Das Neue TestamentRatgeber

Der 2. Brief des Petrus: Einführung und alle 3 Kapitel

Der 2. Brief des Petrus hat 3 Kapitel und ist als Abschiedsschreiben des Apostels Petrus gestaltet. Er mahnt zum Wachstum im Glauben, warnt vor falschen Lehrern und verteidigt die Erwartung der Wiederkunft Christi gegen Spötter. Die Forschung hält ihn fast einhellig für das Werk eines späteren Verfassers, meist datiert sie ihn um 110 bis 120.

Ein felsiger Berggipfel über einem Wolkenmeer bei Sonnenaufgang, helles Licht bricht über den Grat
Bild: KI-generiert

Der 2. Petrusbrief tritt als letztes Wort des Apostels Petrus auf. Der Absender weiß, dass er seine "Hütte bald ablegen" muss (1,14), und will seine Leser ein letztes Mal erinnern [4]. Aus dem Brief stammt der Satz, dass "ein Tag vor dem HERRN ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie ein Tag" (3,8) [4]. Der Satz antwortet auf Spötter, die fragen, wo die angekündigte Wiederkunft Christi bleibe (3,4). In der Alten Kirche war der Brief lange umstritten, und heute ist sich die Forschung fast einig, dass er nicht vom genannten Verfasser stammt [1, 2]. Die drei Kapitel stehen auf dieser Seite in der Lutherbibel von 1912, jedes auf einer eigenen Seite. Die Übersicht folgt am Ende der Einführung.

Absender, Empfänger und Stellung in der Bibel

Der Brief beginnt mit "Simon Petrus, ein Knecht und Apostel Jesu Christi" (1,1). Er richtet sich ganz allgemein an alle, die "ebendenselben teuren Glauben überkommen haben" (1,1) [4]. In 3,1 bezeichnet er sich als "der zweite Brief, den ich euch schreibe". Damit verweist er nach verbreiteter Ansicht auf den 1. Petrusbrief und richtet sich an dieselben Christen in Kleinasien [1].

In der Lutherbibel ist der Brief das 22. Buch des Neuen Testaments. Er steht zwischen dem 1. Brief des Petrus und den Johannesbriefen.

Aufbau des Briefes

Die Gliederung folgt dem deutschen Wikipedia-Artikel [1]:

VerseTeilInhalt
1,1 bis 2BriefanfangAbsender, Empfänger, Gruß
1,3 bis 21Wachstum im GlaubenStufen der Tugend, Abschied, Verklärung, prophetisches Wort
2,1 bis 22Falsche LehrerEngel, Noah, Sodom, Bileam
3,1 bis 14Wiederkunft ChristiSpötter, tausend Jahre wie ein Tag, neuer Himmel und neue Erde
3,15 bis 18SchlussPaulus und seine Briefe, Mahnung, Lobpreis

Inhalt im Überblick

Wachsen im Glauben (1,3 bis 11)

Der Brief beginnt mit einer Kette von Tugenden, die aufeinander aufbauen. Die Leser sollen "in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis" darreichen (1,5), dann Mäßigkeit, Geduld und Gottseligkeit, bis zur "brüderlichen Liebe allgemeine Liebe" (1,7) [1, 4]. Wer so lebe, werde "nicht straucheln" (1,10) [4].

Ein einzelner heller Morgenstern über einer dunklen Hügellandschaft kurz vor der Dämmerung
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Abschied und Verklärung (1,12 bis 21)

Der Absender spricht von seinem nahen Tod und will, dass seine Leser die Lehre "nach meinem Abschied" im Gedächtnis behalten (1,15) [4]. Gegen den Vorwurf, die Botschaft von der Wiederkunft sei erfunden, sagt er: "wir sind nicht klugen Fabeln gefolgt" (1,16). Er beruft sich darauf, die Stimme selbst gehört zu haben, "da wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge" (1,18) [4]. Gemeint ist die Verklärung Jesu, wie sie die Evangelien erzählen, mit fast denselben Worten der Himmelsstimme (Matthäus 17,5) [1, 4]. Das prophetische Wort sei "ein Licht, das da scheint in einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen" (1,19) [4].

Die falschen Lehrer (Kapitel 2)

Kapitel 2 kündigt an: "wie auch unter euch sein werden falsche Lehrer" (2,1) [4]. Mit Beispielen aus dem Alten Testament will der Brief zeigen, dass Gott Ungerechte bestraft und Gerechte rettet. Er nennt die Engel, die gesündigt haben und "mit Ketten der Finsternis zur Hölle verstoßen" wurden (2,4), die Sintflut, bei der Noah bewahrt blieb, Sodom und Gomorra und den "gerechten Lot" (2,5 bis 7) [4]. Das griechische Wort, das Luther mit Hölle übersetzt, ist Tartaros [2].

Die Irrlehrer beschreibt der Brief mit drastischen Bildern. Sie folgten "nach dem Wege Bileams", dessen Esel "mit Menschenstimme" redete (2,15 bis 16) [4]. Sie seien "Brunnen ohne Wasser, und Wolken, vom Windwirbel umgetrieben" (2,17). Das Kapitel endet mit zwei Sprichwörtern, eines davon: "Der Hund frißt wieder, was er gespieen hat" (2,22) [4].

Die Wiederkunft und die Spötter (Kapitel 3)

Kapitel 3 lässt Spötter zu Wort kommen: "Wo ist die Verheißung seiner Zukunft?" (3,4). Seit die Väter gestorben seien, bleibe alles, wie es war [4]. Die Antwort des Briefes greift Psalm 90 auf, wo es heißt, tausend Jahre seien vor Gott "wie der Tag, der gestern vergangen ist" (Psalm 90,4) [2, 4]. Nach dem Brief verzögert Gott nichts, er "hat Geduld mit uns und will nicht, daß jemand verloren werde" (3,9) [4]. Der Tag des Herrn werde kommen "wie ein Dieb in der Nacht", die Himmel würden "zergehen werden mit großem Krachen" (3,10). Die Gläubigen warteten "eines neuen Himmels und einer neuen Erde" (3,13) [4].

