Das Neue TestamentRatgeber

Das Evangelium nach Matthäus: Einführung und alle 28 Kapitel

Das Matthäusevangelium ist das erste Buch des Neuen Testaments und hat 28 Kapitel. Es erzählt von Geburt, Wirken, Tod und Auferstehung Jesu und ordnet seine Lehre in fünf große Reden, darunter die Bergpredigt. Die Forschung datiert es meist in die Jahre 80 bis 90 nach Christus und hält den Verfasser überwiegend für unbekannt.

Ein staubiger Steinweg führt durch alte Olivenhaine zu einem Dorf aus hellen Steinhäusern auf einem Hügel im Morgenlicht
Bild: KI-generiert

Das Neue Testament beginnt mit einer Ahnenliste: "Dies ist das Buch von der Geburt Jesu Christi, der da ist ein Sohn Davids, des Sohnes Abrahams" (1,1) [4]. Mit diesem Satz setzt das Matthäusevangelium Jesus in die Geschichte Israels und erzählt dann von seiner Geburt, seinem Wirken in Galiläa, seinem Weg nach Jerusalem, seinem Tod und seiner Auferstehung. Bekannt ist es vor allem durch die Bergpredigt mit den Seligpreisungen und dem Vaterunser, durch die Weisen aus dem Morgenland und durch den Auftrag am Schluss, alle Völker zu taufen [1, 4]. Die 28 Kapitel stehen hier in der Lutherbibel von 1912, jedes auf einer eigenen Seite.

Stellung in der Bibel

Matthäus ist das erste der vier Evangelien und zusammen mit Markus und Lukas eines der drei synoptischen Evangelien, die vieles in ähnlicher Reihenfolge erzählen. Die Kirchenväter hielten es für das älteste Evangelium und stellten es deshalb an den Anfang des Kanons [2]. Die heutige Forschung sieht das anders. Nach der verbreiteten Zweiquellentheorie benutzte der Verfasser das Evangelium nach Markus als erzählendes Gerüst und übernahm davon nach der deutschen Wikipedia etwa 80 Prozent. Dazu kommen Worte Jesu aus einer zweiten Quelle, die Matthäus mit Lukas teilt und die Forscher Logienquelle Q nennen, und eigenes Material, das sogenannte Sondergut [1]. Die englische Wikipedia zählt rund 600 Verse, die Matthäus mit Markus gemeinsam hat, und weist darauf hin, dass eine wachsende Zahl von Forschern der Quelle Q skeptisch gegenübersteht [2].

Wer das Evangelium geschrieben hat

Einen Verfasser nennt der Text nicht. Die Überschrift "Evangelium nach Matthäus" kam erst später hinzu [1]. Die altkirchliche Überlieferung denkt an den Zöllner, von dem das Evangelium selbst erzählt: "sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus" (9,9) [1, 4]. Die älteste Nachricht dazu stammt von Papias von Hierapolis, die Eusebius in seiner Kirchengeschichte überliefert. Danach habe Matthäus die Worte Jesu in hebräischer Sprache zusammengestellt [1].

Ein kleiner Steintisch in einer schattigen Marktgasse mit Balkenwaage aus Messing und Gewichten aus Ton unter einem Stoffdach
Bild: KI-generiert

Die Mehrheit der historisch-kritischen Forschung hält den Verfasser für unbekannt und die Notiz des Papias nicht für eine verlässliche historische Auskunft. Ein Argument lautet, dass ein Augenzeuge sich kaum so eng an das Markusevangelium gehalten hätte [1]. Die Einleitung der katholischen Bischofskonferenz der USA schreibt ebenfalls, dass die meisten Forscher die Zuschreibung an den Apostel ablehnen, und verwendet den Namen Matthäus der Einfachheit halber weiter [3]. Eine Minderheit, in der deutschen Wikipedia vertreten durch Gerhard Maier, hält am Apostel als Verfasser fest und beruft sich auf Irenäus von Lyon [1].

Zeit und Ort der Entstehung

Die meisten Forscher datieren das Evangelium bald nach 80 nach Christus, manche auf etwa 90. Als frühestes Datum gilt die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 [1]. Die US-Bischofskonferenz datiert es nach dem Jahr 70, wahrscheinlich mindestens ein Jahrzehnt später, und verweist unter anderem auf das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl, in dem der König die Stadt der Mörder anzünden lässt (22,7) [3, 4]. Gerhard Maier setzt die Entstehung dagegen in die Jahre 55 bis 65 [1].

