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Noah, die Arche und die Sintflut

Die Erzählung von Noah und der Sintflut steht im 1. Buch Mose in den Kapiteln 6 bis 9. Gott kündigt dort eine Flut an, Noah baut einen Kasten, die Arche, und überlebt mit seiner Frau, seinen drei Söhnen, deren Frauen und den Tieren; danach setzt Gott den Regenbogen als Zeichen eines Bundes. Ältere Flutsagen aus Mesopotamien, etwa das Atraḫasis-Epos, ähneln der biblischen Fassung in vielen Zügen.

Ein großes kastenförmiges Holzschiff liegt nach dem Regen an einem nebligen Berghang unter einem schwachen Regenbogen
Bild: KI-generiert

Die Geschichte von Noah und der großen Flut steht im 1. Buch Mose in den Kapiteln 6 bis 9. Sie gehört zur Urgeschichte, die mit der Schöpfungsgeschichte beginnt. Das Wort Sintflut hat mit "Sünde" nichts zu tun. Es geht auf althochdeutsch sinfluot zurück, "umfassende Überschwemmung"; erst seit dem 13. Jahrhundert wurde die Silbe volkstümlich als "Sünd-" umgedeutet [1]. Flutsagen gibt es in vielen Kulturen, besonders eng verwandt mit der biblischen ist das mesopotamische Atraḫasis-Epos [1, 2]. Zitiert wird nach der Lutherbibel von 1912, deren Text gemeinfrei ist.

Warum die Flut kommt

Noah ist nach 1. Mose 5 der Sohn Lamechs. Sein Vater sagt bei der Geburt: "Der wird uns trösten in unsrer Mühe und Arbeit auf der Erde, die der HERR verflucht hat" (5,29). Mit fünfhundert Jahren zeugt Noah die Söhne Sem, Ham und Japheth (5,32) [4]. Der hebräische Name Noach hängt vermutlich mit dem Wort für Ruhe zusammen [2].

Kapitel 6 beginnt mit einer kurzen, rätselhaften Notiz über "Kinder Gottes", die sich Frauen unter den Menschentöchtern nehmen (6,2). Dann folgt das Urteil: "Da aber der HERR sah, daß der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es ihn, daß er die Menschen gemacht hatte auf Erden" (6,5 bis 6) [4]. Ein zweiter Abschnitt sagt es anders: "Aber die Erde war verderbt vor Gottes Augen und voll Frevels" (6,11). Über Noah heißt es dagegen: "Aber Noah fand Gnade vor dem HERRN" (6,8). Über ihn sagt der Text: "Noah war ein frommer Mann und ohne Tadel" (6,9) [4].

Der Bau der Arche

Gott gibt Noah nach dem Text genaue Anweisungen: "Mache dir einen Kasten von Tannenholz und mache Kammern darin und verpiche ihn mit Pech inwendig und auswendig" (6,14). Der Kasten soll dreihundert Ellen lang, fünfzig Ellen breit und dreißig Ellen hoch sein (6,15), dazu ein Fenster, eine Tür an der Seite und drei Böden haben (6,16) [4]. Luther schreibt "Kasten"; das Wort Arche kommt vom lateinischen arca und entspricht dem hebräischen teva, das "Kasten" oder "Schrein" bedeutet. Dasselbe hebräische Wort steht für das Kästchen aus Binsen, in dem der kleine Mose nach 2. Mose 2 auf dem Nil gerettet wird [3]. Wo Luther "Tannenholz" übersetzt, steht hebräisch gofer. Welche Baumart gemeint ist, weiß man nicht; meist wird an die Zypresse gedacht [3].

Grobe Holzbalken, Holzdübel und ein Eimer mit dunklem Pech neben einem halb gebauten Schiffsrumpf in einem trockenen Tal
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Setzt man die Elle mit 44,5 Zentimetern an, wäre die Arche etwa 133,5 Meter lang, 22,3 Meter breit und 13,4 Meter hoch gewesen. Andere Schätzungen der alten Elle liegen bei 56 oder 61 Zentimetern [3]. Ein Nachbau im Maßstab 1:2 des Niederländers Johan Huibers ist 70 Meter lang [3].

