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Der Brief des Judas: Einführung und Text in 25 Versen
Der Judasbrief ist einer der kürzesten Texte des Neuen Testaments: ein Kapitel mit 25 Versen. Der Absender nennt sich "Judas, ein Knecht Jesu Christi, ein Bruder aber des Jakobus" und warnt die Leser vor Menschen, die sich in ihre Gemeinde eingeschlichen hätten. Bekannt ist der Brief auch, weil er das Henochbuch zitiert, das nicht zur Bibel der meisten Kirchen gehört.

Der Judasbrief ist kurz. Er hat nur ein Kapitel mit 25 Versen und steht in der Lutherbibel als vorletztes Buch, direkt vor der Offenbarung [3]. Der Absender schreibt, er habe eigentlich über das gemeinsame Heil schreiben wollen, halte es aber für nötig, die Leser zu ermahnen, "daß ihr für den Glauben kämpfet, der einmal den Heiligen übergeben ist" (Vers 3) [3]. Anlass sind Menschen, die sich nach seinen Worten in die Gemeinde eingeschlichen haben. Gegen sie richtet sich fast der ganze Brief, in einer Sprache voller Bilder und Beispiele aus dem Alten Testament [1, 3]. Auffällig ist, dass der Brief auch Schriften heranzieht, die nicht in der Bibel stehen, darunter das Henochbuch [1, 2]. Der Text steht hier in der Lutherbibel von 1912 auf einer eigenen Kapitelseite.
Wer sich als Absender nennt
Der erste Vers lautet: "Judas, ein Knecht Jesu Christi, ein Bruder aber des Jakobus" (Vers 1) [3]. Der Name Judas war damals verbreitet. Weil der Schreiber sich über seinen Bruder Jakobus vorstellt, denken viele an den Jakobus, der die Gemeinde in Jerusalem leitete und als Bruder Jesu galt [1]. Das Markusevangelium nennt unter den Brüdern Jesu einen Jakobus und einen Judas: "Ist er nicht der Zimmermann, Marias Sohn, und der Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon?" (Markus 6,3) [1, 3]. Die Kirchenväter hielten den Verfasser dagegen für den Apostel Judas Thaddäus. Judas Ischariot kommt nicht in Frage [1].
Die heutige Forschung hält den Namen nach dem deutschen Wikipedia-Artikel weitgehend für ein Pseudonym, das sich an die Autorität des Herrenbruders Jakobus anlehnt. Als Hinweis gilt Vers 17, der auf die Apostel zurückblickt wie auf eine frühere Generation: "erinnert euch der Worte, die zuvor gesagt sind von den Aposteln unsers HERRN Jesu Christi" (Vers 17) [1, 3]. Der Vers kann allerdings auch nur auf die Worte der Apostel zielen, ohne dass sie schon gestorben sein müssen [1]. Die englische Wikipedia drückt es vorsichtiger aus: Der Brief sei wohl im späten 1. Jahrhundert geschrieben, und manche hielten ihn für pseudepigraphisch [2].
Wann und für wen er geschrieben wurde
Eine sichere Datierung gibt es nicht. Die Vorschläge reichen nach dem deutschen Wikipedia-Artikel von 50 bis 120 nach Christus, die englische Wikipedia nennt einen Rahmen von etwa 50 bis 110 [1, 2]. Auch die Empfänger bleiben unbestimmt. Der Brief spricht sie nur allgemein an als "Berufenen, die da geheiligt sind in Gott, dem Vater, und bewahrt in Jesu Christo" (Vers 1) [1, 3]. Eine Stadt oder Landschaft nennt er nicht.