Die Ruinen einer antiken Säulenstraße an einem breiten Fluss mit zerbrochenen Steinsäulen und Pflasterplatten im Nachmittagslicht
Bild: KI-generiert

Als Ort nennt die Forschung meist den syrischen Raum, häufig Antiochia am Orontes. Auch Caesarea Maritima, Caesarea Philippi und Edessa werden vorgeschlagen [1]. Die englische Wikipedia beschreibt die ersten Leser als griechischsprachige Judenchristen, die noch Teil der jüdischen Gemeinschaft waren [2]. Nach der Einleitung der US-Bischofskonferenz war die Gemeinde anfangs überwiegend judenchristlich und wurde später mehrheitlich heidenchristlich [3]. Wie die Welt damals politisch aussah, beschreibt die Seite Das Römische Reich auf geschichte.domain-root.de.

Die fünf großen Reden

Auffällig ist der Aufbau. Fünfmal sammelt Matthäus Worte Jesu zu einer langen Rede, und fünfmal endet die Rede mit einer fast gleichen Formel, zum ersten Mal nach der Bergpredigt: "Und es begab sich, da Jesus diese Rede vollendet hatte" (7,28) [2, 4]. Dieselbe Wendung steht nach den anderen Reden in 11,1, 13,53, 19,1 und 26,1 [4]. Zwischen den Reden stehen erzählende Abschnitte [3].

Ein grasbewachsener Hang über einem ruhigen See am frühen Morgen, vorne Wildblumen und Felsen, Dunst über dem Wasser
Bild: KI-generiert
KapitelRedeInhalt
5 bis 7BergpredigtSeligpreisungen, Auslegung des Gesetzes, Vaterunser, Goldene Regel
10AussendungsredeAuftrag an die zwölf Jünger
13GleichnisredeSämann, Unkraut, Senfkorn, Schatz im Acker
18GemeinderedeUmgang miteinander, Vergebung
23 bis 25Reden gegen Pharisäer und über die EndzeitWeherufe, Wiederkunft, Gleichnisse vom Gericht

Vor der ersten Rede stehen die Kindheitsgeschichte (Kapitel 1 und 2) und der Beginn des Wirkens Jesu, nach der letzten folgen Passion und Auferstehung (Kapitel 26 bis 28) [1]. Die Einteilung in fünf Reden ist das bekannteste Modell. Die englische Wikipedia erwähnt daneben Gliederungen in drei oder elf Teile [2].

Inhalt im Überblick

Stammbaum und Kindheit (Kapitel 1 und 2)

Der Stammbaum führt von Abraham über David bis zu Josef, dem Mann Marias, und ist in drei Abschnitte geteilt: "Alle Glieder von Abraham bis auf David sind vierzehn Glieder" (1,17) [4]. Anders als Lukas geht Matthäus nicht bis Adam zurück [2]. Die Geburt Jesu deutet das Evangelium mit einem Prophetenwort, dessen Name es übersetzt: "das ist verdolmetscht: Gott mit uns" (1,23) [1, 4]. Dann kommen "die Weisen vom Morgenland nach Jerusalem" (2,1), es folgen die Flucht nach Ägypten und der Kindermord in Bethlehem (2,13 bis 18) [1, 4]. Diese Szenen stehen nur bei Matthäus. Die Seite Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas und Matthäus stellt beide Fassungen nebeneinander.

Taufe, Versuchung und Bergpredigt (Kapitel 3 bis 7)

Johannes der Täufer tauft Jesus im Jordan, und eine Stimme sagt: "Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe" (3,17). Nach der Versuchung in der Wüste beginnt Jesus zu predigen: "Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!" (4,17) [4]. Das Wort Himmelreich steht in der Lutherbibel von 1912 bei Matthäus 31-mal, bei Markus und Lukas kein einziges Mal. Dort heißt es Reich Gottes, etwa in Markus 1,15 [4]. Die Bergpredigt beginnt mit den Seligpreisungen, etwa "Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr" (5,3). Jesus sagt darin über das Gesetz: "ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen" (5,17) [4]. Die deutsche Wikipedia nennt die Forderung einer "besseren Gerechtigkeit" einen Kern der Ethik des Evangeliums (5,20) [1]. In der Bergpredigt stehen auch das Gebot "Liebet eure Feinde" (5,44), das Vaterunser (6,9 bis 13) und die Goldene Regel (7,12) [4]. Mehr dazu auf den Seiten Die Bergpredigt und die Seligpreisungen und Das Vaterunser in der Bibel.

Wunder, Aussendung und Gleichnisse (Kapitel 8 bis 13)

Die Kapitel 8 und 9 reihen Heilungen aneinander. Mitten darin steht die Berufung des Zöllners Matthäus (9,9). In Kapitel 10 schickt Jesus die zwölf Jünger aus, zunächst nur "zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel" (10,6) [4]. In Kapitel 13 erzählt er "mancherlei durch Gleichnisse" (13,3), vom Sämann bis zum Senfkorn [4]. Ab Kapitel 12 folgt die Handlung nach der deutschen Wikipedia weitgehend dem Aufbau des Markusevangeliums [1].

