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Das Evangelium nach Markus: Einführung und alle 16 Kapitel

Das Markusevangelium ist mit 16 Kapiteln das kürzeste der vier Evangelien und nach Mehrheitsmeinung der Forschung das älteste. Es erzählt vom Wirken Jesu in Galiläa, seinem Weg nach Jerusalem, seinem Tod und dem leeren Grab. Die meisten Forscher datieren es in die Zeit um 70 nach Christus.

Das Ufer eines ruhigen Sees im Morgengrauen mit kleinen Fischerbooten aus Holz auf Kieseln, dahinter Hügel im Dunst
Bild: KI-generiert

Das Markusevangelium beginnt ohne Kindheitsgeschichte und ohne Stammbaum. Der erste Satz lautet "Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes" (1,1), und wenige Verse später steht Jesus als Erwachsener am Jordan [3]. Mit 16 Kapiteln und 678 Versen ist Markus das kürzeste der vier Evangelien. Matthäus hat in der Lutherbibel von 1912 rund 1.070 Verse, Lukas 1.151 [3]. Die Forschung hält es nach Mehrheitsmeinung für das älteste Evangelium [1]. Die 16 Kapitel stehen hier in der Lutherbibel von 1912, jedes auf einer eigenen Seite.

Das älteste Evangelium

Matthäus, Markus und Lukas erzählen vieles in ähnlicher Reihenfolge und oft mit ähnlichen Worten. Die Forschung erklärt das meist mit der Zweiquellentheorie: Markus entstand zuerst, und die Verfasser des Matthäus- und des Lukasevangeliums benutzten es zusammen mit einer Sammlung von Worten Jesu, der Logienquelle Q, als Vorlage [1]. Wer die Evangelien vergleichen will, findet die Fassungen der anderen beiden unter Das Evangelium nach Matthäus und Das Evangelium nach Lukas.

Wer das Evangelium geschrieben hat

Einen Verfasser nennt der Text nicht [2]. Die früheste Zuschreibung an einen Markus stammt von Papias von Hierapolis um das Jahr 100, den Eusebius zitiert. Danach war Markus der Dolmetscher des Petrus [1]. Die kirchliche Tradition setzt ihn mit Johannes Markus gleich, den die Apostelgeschichte erwähnt: "Johannes, der mit dem Zunamen Markus hieß" (Apostelgeschichte 12,12) [1, 3]. Die deutsche Wikipedia nennt Einwände: Im Evangelium fehle die Theologie des Paulus, dessen Begleiter Johannes Markus war, und semitische Spracheinflüsse seien nicht zu erkennen. Eine Einigung über die Person des Verfassers hat die historisch-kritische Forschung nicht erzielt [1].

Zeit und Ort der Entstehung

Die Mehrheit der Forscher setzt die Entstehung kurz nach dem Jüdischen Krieg der Jahre 66 bis 73 an, nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 [1]. Eine wichtige Stelle dafür ist das Wort Jesu über den Tempel: "Nicht ein Stein wird auf dem anderen bleiben, der nicht zerbrochen werde" (13,2) [3]. Viele Ausleger lesen es als Weissagung, die nach dem Ereignis formuliert wurde. Andere halten es für eine echte Vorhersage und datieren das Evangelium früher [1]. Die englische Wikipedia nennt die Zeit um 70 und zitiert Helen Bond, die einen wachsenden Konsens für die frühen bis mittleren 70er Jahre sieht [2]. Eine Datierung um 50, die José O'Callaghan aus einem Papyrusfragment aus Qumran ableitete, hat Stefan Enste im Jahr 2000 widerlegt [1].

Eine schmale gepflasterte Gasse in einer antiken römischen Stadt mit verputzten Steinhäusern und einem kleinen Torbogen im Morgenlicht
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Als Ort nennt die altkirchliche Überlieferung Rom. Sie stützt sich auf lateinische Lehnwörter, etwa die kleine Münze in der Geschichte von der armen Witwe, die "zwei Scherflein" einlegt, "die machen einen Heller" (12,42) [1, 3]. Dagegen spricht, dass solche Begriffe im ganzen Reich üblich waren. Vorgeschlagen werden deshalb auch Syrien, besonders Antiochia, Galiläa, die Dekapolis oder Kleinasien [1]. Geschrieben ist das Evangelium auf Griechisch, nach der englischen Wikipedia vor allem für Leser, die keine Juden waren [2]. Dazu passt, dass Markus aramäische Worte übersetzt, etwa "Talitha kumi! das ist verdolmetscht: Mägdlein, ich sage dir stehe auf!" (5,41) [3]. Mehr über das Reich, in dem die ersten Christen lebten, steht auf geschichte.domain-root.de unter Das Römische Reich.

