Das Neue TestamentRatgeber

Der 3. Brief des Johannes: Einführung zum kürzesten Brief

Der 3. Johannesbrief hat nur ein Kapitel mit 14 oder 15 Versen, je nach Zählung, und ist nach Wortzahl das kürzeste Buch des Neuen Testaments. Ein Absender, der sich "der Älteste" nennt, schreibt an Gajus, lobt ihn für die Aufnahme reisender Missionare und beklagt sich über Diotrephes, der seine Boten abweist. Datiert wird der Brief meist auf das späte 1. oder frühe 2. Jahrhundert.

Ein Wanderstab und eine Ledertasche lehnen an der offenen Holztür eines einfachen Steinhauses im warmen Abendlicht
Bild: KI-generiert

Der Brief beginnt ohne Umschweife: "Der Älteste: Gajus, dem Lieben, den ich liebhabe in der Wahrheit" (Vers 1) [3]. Mit 218 Wörtern im griechischen Text ist er der kürzeste Brief des Neuen Testaments [1]. Die englische Wikipedia nennt ihn nach der Wortzahl sogar das kürzeste Buch der ganzen Bibel, auch wenn der 2. Johannesbrief weniger Verse hat [2]. In 15 Versen geht es um eine praktische Frage: Wer nimmt die reisenden Missionare auf, und wer weist sie ab? Der Text des Briefes steht auf einer eigenen Seite, 3. Johannes 1.

Absender, Empfänger und Form

Der 3. Johannesbrief hat die Form eines antiken Privatbriefs. Es fehlt allerdings der übliche Gruß im Briefeingang [1]. Der Absender nennt sich nur mit einem Titel: "Der Älteste" [1, 3]. Empfänger ist Gajus, wie Luther den Namen Gaius schreibt. Über ihn berichtet das Neue Testament sonst nichts [1]. Der Name selbst kommt öfter vor, etwa bei einem Begleiter des Paulus in Ephesus (Apostelgeschichte 19,29), bei "Gajus von Derbe" (Apostelgeschichte 20,4) und bei einem Gastgeber der Gemeinde in Korinth (Römer 16,23) [3]. Dass einer von ihnen der Empfänger dieses Briefes ist, lässt sich nicht zeigen.

Ein kleines gefaltetes und verschnürtes Papyrusblatt liegt auf einem steinernen Fenstersims neben einer Öllampe aus Ton
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Die englische Wikipedia beschreibt Gajus als wohlhabenden Mann, den der Älteste vielleicht selbst für den Glauben gewonnen hat und den er deshalb zu seinen "Kindern" zählt [2]. Der Brief sagt: "Ich habe keine größere Freude denn die, daß ich höre, wie meine Kinder in der Wahrheit wandeln" (Vers 4) [3]. Die Apostolischen Konstitutionen machen Gajus zum Bischof von Pergamon. Für diese Angabe gibt es keine frühen Belege [2].

Wer "der Älteste" war

Die kirchliche Überlieferung sieht im Absender den Evangelisten Johannes. Viele Forscher denken stattdessen an den Presbyter Johannes, den Papias von Hierapolis um 130 erwähnt, oder an einen Vertreter einer johanneischen Schule [1, 4]. Schon Hieronymus kannte die Ansicht, der Presbyter sei eine andere Person als der Apostel Johannes, schrieb die Briefe selbst aber dem Apostel zu [2]. C. H. Dodd kam zu dem Schluss, dass man bei der Frage nach dem Verfasser auf Vermutungen angewiesen sei [2].

Die englische Wikipedia hält es für fast sicher, dass der 3. Johannesbrief denselben Verfasser hat wie der 2. Johannesbrief, und für wahrscheinlich, dass das auch für den 1. Johannesbrief gilt [2]. Die deutsche Wikipedia berichtet, dass manche Forscher mindestens den 2. und den 3. Johannesbrief dem Presbyter Johannes zuschreiben [4]. Rudolf Bultmann vertrat als Minderheit die Ansicht, der 2. Johannesbrief sei eine Fälschung nach dem Vorbild des dritten [2]. Mit dem Johannesevangelium teilen die Briefe Themen und Stil, etwa das Gebot der Liebe [4].

Auch die Datierung hängt an diesen Fragen. Wikipedia nennt je nach Lehrmeinung die Zeit zwischen etwa 50 und 130 nach Christus [1]. Die meisten Schätzungen liegen im späten 1. Jahrhundert: C. H. Dodd nennt 96 bis 110, Raymond E. Brown 100 bis 110, David Rensberger um 100. John A. T. Robinson datierte deutlich früher, auf etwa 60 bis 65 [2]. Wo der Brief geschrieben wurde, sagt er nicht. Die Überlieferung nennt Ephesus [1, 2].