Petrusbekenntnis und Gemeinde (Kapitel 14 bis 18)

Auf die Frage Jesu, für wen die Jünger ihn halten, antwortet Petrus: "Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!" (16,16). Darauf folgt ein Satz, der nur bei Matthäus steht: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde" (16,18) [4]. Im Griechischen klingen der Name Petros und das Wort petra für Fels ähnlich [2]. Nach der deutschen Wikipedia sichert im Matthäusevangelium die Autorität des Petrus die Überlieferung von Jesus [1]. Die Gemeinderede in Kapitel 18 regelt das Zusammenleben und enthält den Satz "wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen" (18,20) [4]. Mehr über den Jünger steht auf der Seite Petrus.

Jerusalem, Endzeitreden und Passion (Kapitel 19 bis 28)

Jesus zieht nach Jerusalem, das Volk ruft "Hosianna dem Sohn Davids!" (21,9). In Kapitel 23 folgen scharfe Weherufe gegen "Schriftgelehrte und Pharisäer" (23,13), in den Kapiteln 24 und 25 Reden über das Ende der Zeit. Dort steht das Gleichnis vom Weltgericht mit dem Satz "Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan" (25,40) [4]. Die Passionsgeschichte erzählt vom letzten Mahl, der Verhaftung, dem Prozess und der Kreuzigung. Am Kreuz ruft Jesus "Eli, Eli, lama asabthani?" (27,46) [4]. Am Ende steht der Auftrag des Auferstandenen: "Darum gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes" (28,19). Der letzte Satz lautet "ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende" (28,20) [1, 4].

Erfüllung der Schrift

Immer wieder unterbricht Matthäus die Erzählung mit dem Hinweis, ein Prophetenwort sei damit eingetroffen. Ein Beispiel ist die Flucht nach Ägypten, die geschah, "auf daß erfüllet würde, was der HERR durch den Propheten gesagt hat" (2,15) [4]. Die Forschung nennt diese Stellen Erfüllungs- oder Reflexionszitate. Einige Exegeten vermuten, dass der Verfasser dafür eine eigene Sammlung von Zitaten benutzte [1]. Nach der US-Bischofskonferenz stellt das Evangelium Jesus so als Messias vor, in dem sich die Verheißungen Israels erfüllen [3].

Matthäus und das Judentum

Das Evangelium betont nach der deutschen Wikipedia die bleibende Bedeutung Israels, kritisiert aber Pharisäer und Schriftgelehrte scharf [1]. Wie diese Kritik zu verstehen ist, wird in der Forschung unterschiedlich beurteilt. Ulrich Luz sieht im Buch selbst einen Antijudaismus angelegt. Matthias Konradt betont dagegen, Matthäus behaupte keine Verwerfung Israels, er ersetze nur die schlechten Autoritäten durch die Jünger Jesu [1]. Die englische Wikipedia hält fest, dass das Evangelium Schriftgelehrte und Pharisäer kritisiert und das Himmelreich als den Juden genommen und der Kirche gegeben darstellt [2]. Im Text steht nach dem Gleichnis von den bösen Weingärtnern der Satz "Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volke gegeben werden, das seine Früchte bringt" (21,43) [4].

Die Kapitel im Überblick

Die Zitate folgen der Lutherbibel von 1912 und ihrer Schreibweise, etwa "daß" und "Säemann". Kapitel 12 hat auf der Kapitelseite einen Vers mehr als die übliche Zählung: Der Schluss von Vers 42 ("hier ist mehr denn Salomo") steht dort noch einmal als eigener Vers 43, mit "als" statt "denn". Ab dieser Stelle liegt jede Versnummer in Kapitel 12 um eins höher als bei eBible.org, Vers 51 entspricht dort Vers 50 [4]. Alle übrigen Kapitel zählen wie üblich. Wer nicht das ganze Evangelium lesen will, beginnt mit den Kapiteln 1 und 2, liest dann die Bergpredigt in Kapitel 5 bis 7 und am Schluss die Kapitel 26 bis 28. Mehr über die Hauptfigur steht auf der Seite Jesus von Nazareth in den Evangelien.

Alle Kapitel: Matthäus

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  7. 7
  8. 8
  9. 9
  10. 10
  11. 11
  12. 12
  13. 13
  14. 14
  15. 15
  16. 16
  17. 17
  18. 18
  19. 19
  20. 20
  21. 21
  22. 22
  23. 23
  24. 24
  25. 25
  26. 26
  27. 27
  28. 28
  1. Evangelium nach Matthäus. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Gospel of Matthew. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Matthew, Introduction (New American Bible, Revised Edition). United States Conference of Catholic Bishops. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.