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Das Vaterunser in der Bibel

Das Vaterunser steht zweimal in der Bibel: in der Bergpredigt in Matthäus 6,9 bis 13 und kürzer in Lukas 11,2 bis 4. Die Lutherbibel von 1912 beginnt mit "Unser Vater in dem Himmel!", die heute in Gottesdiensten gebetete ökumenische Fassung mit "Vater unser im Himmel". Der Schluss "Denn dein ist das Reich" fehlt bei Lukas und in den ältesten Handschriften des Matthäus.

Ein stiller Kapellenraum aus Stein mit einer Holzbank, durch ein kleines Bogenfenster fällt weiches Morgenlicht
Bild: KI-generiert

Das Vaterunser ist nach den Evangelien das Gebet, das Jesus seinen Jüngern beigebracht hat. Das Neue Testament überliefert es zweimal, in der Bergpredigt bei Matthäus (6,9 bis 13) und in einer kürzeren Form bei Lukas (11,2 bis 4) [1, 2]. Christen vieler Konfessionen beten es. Im deutschen Sprachraum sprechen evangelische und katholische Gemeinden denselben Wortlaut, und die Deutsche Bischofskonferenz nennt diese Einheitlichkeit über Konfessionen und Länder hinweg ein wichtiges Argument gegen Änderungen [3]. Dieser gemeinsame Wortlaut weicht von der Lutherbibel von 1912 ab, nach der hier die Bibelstellen zitiert werden [2].

Wo das Vaterunser in der Bibel steht

Bei Matthäus steht das Gebet in der Mitte der Bergpredigt. Vorher warnt Jesus davor, beim Beten Worte zu häufen: "Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden" (Matthäus 6,7). Er begründet das mit dem Satz "Euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe ihr ihn bittet" (Matthäus 6,8) und leitet dann über: "Darum sollt ihr also beten" (Matthäus 6,9) [2]. Wie die übrige Rede aufgebaut ist, erklärt die Seite Die Bergpredigt und die Seligpreisungen.

Ein schmaler Pfad führt im Morgengrauen an Olivenbäumen vorbei zu einer niedrigen Steinmauer über einem nebligen Tal
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Lukas erzählt eine andere Szene. Jesus betet an einem Ort, und als er aufgehört hat, bittet ihn einer der Jünger: "HERR, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte" (Lukas 11,1) [2]. Gemeint ist Johannes der Täufer. Auf das Gebet folgt bei Lukas das Gleichnis vom bittenden Freund in der Nacht. Das vollständige Kapitel steht unter Lukas 11, das Kapitel aus der Bergpredigt unter Matthäus 6.

Die Fassungen bei Matthäus und Lukas

Die Tabelle stellt beide Texte in der Lutherbibel von 1912 nebeneinander [2]. Bei Lukas beginnt das Gebet mit "Unser Vater im Himmel" (Lukas 11,2), bei Matthäus mit "Unser Vater in dem Himmel!" (Matthäus 6,9).

Ein rundes flaches Brot liegt neben einer Tonschale auf einem rauen Holztisch im warmen Seitenlicht
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TeilMatthäus 6,9 bis 13Lukas 11,2 bis 4
Brot"Unser täglich Brot gib uns heute" (Matthäus 6,11)"Gib uns unser täglich Brot immerdar" (Lukas 11,3)
Schuld"Und vergib uns unsere Schuld, wie wir unseren Schuldigern vergeben" (Matthäus 6,12)"Und vergib uns unsre Sünden, denn auch wir vergeben allen, die uns schuldig sind" (Lukas 11,4)
Versuchung"Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel" (Matthäus 6,13)"Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel" (Lukas 11,4)
Lobpreis"Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen" (Matthäus 6,13)fehlt

Die Bitten um den Namen, das Reich und den Willen Gottes lauten in beiden Texten der Lutherbibel von 1912 fast gleich (Matthäus 6,9 bis 10; Lukas 11,2) [2]. Die deutsche Wikipedia zählt in der Fassung des Lukas dagegen nur fünf Bitten und in der des Matthäus sechs oder sieben, je nachdem, ob man "sondern erlöse uns von dem Bösen" als eigene Bitte rechnet [1]. Der Lukastext der Lutherbibel von 1912 ist länger. Er enthält auch die Bitte um den Willen Gottes und den Satz von der Erlösung, und die Deutsche Bischofskonferenz schreibt, bei Lukas beende die Versuchungsbitte das Gebet [2, 3].

Die heutige ökumenische Fassung

Den Wortlaut, der heute in Gottesdiensten gebetet wird, veröffentlichte nach der deutschen Wikipedia 1968 die Arbeitsgemeinschaft für liturgische Texte. Bis auf die umgestellte Anrede "Vater unser" stimmt er mit der Lutherbibel von 1984 überein [1]. Gegenüber älteren katholischen und lutherischen Fassungen heißt es "im Himmel" statt "der du bist im Himmel" und "von dem Bösen" statt "von dem Übel" [1]. Die Tabelle zeigt die Fassung, wie sie das evangelische Sonntagsblatt abdruckt, neben dem Matthäustext von 1912 [2, 5].