Aufbau des Briefes
Auf den Briefkopf folgen die Warnung vor den Gegnern mit Beispielen für Gottes Gericht, ab Vers 20 die Ermahnung an die Leser und zum Schluss ein Lobpreis [1]. Nach den Versen lässt sich der Brief so einteilen [1, 3]:
| Verse | Abschnitt |
|---|---|
| 1 bis 2 | Absender, Empfänger, Gruß |
| 3 bis 4 | Anlass: Eindringlinge in der Gemeinde |
| 5 bis 7 | Drei Beispiele für Strafe: Volk nach dem Auszug, Engel, Sodom und Gomorra |
| 8 bis 16 | Beschreibung der Gegner, Michael und der Teufel, Kain, Bileam und Korah, Henochzitat |
| 17 bis 23 | Erinnerung an die Apostel und Mahnung an die Leser |
| 24 bis 25 | Lobpreis Gottes |
Inhalt im Überblick
Der Brief hat nur 25 Verse. Der Überblick geht sie in vier Abschnitten durch: die Eindringlinge, Beispiele aus der Vergangenheit, Bilder für die Gegner und der Schluss mit Mahnung und Lobpreis.

Die Eindringlinge (Verse 3 bis 4)
Der Brief beschreibt die Gegner nicht mit einer Lehre, die man genau benennen könnte. Er wirft ihnen vor, sie "ziehen die Gnade unsers Gottes auf Mutwillen und verleugnen Gott und unsern HERRN Jesus Christus" (Vers 4) [3]. Der deutsche Wikipedia-Artikel fasst die Vorwürfe so zusammen: Die Gegner nehmen an den Liebesmahlen der Gemeinde teil, folgen ihren Begierden, reden große Worte und verursachen Spaltungen [1].
Beispiele aus der Vergangenheit (Verse 5 bis 7)
Drei Fälle aus der Überlieferung sollen zeigen, dass Ungehorsam bestraft wird. Der erste erinnert daran, dass der HERR das Volk aus Ägypten rettete und danach "umbrachte, die da nicht glaubten" (Vers 5). Der zweite nennt Engel, die "ihr Fürstentum nicht bewahrten" und nun "mit ewigen Banden in der Finsternis" auf das Gericht warten (Vers 6). Der dritte sind Sodom und Gomorra (Vers 7) [3].
Michael, Kain und Bilder aus der Natur (Verse 8 bis 13)
Die Gegner nennt der Brief "Träumer", die "die Herrschaft aber verachten und die Majestäten lästern" (Vers 8). Als Gegenbild erzählt er vom Erzengel Michael, der mit dem Teufel "über den Leichnam Mose's" stritt und trotzdem kein Urteil sprach, sondern nur sagte: "Der HERR strafe dich!" (Vers 9) [3]. Dann folgen drei Namen aus dem Alten Testament: Die Gegner "gehen den Weg Kains und fallen in den Irrtum des Bileam um Gewinnes willen und kommen um in dem Aufruhr Korahs" (Vers 11) [3].
In den Versen 12 und 13 folgt eine Reihe von Bildern. Darin heißen die Gegner "Wolken ohne Wasser, von dem Winde umgetrieben, kahle, unfruchtbare Bäume, zweimal erstorben und ausgewurzelt", dazu "wilde Wellen des Meeres" und "irre Sterne" [3].
Mahnung und Lobpreis (Verse 17 bis 25)
Am Ende wendet sich der Schreiber wieder den Lesern zu. Sie sollen sich erbauen "auf euren allerheiligsten Glauben" (Vers 20) und mit den Schwankenden unterschiedlich umgehen: "daß ihr euch etlicher erbarmet" (Vers 22) [3]. Der Brief schließt mit einem Lobpreis, einer sogenannten Doxologie: "dem Gott, der allein weise ist, unserm Heiland, sei Ehre und Majestät und Gewalt und Macht nun und zu aller Ewigkeit! Amen." (Vers 25) [2, 3].
Zitate aus Henoch und der Himmelfahrt des Mose
Die Verse 14 und 15 führen eine Weissagung ein, die von "Henoch, der siebente von Adam" stamme: "Siehe, der HERR kommt mit vielen tausend Heiligen, Gericht zu halten über alle" (Verse 14 bis 15) [3]. Das ist nach der englischen Wikipedia ein direktes Zitat aus dem 1. Henochbuch, Kapitel 1, Vers 9 [2]. Das Henochbuch ist eine jüdische Schrift, die die meisten Kirchen nicht zur Bibel zählen. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche hat sie in ihrem Kanon [2]. Im 1. Buch Mose wird Henoch nur kurz erwähnt: "nahm ihn Gott hinweg, und er ward nicht mehr gesehen" (1. Mose 5,24) [3].

