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Die Bergpredigt und die Seligpreisungen

Die Bergpredigt ist die Rede Jesu in Matthäus 5,1 bis 7,29. Sie beginnt mit neun Seligpreisungen ("Selig sind ...") und enthält unter anderem die sechs Antithesen, das Vaterunser und die Goldene Regel. Eine kürzere Fassung mit vier Seligpreisungen und vier Weherufen steht als Feldrede in Lukas 6.

Ein sanfter grasbewachsener Hang fällt im weichen Morgenlicht zu einem ruhigen See ab, davor Steine und Wildblumen
Bild: KI-generiert

Die Bergpredigt ist die erste große Rede Jesu im Matthäusevangelium. Sie umfasst die Kapitel 5 bis 7 und beginnt mit dem Satz "Da er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm" (5,1) [3]. Matthäus hat nach der deutschen Wikipedia einzeln überlieferte Sprüche zu einer zusammenhängenden Rede auf einem Berg verbunden. Mit dem Berg stellt er einen Bezug zum Sinai und zu Mose her [1]. Eine kürzere Parallele steht im Lukasevangelium. Dort spricht Jesus auf einem Platz im Feld, deshalb heißt dieser Text Feldrede [1, 3]. Zitiert wird nach der Lutherbibel von 1912.

Aufbau der Rede

Die deutsche Wikipedia gliedert die Bergpredigt so [1]:

VerseInhalt
5,3 bis 12Seligpreisungen
5,13 bis 16Salz der Erde und Licht der Welt
5,17 bis 20Gesetz und Propheten
5,21 bis 48sechs Antithesen
6,1 bis 18Almosen, Gebet und Fasten, in der Mitte das Vaterunser (6,9 bis 13)
6,19 bis 34Reichtum und Sorge
7,1 bis 12Richten, Bitten und die Goldene Regel (7,12)
7,13 bis 27enge Pforte, falsche Propheten, Haus auf Fels oder Sand
7,28 bis 29Wirkung auf die Zuhörer

Die Seligpreisungen bei Matthäus

Am Anfang stehen Sätze, die alle mit "Selig" beginnen. Die Form heißt nach dem griechischen Wort makarios Makarismus. Das Wort bedeutet "selig" oder "glücklich" [2]. Bei Matthäus sind es neun Seligpreisungen in 5,3 bis 12 [1, 2]. Die ersten acht sprechen in der dritten Person über bestimmte Menschen, die neunte redet die Zuhörer direkt an [3]:

Wilde Lilien und Gräser auf einem sonnigen Feld, darüber fliegen einige kleine Vögel im warmen Licht
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  • "Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr" (5,3)
  • "Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden" (5,4)
  • "Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen" (5,5)
  • "Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden" (5,6)
  • "Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen" (5,7)
  • "Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen" (5,8)
  • "Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen" (5,9)
  • "Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das Himmelreich ist ihr" (5,10)
  • "Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen" (5,11)

Die erste und die achte Seligpreisung enden mit derselben Verheißung, "denn das Himmelreich ist ihr" [3]. Seligpreisungen gibt es schon im Alten Testament. Die deutsche Wikipedia zählt im Tanach 46, davon 27 in den Psalmen, und nennt als Beispiel Psalm 1,1 [2]. Dort heißt es: "Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen" (Psalm 1,1) [3].

Die Feldrede bei Lukas

Lukas erzählt, Jesus sei mit den Jüngern hinuntergegangen und "trat auf einen Platz im Felde" (Lukas 6,17) [3]. Seine Rede in 6,20 bis 49 ist kürzer und beginnt mit vier Seligpreisungen, die die Zuhörer direkt ansprechen: "Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer" (Lukas 6,20). Es folgen die Hungernden, die Weinenden und die Gehassten (Lukas 6,21 bis 22) [3]. Darauf stehen vier Weherufe als Gegenstück, etwa "Aber dagegen weh euch Reichen! denn ihr habt euren Trost dahin" (Lukas 6,24) [3].

Nach der Zweiquellentheorie gehen Bergpredigt und Feldrede auf eine verlorene Spruchsammlung zurück, die die Forschung Logienquelle Q nennt [1]. Mindestens drei Seligpreisungen, die über Armut, Hunger und Trauer, gelten nach der deutschen Wikipedia als echte Jesusworte aus dieser Quelle. Die Fassung bei Lukas wird oft für die ältere gehalten [2]. Wo Lukas schlicht von den Armen spricht, schreibt Matthäus "geistlich arm". Der Artikel sieht darin eine spätere Tendenz zur Vergeistigung. Traditionell wird die Stelle geistlich gedeutet, sozialgeschichtliche Auslegungen verstehen Armut materiell [2].

