Themen der BibelRatgeber
Adam und Eva und der Sündenfall
Die Erzählung von Adam und Eva steht im 1. Buch Mose in 2,4 bis 3,24. Gott setzt den Menschen in den Garten Eden und verbietet ihm, vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen; die Frau isst auf Rat der Schlange davon, gibt ihrem Mann, und beide werden aus dem Garten gewiesen. Das Wort "Sündenfall" ist ein späterer Begriff der christlichen Auslegung und kommt im Bibeltext nicht vor.

Die Geschichte von Adam und Eva steht im 1. Buch Mose direkt nach dem Bericht von den sieben Schöpfungstagen. Sie reicht von 2,4 bis 3,24 und erzählt, wie Gott den Menschen formt, ihn in einen Garten setzt, ihm eine Frau zur Seite stellt und beide wieder aus dem Garten weist. Im Christentum heißt der zweite Teil "Sündenfall". Das Wort selbst kommt in der Lutherbibel nicht vor [5]. Zitiert wird nach der Lutherbibel von 1912, deren Text gemeinfrei ist.
Der Garten Eden in 1. Mose 2
Die Erzählung setzt neu ein. Noch wächst nichts, "und es war kein Mensch, der das Land baute" (2,5). Gott der HERR formt den Menschen aus einem Erdenkloß und bläst ihm den Lebensatem ein (2,7). Dann heißt es: "Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Morgen und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte" (2,8) [5]. In der Mitte stehen zwei besondere Bäume, "den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen" (2,9). Ein Strom geht von Eden aus und teilt sich in vier Arme: Pison, Gihon, Hiddekel und Euphrat (2,10 bis 14) [5].

Der Mensch soll den Garten bebauen, "daß er ihn baute und bewahrte" (2,15). Er darf von allen Bäumen essen, nur nicht vom Baum der Erkenntnis, "denn welches Tages du davon ißt, wirst du des Todes sterben" (2,17) [5]. Danach sagt Gott: "Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei" (2,18). Zuerst bringt er die Tiere zum Menschen, der ihnen Namen gibt, aber unter ihnen findet sich keine passende Gehilfin (2,19 bis 20). Gott lässt den Menschen in tiefen Schlaf fallen, nimmt eine Rippe und baut daraus die Frau (2,21 bis 22) [5]. Der Mensch sagt über sie: "man wird sie Männin heißen, darum daß sie vom Manne genommen ist" (2,23). Das Kapitel endet mit dem Satz "Und sie waren beide nackt, der Mensch und das Weib, und schämten sich nicht" (2,25) [5].
Luther gibt mit "Männin" ein hebräisches Wortspiel wieder. Mann heißt dort isch, Frau ischa. Die beiden Wörter klingen ähnlich, sind sprachlich aber nicht verwandt [1]. Für das Wort, das Luther mit "Rippe" übersetzt, nennt die deutsche Wikipedia auch die Bedeutung "Seite" [1].
Die Schlange und die verbotene Frucht
Kapitel 3 beginnt mit der Schlange, die "listiger denn alle Tiere auf dem Felde" ist (3,1). Sie fragt die Frau: "Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von den Früchten der Bäume im Garten?" (3,1). Die Frau antwortet, nur vom Baum in der Mitte dürften sie nicht essen und ihn nicht einmal anrühren (3,2 bis 3). Die Schlange widerspricht: "Ihr werdet mitnichten des Todes sterben" (3,4), vielmehr würden ihnen die Augen aufgehen, "und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist" (3,5) [5].

Die Frau sieht, dass der Baum gut zu essen und schön anzusehen ist, "und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann auch davon, und er aß" (3,6). Danach erkennen beide, dass sie nackt sind, "und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schürze" (3,7) [5]. Welche Frucht es war, sagt der Text nicht. Der Apfel kommt in 1. Mose 3 nicht vor [5]. Die deutsche Wikipedia führt die spätere Vorstellung auf ein lateinisches Wortspiel zurück: malum heißt "Apfel" und "das Böse". Einen Übersetzungsfehler der lateinischen Bibel (Vulgata) sieht der Artikel darin nicht [1].