Auch der Streit zwischen Michael und dem Teufel um den Leichnam des Mose (Vers 9) steht nicht im Alten Testament. Origenes ordnete den Stoff einer Schrift mit dem Titel Himmelfahrt des Mose zu [1]. Die englische Wikipedia führt die Episode auf diese Schrift zurück; in den erhaltenen Abschriften fehlt sie, und James Charlesworth bestreitet, dass sie je darin stand [2]. Das 5. Buch Mose sagt über das Grab des Mose nur: "niemand hat sein Grab erfahren bis auf diesen heutigen Tag" (5. Mose 34,6) [3].
Verwandtschaft mit dem 2. Petrusbrief
Große Teile des Judasbriefs kehren im 2. Petrusbrief wieder, vor allem in dessen Kapitel 2 bis 3,3 [1]. Das zeigt ein Vergleich der Bilder. Judas spricht von "Wolken ohne Wasser" (Vers 12) und von Sternen, "welchen behalten ist das Dunkel der Finsternis in Ewigkeit" (Vers 13). Der 2. Petrusbrief schreibt: "Das sind Brunnen ohne Wasser, und Wolken, vom Windwirbel umgetrieben, welchen behalten ist eine dunkle Finsternis in Ewigkeit" (2. Petrus 2,17) [3]. Auch die gefesselten Engel in der Finsternis und Sodom und Gomorra kommen in beiden Briefen vor [1, 3].
Bis ins frühe 20. Jahrhundert galt der 2. Petrusbrief als der ältere Text. Heute nimmt die Mehrheit der Forscher an, dass er den Judasbrief benutzt hat. Dafür spricht unter anderem der geschlossene Aufbau des Judasbriefs [1, 2]. Eine Gegenstimme verweist darauf, dass Vers 18, der Spötter für die letzte Zeit ankündigt, 2. Petrus 3,3 fast entspricht [1]. Mehr dazu steht in der Einführung zum 2. Brief des Petrus.
Stellung im Kanon
Der Judasbrief gehörte zu den Schriften, über deren Platz im Neuen Testament lange gestritten wurde. Clemens von Alexandria, Tertullian und der Muratorische Kanon zählten ihn zu den anerkannten Schriften [2]. Hieronymus schrieb im Jahr 392, viele lehnten den Brief ab, vor allem wegen des Zitats aus dem Henochbuch [2]. Martin Luther stellte ihn in seiner Übersetzung zusammen mit dem Hebräerbrief, dem Jakobusbrief und der Offenbarung an das Ende der Bibel [4]. Deshalb steht er in der Lutherbibel von 1912 vor der Offenbarung und nicht bei den übrigen Briefen der Apostel [3]. Wie die Sammlung der biblischen Bücher zustande kam, erklärt die Seite Kanon und Apokryphen.

Der Text in 25 Versen
Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "Mose's" und "daß". Die Zählung der 25 Verse stimmt mit der üblichen Zählung überein [2, 3]. Weil der Brief nur ein Kapitel hat, steht der ganze Text auf der Seite Judas 1. Zum Jakobus, auf den sich der Absender beruft, passt die Einführung in den Brief des Jakobus. Was die Bibel sonst über Michael und andere Engel erzählt, sammelt die Seite Engel in der Bibel. Wie sich das Christentum in den ersten Jahrhunderten ausbreitete, steht auf geschichte.domain-root.de unter Die Ausbreitung des Christentums.
Alle Kapitel: Judas
- Judasbrief. Wikipedia. Stand 08.10.2026. abgerufen am 29.10.2026
- Epistle of Jude. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Epistle of James. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
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