Ökumenische FassungLutherbibel 1912, Matthäus 6
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.Unser Vater in dem Himmel! Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.
Unser tägliches Brot gib uns heute,Unser täglich Brot gib uns heute.
und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.Und vergib uns unsere Schuld, wie wir unseren Schuldigern vergeben.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Martin Luther hat das Gebet in seinem Kleinen Katechismus von 1529 in eine Anrede, sieben Bitten und einen "Beschluss" gegliedert. Die siebente Bitte ist dort "Sondern erlöse uns von dem Bösen", der Beschluss der Lobpreis mit dem Amen [1, 4]. Das "Brot" der vierten Bitte deutete Luther nach der deutschen Wikipedia umfassend als alles, was der Mensch für Leib und Leben braucht [1]. Mehr über ihn steht auf der Seite Martin Luther auf geschichte.domain-root.de.

Woher der Schluss "Denn dein ist das Reich" stammt

Der Lobpreis am Ende, in der Fachsprache Doxologie, fehlt bei Lukas und in den ältesten Handschriften des Matthäusevangeliums. Nach der deutschen Wikipedia wurde er später ergänzt, wohl damit das Gebet im Gottesdienst einen festen Abschluss hat [1]. Eine frühe Spur führt zur Didache, einer christlichen Schrift aus der Zeit um 100 nach Christus, die auch "Lehre der zwölf Apostel" heißt. Das Katholische Bibelwerk nennt sie als Herkunft des Zusatzes. Sie empfiehlt, das Vaterunser dreimal am Tag zu beten [1, 6].

Die Lutherbibel von 1912 druckt den Lobpreis als Teil von Matthäus 6,13 [2]. In der katholischen Messe gehört er nach der deutschen Wikipedia erst seit der Neuordnung der Messe von 1969 zur Liturgie. Seitdem folgt er dort auf ein Zwischengebet des Priesters, den sogenannten Embolismus [1].

Die Bitte um Bewahrung vor der Versuchung

Über die Zeile "Und führe uns nicht in Versuchung" wird seit einigen Jahren diskutiert. Papst Franziskus wies in einem Interview darauf hin, die wörtliche Übersetzung könne so missverstanden werden, als wolle Gott selbst das Böse [3]. Die französischen Bischöfe änderten ihre Fassung 2017. Den neuen Sinn gibt die Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz mit "Und lass uns nicht in Versuchung geraten" wieder, eine freiere Umschreibung des griechischen Textes [3, 7]. Die italienische katholische Kirche änderte die Bitte im November 2020, sinngemäß ins Deutsche übersetzt zu "Überlasse uns nicht der Versuchung" [1].

Ein schmaler steiniger Wüstenpfad windet sich in der Dämmerung zwischen niedrigen Hügeln, lange Schatten fallen
Bild: KI-generiert

Die Deutsche Bischofskonferenz behielt den Wortlaut am 25.01.2018 bei. Ihre Glaubenskommission begründete das damit, dass "Und führe uns nicht in Versuchung" eng am griechischen Wortlaut von Matthäus 6,13 und Lukas 11,4 bleibe und mit der lateinischen Vulgata übereinstimme. Dazu kämen ökumenische Gründe [3]. Sie verweist auf den Jakobusbrief, nach dem Gott niemanden versucht. In der Lutherbibel von 1912 heißt es dort: "er selbst versucht niemand" (Jakobus 1,13) [2, 3]. Aus dem antiken Judentum führt die Stellungnahme hebräische Gebete an, deren Wendungen der griechischen Versuchungsbitte genau entsprechen [3].

Nach demselben Text hat Jesus das Gebet auf Aramäisch oder Hebräisch gelehrt. Diese Fassung ist nicht erhalten, und eine Rückübersetzung aus dem Griechischen rekonstruiert nicht den Wortlaut Jesu [3]. Das Katholische Bibelwerk verweist auf das aramäische Wort "Abba" für Vater, mit dem Jesus Gott nach Markus 14,36 am Ölberg anredet [6].

Aufbau und Alter des Gebets

Das Katholische Bibelwerk teilt das Gebet in die Anrede und zwei Strophen. Die erste enthält Bitten, die sich mit "dein" an Gott richten, die zweite Bitten mit "uns" für die Betenden [6]. Ähnlich unterscheidet die Deutsche Bischofskonferenz Du-Bitten und Wir-Bitten [3]. Die kürzere Fassung des Lukas gilt beiden Quellen als die ältere. Die deutsche Wikipedia begründet das damit, dass das Gebet im Lauf der Überlieferung eher ergänzt als gekürzt worden sei [1, 6]. In der Forschung wird es der Logienquelle Q zugeordnet, einer erschlossenen Sammlung von Jesusworten, aus der Matthäus und Lukas neben dem Markusevangelium geschöpft haben sollen [1].

Wie der Koran vom Gebet spricht, beschreibt die Seite Das Gebet im Koran. Weitere Texte aus dem Leben Jesu stellt der Bereich Themen der Bibel vor, sein Leben in den Evangelien die Seite Jesus von Nazareth.

  1. Vaterunser. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Zur aktuellen Diskussion über die Vaterunser-Bitte "Und führe uns nicht in Versuchung", Stellungnahme der Glaubenskommission. Deutsche Bischofskonferenz. Stand 25.01.2018. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Der Kleine Katechismus Dr. Martin Luthers. evangelisch.de. Stand 15.09.2012. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Gebet: Vaterunser. Sonntagsblatt. Stand 17.09.2021. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Das Vaterunser: Kurzerklärung (Anneliese Hecht). Katholisches Bibelwerk. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Keine Änderung des Vaterunser. evangelisch.de. Stand 25.01.2018. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.