Aufbau des Briefes

Wikipedia gliedert die 15 Verse so [1]:

VerseAbschnittInhalt
1 bis 4Anschrift und Eingangder Älteste an Gajus, Wunsch für sein Wohl, Freude über seinen Wandel
5 bis 8GastfreundschaftGajus soll die reisenden Missionare unterstützen
9 bis 10Diotrepheserkennt den Ältesten nicht an und weist dessen Boten ab
11Mahnungdas Gute nachahmen, nicht das Böse
12DemetriusEmpfehlung
13 bis 15SchlussBesuch angekündigt, Grüße

Inhalt im Überblick

Im Mittelpunkt stehen reisende Missionare, die auf die Gastfreundschaft der Gemeinden angewiesen waren, und die Frage, wer sie aufnimmt [2]. Der Brief nennt dabei drei Personen beim Namen: Gajus, Diotrephes und Demetrius.

Ein einfacher Tisch mit Fladenbrot, Oliven und einem Tonkrug in einem von Weinlaub beschatteten Hof, drei leere Hocker
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Wunsch und Freude (Verse 2 bis 4)

Der Älteste wünscht Gajus, "daß dir's wohl gehe und du gesund seist, wie es denn deiner Seele wohl geht" (Vers 2) [3]. Brüder, die von Gajus kamen, haben berichtet, "wie denn du wandelst in der Wahrheit" (Vers 3). Darüber freut sich der Absender mit dem Satz über seine Kinder in Vers 4 [3].

Gastfreundschaft für die Missionare (Verse 5 bis 8)

Gajus hat reisende Brüder aufgenommen, die ihm fremd waren: "du tust treulich, was du tust an den Brüdern und Gästen" (Vers 5) [3]. Er soll sie auch für die Weiterreise ausstatten, "wenn du sie abfertigst würdig vor Gott" (Vers 6). Begründet wird das mit ihrer Lage: "Denn um seines Namens willen sind sie ausgezogen und nehmen von den Heiden nichts" (Vers 7) [3]. Wer sie unterstützt, hilft mit, "auf daß wir der Wahrheit Gehilfen werden" (Vers 8) [3].

Der Streit mit Diotrephes (Verse 9 und 10)

Dann kommt der Älteste auf einen Konflikt zu sprechen: "Ich habe der Gemeinde geschrieben, aber Diotrephes, der unter ihnen hochgehalten sein will, nimmt uns nicht an" (Vers 9) [3]. Er wirft ihm vor, "er plaudert mit bösen Worten wider uns" (Vers 10). Schwerer wiegt der nächste Vorwurf: "er selbst nimmt die Brüder nicht an und wehrt denen, die es tun wollen, und stößt sie aus der Gemeinde" (Vers 10) [3]. Der Älteste kündigt an, ihn bei seinem Besuch zur Rede zu stellen. Nach der englischen Wikipedia geht es in diesem Streit um Leitung und Autorität, nicht um Fragen der Lehre [2].

Welchen Brief an die Gemeinde der Älteste in Vers 9 meint, ist offen. Die meisten Forscher setzen ihn nicht mit dem 2. Johannesbrief gleich, John Painter dagegen schon [2].

Mahnung und Empfehlung für Demetrius (Verse 11 und 12)

Vers 11 fasst die Lehre aus dem Streit in eine kurze Regel: "Mein Lieber, folge nicht nach dem Bösen, sondern dem Guten. Wer Gutes tut, der ist von Gott; wer Böses tut, der sieht Gott nicht" (Vers 11) [3]. Wikipedia beschreibt den Vers als chiastisch gebaut, also mit Gliedern in gespiegelter Reihenfolge [1]. Dann folgt ein Lob: "Demetrius hat Zeugnis von jedermann und von der Wahrheit selbst" (Vers 12) [3]. Manche Theologen lesen den Brief deshalb als Empfehlungsschreiben für Demetrius. Er gehörte wahrscheinlich zu den reisenden Missionaren [1, 2]. Auch in der Apostelgeschichte kommt ein Demetrius vor, ein Goldschmied in Ephesus (Apostelgeschichte 19,24) [3]. Der Brief gibt keinen Hinweis, dass es dieselbe Person ist.