Am Schluss erwähnt der Brief "unser lieber Bruder Paulus" (3,15). In dessen Briefen seien "etliche Dinge schwer zu verstehen", die manche verdrehten, "wie auch die andern Schriften" (3,16) [4]. Der Verfasser setzt damit eine Sammlung von Paulusbriefen voraus und stellt sie den übrigen heiligen Schriften gleich [1, 2].

Die Verwandtschaft mit dem Judasbrief

Große Teile von Kapitel 2 und der Anfang von Kapitel 3 gleichen dem Judasbrief, besonders Judas 4 bis 18 und 2. Petrus 2,1 bis 3,3 [1]. Beide sprechen von den gefallenen Engeln (2,4 und Judas 6), von Sodom und Gomorra und von Spöttern in der letzten Zeit [1, 2]. Die englische Wikipedia stellt die Parallelen Vers für Vers zusammen, darunter 2,1 und Judas 4 über die falschen Lehrer, 2,6 und Judas 7 über Sodom und Gomorra, 2,10 bis 11 und Judas 8 bis 9 über das Lästern der "Majestäten" (2,10) und 3,2 bis 3 und Judas 17 bis 18 über die Spötter [2]. Bei den Engeln verwenden beide Briefe sogar dasselbe seltene griechische Wort für Finsternis, zophos [1]. Selbst die Bilder ähneln sich. Wo der 2. Petrusbrief von "Brunnen ohne Wasser" spricht (2,17), schreibt der Judasbrief "Wolken ohne Wasser, von dem Winde umgetrieben" (Judas 12) [4]. Die Mehrheit der Forschung hält den Judasbrief für das ältere Schreiben, das der 2. Petrusbrief benutzt und überarbeitet hat [1, 2].

Ein alter trockener Brunnen aus Stein auf einem verbrannten Feld, darüber vom Wind getriebene graue Wolken
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Wer hat den Brief geschrieben?

Dass der Apostel Petrus der Verfasser ist, hält die moderne Bibelwissenschaft nahezu einhellig für ausgeschlossen [1]. Als Gründe nennt sie den Stil, der stark vom 1. Petrusbrief abweicht, die Abhängigkeit vom Judasbrief und die späte Aufnahme in den Kanon [1]. Auch die Klage über die ausbleibende Wiederkunft in Kapitel 3 spricht für eine späte Entstehung [1]. Raymond E. Brown hielt die Pseudonymität des Briefes für sicherer als die jeder anderen Schrift des Neuen Testaments [2]. Schon Eusebius von Caesarea und später Johannes Calvin hatten die Echtheit erörtert [1].

Bo Reicke schlug 1964 vor, den Brief als Testament zu lesen, eine Gattung, die auf die Abschiedsrede des Mose im 5. Buch Mose zurückgeht. Richard J. Bauckham baute diese Sicht aus. Für die ersten Leser sei die Zuschreibung an Petrus nach dieser Deutung als literarische Form erkennbar gewesen [2].

Wann der Brief entstand

Die Vorschläge reichen weit auseinander. Die meisten Forscher datieren den Brief um 110 bis 120 nach Christus [1]. Wer annimmt, dass die Petrusapokalypse den Brief benutzt, kommt auf 140 bis 160 (Jörg Frey) oder 160 bis 180 (Wolfgang Grünstäudl) [1]. Eine Abfassung zu Lebzeiten des Petrus, der um 64 starb, vertreten nur wenige. Daniel B. Wallace hält eine Entstehung um 65 mit Hilfe eines Schreibers für möglich, Klaus Berger datiert den Brief um 51 [1].

Der lange Weg in den Kanon

Der erste sichere Zeuge des Briefes ist Origenes, der 253/254 starb [1]. Er schrieb, Petrus habe nur einen Brief hinterlassen, dessen Echtheit anerkannt sei; ein zweiter sei zweifelhaft [2]. Eusebius von Caesarea äußerte um 325 eigene Zweifel und führte den Brief unter den Antilegomena, den umstrittenen Schriften, zusammen mit dem Jakobusbrief, dem Judasbrief und dem 2. und 3. Johannesbrief [2, 3]. Zugleich hielt er fest, dass die Mehrheit den Brief anerkannte [2]. Zur Zeit des Hieronymus (etwa 346 bis 420) galt er weitgehend als kanonisch. Die Peschitta, die Standardbibel der syrischen Kirche, enthält ihn nicht [2]. Die älteste erhaltene Abschrift steht im Papyrus 72 aus dem 3. oder 4. Jahrhundert [1].

Ein alter Raum eines Steinklosters mit leeren Holzregalen und einem schlichten Lesepult, Staub tanzt im Sonnenstrahl
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Die Kapitel im Überblick

Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "daß" und "frißt". Wer wenig Zeit hat, liest Kapitel 1 und Kapitel 3. Kapitel 2 lässt sich am besten neben dem Judasbrief lesen. Die Verklärung Jesu steht in Matthäus 17. Über den Apostel selbst berichtet die Seite Petrus, wie die umstrittenen Briefe in die Bibel kamen, die Seite Kanon und Apokryphen. Die Welt, in der die frühen Gemeinden lebten, beschreibt Die Ausbreitung des Christentums.

Alle Kapitel: 2. Petrus

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  1. 2. Brief des Petrus. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Second Epistle of Peter. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Antilegomena. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.