Personen der BibelRatgeber
Der Apostel Paulus: Leben, Reisen und Briefe
Paulus, mit hebräischem Namen Saulus, war ein griechischsprachiger Jude aus Tarsus, der zuerst die Christen verfolgte und sich dann als Apostel der Heiden verstand. Die Apostelgeschichte erzählt von seinen Reisen durch Kleinasien und Griechenland und von seiner Gefangenschaft bis nach Rom. Sieben der dreizehn Briefe unter seinem Namen gelten in der Forschung als sicher von ihm.

Von Paulus sind eigene Briefe erhalten, und die Apostelgeschichte erzählt ab Kapitel 13 fast durchgehend von ihm. Seine Briefe nennt der Wikipedia-Artikel über ihn "Quellen von einmaligem Rang" [1]. Er stellt sich darin so vor: "Paulus, ein Knecht Jesu Christi, berufen zum Apostel" (Römer 1,1) [2]. Zitiert wird nach der Lutherbibel von 1912 [2].
Briefe und Apostelgeschichte als Quellen
Für das Leben des Paulus gibt es zwei Arten von Quellen: seine eigenen Briefe und die Erzählung der Apostelgeschichte. Sie stimmen nicht in allem überein. Der Galaterbrief nennt zwei Besuche in Jerusalem, die Apostelgeschichte drei. Die Zeit in Arabien und der Streit mit Petrus in Antiochia fehlen in der Apostelgeschichte [1]. Wie man damit umgeht, ist in der Forschung verschieden [1]:
- Jürgen Roloff verlangt, die Angaben der Apostelgeschichte kritisch an den Selbstaussagen der Briefe zu prüfen.
- Udo Schnelle sieht die Apostelgeschichte in ihren Grundzügen durch die Briefe bestätigt.
- Andreas J. Köstenberger hält bei Abweichungen die älteren Briefe für zuverlässiger, nutzt aber die zusätzlichen Angaben der Apostelgeschichte.
Herkunft, Name und Ausbildung
In der Apostelgeschichte sagt Paulus von sich: "Ich bin ein jüdischer Mann, geboren zu Tarsus in Zilizien und erzogen in dieser Stadt zu den Füßen Gamaliels" (Apostelgeschichte 22,3) [2]. In einem seiner Briefe beschreibt er sich als "des Geschlechts Benjamin, ein Hebräer von Hebräern und nach dem Gesetz ein Pharisäer" (Philipper 3,5) [2]. Geboren wurde er vermutlich vor dem Jahr 10. Die Schätzung stützt sich unter anderem darauf, dass er sich im Philemonbrief einen alten Mann nennt [1]. Einige Forscher, etwa Helmut Koester, bezweifeln einen längeren Aufenthalt zum Studium in Jerusalem und vermuten eine Bildung im Judentum außerhalb Palästinas [1].

Nach der Apostelgeschichte war er römischer Bürger von Geburt an: "Ich bin aber auch römisch geboren" (Apostelgeschichte 22,28) [2]. Den Beruf nennt nur die Apostelgeschichte. Bei Luther 1912 heißt es über ihn und seine Gastgeber in Korinth: "Sie waren aber des Handwerks Teppichmacher" (Apostelgeschichte 18,3) [2]. Der Wikipedia-Artikel gibt den Beruf als Zeltmacher wieder. Paulus selbst schreibt nur, dass er mit eigenen Händen arbeitete [1].
Zum Namen: Die Apostelgeschichte nennt ihn zuerst Saulus und führt den Namen Paulus erst in Kapitel 13 nebenbei ein: "Saulus aber, der auch Paulus heißt" (Apostelgeschichte 13,9) [2]. Nach Wikipedia hängt der Namenswechsel nicht mit seiner Bekehrung zusammen, wie es die Redewendung "vom Saulus zum Paulus" nahelegt. In seinen eigenen Briefen nennt er sich nur Paulus [1].