Schluss (Verse 13 bis 15)

Der Absender hätte mehr zu sagen: "Ich hatte viel zu schreiben; aber ich will nicht mit der Tinte und der Feder an dich schreiben" (Vers 13) [3]. Er hofft auf einen baldigen Besuch, "so wollen wir mündlich miteinander reden" (Vers 14). Der Brief endet mit "Friede sei mit dir! Es grüßen dich die Freunde. Grüße die Freunde bei Namen" (Vers 15 dieser Seite, bei eBible.org Teil von Vers 14) [3].

Der 2. und der 3. Johannesbrief im Vergleich

Der 2. und der 3. Johannesbrief gleichen sich in Form, Länge und Themen [2]. Beide nennen als Absender nur "Der Älteste". Der zweite ist "der auserwählten Frau und ihren Kindern" geschrieben (2. Johannes 1,1), was auch eine Gemeinde meinen kann, der dritte an eine einzelne Person [4]. Die Gemeinsamkeiten lassen sich im Wortlaut zeigen [3]:

Thema2. Johannes3. Johannes
Anrede"die ich liebhabe in der Wahrheit" (Vers 1)"den ich liebhabe in der Wahrheit" (Vers 1)
FreudeKinder, "die in der Wahrheit wandeln" (Vers 4)"wie meine Kinder in der Wahrheit wandeln" (Vers 4)
Gäste"den nehmet nicht ins Haus" (Vers 10)"So sollen wir nun solche aufnehmen" (Vers 8)
Schluss"aber ich wollte nicht mit Briefen und Tinte" (Vers 12)"aber ich will nicht mit der Tinte und der Feder an dich schreiben" (Vers 13)

Bei der Gastfreundschaft kommen die beiden Briefe zu entgegengesetzten Weisungen, weil es um verschiedene Gäste geht. Der zweite verbietet, Lehrer aufzunehmen, die eine andere Lehre bringen. Der dritte verlangt, die Boten des Ältesten aufzunehmen. Mit dem 1. Johannesbrief ist der zweite enger verbunden als der dritte [2]. Die beiden Nachbarbriefe stellen die Seiten Der 2. Brief des Johannes und Der 1. Brief des Johannes vor.

Der Weg in die Bibel

Der 3. Johannesbrief wird erst spät erwähnt. Die erste Spur führt in die Mitte des 3. Jahrhunderts. Nach Eusebius kannte Origenes den 2. und den 3. Johannesbrief, berichtete aber, dass nicht alle sie für echt hielten [2]. Eusebius selbst zählte beide zu den umstrittenen Schriften. Das Muratorische Fragment scheint nur zwei Johannesbriefe zu kennen, lässt sich aber auch auf drei beziehen [2]. Anerkannt waren alle drei Briefe im 39. Osterfestbrief des Athanasius, auf der Synode von Hippo und auf dem Konzil von Karthago 397 [2]. Wie der Kanon des Neuen Testaments entstand, erklärt die Seite Welche Bücher zur Bibel gehören: Kanon und Apokryphen.

Ein Schreibrohr und ein kleines Tintenfass aus Ton auf einem groben Holzpult in einer stillen Klosterzelle
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Der Text ist gut überliefert. Die großen Handschriften Sinaiticus, Alexandrinus und Vaticanus enthalten alle drei Johannesbriefe, der Codex Ephraemi Rescriptus die Verse 3 bis 15, der Codex Bezae die Verse 11 bis 15 in lateinischer Fassung. Größere Abweichungen zwischen den Handschriften gibt es kaum [2].

Der Text auf der Kapitelseite

Den ganzen Brief findest du auf der Seite 3. Johannes 1 im Wortlaut der Lutherbibel von 1912, mit ihrer Schreibweise, etwa "daß" und "Gajus". Die Seite zählt 15 Verse, wie die griechische Ausgabe der Society of Biblical Literature. Ausgaben, die dem Textus Receptus folgen, zählen nur 14 Verse [2]. Auch die Lutherbibel 1912 bei eBible.org hat 14 Verse [3]. Dort gehört der Schlussgruß "Friede sei mit dir! Es grüßen dich die Freunde. Grüße die Freunde bei Namen" noch zu Vers 14, der auf dieser Seite Vers 15 ist. Die Verse 1 bis 13 stimmen in beiden Zählungen überein. Wer den Brief mit der Ausgabe von eBible.org vergleicht, findet den Schlussgruß also in Vers 14. Wer mehr über die Zählung von Bibelstellen wissen will, liest die Seite Bibelstellen richtig angeben.

Alle Kapitel: 3. Johannes

  1. 1
  1. 3. Johannesbrief. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Third Epistle of John. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Johannesbriefe. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.