Bei den Tieren nennt der Text zwei Zahlen. In 6,19 heißt es "je ein Paar, Männlein und Weiblein". In 7,2 dagegen: "Aus allerlei reinem Vieh nimm zu dir je sieben und sieben, das Männlein und sein Weiblein; von dem unreinen Vieh aber je ein Paar" [4]. Mit an Bord sind nach 7,13 Noah, seine Frau, Sem, Ham und Japheth und deren drei Frauen, also acht Menschen. So zählt auch der 1. Petrusbrief: "wenige, das ist acht Seelen" (1. Petrus 3,20) [4].

Wie lange die Flut dauert

Das Buch datiert die Flut nach Noahs Lebensjahren. Nach 7,11 beginnt sie "In dem sechshundertsten Jahr des Alters Noahs, am siebzehnten Tage des zweiten Monats". An diesem Tag "aufbrachen alle Brunnen der großen Tiefe, und taten sich auf die Fenster des Himmels" (7,11) [4]. Die deutsche Wikipedia rechnet aus den Angaben eine Dauer von einem Jahr und zehn Tagen [1]. Die Stationen nach dem Bibeltext:

Ein endloses graues Meer unter schweren Regenwolken, nur zwei ferne Berggipfel ragen aus dem Wasser
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StelleDatum nach Noahs LebensjahrWas geschieht
7,11 bis 12600. Jahr, 17. Tag des 2. MonatsBeginn; Regen vierzig Tage und vierzig Nächte
7,24 und 8,3nach 150 Tagendas Wasser beginnt abzunehmen
8,417. Tag des 7. Monatsder Kasten setzt auf dem Gebirge Ararat auf
8,51. Tag des 10. MonatsBergspitzen werden sichtbar
8,13601. Jahr, 1. Tag des 1. Monatsdas Wasser ist vertrocknet, Noah nimmt das Dach ab
8,14 bis 1827. Tag des 2. Monatsdie Erde ist trocken, alle verlassen den Kasten

Das Wasser steigt nach dem Text so hoch, "daß alle hohen Berge unter dem ganzen Himmel bedeckt wurden", fünfzehn Ellen über die Gipfel (7,19 bis 20) [4]. Mit dem "Gebirge Ararat" ist nach der deutschen Wikipedia wohl das Bergland von Urartu gemeint, nicht unbedingt der heutige Berg Ararat im Osten der Türkei [3].

Rabe, Taube und Regenbogen

Nach vierzig Tagen öffnet Noah das Fenster und lässt einen Raben fliegen, der "immer hin und wieder her" fliegt (8,7). Dann schickt er eine Taube, die keinen Platz zum Ruhen findet und zurückkommt (8,9). Sieben Tage später kehrt sie am Abend zurück, "und siehe, ein Ölblatt hatte sie abgebrochen und trug's in ihrem Munde" (8,11) [4]. Beim dritten Mal bleibt sie fort (8,12). Taube und Ölzweig wurden später zu Zeichen des Friedens [1].

Eine weiße Taube fliegt mit einem kleinen Olivenzweig über ruhiges Wasser, dahinter ein Regenbogen am aufklarenden Himmel
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Nach dem Auszug baut Noah einen Altar und opfert. Der Text sagt, Gott spreche "in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf" (8,21). Darauf folgt der bekannte Satz: "Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht" (8,22) [4]. In Kapitel 9 schließt Gott nach der Erzählung einen Bund mit Noah, seinen Nachkommen und allen Tieren: "Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde" (9,13) [4]. Zugleich erlaubt der Text nun Fleisch als Nahrung (9,3), verbietet aber, Fleisch mit seinem Blut zu essen (9,4) [4].

Nach dem Regenbogen erzählt der Text weiter: Noah wird Ackermann, pflanzt einen Weinberg, wird betrunken und liegt aufgedeckt in seiner Hütte. Ham sieht ihn so, Sem und Japheth decken den Vater rückwärts gehend zu (9,20 bis 23). Noah verflucht daraufhin Hams Sohn Kanaan (9,25) [4]. Was Ham genau getan hat, ist umstritten. Einige Auslegungen sahen in Hams Nachkommen die Afrikaner. Damit wurde später von Christen die Versklavung schwarzer Menschen biblisch gerechtfertigt [2]. Noah stirbt nach 9,29 mit neunhundertfünfzig Jahren [4].