Verhör, Strafworte und Vertreibung
Als Gott am Abend durch den Garten geht, verstecken sich die beiden. Hier steht in der Lutherbibel zum ersten Mal der Name Adam (3,8) [5]. Gott ruft ihn: "Wo bist du?" (3,9). Adam verweist auf die Frau, die Frau auf die Schlange: "Die Schlange betrog mich also, daß ich aß" (3,13) [5]. Darauf folgen drei Strafworte. Die Schlange soll auf dem Bauch gehen, und Gott sagt: "Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und ihrem Samen" (3,15). Die Frau soll mit Schmerzen Kinder gebären, "und er soll dein Herr sein" (3,16). Über den Mann heißt es: "Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen" (3,19), und weiter: "Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden" (3,19) [5].

Erst jetzt erhält die Frau ihren Namen: "Und Adam hieß sein Weib Eva, darum daß sie eine Mutter ist aller Lebendigen" (3,20). Gott macht beiden "Röcke von Fellen" (3,21) [5]. Dann sagt er: "Siehe, Adam ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist" (3,22). Damit der Mensch nicht auch vom Baum des Lebens isst, weist Gott ihn aus dem Garten und stellt "die Cherubim mit dem bloßen, hauenden Schwert" vor den Eingang (3,24) [5]. In Kapitel 4 bekommen Adam und Eva die Söhne Kain und Abel, nach 5,3 auch Seth. Adams Lebensalter gibt 5,5 mit "neunhundertunddreißig Jahre" an [5].
Was die Namen bedeuten
Das hebräische Wort adam bedeutet "Mensch" und klingt an adama an, das Wort für Erde und Erdboden [1]. Der Text spielt selbst damit, wenn er sagt, der Mensch werde zu der Erde, "davon du genommen bist" (3,19) [5]. Bei Eva, hebräisch chawwa, ist die Herkunft umstritten. Die deutsche Wikipedia nennt eine Ableitung im Sinn von "die ins Leben Rufende" und eine von einem Wort für "Schlange". Die griechische Übersetzung, die Septuaginta, gibt den Namen mit Zoë wieder, "Leben" [1].
Eden wird mit "Wonne" oder "Wonneland" übersetzt. In 2,8 ist Eden zunächst ein Land, in dem der Garten liegt. Das Wort Paradies stammt aus dem Altiranischen und bezeichnete ein eingehegtes Gebiet. Die Septuaginta nennt den Garten parádeisos [4]. In der Lutherbibel steht "Paradies" nur dreimal, alle drei Stellen im Neuen Testament (Lukas 23,43, 2. Korinther 12,4, Offenbarung 2,7) [5]. Für die Lage des Gartens gibt es viele Vorschläge. Der Euphrat wird in der Regel genannt, beim Hiddekel denken die meisten an den Tigris, gesichert ist das nicht. Für Gihon und Pison reichen die Vorschläge vom Nil und Ganges bis zu Flüssen im Iran und weiteren Strömen. Die Flussbeschreibung in 2,10 bis 14 hält die deutsche Wikipedia wahrscheinlich für eine spätere Ergänzung [4].
Zwei Schöpfungserzählungen hintereinander
Wer 1. Mose 1 und 2 nacheinander liest, bemerkt Unterschiede. In Kapitel 1 entstehen Mann und Frau gemeinsam am sechsten Tag: "und schuf sie einen Mann und ein Weib" (1,27) [5]. In Kapitel 2 formt Gott zuerst den Mann, dann den Garten und die Tiere und zuletzt die Frau. Die Bibelwissenschaft sieht darin zwei ursprünglich voneinander unabhängige Erzählungen. Die erste, 1,1 bis 2,4a, rechnet sie der Priesterschrift zu und datiert sie auf etwa 550 vor Christus [3]. Die zweite heißt in der Forschung nach einer vermuteten Quellenschrift "jahwistisch" oder "nicht-priesterschriftlich". Früher wurde sie ins 10. Jahrhundert vor Christus gesetzt. Diese frühe Datierung gilt heute als aufgegeben. Die deutsche Wikipedia schreibt die Paradieserzählung 2,4b bis 3,24 einem "weisheitlichen Erzähler" zu [3]. Die erste Erzählung behandelt die Seite Die Schöpfungsgeschichte in 1. Mose 1 und 2.