Der Verfolger und das Erlebnis vor Damaskus
Paulus schreibt selbst, dass er "über die Maßen die Gemeinde Gottes verfolgte und verstörte" (Galater 1,13) [2]. Die Apostelgeschichte erzählt, er sei mit Briefen des Hohenpriesters nach Damaskus gezogen, um Anhänger Jesu gefangen nach Jerusalem zu bringen. Vor der Stadt "umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel", und er hörte die Stimme: "Saul, Saul, was verfolgst du mich?" (Apostelgeschichte 9,3 bis 4) [2]. Drei Tage lang konnte er nicht sehen, dann wurde er in Damaskus getauft (Apostelgeschichte 9,9 bis 18).
Paulus selbst beschreibt das Ereignis anders. Im Galaterbrief spricht er von einer Offenbarung und von seiner Berufung, das Evangelium "unter den Heiden" zu verkündigen (Galater 1,16) [2]. Wikipedia betont diesen Unterschied: Die Apostelgeschichte schildere eine Bekehrung des Verfolgers, Paulus eine Berufung zum Apostel der Heiden [1]. Datiert wird das Ereignis auf etwa 33 oder auf 31/32, je nach Chronologie [1]. Danach zog er nach eigener Angabe "nach Arabien und kam wiederum gen Damaskus" (Galater 1,17). Aus Damaskus musste er fliehen und wurde "in einem Korbe zum Fenster hinaus durch die Mauer niedergelassen" (2. Korinther 11,33) [2].
Die Reisen
Die Apostelgeschichte erzählt von drei großen Reisen, die man Missionsreisen nennt. Viele Ausleger halten auch die erste davon trotz Widersprüchen für sehr wahrscheinlich [1]. Die Jahreszahlen folgen dem Wikipedia-Artikel und sind Näherungen [1]:

| Reise | Stationen | Zeit |
|---|---|---|
| Erste Reise (Apostelgeschichte 13 und 14) | Zypern, Pamphylien, Pisidien, Lykaonien | um 47 |
| Zweite Reise (Apostelgeschichte 15,36 bis 18,22) | Derbe, Lystra, Philippi, Thessalonich, Beröa, Athen, Korinth | etwa 49/50 bis 52 |
| Dritte Reise (Apostelgeschichte 18,23 bis 21,17) | Ephesus (etwa 52 bis 55), Troas, Makedonien, Korinth | etwa 52 bis 56 |
Zwischen der ersten und der zweiten Reise steht das Treffen in Jerusalem, das man Apostelkonzil nennt (Apostelgeschichte 15). Es wird traditionell auf das Frühjahr 48 datiert. Ob es dasselbe Treffen ist, von dem Paulus in Galater 2 berichtet, ist umstritten. Eine andere Annahme setzt Galater 2 mit dem Besuch in Apostelgeschichte 11,27 bis 30 gleich [1]. In Athen lässt die Apostelgeschichte Paulus auf dem Gerichtsplatz reden. Er knüpft dort an einen Altar mit der Aufschrift "Dem unbekannten Gott" an (Apostelgeschichte 17,23) [2]. Was die Reisen kosteten, beschreibt Paulus in einer langen Aufzählung: "dreimal Schiffbruch erlitten, Tag und Nacht habe ich zugebracht in der Tiefe des Meers" (2. Korinther 11,25) [2]. Die Erzählung im Ganzen stellt die Seite Die Apostelgeschichte vor.
Gefangenschaft, Romreise und Tod
Nach der Apostelgeschichte wurde Paulus in Jerusalem festgenommen und zum Landpfleger Felix nach Caesarea gebracht. Wikipedia datiert das auf das Frühjahr 56 und die Haft in Caesarea auf 56 bis 58 [1]. Als Festus an Felix' Stelle trat, berief sich Paulus auf den Kaiser: "Ich berufe mich auf den Kaiser!" (Apostelgeschichte 25,11) [2]. Auf der Fahrt nach Italien erleidet das Schiff Schiffbruch, die Insel heißt bei Luther "Melite" (Apostelgeschichte 28,1). Die These von Heinz Warnecke, das Schiff sei auf Kefalonia statt auf Malta gestrandet, wird laut Wikipedia weithin abgelehnt [1]. In Rom blieb Paulus nach dem letzten Kapitel "zwei Jahre in seinem eigenen Gedinge" und predigte (Apostelgeschichte 28,30) [2]. Wie das Reich damals aussah, beschreibt geschichte.domain-root.de auf der Seite Das Römische Reich.