Ältere Flutsagen aus Mesopotamien

Die biblische Erzählung hat Vorläufer. Als älteste zusammenhängende Fassung einer Sintflutsage gilt das Atraḫasis-Epos aus dem 19. Jahrhundert vor Christus. Teile davon gingen in das Gilgamesch-Epos ein [1]. Der Held heißt dort Atraḫasis, in der sumerischen Überlieferung Ziusudra, im Gilgamesch-Epos Uta-napišti. Er wird vom Gott Enki gewarnt, baut ein Boot, rettet seine Angehörigen und Tiere, bringt nach der Flut ein Dankopfer dar und lässt Vögel fliegen [1]. Im Gilgamesch-Epos sind es eine Taube, eine Schwalbe und ein Rabe; als der Rabe nicht zurückkehrt, weiß der Held, dass das Land wieder trocken ist [2].

Tonscherben und eine verwitterte schlichte Tontafel liegen neben einer kleinen Kelle auf dem sandigen Boden einer Ausgrabung
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Ein Unterschied liegt in der Begründung. Im Atraḫasis-Epos schickt der Windgott Enlil die Flut, und Enki rettet den Helden. In der Bibel trägt ein einziger Gott beide Seiten aus, den Willen zur Vernichtung und den Willen zur Erhaltung [1]. Die deutsche Wikipedia hält es für möglich, dass die Bibel die ältere sumerisch-akkadische Überlieferung aufgenommen hat [1]. Mehr über die Kultur, aus der diese Texte stammen, steht auf der Seite Sumer: die erste Hochkultur auf geschichte.domain-root.de.

Ob hinter den Sagen eine wirkliche Flut steht, wird seit langem gefragt. Leonard Woolley fand 1929 in Ur eine bis zu drei Meter dicke Schlammschicht und hielt sie für einen Beleg. Spätere Untersuchungen datierten die Schicht auf etwa 3500 vor Christus. Weil andere Fundorte jüngere Flutschichten zeigen, gilt heute eine regionale Überschwemmung um 3000 vor Christus als wahrscheinlichere Erinnerung hinter den mesopotamischen Erzählungen [1]. Die Annahme eines plötzlichen Wassereinbruchs ins Schwarze Meer (Pitman und Ryan, 1997) halten neuere Studien für unwahrscheinlich [1].

Noah in Judentum, Christentum und Islam

Im Judentum erklärt der Kommentar Raschis die harte Strafe mit dem Ausmaß der Gewalt unter den Menschen vor der Flut [1]. Der Talmud leitet aus der Erzählung den Noachidischen Bund und sieben Noachidische Gebote ab, die nach jüdischem Verständnis allen Menschen gelten. Ein Nichtjude, der sie hält, kann nach dieser Lehre Anteil an der kommenden Welt erlangen [2].

Im Neuen Testament vergleicht Jesus nach Matthäus das Kommen des Menschensohnes mit der Zeit vor der Flut: "Denn gleichwie sie waren in den Tagen vor der Sintflut, sie aßen, sie tranken, sie freiten und ließen sich freien, bis an den Tag, da Noah zu der Arche einging" (Matthäus 24,38) [4]. Der 1. Petrusbrief bezieht die Rettung durchs Wasser auf die Taufe (1. Petrus 3,20 bis 21), der 2. Petrusbrief nennt Noah den "Prediger der Gerechtigkeit" (2. Petrus 2,5) [2, 4]. Die frühe Kirche deutete die acht Geretteten auf die Taufe; daher kommen achteckige Taufkapellen [1]. Martin Luther hielt an der Geschichtlichkeit der Flut fest [1].

Der Koran erwähnt Noah, arabisch Nuh, an 26 Stellen. Sure 11,25 bis 48 erzählt die Flut. Wie in der Bibel nimmt Noah Tierpaare und seine Familie in das Schiff, dazu die wenigen Gläubigen. Eigen ist der koranischen Fassung ein Sohn Noahs, der nicht mitfährt, sich auf einen Berg retten will und ertrinkt (Sure 11,42 bis 43) [2]. Sure 71 trägt Noahs Namen. Nach islamischer Überlieferung landete das Schiff auf dem Berg al-Dschudi, nicht auf dem Ararat [2]. Wie der Koran die Propheten insgesamt darstellt, zeigt die Seite Die Propheten im Koran auf koran.domain-root.de. Die biblischen Propheten stellt die Seite Die Propheten des Alten Testaments vor.

  1. Sintflut. Wikipedia. Stand 19.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
  2. Noach. Wikipedia. Stand 22.01.2026. abgerufen am 29.10.2026
  3. Arche Noah. Wikipedia. Stand 24.10.2026. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.