Die deutsche Wikipedia zählt die Erzählung zu vier Verfehlungsgeschichten der Urgeschichte, zusammen mit dem Brudermord Kains (Kapitel 4), den Gottessöhnen und Menschentöchtern (Kapitel 6) und dem Turmbau zu Babel (Kapitel 11) [2]. Als ältere Erzählungen aus dem Alten Orient nennt der Artikel über Adam und Eva das Atraḫasis-Epos aus der Zeit um 1800 vor Christus. Außerdem verweist er auf Tontafeln aus Ugarit aus dem 13. Jahrhundert vor Christus, in denen eine Schlange am Baum des Lebens vorkommt [1].
Deutungen in Judentum, Christentum und Islam
Nach der deutschen Wikipedia sind die Begriffe Erbsünde und Sündenfall der jüdischen Auslegung fremd. Sie betont Freiheit und Verantwortung des Menschen. Manche rabbinischen Deutungen verstehen das Essen vom Baum als Schritt zur Reife [2]. Aus 2,18 leitet die rabbinische Tradition die Pflicht zur Ehe ab [1].
Im Neuen Testament greift Paulus die Erzählung auf. Er schreibt, "wie durch einen Menschen die Sünde ist gekommen in die Welt und der Tod durch die Sünde" (Römer 5,12), und stellt Adam Christus gegenüber: "Denn gleichwie sie in Adam alle sterben, also werden sie in Christo alle lebendig gemacht werden" (1. Korinther 15,22) [5]. Aus dieser Paulusdeutung entwickelte Augustinus die Lehre von der Erbsünde [2]. Die lateinische Kirche übernahm sie, die Ostkirche kennt sie nach der deutschen Wikipedia nicht [1]. Die christliche Tradition bezieht die Schlange oft auf den Teufel und beruft sich dabei auf die Offenbarung, die von "die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas" spricht (Offenbarung 12,9) [1, 5]. 3,15 wird in christlicher Auslegung als früher Hinweis auf Christus gelesen [2]. Im Text von 1. Mose 3 selbst ist nur von einer Schlange die Rede [5].
Der Koran erzählt die Geschichte ebenfalls. Eva wird dort nicht mit Namen genannt, die islamische Tradition nennt sie Hawwa. Nach der deutschen Wikipedia gilt das Essen im Islam als Fehltritt, den Gott vergibt (Sure 2,37), und die Rolle der Frau als Verführerin fehlt [1]. Einen Vergleich gemeinsamer Erzählungen bietet die Seite Koran und Bibel: gemeinsame Geschichten im Vergleich auf koran.domain-root.de.
Adam und Eva in der Kunst
Für die Darstellung des Paares am Baum nennt die deutsche Wikipedia unter anderem Werke von Albrecht Dürer (1507), Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle (um 1512), Lucas Cranach (um 1518) und Gustav Klimt (um 1917) [1]. Ein Deckengemälde in Hildesheim um 1200 zeigt Eva und Adam als Herrscherpaar. Die Zuweisung der Hauptschuld an Eva ist nach dem Artikel ein Thema der Kunst, gestützt auf eine theologische Sicht, die sich über Jahrhunderte hielt [1]. Wie es nach der Vertreibung weitergeht, erzählen die Seiten über Noah und die Sintflut und über die Frauen in der Bibel.
- Adam und Eva. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Sündenfall. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Schöpfungsgeschichte (Jahwist). Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Garten Eden. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Lutherbibel 1912 (deu1912). eBible.org. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.
Weitere Artikel
ThemenNoah, die Arche und die SintflutDie Sintflut in 1. Mose 6 bis 9 nach Luther 1912: Bau der Arche, Dauer der Flut, Taube und Regenbogen, ältere Flutsagen und …
ThemenDie Zehn GeboteDie Zehn Gebote in 2. Mose 20 und 5.
ThemenBekannte Psalmen und wie man sie liestPsalm 1, 23, 51, 91, 103, 121 und 139 im Wortlaut der Lutherbibel 1912: was sie sagen, wie sie gebaut sind und warum die …
Häufige Fragen zur Bibel und zu dieser SeiteKurze Antworten zur Bibel: wie viele Bücher sie hat, in welchen Sprachen sie entstand, warum Verse verschieden zählen und ob …