Über seinen Tod schweigt das Neue Testament. Der 1. Clemensbrief spricht von seinem Martyrium. Das Martyrium des Paulus, eine Schrift aus den Jahren 160 bis 180, lässt ihn unter Nero in Rom enthaupten. Eusebius berichtet, er sei nach einer ersten Haft freigekommen und später hingerichtet worden. Wikipedia hält eine Hinrichtung in Rom zwischen 64 und 68 für am wahrscheinlichsten, die Quellenlage bleibt aber unsicher [1]. Sein Grab wird in der Basilika San Paolo fuori le mura verehrt. Ein dort gefundener Sarkophag wurde 2009 geöffnet. Die Knochen stammen aus dem 1. oder 2. Jahrhundert, eine eindeutige Zuordnung ist damit nicht belegt [1].
Die Briefe des Paulus
Im Neuen Testament tragen 13 Briefe den Namen des Paulus. Sieben davon gelten als unstrittig echt [1]:
| Gruppe | Briefe |
|---|---|
| unstrittig von Paulus | Römer, 1. Korinther, 2. Korinther, Galater, Philipper, 1. Thessalonicher, Philemon |
| nach Mehrheitsmeinung nicht von Paulus | Epheser, Kolosser, 2. Thessalonicher |
| Pastoralbriefe, nach Mehrheitsmeinung nicht von Paulus | 1. Timotheus, 2. Timotheus, Titus |
Die sechs Briefe der zweiten und dritten Gruppe ordnet die Mehrheit der Forschung als Schriften unter fremdem Namen ein, möglicherweise von Schülern des Paulus. Hans Conzelmann und Andreas Lindemann halten eine Abfassung der Pastoralbriefe nach einer ersten Haft in Rom für denkbar, sehen aber die Argumente gegen die Echtheit als stärker an. Den Hebräerbrief, der keinen Verfasser nennt, schreibt die heutige Forschung weitgehend nicht mehr Paulus zu [1]. Am Ende einiger Briefe betont Paulus, dass er den Gruß selbst schreibt: "Ich, Paulus, grüße euch mit meiner Hand" (1. Korinther 16,21) [2]. Einer der bekanntesten Sätze steht im 1. Korintherbrief: "Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen" (1. Korinther 13,13) [2].
Wirkung
Paulus wird von allen christlichen Konfessionen geachtet, besonders im Protestantismus. Augustinus, Martin Luther und Karl Barth knüpften an seine Lehre an [1]. Seit der historisch-kritischen Bibelauslegung im 18. Jahrhundert gilt er vielen als der eigentliche Gründer des Christentums. Andere, etwa Friedrich Wilhelm Horn und Markus Tiwald, bestreiten das. Kritik kam unter anderem von Friedrich Nietzsche, der ihm eine Verfälschung der Botschaft Jesu vorwarf [1]. Seine Lehre und die Abkehr von jüdischen Ritualvorschriften trugen nach Wikipedia zur Trennung des Christentums vom Judentum bei. In Römer 9 bis 11 hält Paulus dabei am Vorrang Israels fest [1]. Wie sich das Christentum danach im Römischen Reich ausbreitete, beschreibt die Seite Die Ausbreitung des Christentums. Sein Verhältnis zu Petrus und den übrigen Aposteln erklären die Seiten Petrus und Die zwölf Apostel.
- Paulus von Tarsus. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
Weitere Artikel
PersonenFrauen in der BibelSara, Rahel, Mirjam, Debora, Ruth, Esther und Maria Magdalena: was die Bibel von ihnen erzählt, wo die Stellen stehen und …
PersonenAbraham, Isaak und JakobAbraham, Isaak und Jakob in 1. Mose 12 bis 50: was die Erzählungen berichten, wer die Erzmütter sind, wie alt die Texte sind …