Sprache und Erzählweise

Das Griechisch des Markus ist eine schlichte Umgangssprache. Typisch sind Sätze, die mit "und" aneinandergereiht werden, und das Präsens in der Erzählung [1]. Jesus erscheint bei Markus sehr menschlich, er ist zornig, müde oder hungrig [1]. Seine eigenen Angehörigen halten ihn zeitweise für verwirrt: "denn sie sprachen: Er ist von Sinnen" (3,21) [3]. Einen großen Teil des Buches nimmt das Leiden in Jerusalem ein. Die deutsche Wikipedia erinnert daran, dass das Evangelium deshalb als "Passionsgeschichte mit ausführlicher Einleitung" bezeichnet wurde, eine Formel, die auf den Theologen Martin Kähler zurückgeht [1].

Aufbau des Evangeliums

Über den Aufbau sind sich die Forscher nicht einig. Den deutlichsten Einschnitt sehen die meisten um 8,26 bis 31, wo Petrus Jesus als Christus bekennt und Jesus zum ersten Mal sein Leiden ankündigt [2]. Die deutsche Wikipedia gliedert so [1]:

Kapitel und VerseAbschnitt
1,1 bis 13Prolog: Johannes der Täufer, Taufe und Versuchung
1,14 bis 3,12Wirken Jesu in Galiläa
3,13 bis 6,6Lehre in Gleichnissen und Wunder
6,6 bis 8,26Wanderungen in Galiläa und darüber hinaus
8,27 bis 10,52Weg nach Jerusalem
11,1 bis 13,37Wirken in Jerusalem
14,1 bis 16,8Passion, Tod und leeres Grab
16,9 bis 20Späterer Schluss

Inhalt im Überblick

Das Evangelium reicht vom Auftreten Johannes des Täufers am Jordan bis zum leeren Grab.

Eine hohe Senfpflanze mit gelben Blüten in einem trockenen Feld, kleine Vögel sitzen in ihren Zweigen im warmen Nachmittagslicht
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Anfang in Galiläa (Kapitel 1 bis 3)

Johannes der Täufer predigt in der Wüste und tauft Jesus im Jordan (1,4 bis 11). Danach beginnt Jesus in Galiläa mit der Botschaft "Die Zeit ist erfüllet, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!" (1,15) [3]. Er beruft Jünger, heilt Kranke in Kapernaum und gerät mit Pharisäern über den Sabbat in Streit. Dazu sagt er: "Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, und nicht der Mensch um des Sabbat willen" (2,27) [3]. Als seine Mutter und seine Brüder ihn holen wollen, zeigt er auf die Menschen um sich: "Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter" (3,35) [3].

Gleichnisse und Wunder (Kapitel 4 bis 8)

Kapitel 4 sammelt Gleichnisse, darunter das vom Senfkorn, das "das kleinste unter allen Samen auf Erden" sei und doch große Zweige treibt (4,31 bis 32) [3]. Es folgen Wundererzählungen: der Sturm auf dem See, die Heilung eines Besessenen, dessen Dämon sich "Legion" nennt (5,9), die Auferweckung der Tochter des Jairus und die Speisung der Fünftausend [3]. In seiner Heimatstadt nehmen die Leute Anstoß an ihm: "Ist er nicht der Zimmermann, Marias Sohn" (6,3) [3]. Mehr dazu auf den Seiten Die Gleichnisse Jesu und Die Wunder Jesu.

Der Weg nach Jerusalem (Kapitel 8 bis 10)

Bei Cäsarea Philippi fragt Jesus die Jünger, für wen sie ihn halten, und Petrus antwortet: "Du bist Christus!" (8,29). Unmittelbar danach verbietet Jesus ihnen, davon zu reden, und kündigt zum ersten Mal sein Leiden an: "Des Menschen Sohn muß viel leiden" (8,31) [3]. Zwei weitere Ankündigungen folgen in 9,31 und 10,33 bis 34. Wer ihm folgen will, "der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich" (8,34). Am Ende dieses Abschnitts steht der Satz, der Menschensohn sei gekommen, "daß er diene und gebe sein Leben zur Bezahlung für viele" (10,45) [3].