Salz, Licht und das Gesetz

Nach den Seligpreisungen spricht Jesus die Jünger mit zwei Bildern an: "Ihr seid das Salz der Erde" (5,13) und "Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein" (5,14) [3]. Dann folgt ein Satz über das jüdische Gesetz, die Tora: "ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen" (5,17). Die deutsche Wikipedia versteht die Bergpredigt deshalb als Auslegung der Tora und nicht als neues Gesetz [1].

Eine kleine brennende Öllampe aus Ton auf einem Steinsims neben einer Schale mit grobem Salz
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Die sechs Antithesen

In 5,21 bis 48 stellt Jesus sechsmal ein überliefertes Gebot neben eine eigene Weisung. Jede Antithese beginnt mit einer Form von "Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist" (5,21) und setzt mit "Ich aber sage euch" fort (5,22) [1, 3]. Die Themen sind Töten und Versöhnung, Ehebruch, Ehescheidung, Schwören, Vergeltung und Feindesliebe [1].

Zur Vergeltung zitiert Jesus den überlieferten Satz "Auge um Auge, Zahn um Zahn" (5,38). Die Weisung lautet, wer einen Schlag auf die rechte Backe bekomme, solle die andere auch hinhalten (5,39) [3]. Die letzte Antithese gilt der Feindesliebe: "Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen" (5,44). Der Abschnitt endet mit "Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist" (5,48) [3]. Wie das Gebot der Nächstenliebe im Alten und Neuen Testament vorkommt, zeigt die Seite Nächstenliebe und das höchste Gebot.

Vaterunser, Sorgen und die Goldene Regel

Kapitel 6 warnt davor, Almosen, Gebet und Fasten vor anderen zur Schau zu stellen. In seiner Mitte steht das Vaterunser mit der Einleitung "Darum sollt ihr also beten: Unser Vater in dem Himmel! Dein Name werde geheiligt" (6,9) [1, 3]. Wortlaut und Herkunft des Gebets erklärt die Seite Das Vaterunser in der Bibel.

Danach geht es um Besitz und Sorge: "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon" (6,24). Jesus verweist auf die Vögel, die nicht säen und nicht ernten, und auf die Lilien auf dem Feld (6,26 bis 28) [3]. Am Ende steht der Satz "Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen" (6,33) [3]. Kapitel 7 beginnt mit dem Verbot zu richten. Es folgen die Ermutigung zum Gebet, "Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan" (7,7), und die Goldene Regel: "Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch. Das ist das Gesetz und die Propheten" (7,12) [3]. Bei Lukas steht sie kürzer in 6,31 [3].

Das Ende der Rede

Zum Schluss stehen Bilder für zwei Wege. Eine enge Pforte führt zum Leben, eine weite zur Verdammnis (7,13 bis 14). Vor falschen Propheten warnt Jesus mit dem Satz "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen" (7,16) [3]. Die Rede endet mit dem Vergleich zweier Bauherren. Wer die Worte hört und tut, gleicht einem klugen Mann, "der sein Haus auf einen Felsen baute" (7,24). Wer sie nicht tut, gleicht einem törichten Mann, "der sein Haus auf den Sand baute" (7,26) [3]. Nach der Rede heißt es über die Zuhörer: "Denn er predigte gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten" (7,29) [3].

Ein einfaches Steinhaus steht nach starkem Regen fest auf einem Felsvorsprung neben einem reißenden Bach
Bild: KI-generiert

Wie die Bergpredigt ausgelegt wurde

Ob und wie die Forderungen der Bergpredigt gelten, wurde in der Kirchengeschichte unterschiedlich beantwortet. Die deutsche Wikipedia nennt mehrere Antworten [1]. Die katholische Auslegung bezog manche Forderungen auf die sogenannten evangelischen Räte, die nicht für alle Gläubigen verbindlich sind. Die lutherische Reformation antwortete mit der Zwei-Reiche-Lehre. Nach ihr gilt das Evangelium im geistlichen Reich, während im weltlichen Reich noch die Sünde herrscht. Genannt werden auch die Täufer, eine radikalchristliche Bewegung, die verfolgt wurde. Albert Schweitzer sah darin eine Ethik für die kurze Zeit bis zum erwarteten Weltende. Leo Tolstois Buch "Das Himmelreich in euch" beeinflusste Mahatma Gandhi [1]. Mehr über Luther steht auf der Seite Martin Luther auf geschichte.domain-root.de.

Als Ort der Bergpredigt gilt ein Hügel am See Genezareth, der heute Berg der Seligpreisungen heißt. In der Nähe von Tabgha und Kafarnaum steht dort die katholische Kirche der Seligpreisungen [2]. Das Matthäusevangelium selbst nennt den Berg nicht mit Namen [3].

  1. Bergpredigt. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Seligpreisung. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.