hintereinander. Die hebräischen Verse 3,1 bis 5 stehen dort als Verse 1 bis 5 und die Verse 4,1 bis 21 als Verse 6 bis 26: Zur Versnummer aus Kapitel 4 zählst du 5 dazu. Den Vers 4,10 findest du dort also als Vers 15, den Vers 4,2 als Vers 7 und den Vers 4,16 als Vers 21. Die Zitate auf dieser Seite folgen der hebräischen Zählung.

Inhalt im Überblick

Heuschrecken und Dürre (Kapitel 1)

Das Buch beginnt mit einer Frage an die Ältesten, ob "solches geschehen sei zu euren Zeiten oder zu eurer Väter Zeiten" (1,2). Dann zählt es die Fresser auf: "Was die Raupen lassen, das fressen die Heuschrecken; und was die Heuschrecken lassen, das fressen die Käfer" (1,4) [2]. Die Plage wird als Volk beschrieben, das "Zähne wie Löwen" hat und den Feigenbaum abschält, "daß seine Zweige weiß dastehen" (1,6 bis 7) [2]. Danach kommen Dürre und Feuer: "die Wasserbäche sind ausgetrocknet" (1,20). Priester und Volk sollen fasten und klagen, denn "der Tag des HERRN ist nahe" (1,15) [2]. Die Darstellung erinnert an die Heuschreckenplage in 2. Mose 10 [1].

Nahaufnahme einer Wüstenheuschrecke auf einem trockenen Grashalm vor einem unscharfen goldenen Feld im warmen Licht
Bild: KI-generiert

Der Tag des HERRN und der Ruf zur Umkehr (Kapitel 2)

Kapitel 2 beginnt mit einem Alarm: "Blaset mit der Posaune zu Zion" (2,1). Der Tag des HERRN wird so beschrieben: "Ein finstrer Tag, ein dunkler Tag", und ein Heer zieht heran, das wie Rosse rennt und über Mauern steigt (2,2 bis 9) [2]. Dann die Wende: "Doch spricht auch jetzt der HERR: Bekehrt euch zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, mit Weinen, mit Klagen!" (2,12). Gott sei "gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte" (2,13), und Vers 14 lässt offen: "Wer weiß, es mag ihn wiederum gereuen" [2].

Ab 2,18 antwortet Gott. Er schickt Regen, die Tennen werden voll Korn, und er verspricht: "Und ich will euch die Jahre erstatten, welche die Heuschrecken, Käfer, Geschmeiß und Raupen, mein großes Heer, so ich unter euch schickte, gefressen haben" (2,25) [1, 2].

Der Geist über alles Fleisch (Kapitel 3)

Das kurze Kapitel 3 enthält die bekannteste Stelle des Buches: "Und nach diesem will ich meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen; eure Ältesten sollen Träume haben, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen" (3,1) [2]. Es folgen Zeichen am Himmel: "die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden" (3,4). Am Ende steht die Zusage: "wer des HERRN Namen anrufen wird, der soll errettet werden" (3,5) [2].

Das Gericht im Tal Josaphat (Kapitel 4)

Im letzten Teil versammelt Gott die Völker: "will ich alle Heiden zusammenbringen und will sie in das Tal Josaphat hinabführen" (4,2) [2]. Das Tal wird oft mit dem Kidrontal bei Jerusalem gleichgesetzt; seine genaue Lage ist unbekannt [1]. Dort steht auch der Vers, der oft dem bekannten Wort bei Jesaja 2,4 gegenübergestellt wird [1]; fast gleich lautet Micha 4,3. Dort sollen die Völker "ihre Schwerter zu Pflugscharen" machen, bei Joel ruft Gott sie zum Krieg: "Macht aus euren Pflugscharen Schwerter und aus euren Sicheln Spieße!" (4,10) [1, 2]. Das Buch endet mit Bildern von Fülle, die Berge "von süßem Wein triefen", und mit dem Satz "Und der HERR wird wohnen zu Zion" (4,18 und 4,21) [2].

Joel im Zwölfprophetenbuch

In der hebräischen Bibel steht Joel an zweiter Stelle der zwölf kleinen Propheten, zwischen Hosea und Amos [1]. Die Lutherbibel folgt dieser Reihenfolge. Mit dem Nachbarbuch verbindet Joel ein Bild: Kurz vor dem Schluss heißt es "Und der HERR wird aus Zion brüllen" (4,16), und das Buch Amos beginnt in 1,2 mit demselben Satz [2, 3]. Nach Dahmen hat später das Buch Jona Formulierungen aus Joel aufgenommen [1]. Einen Überblick über alle Prophetenbücher gibt die Seite Die Propheten des Alten Testaments.

Ein schmales felsiges Tal unter einer alten Stadtmauer bei Sonnenaufgang mit Olivenbäumen an den Hängen
Bild: KI-generiert

Nachwirkung

Im Neuen Testament spielt Joel eine große Rolle für das Pfingstfest. In der Apostelgeschichte deutet Petrus das Sprachenwunder mit den Worten: "sondern das ist's, was durch den Propheten Joel zuvor gesagt ist" (Apostelgeschichte 2,16), und zitiert dann die Verheißung des Geistes [1, 2]. Mehr dazu steht auf der Seite Das Pfingstwunder in der Apostelgeschichte. Paulus nimmt Joel 3,5 im Römerbrief auf: "wer den Namen des HERRN wird anrufen, soll selig werden" (Römer 10,13) [1, 2]. Die Offenbarung des Johannes erinnert in ihren Bildern von der Finsternis und von den Heuschrecken an Joel [1].

In der katholischen Kirche wird Joel 2,12 bis 18 am Aschermittwoch gelesen, Joel 3,1 bis 5 am Vorabend von Pfingsten [1]. Der gregorianische Gesang "Canite tuba in Sion" nimmt den Posaunenruf aus Joel auf [1].

Die Kapitel im Überblick

Die Zitate auf dieser Seite folgen der Lutherbibel von 1912 mit Schreibweisen wie "daß" und "Pethuels". Denk bei Kapitel 3 an die besondere Zählung: Die Kapitelseite 3 beginnt mit der Ausgießung des Geistes (3,1 bis 5) und setzt ab Vers 6 mit dem Gericht im Tal Josaphat fort (4,1 bis 21) [2]. Für einen ersten Eindruck eignet sich Kapitel 2, das von der Drohung über den Ruf zur Umkehr bis zur Zusage reicht.

Alle Kapitel: Joel

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  1. Joel. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Joel. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912), Amos. eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.