Jerusalem und Passion (Kapitel 11 bis 16)

Jesus zieht unter Hosianna-Rufen in Jerusalem ein (11,9), vertreibt die Händler aus dem Tempel (11,15) und spricht in Kapitel 13 über die Zerstörung des Tempels und das Ende der Zeit [3]. Die Passionsgeschichte beginnt mit dem letzten Mahl (14,22). Im Garten Gethsemane betet Jesus "Abba, mein Vater, es ist dir alles möglich; überhebe mich dieses Kelchs" (14,36) [3]. Bei der Verhaftung heißt es knapp: "Und die Jünger verließen ihn alle und flohen" (14,50). Nur Markus erzählt danach von einem jungen Mann, der in ein Leinentuch gehüllt war, als man ihn festhalten wollte: "Er aber ließ die Leinwand fahren und floh bloß von ihnen" (14,52) [3]. Am Kreuz ruft Jesus "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" (15,34). Nach seinem Tod sagt ein römischer Hauptmann: "Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!" (15,39) [3]. Die ganze Leidensgeschichte aller vier Evangelien beschreibt die Seite Die Passionsgeschichte: Leiden und Tod Jesu.

Das Messiasgeheimnis

Immer wieder verbietet Jesus bei Markus, über ihn zu reden. Den Dämonen erlaubt er nicht zu sprechen, "denn sie kannten ihn" (1,34). Nach dem Bekenntnis des Petrus "bedrohte sie, daß sie niemand von ihm sagen sollten" (8,30), und nach der Verklärung verbietet er den Jüngern, davon zu erzählen, "bis des Menschen Sohn auferstünde von den Toten" (9,9) [3]. Der Theologe William Wrede beschrieb dieses Motiv 1901 als Messiasgeheimnis [2]. Er hielt es für eine Deutung der frühen Kirche und zählte drei Elemente dazu: die Schweigegebote, das Unverständnis der Jünger und die Belehrung in Gleichnissen. Heute rechnen viele Forscher nur die Schweigegebote zum eigentlichen Messiasgeheimnis [1]. Als Schlüsselszene nennt die deutsche Wikipedia das Bekenntnis des Hauptmanns unter dem Kreuz (15,39) [1].

Die Jünger bei Markus

Die englische Wikipedia beschreibt, dass Markus die Jünger als begriffsstutzig, ängstlich und verständnislos zeichnet. Sie missverstehen Jesus, fliehen bei der Verhaftung, und Petrus verleugnet ihn [2]. Warum das Evangelium sie so darstellt, ist umstritten. Neuere Studien halten die Darstellung des Petrus für weniger negativ, als die ältere Forschung meinte [2]. Mehr über ihn steht auf der Seite Petrus.

Der Schluss des Evangeliums

In den ältesten Handschriften, dem Codex Sinaiticus und dem Codex Vaticanus, endet das Evangelium mit 16,8 [1, 2]. Die Frauen finden das Grab leer, ein junger Mann sagt ihnen, Jesus sei auferstanden, und dann heißt es: "Und sie sagten niemand etwas, denn sie fürchteten sich" (16,8) [3]. Die meisten neueren Forscher halten diesen Vers für den ursprünglichen Schluss [2]. Ob der Verfasser so enden wollte oder ob ein ursprünglicher Schluss verloren ging, ist umstritten. Für die Verlustthese wird unter anderem auf 14,28 verwiesen, wo Jesus ankündigt, er werde den Jüngern nach Galiläa vorausgehen [1, 3].

Der offene Eingang eines in den Kalkfels gehauenen Grabes am frühen Morgen, ein großer runder Stein ist zur Seite gerollt
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Die Verse 16,9 bis 20 stehen in der großen Mehrheit der Handschriften. Kritische Textausgaben setzen sie in Klammern [2]. Die deutsche Wikipedia datiert diesen längeren Schluss auf die erste Hälfte des 2. Jahrhunderts [1]. Er erzählt von Erscheinungen des Auferstandenen, dem Auftrag "Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur" (16,15) und der Himmelfahrt (16,19) [3]. Daneben gibt es einen kürzeren Schluss, etwa im Codex Bobiensis, der vermutlich im 4. oder 5. Jahrhundert entstand [1]. Die Lutherbibel von 1912 druckt den längeren Schluss mit ab, deshalb hat Kapitel 16 hier 20 Verse [3]. Wie die anderen Evangelien vom leeren Grab erzählen, beschreibt die Seite Die Auferstehung Jesu in den Evangelien.

Die Kapitel im Überblick

Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "daß" und "verdolmetscht". Die 16 Kapitel haben zusammen 678 Verse, Kapitel 14 ist mit 72 Versen das längste. Die Versnummern stimmen mit der üblichen Zählung überein [3]. Wer nicht das ganze Evangelium lesen will, beginnt mit Kapitel 1, liest dann Kapitel 8 mit dem Bekenntnis des Petrus und am Schluss die Kapitel 14 bis 16.

Alle Kapitel: Markus

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7. 7
  8. 8
  9. 9
  10. 10
  11. 11
  12. 12
  13. 13
  14. 14
  15. 15
  16. 16
  1. Evangelium nach Markus. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Gospel of Mark. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.